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Religionsunterricht nach dem Glaubensverlust
Eine Fundamentalkritik
Hubertus Halbfas
Patmos
EAN: 9783843602006 (ISBN: 3-8436-0200-X)
228 Seiten, paperback, 14 x 22cm, 2012, Klappenbroschur
EUR 17,90 alle Angaben ohne Gewähr
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Umschlagtext
Auferstehung und ewiges Leben, allmächtiger Vater und Heiliger Geist - die christliche Glaubenslehre ist in ihrer überlieferten Gestalt nicht mehr zu vermitteln. Zentrale Begriffe sind unverständlich geworden. Diese Sprachsklerose überfordert Predigt, Katechese, Religionsunterricht und Eltern.
Nach dem großen Erfolg seines Buches »Glaubensverlust« konkretisiert Hubertus Halbfas hier seinen Befund für Religionsunterricht und Katechese. Soll der christliche Glaube noch einmal existentielle Relevanz gewinnen, ist nicht länger von einem dogmatischen System auszugehen, sondern das provokante Evangelium Jesu aus tausend Überfremdungen neu zur Sprache zu bringen. Kriterium dafür ist nicht der Gläubige, sondern der säkulare Zeitgenosse. Was dieser versteht, versteht auch der kirchlich Beheimatete.
Die christliche Glaubenslehre erfährt in ihrer traditionellen Gestalt keine Nachfrage mehr. Das Spektrum der unverständlich gewordenen Ausdrücke reicht vom »allmächtigen Vater« bis zum »ewigen Leben«, vom »Schöpfer« bis zu »Auferstehung« und »Himmelfahrt«, von der »Jungfrau Maria« bis zum »Heiligen Geist«. Ein Arsenal merkwürdig gewordener Wendungen, deren Verfallsdatum abgelaufen ist. Vor der Aufgabe, diese Chiffren noch mit dem realen Leben zu verbinden, versagen alle: die Kirchenleitung und ihre Katechismen, die Prediger, die Katecheten und Religionslehrer, die Eltern. Sprachlosigkeitund Glaubensabbruch sind von den Rändern bis ins Zentrum vorgedrungen. Der Abschied vom Christentum vollzieht sich lautlos, aber umfassend.
44 Jahre nach seiner »Fundamentalkatechetik«, die bereits 1968 das Scheitern der kirchlichen Verkündigungssprache ansagte, setzt Hubertus Halbfas noch einmal zu einer Fundamentalkritik an. Er fragt, welcher Glaube denn unverständlich geworden ist und welcher Glaube die Lebenswelt der Menschen noch aufnimmt. Weil der Glaube als geschlossenes System nicht mehr vermittelbar ist, sondern aus seiner jesuanischen Wurzel heraus neu zur Sprache kommen muss, stehen Theologie und Religionsdidaktik vor bisher verdrängten, aber nunmehr unumgänglichen Herausforderungen.
Hubertus Halbfas spricht einmal mehr Klartext, weil nur so erörtert werden kann, was dringender Klärung bedarf.
HUBERTUS HALBFAS, geboren 1932, Dr. theol., war zuletzt Professor für Religionspädagogik an der Pädagogischen Hochschule Reutlingen. Er hat der Religionspädagogik über Jahrzehnte hinweg weisende Impulse gegeben und ist als Theologe von großer Breitenwirkung über den deutschsprachigen Raum hinaus bekannt geworden. Im Patmos Verlag sind zahlreiche Veröffentlichungen von ihm erschienen, zuletzt »Glaubensverlust. Warum sich das Christentum neu erfinden muss«.
Rezension
Der bekannte katholische Religionspädagoge Hubertus Halbfas hat in seinem neuen Buch "Glaubensverlust" (bereits in 3. Aufl.) diagnostiziert, dass die christliche Glaubenslehre in ihrer überlieferten Gestalt nicht mehr zu vermitteln ist und dass sich in der (Lehre der) katholischen Kirche vieles ändern muss. In dem ganz neuen, hier anzuzeigenden Buch dekliniert der Autor diesen "Glaubensverlust" nun im Hinblick auf den Religionsunterricht durch und konkretisiert damit seine Thesen. Es ergibt sich die Notwendigkeit einer neuen Verkündigungssprache; umständliche und unzeitgemäße Formeln sind den heutigen Schülern kaum noch zu vermitteln. Erst wenn die Religionsdidaktik bereit ist, sich dem Grundproblem Sprache und Lebenswirklichkeit zu stellen, kann sich eine „befreiende" Sprache im Unterricht etablieren. Hubertus Halbfas sieht darin die Chance auf eine Zukunft der Kirche.
