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Metzler Autoren Lexikon Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart Dritte, aktualisierte und erweiterte Auflage
Metzler Autoren Lexikon
Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart


Dritte, aktualisierte und erweiterte Auflage

Benedikt Jeßing, Bernd Lutz (Hrsg.)

Verlag J. B. Metzler
EAN: 9783476020130 (ISBN: 3-476-02013-4)
848 Seiten, Festeinband mit Schutzumschlag, 16 x 24cm, September, 2004

EUR 49,95
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Das Metzler Autoren Lexikon hat bei Studierenden und Literatur-Leser/innen längst den Rang eines unverzichtbaren Standardwerks erobert. Es bietet rund 550 Porträts deutschsprachiger Autorinnen und Autoren in Geschichte und Gegenwart, die besonders auf den Zusammenhang zwischen Leben, Werk und Wirkung einer Autorenbiographie eingehen und damit das Verstehen von Literatur bereichern und vertiefen.



Für die dritte Auflage wurde das Lexikon aktualisiert und um mehr als 100 Einträge erweitert.



»Das Metzler Autoren Lexikon ist ein gelungenes Nachschlagewerk: anspruchsvoll, gut und interessant zu lesen, kulturpolitisch ohne Scheuklappen und falschen Zungenschlag. Es ist ein Lesebuch, in dem man sich einrichten kann wie in einer ganzen Bibliothek, wie in einer reich ausgestatteten und gut gelüfteten Fundgrube.«

RIAS Berlin
Rezension
Dieses Standardwerk sollte neben jeder Deutschen Literaturgeschichte seinen Platz finden. Konnte man dem Werk bis zur 2. Aufl. 1994 noch eine in gewisser Weise fehlende Aktualität unterstellen, weil zahlreiche aktuelle zeitgenössische Autoren fehlten, so ist auch dieser Mangel in der jetzt vorliegenden 3., um ca. 100 Autorenportäts erweiterte Auflage überwunden, wie exemplarisch die Leseprobe "Sten Nadolny" verdeutlichen mag. - Durchgängiges Lob!

Thomas Bernhard für lehrerbibliothek.de

Pressestimmen:
Das Metzler Autoren Lexikon ist ein gelungenes Nachschlagewerk: anspruchsvoll, gut und interessant zu lesen, kulturpolitisch ohne Scheuklappen und falschen Zungenschlag. Es ist ein Lesebuch, in dem man sich einrichten kann wie in einer ganzen Bibliothek. RIAS Berlin

Die Essays geben tiefe Einblicke in Leben, Werk und Wirken der wichtigsten deutschsprachigen Autoren - ausführlich und anschaulich. Literatur-Report

Dieses Lexikon befasst sich mit deutschsprachigen Dichtern und Schriftstellern vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Es bietet etwa 550 Porträts, die besonders auf den Zusammenhang zwischen Leben, Werk und Wirkung einer Autorenbiographie eingehen und damit das verstehen von Literatur bereichern und vertiefen. ORF 1

Verlagsinfo
Wer war eigentlich Hartmann von Aue? Welche Werke machten Bettine von Arnim berühmt? Zu welchem literarischen Zirkel gehörte Ingeborg Bachmann? Und wofür erhielt Günter Grass den Nobelpreis? Die Essays geben tiefe Einblicke in Leben, Werk und Wirken der wichtigsten deutschsprachigen Autoren. In der 3. Auflage um rund 100 Artikel u.a. zu Alexis Goll, Therese Huber, E.A.F. Klingemann, Durs Grünbein, Wolfgang Hilbig, Ruth Klüger, Brigitte Kronauer, Robert Menasse, Christoph Ransmayr, Raoul Schrott und Arnold Stadler erweitert - ausführlich und anschaulich.

Leben, Werk und Wirken von rund 550 Autoren
Über 100 neue Einträge zu Hildegard von Bingen, Judith Hermann, Rafik Schami, Feridun Zaimoglu u.v.a.

Autoreninformation:
Bernd Lutz, schrieb Kritiken, Hörfunkessays, übersetzte aus dem Englischen und Französischen, gab Buchreichen, das "Metzler Philosophen Lexikon (3. Auflage 2003) und das philosophische Werk Karl Löwiths heraus. Er leitet einen kulturwissenschaftlichen Fachverlag und beschäftigt sich "geduldig" mit evolutionärer Anthropologie.
Benedikt Jeßing; Studium der Fächer Deutsch und Biologie in Essen; 1991 Promotion; 2003 Habilitation; Studienrat im Hochschuldienst an der Ruhr-Universität Bochum; bei J.B. Metzler ist erschienen: "Johann Wolfgang Goethe". Sammlung Metzler 288, 1995; "Metzler Goethe Lexikon", 1999 (Mitherausgeber); "Einführung in die Neuere deutsche Literaturwissenschaft", 2003 (Mitautor).


