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Schiller
Elend der Geschichte, Glanz der Kunst
Norbert Oellers
Reclam Stuttgart
EAN: 9783150105658 (ISBN: 3-15-010565-X)
520 Seiten, Festeinband mit Schutzumschlag, 13 x 20cm, 2005, Mit 38 Abbildungen
EUR 19,90 alle Angaben ohne Gewähr
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Umschlagtext
Norbert Oellers gibt in seiner Werkmonographie einen interpretierenden Überblick über das Gesamtwerk Friedrich Schillers. Er zeichnet unter entschlossen historisierender Perspektive einen Schillers ganzes Werk durchziehenden Grunddualismus nach, der die Dramen mit den Ideengedichten und den ästhetische philosophischen Aufsätzen verbindet, den Dualismus vom »Elend der Geschichte« und »Glanz der Kunst«. Dieser Schiller, kritischer und pessimistischer Geschichtsschreiber und zugleich Verfechter einer freien Kunst, steht am Tor der Moderne, die noch unsere Epoche ist.
Zum Anlass des 200. Todestages von Friedrich Schiller, aber auch weit über diesen Jubiläumsanlass des Jahres 2005 hinaus, stellt Norbert Oellers, einer der angesehensten zeitgenössischen Schiller-Forscher, neben die :" Vielzahl der Schiller-Biographien eine große umfassende Werkmonographie. In ihr wird das Werk des modernsten Dichters der Zeit um 1800 nicht umstandslos für jede Aktualität reklamiert etwa nach dem Motto aller Schiller-Vereinnahmungen »Er ist unser!« Vielmehr erscheint unter einer entschlossen historisierenden Perspektive um so klarer der hochspannende Grunddualismus in Schillers Werken, der Dualismus von einer aus größter Kenntnis tief kritischen und pessimistischen Sicht auf die Geschichte und dem Entwurf einer befreiten und befreienden, autonomen Kunst.
Norbert Oellers, geb. 1936 in Ratingen, 1975 bis 2002 Professor für Neuere deutsche Literaturgeschichte an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Seit 1978 Mitherausgeber, seit 1991 alleiniger Herausgeber der Schiller-Nationalausgabe; Mitherausgeber der kritischen Else-Lasker-Schüler-Ausgabe und der historisch-kritischen Nikolaus-Lenau-Ausgabe, der »Zeitschrift für deutsche Philologie«, des Jahrbuchs »editio« und des deutsch-polnischen Jahrbuchs »Convivium«. 1984-1987 Vorsitzender des Deutschen Germanistenverbandes. 1995 Schiller-Preis der Stadt Marbach a. N.
Rezension
Es „schillert“ allüberall; es ist 200. Todesjahr von Friedrich Schiller; der Veröffentlichungen sind unzählige ... Dieser Band aber tut sich hervor. Verfasst vom ausgewiesenen Schiller-Kenner und Herausgeber der Schiller-Nationalausgabe bietet diese Werkmonographie einen gelungenen Überblick gleichermaßen über Schillers Leben und Werk. Schiller gehört zur Standard-Lektüre in deutschen Schulen: Die Räuber, Kabale und Liebe, Maria Stuart oder Wilhelm Tell ... Dieser Band bietet eine hilfreiche Einführung und einen Gesamtüberblick und behandelt neben den Dramen auch Lyrik, Erzählungen, historische und philosophische Schriften, - alles gut lesbar, auch vom Druckbild her, auf das Wesentliche konzentriert, mit etlichen Abbildungen und einem hilfreichen Register.
Jens Walter, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Reclam legt zum Schiller-Jahr 2005 die große Werkmonographie des wichtigsten zeitgenössischen Schillerforschers Norbert Oellers vor. Oellers gibt, ganz reclamgemäß und über den Jubiläumsanlass hinaus gültig, einen interpretierenden Überblick über das gesamte Werk des großen Weimarer Klassikers (vormaligen Stürmers und Drängers), des modernsten Dichters der Zeit um 1800, griffig gegliedert nach Gattungen und leicht verständlich, gleichwohl aus der Kenntnis der ganzen Schillerforschung geschöpft.
Dem Biographismus früherer und heutiger Schiller-Apotheosen setzt Oellers eine fundierte Werkinterpretation entgegen. Deren Zentrum liegt in einem historisch informierten Verständnis, das nicht wieder den Autor und seine Werke (oder nur Zitate aus ihnen) unter dem Motto »Er ist unser!« für jede Aktualität umstandslos vereinnahmt. Unter einer entschlossen historisierenden Perspektive erkennt Oellers im ganzen Werk Schillers einen Grundgedanken, einen Grunddualismus, der etwa Maria Stuart, Don Karlos oder Wallenstein mit den Ideengedichten und den großen ästhetisch-philosophischen Aufsätzen verbindet. Es ist der Dualismus von einer aus größter Kenntnis tief kritischen und pessimistischen Sicht auf die Geschichte und dem Entwurf einer von allem Historischen, Irdischen, Politischen befreiten und befreienden utopischen und autonomen, einer »heiteren« Kunst. Dieser Schiller, pessimistischer Geschichtsschreiber und Verfechter einer freien Kunst, steht am Tor der Moderne, die noch unsere Epoche ist.
