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Religion und Glaube als Grundlage einer freien Gesellschaft
Paul Kirchhof
Reihe: Veröffentlichungen der Papst-Benedikt-XVI.-Gastprofessur
Herder Verlag
EAN: 9783451396182 (ISBN: 3-451-39618-1)
270 Seiten, paperback, 14 x 22cm, April, 2023
EUR 42,00 alle Angaben ohne Gewähr
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Umschlagtext
Zur Bedeutung der Religion für den freiheitlich-säkularen Staat
Fundierte Reflexionen, was unsere Demokratie trägt
Der Wille zur Freiheit ermüdet. Der Zusammenhalt der Gesellschaft hält in Krisen kaum noch stand. Die demokratische Legitimation droht ins Formale zu verkümmern. Es fehlen das religiöse Bewusstsein, Gottvertrauen, Verantwortung vor Gott und den Menschen. In dieser Situation weist das Buch die in einer freiheitlichen Verfassung angelegten Wege, den Menschen religionsmündig zu machen, den säkularen Staat zur Pflege der Religion als einer Wurzel seiner Verfassung und einem Inhalt von Freiheit zu beauftragen, und die Kirchen als Botschafter des Glaubens für alle Menschen zu erneuern.
Paul Kirchhof, Dr. jur., Seniorprofessor distinctus für Staats- und Steuerrecht an der Universität Heidelberg. Als Richter des Bundesverfassungsgerichts hat Kirchhof an zahlreichen, für die Entwicklung der Rechtskultur der Bundesrepublik Deutschland wesentlichen Entscheidungen mitgewirkt. Von 2013 bis 2015 war er Präsident der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Als Wissenschaftler und Autor viel beachteter Bücher widmet er sich insbesondere Fragen von Recht und Staatlichkeit, von politischer Gewalt und Finanzmacht, von Recht und Technik.
Rezension
Das Grundbekenntnis dieses Buches lautet: Eine Grundlage der Menschenrechte und der modernen Verfassungsstaatlichkeit ist das Christentum. Wäre dieses geschwächt, verlöre der Verfassungsbaum eine seiner Wurzeln. Einen freiheitlichen Staat ohne Religion kann es nicht geben, - gegen einen kämpferischen Laizismus, der Religion möglichst aus dem öffentlichen Leben verdrängen will. Die Entwicklung des freiheitlichen Staates braucht religiöse Impulse, die Reform der Kirche einen rechtlichen Rahmen und staatliche Unterstützung. Kirchenrecht und Staatsrecht sollen sich mit ihren unterschiedlichen Quellen und in ihrer gemeinsamen Verantwortung für denselben Menschen begegnen, Erfahrungen in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit geistlicher und politischer Macht austauschen. Theologie und Staatsrechtswissenschaft widmen sich jeweils Institutionen, deren Selbstverständnis gegenwärtig verunsichert ist, die sich auf bewährte Einrichtungen stützen, sich aber stetig erneuern.
Thomas Bernhard für lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Veröffentlichungen der
Papst-Benedikt XVI.-Gastprofessur an der
Fakultät für Katholische Theologie der Universität Regensburg
Herausgegeben von der
Fakultät für Katholische Theologie der Universität Regensburg
in Verbindung mit der
Joseph Ratzinger Papst Benedikt XVI.-Stiftung
Inhaltsverzeichnis
Vorwort 11
A. Freiheit
I. Zusammenwirken von Staatsrechtswissenschaft und Theologie 17
1. Die Verfassung als gebündelte Rechtserfahrung und als Gegenentwurf 17
2. Freiheit als Recht 19
3. Zusammenhang von Recht und Religion 21
4. Hermeneutik 23
5. Rechtliche Dogmatik und kirchliches Dogma 26
6. Erneuerung von Kirchenrecht und Staatsrecht 27
7. Wirkungen der Religiosität im Recht 28
II. Quellen und Früchte der Verfassung 32
1. Christentum als Arche der Gewissheiten 32
2. Ausgangspunkt: Offensichtliche Gewissheiten 34
3. Ungewissheiten von Glauben und Unglauben 36
4. Pflege der Wurzeln 37
5. Der Verfassungsbaum 40
III. Naturrecht 42
1. Grundgedanken des Naturrechts 42
2. Historische Erfahrungen mit Natur und Recht 48
3. Was ist natürlich? 52
4. Geschriebenes Gesetz und ungeschriebene Gerechtigkeit 54
5. „Natürliche“ Autorität und Herrschaft 56
6. Die aktuelle Bedeutung des Naturrechts 57
7. Gerechtigkeit im verfassten Staat 58
IV. Die Idee der Freiheit 61
1. Freiheit als Angebot 62
2. Freiheit als Wagnis 63
3. Das Recht, sich zu unterscheiden 63
4. Kraft zur langfristigen Bindung 64
5. Freiheit als Macht 65
6. Freiheitsvertrauen 65
7. Beherzte Freiheitswahrnehmung 66
V. Autorität und Gestaltungskraft einer Staatsverfassung 68
1. Entstehen und Bestehen einer Verfassung 68