Inhaltsverzeichnis
Artikel A - Z

Leseprobe:

Nadolny, Sten
Geb. 29. 7. 1942 in Zehdenick an der Havel
»Der Romancier als Historiker« betitelte die Neue Zürcher Zeitung eine Besprechung des aktuellen Romans von N. (Ullsteinroman, 2003), in dem - eine Auftragsarbeit - die Verlegerfamilie Ullstein porträtiert wird. Doch diese Schriftstellerlaufbahn begann unter den genau umgekehrten Vorzeichen: N. hatte in den 1970er Jahren zunächst bei Thomas Nipperdey, einem der bedeutendsten liberal-konservativen Historiker der Bundesrepublik, über die Genfer Abrüstungskonferenz 1932/33 promoviert, bevor er 1981 mit dem Roman Netzkarte sein literarisches Debüt vorlegte. Nach Tätigkeiten als Geschichtslehrer, Drehbuchautor und Aufnahmeleiter trat er damit in die Fußstapfen seiner Eltern Isabella und Burkhard N. sowie seines Großvaters Rudolf N., die allesamt Schriftsteller waren.
Erste Bekanntheit erlangte N. durch den Gewinn des Ingeborg-Bachmann-Preises 1980. Nicht ohne Sinn für medienwirksame Gesten teilte er das Preisgeld von 100.000 Schilling unter allen teilnehmenden Autoren auf und protestierte damit gegen den »schädlichen Wettbewerbscharakter« der Klagenfurter Veranstaltung. Gelesen hatte er aus Die Entdeckung der Langsamkeit, einem historischen Roman über den britischen Entdecker Sir John Franklin (1786-1847), der erst 1983 erschien. Das Buch wurde zum Bestseller (allein die deutsche Ausgabe fand bis heute 1,6 Mio. Käufer) und gilt als typisch postmoderner Roman. Der Autor nimmt die Vita Franklins zum Anlaß, das Panorama eines sich beschleunigenden Zeitalters zu entwerfen. Gattung und Thema des Romans sind somit nur vordergründig die historische Biographie: N. bezieht mit seinem Werk Stellung zum heraufkommenden elektronischen Zeitalter, das geprägt ist von Fortschrittsglaube, Informationsflut und rasanten technologischen Entwicklungen bei gleichzeitigem Verlust an Lebensqualität. Der Antiheld Franklin versucht, den rapiden Veränderungen seiner Epoche sein Handikap, eine ausgeprägte Langsamkeit, entgegenzusetzen - eine Strategie, die die ausgesprochene Sympathie des Autors hat. Bedächtigkeit, genaue Beobachtung und ein deutlich der Gegenwart entstammender Pazifismus werden hier zu Alternativen des modernen Machbarkeitswahns aufgebaut. Das schriftstellerische Vorgehen N.s kombiniert dabei sowohl die Genauigkeit des gelernten Historikers als auch den jede Szene zum Einzelbild auflösenden Blick des ehemaligen Filmschaffenden.
Für diese »Ursprungsgeschichte unserer heutigen Welt« (Wolfgang Bunzel) wurde N. 1984 mit dem Preis der Förderaktion für zeitgenössische Autoren, 1985 mit dem Hans-Fallada-Preis und 1986 mit dem Premio Vallombrosa ausgezeichnet. 1990 folgte die Aufnahme in die Bayerische Akademie der Schönen Künste; 1995 erhielt er der Ernst-Hoferichter-Preis für sein Gesamtwerk, bei dessen Verleihung N. ausführte: »Für ein bestimmtes Buch anerkannt und preiswürdig gefunden zu werden, ist schön -, aber als Schriftsteller ganz zusammen mit allen Frechheiten, Ratlosigkeiten. Irrtümern und Fehlern wahrgenommen zu werden (wobei diese mit den Vorzügen meist eng zusammenhängen), das will ich Glück nennen.