lehrerbibliothek.deDatenschutzerklärung
Und der Logos ist Fleisch geworden Kleine Geschichte der christologischen Lehrentwicklung in der Alten Kirche
Und der Logos ist Fleisch geworden
Kleine Geschichte der christologischen Lehrentwicklung in der Alten Kirche




Christian Lange

Herder Verlag
EAN: 9783451024511 (ISBN: 3-451-02451-9)
272 Seiten, hardcover, 14 x 22cm, 2026

EUR 28,00
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Wer war Jesus von Nazaret? Ein besonderer Mensch, ein von Gott gesandter Prophet, der Messias oder gar Gott selbst, der Mensch geworden ist? Von den ersten Tagen des »neuen Weges« an haben sich Menschen diese Frage gestellt.

Das Buch zeichnet die Antworten nach, die im Altertum auf diese Herausforderung gegeben worden sind. Neben einer Darstellung der klassischen christologischen Lehrentwicklung von den ersten Ansatzpunkten im Neuen Testament über die frühen Entwürfe im 2. Jahrhundert, die trinitarischen Diskurse des 4. Jahrhunderts und die eigentliche Christologie vom 5. bis zum 7. Jahrhundert weitet es die Perspektive über den Rahmen des Römischen Reiches und des Christentums hinaus. Lösungsversuche aus dem Reich der Perser kommen ebenso in den Blick wie der Diskurs über Jesus im rabbinischen Judentum oder im Koran. Durch diese innovative Herangehensweise bietet es nicht zuletzt Impulse für eine neue ökumenische und interreligiöse Auseinandersetzung mit der Gestalt Jesu heute.

Christian Lange, geb. 1972, Dr. theol., ist Privatdozent für Kirchengeschichte und Patrologie und Stellvertretender Direktor des Bayerischen Forschungszentrums für Interreligiöse Diskurse an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.
Rezension
Die Christologie ist eine dogmatische Disziplin der Theologie, keine neutestamentliche, - wenngleich sie sicherlich dort ihre Basis hat. Mithin geht es nicht um den historischen Jesus. Person und Botschaft Jesu treten in der Christologie nicht in historisch-bibelwissenschaftlicher Perspektive, sondern vielmehr in der Perspektive des Glaubens in den Blick. Als 2. Teil des Glaubensbekenntnisses (Credo) meint die Christologie die Lehre von Jesus als dem Christus, dem Sohn Gottes, und bildet damit das Zentrum des christlichen Glaubens. Als Inhalt der Dogmatik, die in der Regel trinitarisch angelegt ist, bildet die Christologie den 2. Teil der Glaubenslehre des Christentums: nach der Lehre von Gott (Theologie) und vor der Lehre vom Heiligen Geist (Pneumatologie). Dieser Band bietet eine Geschichte der christologischen Lehrentwicklung in der Alten Kirche, - wovon es etliche gibt. Aber diese Darstellung hat zwei Besonderheiten; sie berücksichtigt die ökumenische (Altorientalisch-orthodoxe Kirchen) und interreligiöse (rabb. Judentum, Islam) Dimension.

Thomas Bernhard, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Kompakte Darstellung der christologischen Lehrentwicklung in der Alten Kirche
Berücksichtigung der ökumenischen (Altorientalische Kirchen) und interreligiösen (rabb. Judentum, Islam) Dimension
Mit zahlreichen Karten und veranschaulichenden Grafiken
Inhaltsverzeichnis
Abkürzungen 9
Vorwort 12

1. Einleitung 15

1.1 Definition: Was ist eigentlich Christologie? 15
1.2 Zeit und Raum der christologischen Diskurse 16
1.3 Die Quellen für die christologischen Diskurse 19
1.4 Synoden als Ort der christologischen Diskurse 27
1.5 Die kirchenpolitischen Kontexte der Diskurse 29
1.6 Die Relevanz der christologischen Diskurse heute 31
1.7 Die Fachbegrifflichkeit in diesem Band 34

2. Der religionsgeschichtliche Kontext: Messiasvorstellungen im biblischen Israel 36

2.1 Methodische Vorbemerkungen 36
2.2 Begriffsbestimmungen: Der „Gesalbte/Christus“ 37
2.3 Weitere „messianische“ Konzepte in kanonischen Schriften des biblischen Israel 38
2.4 Messianische Konzepte in der außer-kanonischen Literatur 42
2.5 Messiaserwartungen in Qumran 47
2.6 Die Erwartung der Wiederkehr des Propheten Elija 48
2.7 Zwischenfazit 50