Autoreninformation:
Norbert Oellers, geb. 1936 in Ratingen, 1975 bis 2002 Professor für Neuere deutsche Literaturgeschichte an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Seit 1978 Mitherausgeber, seit 1997 alleiniger Herausgeber der Schiller-Nationalausgabe; Mitherausgeber der kritischen Else-Lasker-Schüler-Ausgabe und der historisch-kritischen Nikolaus-Lenau-Ausgabe, der "Zeitschrift für deutsche Philologie", des Jahrbuchs "editio" und des deutsch-polnischen Jahrbuchs "Convivium". 1984-1987 Vorsitzender des Deutschen Germanistenverbandes. 1995 Schiller-Preis der Stadt Marbach a. N.
Pressestimmen
Eine philologisch gediegene, souveräne und umfassende Darstellung von Leben und Werk.
Die Zeit
Neue Lust auf Schiller zu wecken, ist das große Verdienst Norbert Oellers’, der keine weitere Biographie herunterbetet, sondern Leben und Werk in einen interpretierenden Überblick fasst, leicht verständlich geschrieben und dennoch tief schöpfend. Ein hohes Bildungsgut, und dennoch stellenweise zu lesen wie ein spannender Roman.
Gießener Allgemeine
Die fundierteste Werkdarstellung, die das Schillerjahr bringt.
Börsenblatt für den deutschen Buchhandel
Oellers ist ein intimer Kenner Schillers. Seit 1978 arbeitet er an der Edition der Nationalausgabe mit, seit 1991 ist er deren alleiniger Herausgeber. Ungeachtet seines großen Wissensfundus ist es ihm gelungen, ein trotz seiner 500 Seiten fast schlank wirkendes Werk vorzulegen, das an keiner Stelle aus den Fugen gerät. Oellers hat ein seltenes Talent zum klaren Wort. Er räumt auf, ohne Kahlschlag zu betreiben. Seine Thesen sind, ohne dass er unnötig zuspitzt, prägnant. „Es war wohl zuviel der Schillerbegeisterung“, setzt er an und unterzieht die Euphorien der vergangenen Jahrzehnte einer kritischen Bilanz, bevor er knapp auf hundert Seiten ein zerrissenes und arbeitswütiges Leben zwischen Frauengeschichten und Geldnot, Obrigkeitsdruck und Krankheitsleiden schildert.
Es folgen Charakteristiken der Dramen, Erzählungen sowie der theoretischen Schriften: Texte, zu deren Unterhaltsamkeit beiträgt, dass Oellers sich den Objekten seiner Wissbegierde ohne falschen Respekt nähert und wo nötig auch mit Kritik nicht spart. ... Nicht einmal 20 Seiten für ein Drama ist nicht viel. So verlässt einen bei der Lektüre nie das Gefühl, einen leichten, gewandten Essay zu lesen statt ein schwer wiegendes Buch.
Vor Schillers 200. Todestag ist es, wie Oellers bemerkt, üblich, seine Aktualität hervorzuheben. Oellers setzt diesem Überschwang nüchterne Grenzen, verortet den Dichter in seiner Zeit – und erarbeitet seine Bedeutung aus der Diskrepanz zur unsrigen. Ein ehrenwertes Unterfangen, das ihm hervorragend gelingt.