« Dieses Glück ist N. bislang versagt geblieben. Mit der Verknüpfung von spannender, witziger Unterhaltung und literarischem Anspruch, die sich durch sein gesamtes Werk zieht, tut sich die deutsche Literaturkritik schwer. Auch das riesige Lesepublikum seines Welterfolges konnte N. mit den nachfolgenden Romanen Selim oder Die Gabe der Rede (1990), Ein Gott der Frechheit (1994) und Er oder ich (1999) nicht wiedergewinnen. Letzterer knüpft thematisch an den Erstling Netzkarte an: In beiden Geschichten macht sich der Protagonist frei von konkreten Zielen und begibt sich, ausgestattet mit einer Netzkarte der Deutschen Bahn, auf eine Flucht zu sich selbst. Überhaupt sind alle Hauptfiguren in diesen Werken - ob als Bahnpassagiere, Polarforscher, Ausländer in der Fremde oder Götter unter Menschen - Reisende auf der Suche. Sie finden dabei zwar in der Regel nicht das Gesuchte, entdecken jedoch Neues im Anderen und an sich selbst. N.´s Helden sind »Taugenichtse« (Thomas Überhoff) im romantischen Sinne, die dem ewigen Streben nach Leistung, Erfolg und Gewinn nicht entsprechen.
In Selim wird eine deutsch-türkische Freundschaft grundiert vom Verlauf der studentischen
Protestbevegung in Westdeutschland von 1965 bis 1989, gleichzeitig handelt diese humorvolle Geschichte von der Gabe des Erzählens: Der verkniffene Intellektuelle Alexander versucht, sich rhetorische Methoden anzueignen; der Fabulier- und Lebenskünstler Selim wendet dagegen eine ebenso alte wie (im Vergleich zum modernen Mediengeschäft) humane Kunst an, indem er spannende und bunt ausgeschmückte Geschichten erfindet, die zum Zuhören einladen. Während in der Entdeckung der Langsamkeit die konsequente Verzögerung von Wahrnehmung und Reaktion so
manche Gefahr bannen hilft, wird in Selim das interkulturelle Gespräch propagiert, um Barrieren zu überwinden - zwei »Botschaften«, die in Ein Gott der Frechheit neu variiert und durchgespielt
werden. So sind die von N. verfaßten Bücher immer »Thesenromane« (Ralph Kohpeiß); sie werden durch eine Idee, gar ein gesellschaftliches Ideal motiviert, das auch die jeweilige Schreibweise und Struktur des Werkes vorgibt.
In dieser Hinsicht sind alle Romane N.s miteinander verwandt. Sie entwerfen mit viel Ironie Gegenbilder zur Dominanz von Rationalität und Technologie in der Moderne: Reiselust und Erfahrung des Fremden, die ebenso detailgenaue wie genießende Wahrnehmung der Welt, fröhliche Anarchie und ein gewisser Hedonismus werden als alternative Werte propagiert. Deutliche autobiographische und zeitgeschichtliche Bezüge durchziehen die Bücher N. s. Narrativierung ist dabei für den Schriftsteller sowohl inhaltlich als auch handwerklich eine Strategie, sich Neues sinnlich anzueignen: »Ich weiß über mich nicht alles, das ist eine meiner Chancen« (Selim). Der spielerische Umgang mit intertextuellen Verweisen, die unbefangene Kombination literarischer Genres und Techniken sowie Grenzüberschreitungen zum vermeintlich Trivialen weisen N. als postmodernen Autor aus. Die vielschichtigen Erzählstrukturen seiner Werke spiegeln den Vorgang des Schreibens selbst, plakativ verdeutlicht hat er dies im Comic Amnea oder: Die fliegende Teekanne (2001). Essays über das eigene Verständnis als Schriftsteller legte N. mit seinen Münchener und Göttinger Poetik-Vorlesungen in Das Erzählen und die guten Ideen (2001) vor.

Literatur: Hoffmann, Dieter: Postmoderne Erzählstrukturen und Interkulturalität in Sten Nadolnys Roman »Selim oder Die Gabe der Rede«. Interpretation, Kommentar, Materialien. Frankfurt a. M. 2001; Kohpeiß, Ralph: Die Entdeckung der Langsamkeit. München 21999; Bunzel, Wolfgang (Hg.): Sten Nadolny. Eggingen 1996; Frühwald, Wolfgang: Ein »überragendes Mittel gegen die Einsamkeit«. Über den Erzähler Sten Nadolny. In: Sten Nadolny: Das Erzählen und die guten Absichten. München 1990, S. 11-19.
Matthias N. Lorenz