3. Die christologischen Diskurse im Römischen Reich 51

3.1 Neutestamentliche Ansätze 51
3.1.1 Christologische Ansätze in den Briefen des Saul/Paulus 52
3.1.2 Christologische Ansätze in der Spruchquelle Q 56
3.1.3 Christologische Ansätze im Markusevangelium 58
3.1.4 Christologische Ansätze im Matthäus- und Lukasevangelium 62
3.1.5 Christologische Ansätze im Johannesevangelium 63
3.1.6 Christologische Ansätze in Deuteropaulinischen Briefen 69
3.1.7 Zwischenfazit 71
3.2 Die frühen christologischen Modelle 72
3.2.1 Begriffsbestimmung: Das Ringen um den „Monarchianismus“ 72
3.2.2 Doketistische christologische Ansätze 76
3.2.3 Adoptianistische, dynamistische und pneumatische christologische Ansätze 79
3.2.4 Der Ansatz einer modalistischen Christologie 82
3.2.5 Der Ansatz der Logos-Christologie 84
3.2.6 Zwischenfazit 93
3.3 Ist der Logos Gott? Die Konzile von Nikaia (325) und Konstantinopel (381) 94
3.3.1 Der Anlass: Ein Diskurs über die Auslegung zweier Schriftstellen 94
3.3.2 Eine Anfrage in Alexandreia: Ist der Logos geschaffen oder Schöpfer? 95
3.3.3 Die Antwort des Konzils von Nikaia 100
3.3.4 Weitere christologische Ansätze des 4. Jh. 102
3.3.5 Die Präzisierung der christologischen Fachbegrifflichkeit: Der Neu-Nizänismus 108
3.3.6 Die Durchsetzung des „Neu-Nizänismus“ in der Römischen Reichskirche 114
3.3.7 Die Rezeption des Nicaenums außerhalb des Imperium Romanum 117
3.3.8 Logos und Geist als göttliche Personen 119
3.3.9 Zwischenfazit 126
3.4 Die drei grundlegenden christologischen Modelle 127
3.4.1 Der Gott-Logos „im Fleisch“: Das griechisch-alexandrinische Logos-Sarx-Modell 129
3.4.2 Die eine Person des Gesalbten/Christus: Das griechisch-antiochenische
Logos-Anthrōpos-Modell 135
3.4.3 „Es bewirkt nämlich eine jeder der beiden Naturen“: Das lateinische Zwei-Naturen-Modell 138
3.5 Ist Maria die Mutter Gottes? Der Diskurs um den Theotokos-Titel 141
3.6 Zwischen Nestorianismus und Monophysitismus: Die christologische Formel des Konzils von Chalkedon (451) und ihre Rezeption 147
3.6.1 Die Vorgeschichte des neuerlichen Diskurses 147
3.6.2 Der neue Diskurs bis zum Konzil von Chalkedon 149
3.6.3 Die christologische Formel des Konzils von Chalcedon 151
3.6.4 Die Gründe für die Ablehnung der christologischen Formel von Chalkedon 155
3.7 Die Akzentuierungen von Neu-Chalkedonismus und Miaphysitismus 158
3.7.1 Die Schärfung des miaphysitischen Profils 158
3.7.2 Die kaiserlich sanktionierte Absage an den Monophysitismus 163
3.7.3 Der Neu-Chalkedonismus aus der Ära des Justinianos 166
3.7.4 Die Anerkennung des kyrillischen Modells von der Hypostatischen Union 166
3.7.5 Die theopaschitische Formel 170
3.7.6 Die Lehre von der Enhypostasie 172
3.7.7 Zwischenfazit 175
3.8 Wer wirkt in dem Gesalbten/Christus? Der Diskurs um die Energeia/i 176
3.8.1 Die beiden Aussagen zu der einen oder den zwei Wirkweisen 176
3.8.2 Die miaenergetische Unionspolitik des Herakleios und des Sergios 180
3.8.3 Der eine Wirkende auf der Synode von Zypern (634) 184
3.8.4 Die zwei Willen in dem Gesalbten/Christus: Der Dyotheletismus 188
3.8.5 Zwischenfazit 196

4. Christologische Lehrentwicklungen außerhalb des Römischen Reiches 198

4.1 Nestorianismus in Persien? Der Gesalbte/Christus in der Kirche des Ostens 198
4.2 Gegen Theodoros und Chalkedon: Der Miaphysitismus der armenischen Kirche 202
4.3 Zwischenfazit 204

5. Interreligiös-diskursive Verbindungslinien 206

5.1 Die Reaktion auf die „christliche“ Christologie im Judentum 206
5.2 ʿ Īsā ibn Maryam: Der koranische Gesalbte/Christus 212
5.3 Zwischenfazit 216

6. Ein Ausblick auf christologische Entwicklungen bis zur Gegenwart 218

7. Christologie im modernen ökumenischen Dialog 222

7.1 Dialoge der katholischen Kirche mit altorientalischen Kirchen 223
7.2 Weitere Dialoge zwischen pro-chalkedonensischen und miaphysitischen Kirchen 227
7.3 Zwischenfazit 231

8. Ertrag 232

Anmerkungen 239
Register 263
Über das Buch 271