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Textwelten der Bibel entdecken
Grundlagen und Verfahren einer textpragmatischen Literaturwissenschaft der Bibel. Band 1/1
Christof Hardmeier
Gütersloher Verlagshaus
EAN: 9783579054490 (ISBN: 3-579-05449-X)
197 Seiten, kartoniert, 15 x 23cm, 2003
EUR 34,95 alle Angaben ohne Gewähr
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Umschlagtext
Ansatz und Arbeisweise der historisch-kritischen Methode sind nachhaltig erschüttert. Die biblelwissenschaftlichen Methoden brauchen eine Neubesinnung.
Christof Hardmeier macht mit seinem text- und erzähltheoretischen Methodenvorschlag einen vielversprechenden Anfang. Ihm geht es darum auf methodisch kontrollierte Weise etwas vom ursprünglichen Eigen-Sinn der Texte und ihrer kommunikativen Funktionen wieder zu entdecken. Wer gebrauchte einen Text, für wen und mit welcher Absicht? Und in welcher Weise variierte der Funktionszusammenhang im Laufe der Geschichte? Warum?
Eine Einführung in ein neues Methodenparadigma, das Wahrnehmungsblockaden aufbricht und der Entdeckung biblischer Textwelten einen neuen Weg bereitet.
Rezension
Textpragmatische Literaturwissenschaft der Bibel - das ist quasi das wissenschaftliche Lebenswerk des Verfassers, das sich in diesen Bänden 1+2 spiegelt. Sie unterscheidet sich in mancherlei Hinsicht von der klassischen Exegese: Da uns die ursprüngliche Mündlichkeit biblischer Überlieferung und die Hintergründe biblischer Literatur weitgehend unbekannt sind und sie reichhaltig sekundär überformt sind, sind wir auf die Texte an sich verwiesen. Die Übertragung von Gattungs- und Stilkriterien aus anderen Kulturen auf biblische Texte bleibt fragwürdig. Die Texte sind wesentlich synchron-funktional, also in ihrem soziohistorischen Kontext zu erfassen. Texte gibt es nicht an sich, sondern sie kommen immer nur erst beim Rezipienten zum Klingen. Deshalb müssen die Struktur- und Gliederungssignale eines Textes besonders genau erfasst werden. So wird in der Textur die Kommunikationsstruktur zu erfassen versucht. – Keine leichte Kost und kein leicht verständlicher Ansatz, zumal das ganze wesentlich an alttestamentlichen (d.h. hebräischen) Texten exemplifiziert wird. Man muß schon eine deutliche exegetische Leidenschaft haben, um sich in diesen Ansatz einzufinden.
Thomas Bernhard für lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Der Band 1 der Reihe erschließt die theoretischen Grundlagen des Ansatzes und führt in die Methode und die Anwendungsweise der Textpragmatischen Studien zur Häbraischen Bibel ein. Er erscheint in zwei Teilbänden.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort XI
Teil l
Textwelten der Bibel entdecken
Grundlagen und Verfahren einer textpragmatischen Literaturwissenschaft der Bibel 1
1. Einführung 1
2. Problemgeschichte der historisch-kritischen Forschung und der gegenwärtige Methodenpluralismus -Aporien und hermeneutische Implikationen 7
2.1 Die biblische Traditionsliteratur - Grundschwierigkeiten der historischen Kritik 7
2.1.1 Die ältere Literarkritik 8
2.1.2 Form- und Gattungsgeschichte 9
2.1.3 Überlieferungs-, Traditions- und Redaktionsgeschichte ... 10
2.1.4 Die einsetzende Methodenreflexion seit den 70er lahren und ihre Aporien 11
2.2 Methodologische und hermeneutische Implikationen der Aporie 13
2.2.1 Probleme des Sprach- und Textverständnisses in der Exegese 13
