|
|
|
|
Sprechen und Singen
Ästhetik und Erscheinungsformen der Dialogoper
Thomas Betzwieser
Reihe: M&P-Schriftenreihe für Wissenschaft und Forschung
Verlag J. B. Metzler
EAN: 9783476452672 (ISBN: 3-476-45267-0)
622 Seiten, kartoniert, 15 x 21cm, 2002
EUR 39,90 alle Angaben ohne Gewähr
|
|
Umschlagtext
Die Studie nimmt erstmals die Dialogoper unter theoretischen und strukturellen Gesichtspunkten in den Blick. Sie geht den spezifischen Implikationen von Opera comique und Singspiel nach, die aus dem Nebeneinander von gesprochenem Dialog und Musik resultieren. Der erste Teil der Monographie ist der Ästhetik der Gattung gewidmet, wobei die Denkfigur der »motivierten Musik« eine zentrale Kategorie darstellt. Ausgehend von diesem Phänomen werden im zweiten Teil exemplarische Erscheinungsformen des Dialoggenres diskutiert, wie z.B. die dramaturgische Konsistenz der Stücke oder die Frage des Übergangs zwischen den beiden Medien Sprechen und Singen. Im Zentrum steht hier vor allem der Nummerntyp Lied (Romanze, Ballade), der nicht nur genuin narrative Strukturen ausprägte, sondern mehr noch einen Funktionswandel der Musik herbeiführte. Die reminiszente Verwendung dieser Lieder in Gestalt instrumentaler Erinnerungsmotive veränderte das theatrale Kommunikationssystem dahingehend, dass nunmehr eine von der Figurenrede unabhängige Verbindung zwischen Komponist und Rezipient hergestellt wurde.
Thomas Betzwieser, geb. 1958; Studium der Musikwissenschaft und Germanistik in Heidelberg; 1989 Promotion; 1990-1994 Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Freien Universität Berlin; 1995 DAAD-Stipendiat (Maison des Sciences de l'Homme, Paris); 1996-98 Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft; 1999-2001 Lecturer in Music an der University of Southampton; seit 2001 Professor für Musikwissenschaft an der Universität Bayreuth. Publikationen zur Operngeschichte des 18. und 19. Jahrhunderts sowie zur »Mannheimer Schule«.
Rezension
Beim vorliegenden sehr umfangreichen Buch handelt es sich um eine Studie, die an der Freien Universität Berlin (Fachbereich Philosopie und Geisteswissenschaften) als Halibilationsschrift angenommen wurde. Im Mittelpunkt steht die Dialogoper unter dem besonderer Berücksichtigung der Bedeutung von "Sprechen und Singen". Dabei richtet der Autor seinen Blick auf das Singspiel und die Opéra comique, stellt die Vorbehalte gegenüber dem Genre und vor allem die vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten ausführlich und anschaulich dar.