Thomas Bernhard, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Nach dem großen Erfolg des »Glaubensverlustes« (bereits in 3. Auflage) beginnt Hubertus Halbfas seine grundsätzlichen Erwägungen und Empfehlungen zu konkretisieren: Die christliche Glaubenslehre in ihrer überlieferten Gestalt findet keine Nachfrage mehr. Sie ist auch nicht mehr zu vermitteln. Das Spektrum der unverständlich gewordenen Ausdrücke reicht vom »allmächtigen Vater« bis zum »ewigen Leben«, vom »Schöpfer« bis zur »Auferstehung«, von der »Jungfrau Maria« bis zum »Heiligen Geist«. Ein Begriffsarsenal, dessen Verfallsdatum abgelaufen ist. Nur in Katechismen und kirchlichen Formeln begegnen noch solche Wendungen, im Leben der heutigen Menschen nicht. Diese Chiffren zu erschließen und mit der realen Welt zu verbinden, überfordert Predigt, Katechese und Religionsunterricht, die Eltern erst recht… Glaubensabbruch und Sprachlosigkeit bestimmen das gemeindliche Milieu. Der Abschied vollzieht sich lautlos, aber umfassend. Mehr mit Unlust und Gleichgültigkeit als nachfragend und kritisch. Diese Krise zu bewältigen, kann nur gelingen, wenn der Glaube nicht mehr als System vorgelegt wird, das in toto zu akzeptieren ist.
Vierundvierzig Jahre nach seiner »Fundamentalkatechetik«, die bereits 1968 das Scheitern der kirchlichen Verkündigungssprache ansagte, setzt Hubertus Halbfas noch einmal zu einer Fundamentalkritik an. Er fragt, welcher Glaube denn unverständlich geworden ist und welcher Glaube die Lebenswelt der Menschen noch aufnimmt. Diese Problematik zu lösen, traut er nur noch der Religionsdidaktik zu, sofern sie bereit ist, sich dem Grundproblem Sprache und Wirklichkeit zu stellen. Er glaubt nicht, dass im Rahmen der lehramtlichen Gängelei eine befreiende Sprache gefunden wird. Nicht der Gläubige ist das Kriterium für die Verständlichkeit des Glaubens, sondern der Ungläubige. Was der nichtkirchliche Mensch versteht, überzeugt auch den kirchlich Beheimateten.
Das Buch fordert alle heraus, die sich mit dem christlichen Glauben und seiner Vermittelbarkeit auseinandersetzen. Hier wird ein freies Wort geführt, weil nur so erörtert werden kann, was dringender Klärung bedarf.
• engagiertes Plädoyer, aus brennender Sorge geschrieben
• ein freies Wort zur Klärung einer existenziellen Frage
Hubertus Halbfas geboren 1932, war zuletzt Professor für Religionspädagogik in Reutlingen. Er ist ein Theologe von großer Breitenwirkung, der insbesondere dem Religionsunterricht wegweisende Impulse gegeben hat.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort 9
I. Glaubensverlust - was heißt das? 13
1. Traditionsabbruch 13
2. Das kritische Denken und die Irritationen des »Glaubens« 20
3. Die Wahrheit des Evangeliums Jesu ist etwas anderes als ein theologisches Lehrsystem 24
4. Zweierlei Evangelium? 30
5. Fides qua und fides quae 32
II. Die Entwicklung des religiösen Bewusstseins 37
1. Das magische Bewusstsein 37
2. Das mythische Bewusstsein 38
3. Das mentale Bewusstsein: Die Achsenzeit 41
4. Die Religionen in der Religion 43
5. Das integrale Bewusstsein 44
6. Paradigmenwechsel 46
7. Resümee 47
III. Die überfallige Neuvermessung der Glaubensvermittlung 54
1. Das Ende des theistischen Gottesglaubens 56
2. Das Ende des übergeschichtlichen Offenbarungsverständnisses 62
3. Das Ende der Erlösungslehre von der Kreuzigung Jesu als Sühnopfer 66