Dierk Wolters in der „Frankfurter Neue Presse“
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Schillers Leben
Überblick
In Württemberg 1759–1782
Mannheim und Bauerbach, Leipzig und
Dresden 1782–1787
Weimar, Jena 1787–1799
Weimar 1799–1805
Schillers Werk
I. Dramen
1. Zur Dramenliteratur der Zeit
2. Die Räuber
3. Die Verschwörung des Fiesko zu Genua
4. Kabale und Liebe
5. Don Karlos
6. Wallenstein
7. Maria Stuart
8. Die Jungfrau von Orleans
9. Die Braut von Messina
10. Wilhelm Tell
11. Dramatischer Nachlass
II. Lyrik
1. Zur Lyrik in Deutschland um 1770/80 und
ihre Wirkung auf die Jugendlyrik Schillers
2. Schillers Jugendlyrik
3. Die Götter Griechenlandes und Die Künstler
4. Schillers Lyrik des klassischen Jahrzehnts
III. Erzählliteratur
1. Verbrecher aus Infamie
2. Der Geisterseher
IV. Historische Schriften
1. Geschichte des Abfalls der vereinigten
Niederlande von der Spanischen Regierung
2. Kleinere historische Schriften
3. Geschichte des Dreyßigjährigen Kriegs
V. Philosophische Schriften
1. Kleinere Schriften vor dem Studium Kants
2. Ueber Anmuth und Würde
3. Abhandlungen zur Tragödientheorie,
über das Erhabene und das Schöne
4. Ueber die ästhetische Erziehung des Menschen
5. Ueber naive und sentimentalische
Dichtung
Bibliographische Hinweise
Verzeichnis der Abbildungen
Register
Zum Autor
Leseprobe:
Mit keiner anderen Ballade hat sich Schiller soviel Zeit gelassen, mit keiner anderen, begleitet von kritischen Hinweisen Goethes, so geplagt wie mit den Kranichen des Ibycus. Die Mühe hat sich wohl gelohnt: Der Dichter hat keine bessere Ballade geschrieben. Sie bringt es auf 23 Strophen zu je acht Versen, in streng einheitlichem Metrum: vierhebige Jamben mit gleichmäßig wechselnden weiblichen und männlichen Kadenzen und gleichmäßigem Reimschema. Diese Uniformität führt nicht zur Eintönigkeit, weil das Geschilderte ungemein spannend, ja dramatisch ist: Ibycus ist auf dem Weg zu den Festspielen in Korinth, ein Kranichschwarm begleitet ihn; „in Poseidons Fichtenhayn“ (V. 11), also an geheiligter Stätte, wird er überfallen und ermordet. Sterbend bittet er die Kraniche, sie möchten seines „Mordes Klag“ (V. 47) erheben. Der Getötete wird gefunden, nach Korinth gebracht, dort betrauert; die Suche nach den Mördern erscheint aussichtslos. Das Folgende spielt im Theater: Ein Tragödienchor, der Chor der Eumeniden, der Rachegöttinnen, weckt Bewunderung und Schaudern der Zuschauer:
So schreiten keine irrdschen Weiber,
Die zeugete kein sterblich Haus!
Es steigt das Riesenmaaß der Leiber
Hoch über menschliches hinaus. (V. 101–104)
Sie deklamieren Verse über Unschuldige und Schuldige und kündigen die Aufklärung des Verbrechens an:
[…] wehe wehe, wer verstohlen
Des Mordes schwere That vollbracht,
Wir heften uns an seine Sohlen,
Das furchtbare Geschlecht der Nacht!
(V. 125–128)
Die Reaktion der ergriffenen Zuschauer wird beschrieben, da ertönt der Ruf:
„Sieh da! Sieh da, Timotheus,
Die Kraniche des Ibycus!“ – (V. 155 f.)
Einer der Mörder hat es seinem Mordgesellen zugerufen, als das Kranichheer über das Theater hinzog. Zu spät wird ihm bewusst, dass er sich und seinen Kumpanen mit diesem Ruf verraten hat.
Man reißt und schleppt sie vor den Richter,
Die Scene wird zum Tribunal,
Und es gestehn die Bösewichter,
Getroffen von der Rache Strahl. (V. 181–184)
Das Besondere des Gedichts ist nicht in erster Linie die Einheit von Lyrischem, Epischem und Dramatischem, auch nicht die erzählte Geschichte selbst. Die Idee, dass alle Schuld gesühnt wird, und zwar durch die Nemesis, findet zwar ihren angemessenen Ausdruck, aber darüber hinaus wird das ‚Werkzeug’ der Rachegöttin benannt: Es ist die Macht der das Verbrechen benennenden und seine Bestrafung erzwingenden Poesie. Nicht die als Eumeniden auftretenden Mitglieder des Chors bewirken, weil sie nun einmal da sind und klagen, dass scheinbar Zufälliges (der Kranichflug) in einen sinnvollen Zusammenhang gebracht wird mit der Situation im Theater, sondern das, was sie sagen, was der Dichter sie sagen lässt im weiten Rund, zieht die Kraniche, gleichsam planmäßig, an; und so wird die Poesie zur Sachwalterin der Parzen, demonstriert ihre Zuständigkeit bei dem Bemühen, eine aus den Fugen geratene Welt wieder zu ordnen. Das klingt noch, entsprechend dem Glauben an die mögliche Verbesserung schlechter Verhältnisse durch das Schöne, sehr optimistisch. Wenig später wird dieser Glauben, der ja schon nicht mehr mit der Wirksamkeit einer überirdischen Gerichtsinstanz rechnet, in Frage gestellt: Dann bleibt, wie es die Elegie Nänie sagt, nur noch das bloße Vorhandensein des Schönen als Klagelied über die Hinfälligkeit des Schönen; aber immerhin ist das auch „herrlich“ (Nänie, V. 13) und kann nicht ohne Wirkung bleiben.
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