2.2.1.1 Texte als Auswahl und Kombination von sprachlichen Zeichen 13
2.2.1.2 Das ungeklärte Verhältnis von »Form« und
»Inhalt« - die Problematik eines repräsentationssemantischen Zeichenbegriffs 15
2.2.1.3 Die problematische Unterscheidung von Syntax, Semantik und Pragmatik 16
2.2.2 Der Quellenstatus biblischer Texte im Verhältnis zu ihrem soziohistorischen Hintergrund 18
2.2.3 Die Historisierung der biblischen Textwelten - Sinnvergegenwärtigung und historische Distanz ..19
2.2.3.1 Wort Gottes und Wortgeschehen (G. Ebeling) .... 19
2.2.3.2 »Reden von Gott«? - die unhintergehbare Sprachlichkeit theologischer Rede im Rückbezug
auf biblische Texte (H. Raguse) 21
2.2.3.3 Historische Bibelkritik und religiöse Sinnbildung aus kulturanthropologischer Sicht (J. Rüsen) 23
2.2.4 Die Leserinnen- und Leserrolle - Rezeptionsästhetik, Eisegese und Exegese 24
2.2.5 Synchronie und Diachronie 27
2.3 Methodologische und hermeneutische Konsequenzen für die textpragmatische Ausrichtung einer Literaturwissenschaft der Bibel 30
2.3.1 Textempirische Exegese im Spiegel sozialwissenschaftlicher Verfahren der Auswertung »narrativer Interviews« 32
2.3.2 Konsequenzen für eine Lese-Hermeneutik der Behutsamkeit und Maximen empirisch-deskriptiver Verfahren 36
2.3.2.1 Eine Lese-Hermeneutik der Behutsamkeit 36
2.3.2.2 Maximen einer Hermeneutik der Behutsamkeit und des textempirischen Fremdverstehens biblischer Texte 40
2.3.2.3 Zum weiteren Vorgehen — textempirische
»Anatomie«, »Physiologie« und »Symptomatologie« 45
3. Text- und kommunikationstheoretische Grundlagen des textempirischen Ansatzes 47
3.1 Der Text als Produkt sprachlicher Handlungen 47
3.2 Der Handlungsrahmen und die steuernden Faktoren des
Texterzeugungsprozesses - das kommunikative Handlungsspiel (KHS) 49
3.2.1 Das KHS als unmittelbarer Bezugsrahmen sprachlicher Kommunikation 49
3.2.2 Das KHS als Teilgröße gesellschaftlicher Kommunikation und Schnittstelle zwischen Textwelten und soziohistorischer Wirklichkeit 50
3.3 Produktive und rezeptive, geschlossene und offene kommunikative Handlungsspiele ....51
3.3.1 Produktive und rezeptive kommunikative Handlungsspiele 52
3.3.2 Geschlossene und offene kommunikative Handlungsspiele -die text- und kommunikationstheoretische Bestimmung von Überlieferungsprozessen und der relecture 54
3.4 Texterzeugung als Prozess der Sprachverwendung - die Sprache als Kommunikationsmittel 57
3.4.1 Der lineare Prozess textförmiger Sinnbildung 57
3.4.2 Textbedeutung und Textbegriff - Texte als Partituren sprachlicher Sinnbildung 58
3.4.3 Sprache als Mittel und Werkzeug der Textkommunikation 58
3.4.4 Der Status von sprachlichen Zeichen - Abschied von der Repräsentationssemantik und instruktionssemantische Neuorientierung 59
3.4.5 Sprachvorkommen ersten Grades in Texten (parole)
und zweiten Grades als Lexikon und Grammatik (langue) . 60
3.5 Rede- und Erzählkommunikation - zu den sprachlichen Mitteln der Texterzeugung .... 61
3.5.1 Sprachliche Gestaltungsmittel der Redekommunikation ..61
3.5.1.1 Metakommunikative Ausdrucksmitte] 61
3.5.1.2 Der Origo-Bezug der Redekommunikation -
zu den sprachlichen Mitteln der Rededeixis und der Argumentation 62
3.5.1.3 Kontinuitätssignale und die Bildung von Textsequenzen - Pronominalisierung und Renominalisierung 64
