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Medienskepsis in Ostdeutschland Warum das Misstrauen in den Journalismus kein Erbe der DDR ist. Mit einer Fallstudie aus Bautzen
Medienskepsis in Ostdeutschland
Warum das Misstrauen in den Journalismus kein Erbe der DDR ist. Mit einer Fallstudie aus Bautzen




Michael Meyen, Lukas Friedrich

Herbert von Halem Verlag
EAN: 9783869627328 (ISBN: 3-86962-732-8)
205 Seiten, paperback, 14 x 21cm, 2026

EUR 28,00
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Warum ist die Medienskepsis im Osten der Bundesrepublik größer als im Westen? Haben wir es hier tatsächlich mit einem Erbe der DDR zu tun, wie oft behauptet wird, oder gibt es für die Kritik am Journalismus und die Wahlerfolge der AfD andere Ursachen? Auf der Suche nach Antworten taucht dieses Buch zunächst in die Forschung zum Vertrauen in den Journalismus ein und in das Wissen um den Medienalltag in der DDR. Über einen Vergleich der politmedialen Strukturen einst und jetzt sowie über eine pointierte Gegenposition zum hegemonialen DDR-Diskurs, formuliert vom ostdeutschen Filmemacher Wilhelm Domke-Schulz, wird der Boden für die folgende Untersuchung bereitet. Es werden neun Gruppendiskussionen in ganz unterschiedlichen ostdeutschen Milieus und eine Inhaltsanalyse zur öffentlichen Konstruktion Bautzens – einer Stadt, die seit 2016 als „Brown Under“ gilt – durchgeführt.

Die Studie zeigt zugleich, dass DDR-Erfahrungen auch dann nicht automatisch Zweifel am Journalismus der Gegenwart nach sich ziehen, wenn sie in der Familie weitergegeben wurden. Medienkritik und Wahlergebnisse in Ostdeutschland sind kein Erbe der Vergangenheit, sondern wurzeln in Brüchen zwischen Ideologie, Leitmedien und Wirklichkeit, die auch im Westen zu beobachten sind.

Ostdeutsche bringen aber erstens das Wissen mit, dass Ideologie und Wirklichkeit auseinanderklaffen können, haben zweitens erlebt, wie eine herrschende Erzählung und ihre Träger ersetzt worden sind, und drittens gesehen, dass auch ihre Kinder und Enkel auf absehbare Zeit nur in Ausnahmefällen mit Westdeutschen konkurrieren und die Kluft in Sachen Lebensstandard schließen können.

Michael Meyen, Prof. Dr., Jahrgang 1967, studierte an der Sektion Journalistik und hat dann in Leipzig alle akademischen Stationen durchlaufen: Diplom (1992), Promotion (1995), Habilitation (2001). Parallel arbeitete er als Journalist (MDR info, Leipziger Volkszeitung, Freie Presse). Seit 2002 ist Meyen Professor am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der LMU München. Seine Forschungsschwerpunkte sind Medienrealitäten, Kommunikations- und Fachgeschichte sowie Journalismus.

Lukas Friedrich, geboren 1990, hat in Bamberg (BWL; Bachelor) und Lissabon (Culture Studies, Master) studiert. Seit 2022 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung der LMU München (Dissertationsprojekt: Leitmediale Narrative zur Digitalisierung des Bezahlwesens). Von 2023 bis 2025 war er Mitarbeiter im Teilprojekt „Ostdeutsche Medienskepsis – ein mediales Erbe der DDR?“ des BMBF-Forschungsverbunds „Das mediale Erbe der DDR“.
Rezension
Warum sind die AfD-Wahlerfolge in Ostdeutschland so groß und warum ist gleichzeitig die Medienskepsis im Osten der Bundesrepublik größer als im Westen? Besteht hier ein Zusammenhang? Wie viel DDR steckt in der Unzufriedenheit mit den Leitmedien, die im Osten Deutschlands spätestens 2014 mit Pegida auch öffentlich sichtbar wurde? Die grundlegende Antwort dieses Buchs lautet: Medienkritik und Wahlergebnisse in Ostdeutschland sind kein Erbe der Vergangenheit und von DDR-Erfahrungen! Ostdeutsche bringen aber erstens das Wissen mit, dass Ideologie und Wirklichkeit auseinanderklaffen können, haben zweitens erlebt, wie eine herrschende Erzählung und ihre Träger ersetzt worden sind, und drittens gesehen, dass auch ihre Kinder und Enkel auf absehbare Zeit nur in Ausnahmefällen mit Westdeutschen konkurrieren und die Kluft in Sachen Lebensstandard schließen können. Deutschland besteht aus zwei Teilgesellschaften. Und das wird auf absehbare Zeit auch so bleiben.

