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Politische Religion
Theologie der Weltgestaltung - Christentum und Islam
Titel der Originalausgabe:
Political Religion. How Christianity and Islam Shape the World
© 2020 by Felix Körner, published by Paulist Press, 997 Macarthur Blvd., Mahwah, NJ 07430
Felix Koerner
Herder Verlag
EAN: 9783451386466 (ISBN: 3-451-38646-1)
336 Seiten, Festeinband mit Schutzumschlag, 13 x 21cm, 2020
EUR 30,00 alle Angaben ohne Gewähr
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Umschlagtext
Brauchen wir eine politische Theologie?
Politik ist Weltgestaltung durch öffentliche Macht – Religion ist die Realisierung des Heiligen. Auch Christentum und Islam gestalten mit. Als Konkurrenten? In Zusammenarbeit? Die neue religiöse Vielfalt Europas braucht eine neue politische Theologie. Felix Körner, Jesuit, Islamwissenschaftler, Dogmatiker, entwirft sie. Seine Ausgangsfrage: Wie beeinflussen die Religionen das Zusammenleben und die Machtverhältnisse? Und wie sind sie selbst davon beeinflusst? Diese politische Theologie bringt Erfahrungsberichte, Gesellschaftsanalysen, Textstudien und Theoriebausteine zusammen. Die Religionen werden als eigene Gestaltungskräfte sichtbar.
Felix Körner SJ ist Islamwissenschaftler und Professor für Dogmatik an der Päpstlichen Universität Gregoriana, Rom. Er gilt auf christlicher Seite als der beste Kenner der türkisch-islamischen Theologie.
Rezension
Religion ist wie Politik einer der großen Gestaltungsansprüche in Gesellschaften. Wie beeinflussen die Religionen das Zusammenleben und die Machtverhältnisse? Und wie sind sie selbst davon beeinflusst? In diesem Buch werden die Religionen als eigene Gestaltungskräfte sichtbar. Deshalb können sich Religion und Politik auch gegenseitig als Konkurrenten betrachten und behindern – oder als Machtmittel benutzen. Der Zusammenhang von Politik - Religion - Gewalt (vgl. Kap. 3) macht das exemplarisch deutlich. Diese Darstellung will sowohl das spezifisch Christliche im politischen Gestaltungswillen von Religion zur Geltung bringen, zugleich ist aber stets eine andere Stimme mitzuhören: die Politische Theologie des Islam. - "Wie können Religionen nun weltgestaltend werden? Es lassen sich sieben »politische Religionsmodelle« zeichnen. Sie sind hier zunächst gesellschaftswissenschaftlich formuliert. So können eben auch nichtchristliche Entwürfe darunter fallen. Auszugehen ist von der Auffassung, dass Religion eine nicht gewählte, sondern die so nun einmal vorhandene Umgebung ist: Religion als Kultur (Kapitel 1). Deren Gegenmodell ist die Verheißung, dass Menschen erst mittels einer Glaubensentscheidung zu sich kommen: Religion als Stiftung einer neuen Identität (Kapitel 2). Als selbstverständlich vorgegeben oder entschiedenermaßen angenommen sind Religionen in der Menschheitsgeschichte dann auch regelmäßig Begründung für politische Ordnung gewesen, für die Macht des Rechts, allerdings auch des Unrechts: Religion als Legitimation von Herrschaft und Gewalt (Kapitel 3). Hiergegen weisen nun aber viele Religionen ein prophetisch-kritisches Element auf, das die bestehenden Herrschaftsverhältnisse infrage stellt, auch die Religionsmissbräuche: Religion als Relativierung und Kritik menschlicher Macht (Kapitel 4). Neben die Frage der Macht tritt in Religionen vielfach die Problematik der Ohnmacht: Religion kann dem Nichtbegreifen, dem Scheitern, dem Vergessenen und Verdrängten, dem Unerfüllten Raum geben und wird so auch zur Stimme der Benachteiligten: Religion als Vergegenwärtigung von Schwäche (Kapitel 5). Wird sich aber eine Religion ihrer eigenen Schwäche bewusst, als Zumutung, Herausforderung und umstrittene Bezeugung, wird sie in der Öffentlichkeit nicht mehr geschlossene Gefolgschaft einklagen, sondern mit Widerspruch rechnen, auf Glaubwürdigkeit setzen und so auch denen zur Anregung, die sich ihr nicht mit wehenden Fahnen und Mitgliederausweis anschließen: Religion als Inspiration in einer pluralen Gesellschaft (Kapitel 6). So lässt sich Religion schließlich auf einen neuen Begriff bringen, der die bisher untersuchten religiösen Gegenwartsformen in ein gemeinsames Licht stellt: Religion als Anerkennung des anderen (Kapitel 7)." (Aus der Einleitung)
