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Qumran
Die Schriftrollen vom Toten Meer und die Entstehung des biblischen Judentums
Reinhard Gr. Kratz
Verlag C. H. Beck oHG
EAN: 9783406781742 (ISBN: 3-406-78174-8)
320 Seiten, Festeinband mit Schutzumschlag, 15 x 22cm, Februar, 2022, Mit 29 Abbildungen, davon 16 auf Farbtafeln, und 2 Karten
EUR 26,00 alle Angaben ohne Gewähr
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Umschlagtext
WAS UNS DIE SCHRIFTROLLEN VOM TOTEN MEER ÜBER DIE ZEIT JESU VERRATEN
Die Schriftfragmente und Ruinen, die 1947-1956 am Toten Meer entdeckt wurden, geben bis heute Rätsel auf. War die Gemeinschaft, die hier lebte, eine Art Kloster, eine absonderliche Sekte oder eine Schreibwerkstatt? Kam Johannes der Täufer oder Jesus hierher? Reinhard Kratz verabschiedet in seinem bahnbrechenden Buch viele der gängigen Hypothesen und zeigt, dass wir in Qumran Zeugnisse des entstehenden "biblischen Judentums" vor uns haben, das sich von anderen Jahwe-Verehrern abgrenzte und bis heute in Judentum und Christentum lebendig ist.
Die Fragmente von rund tausend hebräischen, aramäischen und griechischen Handschriften, die in Höhlen nahe der Siedlung Hirbet Qumran zutage gefördert wurden, sind eine der spektakulärsten Entdeckungen des 20. Jahrhunderts. Die Texte geben Einblick in die Lebens- und Vorstellungswelt einer bis dahin völlig unbekannten Gruppe des Judentums der hellenistisch-römischen Zeit. Reinhard Kratz erklärt die Geschichte der Funde und ihrer Erforschung, rekonstruiert die Organisation der Gemeinschaft und erläutert, wie und warum hier so viele Texte entstanden. In einem souveränen Durchgang durch die wichtigsten Schriften macht er deutlich, dass die Gemeinschaft Teil einer Bewegung war, die sich auf die biblischen Schriften, besonders Tora und Propheten, berief und vom traditionellen jüdischen Opferkult distanzierte. Klar und anschaulich entsteht so ein neues, plastisches Bild von der Vielfalt des antiken Judentums und der frommen Bewegung, aus der auch das Christentum hervorging.
Die erste große Gesamtdarstellung zu Qumran seit vielen Jahren
Was es mit den Schriftrollen und der rätselhaften Gemeinschaft von Qumran wirklich auf sich hat
Von einem international führenden Qumran-Forscher
Reinhard G. Kratz ist Professor für Altes Testament an der Georg-August-Universität Göttingen, Leiter der dortigen Qumran-Forschungsstelle sowie Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. Fellowships in Berlin, Oxford, Cambridge und Rufe nach Kiel, Heidelberg, Berlin und Oxford belegen sein internationales Renommee.
Rezension
Über die spektakulären Schriftrollen-Funde von Qumran aus dem Jahr 1947ff diskutiert dieses Buch die wichtigsten Theorien in ihrem archäologischen Kontext. Die sensationellen, mehr als 2000 Jahre alten Textfunde von Qumran am Toten Meer vor mehr als 70 Jahren werden seit Jahrzehnten wissenschaftlich erforscht und transparent gemacht. Die am besten erhaltenen und wichtigsten Texte der sensationellen Qumranfunde liegen seit ca. 1960 in deutscher Übersetzung vor, einzigartige Originaltexte aus der Zeit zwischen ca. 150 v.Chr. und 70 n.Chr. Die Texte geben Einblick in die Lebens- und Vorstellungswelten einer bis dahin völlig unbekannten Gruppe des Judentums der hellenistisch-römischen Zeit und werfen ein neues Licht auf die Vielfalt des antiken Judentums und zugleich auf den Hintergrund, vor dem das Christentum und das Neue Testament entstanden sind. Da in Qumran Handschriften biblischer und außerbiblischer (parabiblischer und qumranischer) Werke gefunden wurden, setzt die vorliegende Darstellung beides miteinander in Beziehung und erklärt eines aus dem anderen. Die Gemeinschaft von Qumran erweist sich so als ein fortgeschrittenes Entwicklungsstadium eines «biblischen Judentums», dessen Anfänge sich in der Entstehung der Hebräischen Bibel widerspiegeln. Aus diesem Grund geht der Behandlung der Qumrantexte stets eine ausführliche Beschreibung der literarischen und konzeptionellen Entwicklung eines Themas innerhalb der Hebräischen Bibel voran, die sich in der parabiblischen Literatur und den Texten vom Toten Meer fortsetzt.