3.5.2 Der Spezialfall der Erzählkommunikation und die sprachlichen Mittel ihrer Gestaltung 64
3.5.2.1 Die Wirkweise der Erzählkommunikation und ihre erzählpragmatischen Erfordernisse - Orientierung, Komplikation und Auflösung 66
3.5.2.2 Die Gestaltungsverfahren der
Erzählkommunikation - Gestaltschließung, Detaillierung und Kondensierung 68
3.5.2.3 Die sprachlichen Mittel der Erzählkommunikation im Allgemeinen 69
3.5.2.4 Das textpragmatische Kontinuitätssignal der
Und-Verknüpfung und die Imperkkt-consecutivum-Formen im biblischen Hebräisch 70
3.5.2.5 Zur Rolle und zum Stellenwert von direkten und
indirekten Reden in Erzählungen - II Sam 12,15-23 als Fallbeispiel 71
3.6 Normierte Sprachverwendung - Stilphänomene und phraseologische Stereotypen .... 75
4. Die Textur als Gegenstand der Textbeschreibung und ihre Komponenten 78
4.1 Begriffsklärungen und terminologische Vorbemerkungen 78
4.1.1 Zur kommunikationspragmatischen Dimension von Texten 78
4.1.2 Die Textur als Gegenstand der Textbeobachtung und Primärziel der Textbeschreibung 79
4.1.2.1 Exkurs zur Textur als prozedurale Schnittstelle im Textprozess 80
4.1.3 Texturkomponenten und die texturrelevanten und -anzeigenden Sprachsignale 81
4.2 Die metakommunikative Handlungskomponente und ihre texturanzeigenden Signale 84
4.2.1 Textdeiktische Signale 84
4.2.2 Überschriften und Einführungen der wörtlichen Rede .... 85
4.2.3 Demonstrativa in textdeiktischer Funktion 86
4.2.4 Implizite Formen der Metakommunikation - metanarrative Textsequenzen 86
4.3 Die interaktive Handlungskomponente und ihre texturanzeigenden Signale 87
4.3.1 Personaldeiktische Signale 87
4.3.2 Appellative und expressive Modi der Sprechhandlung ... 88
4.3.3 Aufmerksamkeits-lenkende Partikeln 90
4.3.4 Emphasebildung 90
4.3.5 Markierungsformen der Sprecherinnen- bzw. der Autorseite 92
4.3.6 Neutralisierung des Origo-Bezugs durch Distanz- und Differenzsignale der dritten Person .... 93
4.4 Die temporale Orientierungskomponente der sprachlichen
Handlung und ihre texturanzeigenden Signale 94
4.4.1 Temporaldeiktische Signale 94
4.4.2 Temporale Distanzsignale 95
4.4.3 Temporale Deixis und das System der Afformativ-und Präformativkonjugation - zum perfektiven und imperfektiven Aspekt sowie zur durativen Aktionsart der Ereignisdarstellung im Hebräischen ... 96
4.4.4 Die funktionale Differenz zwischen der personaldeiktisch notwendigen und der temporal- bzw. lokaldeiktisch fakultativen Markierung von Texturkomponenten 98
4.5 Die lokale Orientierungskomponente der sprachlichen
Handlung und ihre texturanzeigenden Signale 101
4.5.1 Lokaldeiktische Signale 102
4.5.2 Lokale Distanzsignale 103
4.6 Die narrative Handlungskomponente im Rahmen der
Erzählkommunikation und ihre texturanzeigenden Signale ... 103
4.6.1 Die Rolle der personalen und lokalen Distanzsignale .... 104
4.6.2 Absolute Zeitmarken und temporale Distanzsignale .... 104
4.6.3 Erzählimmanente Strukturierungen von Zeiträumen in tages-, monats- oder jahreszeitlichen Größenordnungen 105
4.6.4 Ereignis- und handlungsrelative Zeitmarkierungen mit temporalen Konjunktionen 106
4.6.4.1 Das narrative Kontinuitätssignal der Und-Verknüpfung 106
4.6.4.2 Exkurs zu den Satzarten innerhalb der retro-und prospektiven Und-Verknüpfung -Satzperspektive, Thema-Rhema-Struktur und die Unterscheidung von Verbalsätzen (VS) und invertierten Verbalsätzen (iVS) 107
4.6.4.3 Temporale Nebensätze 108
