Die Erde als Planet
Das Bundesmimsterium für Bildung und Forschung hat das Jahr 2002 zum »Jahr der Geowissenschaften« erklärt und in Zusammenarbeit mit den einschlägigen geophysikalischen Forschungseinrichtungen eine Reihe von Veranstaltungen ins Leben gerufen, die im Laufe des Jahres überall im Land stattfinden. Das Ziel ist, die Öffentlichkeit über den Stand der Forschung auf diesem Gebiet zu informieren und hauptsächlich die Jugend für Pläne und Ziele der Geophysik zu begeistern. Alle Veranstaltungen werden im Internet unter www.planeterde.de angekündigt.
Was folgt daraus für SuW? Die Erde ist ein Planet, deshalb fühlen wir uns auch für die Gegenstände der Geowissenschaften durchaus zuständig - insbesondere für die globalen Eigenschaften unseres Himmelskörpers. An ihm können wir viel lernen, das uns hilft, die Daten zu interpretieren, die uns heute die Raumfahrt von unseren Nachbarplaneten beschert. Das differenzierte Bild von unserem Planetensystem, das aus dieser Kombination entsteht, haben wir dann auch vor Augen, wenn wir mit rein astronomischen Mitteln die extrasolaren Planetensysteme erforschen.
So motiviert, haben wir bei einer Reihe von Geophysikern angefragt, ob sie Interesse hätten, den Lesern von SuW ihre Arbeitsgebiete vorzustellen. Die Antworten sind durchweg positiv ausgefallen, so dass wir nun eine Reihe von Artikeln ankündigen können, die in loser Folge die globalen Eigenschaften der Erde und ihre Erforschung schildern werden. Den Anfang macht in diesem Heft der Bericht von Manfred Gottwald über die Mission des europäischen Satelliten ENVISAT (Seite 22 ff). Diese bisher größte wissenschaftliche Mission der ESA steht beim Schreiben dieser Zeilen unmittelbar vor dem Start und wird uns für mehrere Jahre eine Flut von Daten bescheren, die hauptsächlich die Atmosphäre und die Oberfläche unseres Planeten betreffen.
Noch einmal geht es in den beiden Kurzberichten auf S. 12-13 um den Durchbruch zu höherer Auflösung, der gegenwärtig in der bodengebundenen Astronomie stattfindet. Die interferometrische Koppelung mehrerer Großteleskope (zwei Spiegel auf einer Montierung im Large Binocular Telescope, bis zu vier unabhängige 8-Meter-Spiegel im Very Large Telescope) erfordert allerdings eine atemberaubende technologische Entwicklung, die nur im Verbund der leistungsfähigsten Arbeitsgruppen mehrerer Länder realisiert werden kann. Die Inbetriebnahme eines "künstlichen Sterns" an einem der beiden 10-Meter-KeckTeleskope auf Hawaii (S. 8) gehört auch zu diesem Themenkreis.
Haben Sie schon einmal zugeschaut, wie der Stern Mira Ceti am Himmel pulsiert? Ein Feldstecher genügt, um mitzuerleben, wie dieser Rote Riese langsam seine Helligkeit um viele Größenklassen verändert. Wie sich dabei in seiner Hülle die Staubteilchen bilden, die später bei der Entstehung neuer Sterne eine Schlüsselrolle spielen werden, können Sie in diesem Heft auf Seite 34 ff nachlesen. Oder aber Sie schauen sich das Pulsieren der Hülle im Kino an - gratis auf unserer Homepage www.mpia.de/suw!
Viel Spaß dabei, und herzliche Grüße,
Ihr Jakob Stande
Inhaltsverzeichnis
Die Mission ENVISAT
Umweltforschung aus dem Weltraum
CCD-Aufnahmen von Balkenspiralen
Amateure untersuchen ferne Galaxien
Verlagstext
Etwa dreimal so groß wie der Vollmond erscheint uns die berühmte Galaxie Messier 33 im Sternbild Dreieck. In ihren Spiralarmen erkennen wir zahlreiche rote Flecken – Nebel wie in unserer Milchstraße der Orionnebel. Für diese Aufnahme wurde das 60-cm-Cassegrain-Teleskop der Volkssternwarte des Physikalischen Vereins in Frankfurt/Main verwendet. Zwei je 60 Minuten belichtete Negative wurden zu einem Komposit zusammengefügt. (Bild: Christoph Lichtblau)