Thomas Bernhard, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Schlagwörter:
Bibel, Christentum, Handschriften, Jahwe, Judentum, Propheten, Ruinen, Schriftrollen, Tora
Inhaltsverzeichnis
Einführung
I. «Bücher in hebräischer Schrift»: Ein spektakulärer Fund
1. Die Entdeckung 15
2. Die Veröffentlichung 20
3. Die Texte 26
II. «Um in die Wüste zu gehen»: Ḥirbet Qumran und die Essener
1. Die «graue Ruine» 33
2. Die Essener-Hypothese 43
3. Neuansätze der Forschung 47
III. «Abgewendet vom Weg dieses Volkes»: Die Textüberlieferung
1. Die Bibel auf Leder und Papyrus 52
2. Schreiber und Schreibgewohnheiten 57
3. Fehler und Varianten 63
IV. «Damit du Einsicht gewinnst»: Die Textentstehung
1. Bibelhandschrift oder Midrasch? 69
2. Drei Editionen 76
3. Pluralität und Autorität 80
V. «Dies ist die Ordnung»: Die Statuten der Gemeinschaft
1. Das griechische Vereinswesen 85
2. Männer der Tora 87
3. Der Rat 92
4. Der Bund 97
5. Die Lager 102
VI. «Wir aber sagen»: Die Auslegung der Tora
1. Der mosaische Diskurs 109
2. Die Werke des Gesetzes 114
3. Jüdische Religionsparteien 125
VII. «Wir und unsere Väter vor uns»: Die Aneignung der heiligen Geschichte
1. Die heilige Geschichte 134
2. Die Reformulierung der heiligen Geschichte 140
3. Die Fortschreibung der heiligen Geschichte 149
4. Endzeitliche Historiographie 155
VIII. «Seine Deutung ist»: Die Kommentierung der Propheten
1. Der prophetische Diskurs 163
2. Fortschreibung und Pescher 169
3. Text und Kommentar 175
4. David als Prophet 179
5. Juda, Efraim und Manasse 188
6. Der «Lehrer der Gerechtigkeit» und seine Gegner 192
IX. «Gepriesen seist Du»: Die Anbetung Gottes
1. Der davidische Diskurs 200
2. Biblische und parabiblische Psalmen 207
3. Loblieder 213
4. Lieder zum Brandopfer am Sabbat 224
5. Religiöse Gebrauchstexte 229
X. «Das Geheimnis des Gewordenen»: Die Erforschung von Himmel und Erde
1. Der salomonische Diskurs 239
2. Daniel und der henochische Diskurs 245
3. Die theologische Erklärung der Welt 250
4. Die wissenschaftliche Erklärung der Welt 257
XI. «Wir haben uns abgesondert»: Qumran im antiken Judentum
1. Qumran und das biblische Judentum 261
2. Frühes Christentum und rabbinisches Judentum 269
Anhang
Liste der behandelten Qumranschriften 277
Zeittafel 281
Glossar 283
Anmerkungen 288
Literatur 297
Bildnachweis 309
Stellenregister 311
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