Arthur Thömmes, lehrerbibliothek.de
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Anmerkungen zu den Quellen
Abkürzungen
Einleitung
1. Die Dialogoper — eine Gattung sui generis?
2. Phänomenologie versus Historiographie
3. Denkmodelle und Methode: Motivation und Kommunikation
I. Denkmodelle und Gattungskonzeptionen der Dialogoper im 18. und 19. Jahrhundert
1. Ästhetik und Theorie der Opera comique
1.1 Die Opera comique im 18. Jahrhundert: VaudeviUe versus Ariette
1.2 Eine neue Denkfigur: die Existenz drarneninhärentcr Musik
1.3 Positionen im Kontext musikdramatischer Transformationsprozesse
1.4 Die Gattung als ästhetisches Problem: die Frage nach der Funktionalität von Musik
1.5 Eine Opernästhetik aus dem Geist drameninhärenter Musik
1.6 Französische Operntheorie unter dem Einfluß Wagners
2. Denkmodelle in der deutschen Opernästhetik
2.1 Die Singspielästhetik des 18. Jahrhunderts
2.2 Die frühromantische Epoche
2.3 Dialogoper und durchkomponierte Oper
2.4 Ein Manifest für die Dialogoper
II. Dialogoper und Operntheorien
1. Wesensformen der Oper mit gesprochenem Dialog
2. Musikdramatische „Realitäten"
3. Bühnenmusik und drameninhärente Musik
4. Musiktheatralc Kommunikation in der Dialogoper
4.1 Musik als Zeichen
4.2 Musikalische Kommunikation und Illusion
4.3 Musik als vermittelndes Medium oder in konkreter Erzählfunktion?
5. Drameninhärente Musik als Vermittlung zwischen Sprechen und -Singen
6. Die Darstellung drameninhärentcr Musik
III. Motivation und Performation: das Bühnenlied als Paradigma drameninhärenter Musik
1. Klassifikation von Sologesängen in der Dialogoper
2. Die französische Romance
2.1 Die Ästhetik der Romance
2.2 Die Ballade in Frankreich
2.3 Erscheinungsformen der Romance
2.4 Die musikalische Gestalt der Romance
3. Die deutsche Romanze und Ballade
3.1 Romanze und Ballade im Kontext der Liedästhetik
3.2 Performation der Romanze: der „Romanzenton"
4. Die Funktion des Nummerntypus Lied in der (Dialog-)Oper
4.1 Der Nummerntyp aus der Sicht der Musiktheorie
4.2 Das deutsche Modell drameninhärenter Musik
4.3 Das französische Paradigma drameninhärenter Musik
IV. Zwischen Schauspiel und Oper: das Problem der Motivation von Musik
1. Schauspielmusik
2. Motivation aus dem Geist der Schauspielmusik
2.1 Schauspiel oder Oper: Idavon Holbein und Gyrowetz
2.2 „Motivierte Musik" als dramaturgisches Konzept: Kotzebues Deodata
3. Ein dramaturgischer Ausweg: das Liederspiel
3.1 Die Ästhetik des Liederspiels
3.2 Theorie und kompositorische Praxis im Widerstreit
3.3 Motivation durch Musik: Die Heimkehr aus der Fremde Dramaturgische Motivation und romantische Konfiguration
4.1 Nicht-existente Motivation: das Wiener Singspiel
4.2 Lied-Dramaturgie versus Lied-Komposition: Das Donauweibchen und die Derivate der Zauberoper
4.3 Motivation durch musikalische Realität: Die Schwestern von Prag
4.4 Musikalische Realität als romantisches Agens: Die lustigen Musikanten
V. Sprechen und Singen: Librettistische Strukturen und musikdramatische Strategien
1. Versifizierte Dialogopern
2. Opern mit Prosadialog: Theorie und Praxis
2.1 Möglichkeiten dramatischer Konstruktion in der Opera comique
2.2 Das Paradigma einer Dialogoper: Le Domino noir
2.2.1 Die Verwendung drameninhärenter Musik
2.2.2 Sprechen und Singen: der Faktor Zeit
2.2.3 Textliche und musikalische Kontinuitäten 2.2.3 Sprechen oder Singen?
2.3 Das exemplarische Scheitern einer Dialogoper: Der Templer und die Jüdin
3. Das Melodram: Bindeglied zwischen Sprechen und Singen
3.1 Das Melodram in der Opera comique
3.2 Das Melodram in der deutschen Dialogoper
4. Der Sänger-Schauspieler als Komponist
4.1 Pierre Gaveaux
4.2 Albert Lortzing
Exkurs: Dialogopern im Vergleich von Doppelvertonungen
1. Das Lied im nord- und süddeutschen Singspiel: Die Geisterinsel von Reichardt und Zumsteeg
2. Veränderung der Dramaturgie durch Musik: A-line, Keine de Golconde von Berton und Boieldieu
VI. Kontinuität von Sprechen und Singen im inneren Kommunikationssystem
1. Nicht-drameninhärente Modelle
1.1 Musik als Antwort auf den Dialog
1.2 Die Romanze als Medium des Narrativcn
1.3 Narrative Kohärenz von Musiknummer und Dialog
1.4 Das Lied im musikalischen Szencngefüge: „Romance melee d'autre chant"
1.5 Sprechen - Singen - Pantomime: ein Sonderfall theatraler Kommunikation
2. Drameninhärente Modelle
2.1 Reale Präexistenz: das Vaudevillc - ein Spezialfall
2.2 Fiktionale Präexistenz
2.2.1 Das Volkslied
2.2.2 Widerspiegelung im Lied
2.3 Die Öffnung des drameninhärenten Nummerntyps
2.3.1 Differenzierung verschiedener Stimmlagen
2.3.2 Die musikalische Trennung von Erzählebenen
2.3.3 Die musikalische Überlagerung mehrerer Erzählebenen
3. Die musikalische Dramatisierung des drameninhärenten Liedes
3.1 Der Sänger als Bühnenfigur: das „genre troubadour"
3.2 Die Ballade: präexistentes Lied und musikalischer Kommentar
3.3 Musikalisches Erzählen in Gestalt einer Parodie
3.4 Modell und Nachahmung
VII. Reminiszenz und Erinnerung: Musik als narratives Zeichen im 448 inneren und äußeren Kommunikationssystem
1. Die Wegbereiter
1.1 Musik in Signalfunktion: Zitat ohne Referenz
1.2 Reminiszentes drameninhärentes Liedzitat
1.3 Orchester-Melodie als Fortsetzung der Figurenrede
2. Dramaturgische und musikalische Modelle
2.1 Lied-Exposition und Erinnerung
2.2 Der Wendepunkt: musikalisch autonome Erinnerung 463 Exkurs: Adaption der Modelle in der deutschen Oper
2.3 Erinnertes Lied als dramatische Realität
2.4 Erinnernde Figurenrede
3. Die Anfänge des „wissenden Orchesters"
3.1 Partizipation und Antizipation
3.2 Klangchiffre als dramatisches Signum
3.3 Musik als Erinnerung an das Unaussprechliche
VIII. Resümee und Ausblick: Die Dialogoper - historische und phänomenologische Perspektiven
Literaturverzeichnis
Anhang:
Musikbeispiele
Index
|
|
|