4.7 Die argumentative Handlungskomponente im Rahmen der Redekommunikation und ihre texturanzeigenden Signale 112
4.8 Die Handlungskomponente der thematischen Entfaltung in der Textkommunikation und die sprachlichen Mittel ihrer Abbildung in der Textspur 113
4.8.1 Der sprachliche Sonderfall der Eigennamen und ihr textexterner Bezug 115
4.8.2 Zur Bedeutung und zum textexternen Bezug von Substantiven und Verben 116
4.8.3 Die Problematik der semantischen Worterschließung sowie von begriffsgeschichtlichen und statistischen Wortuntersuchungen 119
4.8.4 Die satzübergreifende Struktur der thematischen Entfaltung und ihre Problematik 120
4.8.4.1 Teilstrukturen und Profile der thematischen Entfaltung und ihre Gestaltschließung 121
4.8.4.2 Detaillierungen und Kondensierungen der thematischen Teilstrukturen 121
4.8.5 Akzentsetzung und Fokusbildung durch Detaillierung und Kondensierung 122
4.8.6 Zur Kontrollfunktion des Verfahrens gegenüber eisegetischen Deformationen 123
Zur Sequenzbildung in der Textkommunikation -Abschnittgliederung und Minimalsequenzen .... 123
4.9.1 Sequenzbildung und Abschnittgliederung im Zusammenspiel der Texturkomponenten - die Rolle von Sätzen, Satzsequenzen und Gliederungssignalen 124
4.9.2 Die Beobachtung von Minimalsequenzen und komplexeren Teiltexten aufgrund von Kontinuitätssignalen 127
4.9.3 Kontinuitätssignale und die Bildung von Großabschnitten der Textkommunikation 129
4.9.4 Textkohärenz, Texturkomponenten und das textlinguistische Konzept der Kohäsion 130
4.10 Zum Stellenwert von Stilbildungen in der Textspur 131
5. Verfahren, Instrumente und Erträge der Beobachtung der Textur und ihrer Komponenten 136
5.1 Voraussetzungen und Rahmenbedingungen des methodischen Verfahrens 136
5.1.1 Expertenwissen und Untersuchungspraxis 136
5.1.2 Signal- und komponentenorientierte Fragerichtung - bottom up und top down 138
5.1.3 Beobachtungsrahmen und Textbasis 139
5.1.4 Experimentelle Vorgehensweise und Grenzen der
Darstellung des Verfahrens 140
5.2 Schritte des Verfahrens und zwei verfahrenspraktische Maximen derTextbeobachtung .... 142
5.3 Sprachphänomenologische Erhebungen und Textdurchgänge 144
5.3.1 Primär signalorientierte Textdurchgänge -
tentativer Überblick über größere Textzusammenhänge 144
5.3.2 Komponentenorientierte Textdurchgänge -
Vertiefung des Überblicks und Präzisierung der einzelnen Texturkomponenten 146
5.3.3 Instrumente und technische Hilfsmittel der sprachphänomenologischen Erhebung .... 148
5.3.3.1 Computerphilologische Instrumente 148
5.3.3.2 Tabellarische Inventare und die graphische Markierung von texturrelevanten Spracherscheinungen 150
5.4 Textinterne Synthese und Ertrag der empirischen Textdurchgänge - das kommunikationspragmatische Zusammenspiel der Komponenten 152
5.4.1 Kohärenz, Textabgrenzung und textinterne Sinnbildung 152
5.4.2 Textinterne Diachronie 154
5.5 Textexterne Bezugszusammenhänge und Gegenwartsrelevanz .. 155
5.5.1 Die textexternen Bezugszusammenhänge von kommunikationspragmatischen Texteinheiten und der soziohistorische und literaturgeschichtliche Ertrag 155
5.5.2 Die Relevanz der kommunikationspragmatischen Texterschließung für eine gegenwartsorientierende Aneignung biblischer Texte 158
Literaturverzeichnis zu den Bänden l/1 und 1/2 163
Inhalt der Bände l/l und 1/2 185
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