4. Welche Theologie für welchen Religionsunterricht? 69
IV. Die Religion des Religionsunterrichts 77
1. Die gelehrte Religion 77
2. Religion und Identität 79
3. Das »Darüberhinaus« des Religionsunterrichts 82
4. Was ist eigentlich Religionsdidaktik? 84
V. »Kompetenzorientierter Religionsunterricht« - das neue didaktische Konzept? 89
1. Religionsunterricht und Kompetenzorientierung 90
2. Kompetenzorientierte Leitlinien 97
a. Kerncurriculum Grundschule in Niedersachsen 97
b. Leitgedanken zum Kompetenzerwerb für katholische Religionslehre in der Grundschule in Baden-Württemberg 102
c. Kompetenzen für katholische Religion, Gymnasium, Klassen 6, 8 und 10, Baden-Württemberg 104
d. Katholische Religionslehre Sekundarstufe I 106
e. Kerncurriculum für den evangelischen Religionsunterricht in der gymnasialen Oberstufe 107
3. Wieso verzichtet das Kompetenzkonzept auf Lehrpläne? 113
4. Ein geschichtlicher Rückblick auf katholische Religionslehrpläne 116
5. Lehrplandidaktik 120
a. Stufenlehrplan oder Gesamtcurriculum 121
b. Quereinstiege 121
c. Spiralcurriculum 122
d. Längsschnitt-Systematik 123
a) Formalreligiöse Fähigkeiten 124
b) Inhaltliche Kompetenzen 125
e. Wiederholung und Weiterführung 127
f. Verschränkung 129
g. Religiöse Sprachlehre 131
h. Religionslehrplan und Schulleben 133
i. Religionsunterricht im Kanon der Fächer 135
VI. Das Religionsbuch 138
1. Beurteilungskriterien für Religionsbücher 139
a. Religionsbücher und Schulstufen 139
b. Quereinstiege 140
c. Religionsbuch und Lehrerhandbuch 140
d. Die Bilder 141
e. Das Layout 141
f. Die Schülerinnen und Schüler 142
g. Der Gebrauch des Religionsbuchs 143
2. Religionsbuchkritik 143
a. Lernsequenzen für den Religionsunterricht in den Sekundarstufen I und II 144
b. Mittendrin. Lernlandschaften Religion 150
c. Mitten ins Leben. Religionsbuch für den evangelischen Religionsunterricht 156
d. Religionsbuch 1 und 2. Neue Ausgabe für den evangelischen Religionsunterricht (Sek. I) 162
3. Zulassungsverfahren 166
a. Verfahrensordnung für die kirchliche Zulassung von Unterrichtswerken für den katholischen Religionsunterricht 167
b. Kriterienkatalog zur Verfahrensordnung für die kirchliche Zulassung von Unterrichtswerken für den katholischen Religionsunterricht 167
c. Kritische Anmerkungen zur Verfahrensordnung für die kirchliche Zulassung von Unterrichtswerken für den katholischen Religionsunterricht 167
VII. Die selbst bewirkte Glaubenskrise 170
1. Die Enterbung Israels und die Hellenisierung des Christentums - eine Wurzel heutiger Glaubensproblematik 171
2. Die christliche Glaubenslosigkeit - eine Folge der christlichen Glaubenslehre 175
3. Die historisch-kritische Exegese - eine Infragestellung des dogmatischen Christusbildes 177
4. Die Säkularisierung der Religion, die Auflösung der Metaphysik und das Entscheidend-Christliche 178
VIII. Lehrautorität und mündiger Glaube 186
1. Der neue evangelikale Katholizismus 187
2. Fürwahrhalteglaube und Lehrdisziplin 193
a. Konformitätssicherung und Kontrolle 195
b. Die Missio canonica: Konformitätssicherung und Kontrolle der Religionslehrerinnen und Religionslehrer 197
c. Zensur 199
d. Fazit 203
3. »Wahr ist, was gelehrt wird« oder: »Gelehrt wird, was wahr ist«? 205
IX. Was zu tun ist 213
1. Die Aufgabe 214
2. Der Unterricht 215
3. Die Kompetenz 220
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