2. Angewiesensein der Verfassung auf den freien Bürger 71
3. Freiheit in zusammenführender Rationalität 72
B. Die Qualifikation zur Freiheit
I. Freiheitsrecht und Freiheitsfähigkeit 77
1. Die Idee der Bürgerverantwortung 77
2. Bildung zur Freiheitsfähigkeit 79
3. Unterschiedliche Fähigkeit zur Freiheit 79
4. Religionsfreiheit und Gewissensfreiheit 80
5. Das Recht der Gewissensfreiheit in der Normalität der Rechtsordnung 84
6. Der Zauber einer Annäherung an Vollkommenheit 87
7. Vertrauen und Zuversicht in zweifelhafter Realität 90
II. Die innere Kraft zur Verantwortung 95
1. Freiheit baut auf Ethos und Moral 95
2. Die „heile“ und die heilbedürftige Welt 98
3. Der Mensch braucht Hoffnung 102
4. Gleichgültigkeit und Ablehnung 105
5. Freiheitliches Entscheiden in Gemeinschaft 108
III. Die qualifizierenden Institutionen 111
1. Der Staat als Garant und Gegner der Freiheit 111
2. Die Gesellschaft als Impulsgeber für die Wahrnehmung der Freiheit 112
3. Kirchliche Mitgestaltung der Freiheitsfähigkeit 112
4. „Geistliche“ und „weltliche“ Gewalt 114
C. Der religionsoffene und säkulare Staat
I. Staatliche Macht 121
II. Freiheit und Autonomie 123
III. Der Mensch lebt in Gewissheiten und im Ungewissen 127
1. Vielfältige Quellen von Wissen und Gewissen 127
2. Das klare und das offene Wort 129
3. Glaube und Vernunft in Menschenhand 130
4. Das Schicksalhafte des menschlichen Daseins 131
5. Religion als Lebensstil 133
IV. Der säkulare Staat 136
1. Vielfalt und Wandel des Begriffs der Säkularisierung 136
2. Keine staatlich vertretene Weltanschauung des Säkularismus 138
3. Grundgesetzliche Struktur eines religiös neutralen Verfassungsstaates 140
a. Überwindung eines Staates ohne Gott 141
b. Das Angebot der Religionsfreiheit 142
c. Schutz der Sonn- und Feiertage 143
d. Der Status der öffentlich-rechtlichen Körperschaft 144
e. Der Staat überlässt Grundsatzfragen seinen Bürgern 146
f. Die Kultur des Dankes 147
g. Neutralität als Abwägungsprinzip 149
D. Die Leistungsfähigkeit von Kirchen und Religionen
I. Die Institution der katholischen Kirche 153
1. Glaubensgemeinschaft 153
2. Amt und Laien 156
3. Männer und Frauen 157
4. Das Zölibat 158
5. Missbrauch 159
II. Das Kirchenrecht 161
1. Beitrag zur Reform des Kirchenrechts 161
2. Handhabung des Kirchenrechts im Übergang 161
III. Vernunft und Geheimnis, Dogma und Vorbild 164
1. Die suchende, ins Ungewisse vorgreifende Botschaft 164
2. Weniger Dekret und mehr Dialog 165
3. Subjektive Suche nach objektiver Wahrheit 166
IV. Christliche Impulse in der Welt von Verfassungsstaaten 168
1. Erneuerung im modernen Menschen 168
2. Mann und Frau auf dem Weg zu Gott gleich 169
3. Suche nach dem einen Gott in Vertrauen und Gnade 169
4. Kirchenmacht in der Hand unterschiedlich qualifizierter Menschen 170
5. Religiöse Maßstäbe für die Wahrnehmung der Freiheitsrechte 170
6. Gemeinsamer Erfolg in Menschenrechten 171
7. Zurück zur Menschenrechtskultur und ihren Wurzeln 171
V. Gerechtigkeit in einer unsicheren Gesellschaft 173
1. Die Suche nach Gerechtigkeit 173
2. Kerninhalt der Gerechtigkeit 174
3. Der geistige Einfluss: Ansprechen des Menschen 178
4. Herstellen elementarer Einheit 179
5. Die empörte Gesellschaft 180
6. Tägliche Orientierung 183
7. Religion zur Freiheit 184
Dokumentation des Studientags zu
„Paul Kirchhof, Beherzte Freiheit“
Schreckgespenst oder Grundrecht: Wieviel Freiheit verträgt die Kirche? 189
Wolfgang Baum
Statement „Keine Kirche garantiert sich selbst(?)“ 195
Corinna Gerngroß / Alexander Lindl
Die Bedeutung der religionsverfassungsrechtlichen Garantien.
Religionsfreiheit und staatliche Neutralität in der Verfassung der Demokratischen Republik Kongo im Lichte ausgewählter Thesen von Paul Kirchhof 204
Yves Kingata
Replik von Paul Kirchhof 214
„Nobody is free until everybody is free“ 220
Ute Leimgruber
Geschenkte Freiheit – umstrittene Freiheit. Fundamentaltheologische Überlegungen 227
Alfons Knoll
Replik von Paul Kirchhof 237
Freiheitserfahrungen im Raum der Kirche 243
Sebastian Holzbrecher
Replik von Paul Kirchhof 249
Kritik liberaler Freiheit. Eine freiheitstheoretische Konzeption sozialer Gerechtigkeit 252
Bernhard Laux
Replik von Paul Kirchhof 262
Schlusswort von Paul Kirchhof 264
Verzeichnis der Autorinnen und Autoren 269
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