Thomas Bernhard, lehrerbibliothek.de
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 13
Aufbau 14
Besonderheiten 17
Lesegeschichte. Unterwegs zum Buch 18
Kultur 21
1 Religion als Kultur 22
1.1 Theologie der Welt 24
1.1.1 Johann Baptist Metz: Freiheitskritik 24
1.1.2 Karl Rahner: Kirche und Welt 26
1.1.3 Bibel und Koran: Welt in der Zeit 31
1.2 Theologie der Kultur 43
1.2.1 »Kultur« als Religionsbegriff 44
1.2.2 Kultur und Religion: versuchte Versöhnung 59
1.3 Von der Welt zum Geist: begriffsgeschichtlicher Ausblick 75
Identität 77
2 Religion als Stiftung einer neuen Identität 78
2.1 Identität aus Bekehrung 79
2.1.1 Die Identitätsproblematik 79
2.1.2 Theologie der Bekehrung 92
2.1.3 Israel: Rückkehr 93
2.1.4 Jesus: Zeitenwende 96
2.1.5 Paulus: Integration 99
2.1.6 Koran: Gründung einer neuen civitas 99
2.1.7 Die spannungsreiche Politik der Bekehrung: Volk 106
2.1.8 Zusammenfassung: Bekehrungsvorstellungen 111
2.2 Bekehrung aus Berufung 112
2.2.1 Berufung als Beziehungsgeschehen 112
2.2.2 Theologie der Identität 115
2.2.3 Theologische Anthropologie der Identität 118
2.2.4 Communio 125
2.3 Bekehrung, Berufung, Sakrament: begriffsgeschichtlicher Ausblick 129
Gewalt 131
3 Religion als Legitimation von Herrschaft und Gewalt 132
3.1 Krieg im Namen Gottes 133
3.1.1 Heiliger Krieg im Alten Israel? 134
3.1.2 Heiliger Krieg im Islam? 135
3.1.3 Der Kampf Christi 138
3.1.4 Heiliger Krieg und ǧihād im 20. Jahrhundert 143
3.1.5 Monotheismus und Gewalt 144
3.2 Religion, Recht, Repräsentation 146
3.2.1 Der Staat in der Ordnung der Welt 147
3.2.2 Begründung und Beschränkung 157
3.3 Von der Vollmacht zur Gerechtigkeit: begriffsgeschichtlicher Ausblick 170
Relativierung 175
4 Religion als Relativierung und Kritik menschlicher Macht 176
4.1 Religionen als Staatskritiker 177
4.1.1 Der König unter der Thora: Deuteronomium 178
4.1.2 Gewaltenteilung und Regierungskritik im Islam 181
4.2 Reich Gottes und Kirche, politisch 192
4.2.1 Die Unterscheidung des Evangeliums 192
4.2.2 Die Politik des Gottesreiches 200
4.2.3 Die Politik der Kirche 210
4.3 Von der Herrschaft Gottes zur Schwäche des Zeugnisses: begriffsgeschichtlicher Ausblick 214
Schwäche 218
5 Religion als Vergegenwärtigung von Schwäche 219
5.1 Option für die Armen 220
5.1.1 Für die Armen entscheiden 221
5.1.2 Textstudium. Sure 93: Überwindungsgedächtnis 223
5.1.3 Kirche der Armen 227
5.2 Glaube als bewusste Ohnmacht 237
5.2.1 Gott der Gewaltige und seine Gewalt über die Herzen (Sure 2:256) 237
5.2.2 Eine neue Identifikation 239
5.2.3 Religion als Fehlanzeige 241
5.3 Von den Armen zum Glauben: begriffsgeschichtlicher Ausblick 249
Inspiration 251
6 Religion als Inspiration in einer pluralen Gesellschaft 252
6.1 Glauben in der Widersprüchlichkeit 253
6.1.1 Inspirieren: eine Kurzgeschichte des christlichen Weltverhältnisses 256
6.1.2 Mission und daʿwa 260
6.1.3 Animieren: dem Kontinent Seele sein 262
6.1.4 Evangelisieren: Gesellschaftsstrukturen mitgestalten 263
6.1.5 Politische Christen, christliche Politiker 264
6.1.6 Präsenzform Zeugnis 265
6.2 Religion und Ethik im Widerspruch 267
6.2.1 Die Allgemeinheit der Werte 267
6.2.2 Theologie in der Öffentlichkeit 281
6.3 Vom Gewissen zum Zeugnis: begriffsgeschichtlicher Ausblick 284
Anerkennung 287
7 Religion als Anerkennung des anderen 288
7.1 Gott erkennt den Menschen an 292
7.2 Der Mensch erkennt Gott an 293
7.3 Der Mensch erkennt das Gemeinsame Haus, die Schöpfung an 297
7.4 Der Mensch erkennt seinen Mitmenschen an 299
7.5 Der Mensch erkennt sich selbst an 299
7.6 Anerkennung von Unerwünschtem 300
7.7 Anerkennung von Änderungsnotwendigkeiten und -möglichkeiten 301
7.8 Anerkennung einer Überlieferung 302
7.9 Anerkennung der Gemeinschaftsordnung 303
7.10 Anerkennung anderer Sicht- und Lebensweisen 304
Schluss 308
Bibliographie 311
Anmerkungen 315
Register 326
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