Thomas Bernhard für lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Schlagwörter:
Gruppendiskussionen, Ost-West-Unterschiede, Systemkritik, Medienbewertung, DDR-Vergangenheit, Bautzen, Medienskepsis, Medienrealität, Ideologie, Propaganda, Fallstudie, Medienlandschaft, Gesellschaftsanalyse, Glaubwürdigkeit, Mediennutzung, Ostdeutschland, Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk, Medienkritik, Demokratie, Journalismus
Inhaltsverzeichnis
1. Warum wir dieses Buch geschrieben haben. Zur Einführung 9

2. Der Glaubwürdigkeit auf der Spur. Eine Forschungsgeschichte 20

2.1 Urteile über Medienangebote 22
2.2 Das Konzept Glaubwürdigkeit 25
2.3 Umfragen zur Medienbewertung in der Nachkriegszeit 28
2.4 Medienglaubwürdigkeit im ersten Nachkriegsjahrzehnt 29
2.5 Umfragen zur relativen Glaubwürdigkeit von Medienangeboten 31
2.6 Absolute Glaubwürdigkeit 34
2.7 Fazit 37

3. Mediennutzung und Medienbewertung in der DDR. Eine Typologie auf der Basis biografischer Interviews 39

3.1 Mediennutzung in der DDR: Forschungsstand 41
3.2 Methode 43
3.3 Mediennutzertypen in der DDR 52

4. Vom PR- zum Propagandastaat. Medien, Journalismus, Öffentlichkeit: Die DDR und wir 64

4.1 Die Nebelkerze ›vierte Gewalt‹ 66
4.2 Die Kommunikationsstrategie der SED 68
4.3 Interne Öffentlichkeiten und das Ende der DDR 72
4.4 Erleben wir gerade ein Déjà-vu? 75

5. Die DDR als Gegenmodell: Systemkonkurrenz, Geschichtspolitik und die multipolare Welt. Wilhelm Domke-Schulz im Gespräch mit Michael Meyen 77

6. Mediennutzung und Medienbewertung heute. Acht Gruppendiskussionen in Ostdeutschland und eine in Coburg 97

6.1 Auswahl der Diskussionsteilnehmer 99
6.2 Muster I: Die DDR im kollektiven Gedächtnis 107
6.3 Muster II: DDR- und BRD-Medien im Vergleich 110
6.4 Muster III: Medienkritik 117
6.5 Typologie 121
6.5.1 Typ 1: Die Flüchtlinge 122
6.5.2 Typ 2: Die Skeptiker 132
6.5.3 Typ 3: Die Verweigerer 141
6.5.4 Typ 4: Die Gläubigen 149
6.6 Einflussfaktoren 157

7. Die Erfindung von ›Brown Under‹. Eine Fallstudie zum Einfluss der Berichterstattung auf das Publikum 161

7.1 Die politische Landschaft der Stadt 164
7.2 Untersuchungsmaterial und Analysestrategie 170
7.3 Bautzen in der überregionalen Öffentlichkeit 172
7.4 Journalismusqualität und Medienskepsis 183

8. Demokratie muss gestaltet werden. Jörg Drews im Interview mit Michael Meyen 187

9. Staatsferne, Ost-Bashing und die Kluft zwischen Ideologie und Wirklichkeit. Ein Fazit zu den Wurzeln der ›Medienskepsis Ost‹ 202