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Mythos und Neomythos
Signaturen des Zeitgeistes
Christa Georg-Zöller, Franz-Josef Bäumer, Thomas Menges, Michael Novian (Hrsg.)
Schöningh Wissenschaft
EAN: 9783506782526 (ISBN: 3-506-78252-5)
325 Seiten, hardcover, 16 x 24cm, 2016, 1 s/w Abb., 2 s/w Tab.
EUR 44,90 alle Angaben ohne Gewähr
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Umschlagtext
Vergangenen wie gegenwärtigen Mythenbildungen ist die Absicht gemein, Wege zur Bewältigung radikaler Endlichkeit aufzuzeigen. Hausers Forderung, die Anerkennung radikaler Endlichkeit als Kriterium der Bewertung an mythische wie neomythische Narrative in Kultur und Gesellschaft zum Aufweis ihrer Vernünftigkeit oder Irrationalität anzulegen, wird in diesem Band kreativ aufgenommen. Biblisch historisch, systematisch-theologisch, praktisch-theologisch religionspädagogisch und philosophisch werden vergangene wie gegenwärtige Mythen- und Neomythenbildungen als Signaturen des Zeitgeistes scharf konturiert. Immer wieder erliegen sie der Versuchung, die Anerkennung radikaler Endlichkeit zu überspielen und stattdessen Konzepte interessengeleiteter Selbsterlösung anzubieten. Anders als Religion überspringen sie die radikale Endlichkeit menschlicher Existenz. Selbsterlösungskonzepte erweisen sich als Signaturen des Zeitgeistes auf der Suche nach dem verlorenen Paradies. Diese Suche fortzusetzen, ist das vernünftige Plädoyer dieses Bandes: Kritik durch Religion und ihre mythischen Narrative versus vermeintliche Vernunft neomythischer Narrative.
Rezension
Der Mythos lebt auch in der aufgeklärten Welt weiter. Mit dem Mythos verbindet man archaische Gesellschaften, mit modernen Gesellschaften verbindet man den Logos. Dieser scheinbar schlichte Zusammenhang gerät zunehmend in Frage; denn das Bedürfnis nach Mythen ist in modernen Gesellschaften ungebrochen. Während Kenntnisse und Wirkungen traditioneller Mythen schwinden, zeigt sich, dass die Krisen kultureller Mythentradition nicht zum Verschwinden von Mythen führen, sondern zu ihrer Veränderung, zu einer Fülle von Mythossurrogaten und zu neuen Mythen der Alltagskultur (Roland Barthes). Die Hoffnung aufklärerischer Philosophie und Philologie, dem Mythos sei im Logos ein Ende zu setzen, hat sich als trügerisch erwiesen. Deshalb thematisiert dieser Band Mythos (Teil 1) und Neomythos (Teil 2). Dabei wird von Linus Hausers Forderung ausgegangen (Kritik der neomythischen Vernunft, 3 Bände, 2004ff), die Anerkennung radikaler Endlichkeit als Kriterium der Bewertung an mythische wie neomythische Narrative in Kultur und Gesellschaft zum Aufweis ihrer Vernünftigkeit oder Irrationalität anzulegen. Immer wieder erliegen Neomythen der Versuchung, die Anerkennung radikaler Endlichkeit zu überspielen und stattdessen Konzepte interessengeleiteter Selbsterlösung anzubieten.
Oliver Neumann, lehrerbibliothek.de
Inhaltsverzeichnis
Vorwort 9
MYTHEN ALS NARRATIVE DER ANTIKEN UND BIBLISCHEN UMWELT
Jasmin Hack
Mythen und Mythenkritik bei Theophilos von Antiochia 13
Ferdinand R. Prostmeier
„Hinabgestiegen in das Reich des Todes.“ Konstruktion und Dekonstruktion von Wirkungsgeschichte 33
Detlev Dormeyer
Von der selbstbestimmten Enthaltsamkeit (Enkrateia) zum Mythos in den ältesten apokryphen Apostelakten 51
Karl Matthias Schmidt
Die Kontingenz des Königs. Konkurrierende Konzepte von Herkunft und Zukunft in Mt 1-2 65
Eckhard Nordhofen
Unser tägliches Brot gib uns täglich? Auf der Spur des Singulars 81
MYTHEN ALS NARRATIVE DES MODERNEN KULTURRAUMS
Roderich Barth
Arbeit am Paradies 99
Margit Eckholt
El Dorado – Neomythen in der lateinamerikanischen Kultur 113
Frank Th. Brinkmann
Es war einmal ein kleiner Junge, der hatte nichts mehr auf der ganzen Welt als nur… Die Monomythos-Logik des Herrn Campbell als Schlüssel für religiöse Erzählungen 129
Thomas Menges
Eliminatorischer Humanitätsglauben. Humanitätsreligion und Katholizismus in Robert Hugh Bensons apokalyptischem Roman Der Herr der Welt 145
Lars Meuser
Von UFO- und Prothesengöttern. Erlösungshoffnung und Selbsterlösung in Ridley Scotts „Prometheus“ 155
Matthias Werner
„Dritte Kultur“ oder „Dritter Standpunkt“? Marginalien zum Begriff des Metaphysikförmigen 167
Hermann Schrödter
Naturwissenschaft als Erzählung? Grenzbegriffe als logischer Ort neomythischer Vernunft und ihrer Kritik 179
Hans-Dieter Mutschler
Technologie, Utopie und Science Fiction 193
Sarah Metternich
Die Bildwelt eines Neomythos – Scientology im Religionsunterricht 207
Alexander Seibold
Praktische Science-Fiction. Die Herren über Raum und Zeit greifen nach der Erde 219
MYTHEN ALS NARRATIVE DER WELTANSCHAULICHEN ENTWÜRFE VON GOTT, MENSCH UND WELT
Michael Novian
Bodenloses Selbstvertrauen – Absolute Gewissheiten in gegenwärtigen Fundamentalismen 233
Johannes Drescher
Wer weiß, dass er glaubt, weiß mehr, als der, der glaubt, dass er weiß.
Vom Sinn der Unwissenheit 245
Guido Bausenhart
Autosoterik, weil Theosoterik. Eine christologische Perspektive 253
Helmut Hoping
Gott, das Böse und die gnostische Versuchung 267
Hans-Joachim Höhn
Sacrophile Säkularisierung: Neomythen – Religiöser Atheismus – Christentum 275
Hans-Jürgen Müller
Charles Sanders Peirce liebt und verehrt aufrichtig seinen strikt hypothetischen Gott. Die Kosmogonie des Ens necessarium als eine nicht-neomythische Deutung der Welt 291
Biographie Linus Konrad Hauser 309
Bibliographie Linus Konrad Hauser 311
Verzeichnis der Autoren 323
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