lehrerbibliothek.deDatenschutzerklärung
Tot ohne Gott Eine neue Kultur des Abschieds
Tot ohne Gott
Eine neue Kultur des Abschieds




Franz Josef Wetz

Alibri Verlag Gunnar Schedel
EAN: 9783865692498 (ISBN: 3-86569-249-4)
309 Seiten, kartoniert, 14 x 20cm, Oktober, 2019

EUR 20,00
alle Angaben ohne Gewähr

Rezension
Der Philosoph Franz Josef Wetz beschäftigt sich in dieser lesenswerten Publikation mit den Fragen nach der Endlichkeit des Lebens. Er tut das aus einer dezidiert philosophischen und eben nicht religiösen Perspektive. Natürlich berührt er dabei die großen Fragen: Gibt es ein Leben nach dem Tod? (2. Teil), "Wer stirbt schon gerne?" (3. Teil) und "Wie ist Trost möglich?" (5. Teil). Ganz besonders dieser letzte Teil, der sich in der Tradition großer Trostliteratur sieht, bietet schöne Anknüpfungspunkte an den Philosophie und Religionsunterricht. Bei Fragen nach Trost, Trauer, Sterbeprozess und den letzten Dingen des irdischen Lebens zeigen Schülerinnen und Schüler aller Stufen ein großes Interesse. Obwohl die anspruchsvollen Texte sicher einer Vorentlastung durch die Lehrkraft bedürfen, können auch junge Menschen großen Gewinn daraus ziehen. Eine didaktische Aufgabe bestünde zum Beispiel darin, die zahlreichen Verweise und Fußnoten für den Unterricht aufzubereiten. Denn der Autor schöpft aus den philosophischen Beständen insbesondere der europäischen Geistesgeschichte und exzerpiert antike Autoren (z.B. Seneca, Lukrez, Cicero, Marc Aurel) ebenso wie Kant, Blumenberg und weitere.
Neben dem schulischen Einsatz können sicher auch Textteile im Bereich von hospizlicher Ausbildung gut genutzt werden.

Eine lehrreiche Lektüre, die bei der Bewältigung einer der grundsätzlichsten Fragen der Menschheit helfen kann.

J. Groß, www.lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Der Wunsch, dem Tod ein Schnippchen zu schlagen, findet sich zu allen Zeiten und in allen Kulturen. Die meisten Religionen reagieren auf die menschliche Furcht vor dem Ende mit dem Angebot eines ewigen Lebens. Doch wie geht der moderne Mensch, für den Gott längst tot ist, mit der Unausweichlichkeit des eigenen Todes und dem Ableben seiner Nächsten um?
Viele Zeitgenossen behaupten, zwar Angst vorm Sterben, aber keine Angst vorm Tod zu haben. Der Philosoph Franz Josef Wetz sieht darin ein Ausweichmanöver. Wer am Leben hängt, findet sich nicht so leicht mit seiner Vergänglichkeit ab. Gerade für diesseitsorientierte Menschen bedeutet das eigene Ende größtmöglichen Verlust. So natürlich der Tod biologisch auch ist, die Rückkehr ins Nichts erteilt uns allen eine bittere Lektion. Ohne sich auf religiöse Illusionen einzulassen und ohne sich voreilig mit rationalen Beschwichtigungen oder philosophischen Ratschlägen zu beruhigen, sucht Wetz nach Möglichkeiten eines Trostes in unserer säkularen Kultur.
In seinem neuen Buch reflektiert Franz Josef Wetz die Facetten unserer Endlichkeit. Er setzt sich mit dem Prozess des Alterns auseinander, begibt sich an den Rand des Abgrundes einer tödlichen Krankheit und in die Grauzone zwischen Leben und Tod. Schließlich geht er den dramatischen Umbrüchen der heutigen Sterbe-, Bestattungs- und Trauerkultur auf den Grund.
Niemand stirbt gern, ist Wetz sich sicher. Denn auch nach einem erfüllten Leben bietet der Tod keine Perspektive. Er ist das Gegenteil einer Chance. Was aber bleibt dann denen, die den Glauben an Wiedergeburt, Auferstehung und das ewige Leben als Illusion einschätzen?
Epikurs bekannten Ausspruch, dass der Tod für uns keine Bedeutung habe, „denn solange wir noch da sind, ist der Tod nicht da; stellt sich aber der Tod ein, so sind wir nicht mehr da“, hinterfragt Wetz ebenso wie alle traditionellen Empfehlungen, unser Trostbedürfnis zu stillen. Aber vielleicht kann es auf der Basis einer gelebten Grundhaltung, die sich durch Bescheidenheit auszeichnet, zu einem Arrangement kommen, bei dem sich sanfte Wehmut mit gedämpfter Heiterkeit vermischt und die sich als „maßvolle Menschlichkeit“ bezeichnen ließe.
Das Buch ist eine zeitgemäße Aufklärungs- und Trostschrift mit hoher lebenspraktischer Relevanz.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung7
Erster Teil
Endlichkeit 15
Das Todesurteil 15 Altern ohne Alternative28 Was ist ein Toter? 42
Zweiter Teil
Gibt es ein Leben nach dem Tod? 53
Sehnsucht nach Unsterblichkeit 53 Kritik des ewigen Lebens64 Geschwätziger Seelenkitsch77 Illusion Auferstehung 95 Nichts bleibt105 All – Atlantik – Arktis 121
Dritter Teil
Wer stirbt schon gerne? 127
Verharmloste Sterblichkeit 127 Sinnlose Unsterblichkeit 137 Man lebt nur einmal143 Ein hohes Gut158 Das Gegenteil einer Chance 175

Vierter Teil
Metaphysik der Metastasen 187
Die Katastrophe 187 Am Rande des Abgrunds 194 Wahrheit und Lüge203 Krankheit als Sensation213
Fünfter Teil
Wie ist Trost möglich? 219
Kunst des Sterbens219 Der Skandal bleibt232 Trostpflaster 237 Bestattungsmoden 245 Trauerarbeit ohne Religion 260

Literatur280 Anmerkungen290