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Öl ins Feuer
Wie eine verfehlte Klimapolitik die globale Krise vorantreibt
Kathrin Hartmann
Rowohlt
EAN: 9783499014604 (ISBN: 3-499-01460-2)
272 Seiten, kartoniert, 14 x 21cm, Juli, 2024
EUR 18,00 alle Angaben ohne Gewähr
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Umschlagtext
Willkommen in der Klimakrise 2.0!
Die Klimapolitik der Bundesregierung hat auf ganzer Linie versagt, die Weltklimakonferenzen sind nur noch eine Farce. Dabei werden die realen Auswirkungen des Klimawandels immer spürbarer. Inmitten von Überschwemmungen, Hitze und Bränden sind nicht mehr die Klimaleugner das Problem, sondern jene, die das große Geschäft wittern:
Das werden LNG-Terminals für Fracking-Gas an den deutschen Küsten hochgezogen, die Speicherung von CO2 subventioniert und grüner Wasserstoff aus dem Globalen Süden importiert – und nebenbei wird mehr Öl als je zuvor gefördert.
Kathrin Hartmann zeigt, wie ausgerechnet die fossile Industrie davon profitiert, dass wir unsere Hoffnungen auf technische Lösungen, angebliche Brückentechnologien und Entkoppelung setzen, statt wirklich CO2 einzusparen, und wie ausgerechnet die grüne Klimapolitik damit Öl ins Feuer der Klimaerwärmung gießt.
Rezension
Zur Lösung der ökologischen Krise werden von der Wissenschaft und der Politik verschiedene Vorschläge präsentiert. Leugner des anthropogenen Klimawandels plädieren für ein unbeirrtes „Weiter-so“. Bei den Personen, welche den menschengemachten Klimawandel anerkennen, changieren die Antwortvorschläge zwischen dem Vertrauen auf das Prinzip „Hoffnung“, dem Verfechten von technologischen Lösungen wie beim Grünen Kapitalismus, einem Ökosozialismus, einer Ökodiktatur oder einem Degrowth-Kommunismus (Kohai Saito). Regierungen, die sich zu den Pariser Klimazielen bekennen, setzen vielfach auf Grünen Kapitalismus bzw. Green New Deal. Dazu gehörte auch die Ampel-Regierung in der Bundesrepublik, die während des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine die Energiewende initiierte und vollzogen hat. Sie förderte den Ausbau erneuerbarer Energien, den Bau von LNG-Terminals für Flüssigerdgas, die Subventionierung von CO2-Speicherung und den Import von grünem Wasserstoff.
Dass eine solch ausgerichtete Klimapolitik die globale Klimakrise nicht löst, sondern diese vielmehr verschärft, behauptet Kathrin Hartmann (*1972) in ihrem neuen Buch „Öl ins Feuer. Wie eine verfehlte Klimapolitik die globale Krise vorantreibt“(2024). Dieser bei Rowohlt Polaris erschienene Band liegt mittlerweile in dritter Auflage vor. Sehr gut gelingt es der Journalistin und ehemaligen FR-Redakteurin, bekannt durch ihr Buch „Die grüne Lüge“(2018), das Narrativ vom Grünen Kapitalismus anhand profunder Recherchen zu widerlegen. Dazu hat Hartmann Reisen u.a. nach Louisiana und Texas unternommen, wo LNG produziert und „Carbon Management“, das Speichern von Kohlenstoffdioxid, erprobt wird. Ihr Fazit zu den so genannten Brückentechnologien lautet: „Die erwähnten Technologien existieren entweder noch gar nicht, sind bereits gescheitert oder erkennbar zum Scheitern verurteilt – und sie bergen unkalkulierbare Sicherheitsrisiken.“(S. 15)
Menschen, welche in der Nähe der Industrieanlagen in den USA leben, primär Menschen mit geringen Einkommen, Afro- und Hispano-Ameikaner:innen, haben eine erhöhte Krebssterblichkeitsrate und erkranken häufiger als Menschen in anderen Regionen der USA an Atemwegs-, Herz- und Hautkrankheiten. Daher spricht sie auch von „Umweltrassismus“, der durch diese „technologischen Scheinlösungen“ hervorgerufen wird. „Schlechtestes“ Beispiel dafür ist in den USA die Petrochemieregion Cancer Alley, in der Plastik und synthetischer Dünger auf Basis von fossilen Brennstoffen wie Gas und Öl produziert werden.
Hartmanns Recherchen belegen u.a. die soziologischen Forschungserkenntnisse von Stephan Lessenich, Ulrich Brand, Markus Wissen und Jens Beckert. Lehrkräfte der Fächer Ethik, Politik und Geographie werden durch den vorliegenden Band motiviert, sich mit den in Gesellschaft und Politik dominierenden Vorschlägen zum Umgang mit der ökologischen Krise problemorientiert auseinanderzusetzen. Textauszüge aus Hartmanns Analyse können zudem produktiv im Fachunterricht eingesetzt werden.
Fazit: Das engagiert geschriebene Buch „Öl ins Feuer“ von Kathrin Hartmann zeigt wie unter einem Brennglas, dass eine dem Wachstumsparadigma verpflichtete grüne Klimapolitik die ökologische Krise nicht löst, sondern verstärkt.
Dr. Marcel Remme, für lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Öl ins Feuer
Wie eine verfehlte Klimapolitik die globale Krise vorantreibt | ZEIT/ZDF/DLF Sachbuch-Bestenliste September 24
Kathrin Hartmann zeigt, wo die Klimapolitik in Deutschland falsch abgebogen ist.
Als sich die Staaten der Welt zur Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels verpflichteten, das Bundesverfassungsgericht feststellte, dass die Klimapolitik der Merkel-Regierung verfassungswidrig ist und die Grünen mit fliegenden Fahnen in die Regierung einzogen, war eigentlich klar: Jetzt passiert etwas! Stattdessen: Weltklimakonferenzen in Ölstaaten, LNG-Terminals vor deutschen Küsten und eine grüne Regierung, die kein Geld für Bus und Bahn hat, aber für die Subvention von Dienstwagen. Also alles weiter wie bisher?
Die renommierte Journalistin Kathrin Hartmann zeigt, was Klimapolitik bei ständigem Wirtschaftswachstum bedeutet. Längst sind nicht mehr Klimaleugner das Problem, sondern jene, die mit dem Klimawandel das große Geschäft wittern. Und das sind vor allem die fossilen Energiekonzerne: Jetzt gibt es angeblich «sauberes» Flüssigerdgas, man träumt von grünem Wasserstoff, steigert auf dem Weg dahin den CO2-Ausstoß jedoch und greift zu gefährlichen Scheinlösungen wie «Carbon Management».
Es ist die bittere Wahrheit: Was momentan passiert, verschärft die Erderwärmung. Anstatt das Klima zu schützen, wird Öl ins Feuer gegossen. «Öl ins Feuer» ist eine aufrüttelnde Analyse unserer unzureichenden Bemühungen, etwas gegen Klimaerwärmung und zunehmende Naturkatastrophen zu tun.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Auf dem Weg in die klimaneutrale Klimakatastrophe 9
I. Im Bauch der Bestie
Eine Reise in den Abgrund der Öl- und Gasindustrie
an der Golfküste 19
II. Sabotage
Flüssigerdgas auf Kosten von Menschen, Klima,
Natur und Demokratie 41
1. Wilhelmshaven: Rammschläge für den Schweinswal 42
2. Lake Charles: Gift am Golf von Mexiko 53
3. Stade und Brunsbüttel: Alles für die Industrie 63
4. Freeport: Umweltrassismus und Profit 73
5. Rügen: Deutschlandgeschwindigkeit versus Demokratie 77
III. Phantom-Klimaschutz
Wie technologische Scheinlösungen die Krise
vorantreiben 99
1. Neue Monster: CO2-Speicherung, klimaneutrales Öl
und Geoengineering 100
2. Zurück in die Zukunft: Das Comeback des Atomkraft-
Zombies 124
IV. Die Klimaschutz-Katastrophe
Grünes Wachstum und Wasserstoff für das
Wolkenkuckucksheim 137
1. Grüner Extraktivismus: Plünderung im Namen
der Weltrettung 138
2. Der Mythos von der Entkopplung 154
V. Klimaschutz? Nein danke!
An den Fronten der Krise: Je näher die Einschläge,
desto stärker die Abwehrstrategien 165
VI. Kohlenstoff-Kolonialismus
Klima-Profite auf Kosten von Menschenrechten
und Biodiversität 193
1. Kompensation: Das große Geschäft mit dem
Recht auf Dreck 194
2. CO2: Die Währung des grünen Kapitalismus 213
Nachwort. Jenseits der Opferzone
Wie ein Bauer in Sambia und eine ehemalige Lehrerin
in Louisiana die fossile Industrie das Fürchten lehren und
was wir von ihnen lernen können 227
Danke 243
Anmerkungen 245
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