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Konfliktgespräche mit Gott
Eine Anthropologie der Psalmen
Bernd Janowski
Neukirchener Verlagshaus
EAN: 9783788719135 (ISBN: 3-7887-1913-3)
424 Seiten, kartoniert, 15 x 22cm, 2003, Mit 35 Abbildungen und Bildern
EUR 29,90 alle Angaben ohne Gewähr
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Umschlagtext
Die vorliegende Anthropologie der Psalmen geht von den Grundfragen aus, die in den Klage- und Dankliedern des einzelnen an Gott gerichtet werden: "Mein Gott, mein Gott, wozu hast du mich verlassen?" (Ps 22,2) oder: "Wie lange erhebt sich mein Feind gegen mich?" (Ps 13,3). Nicht daß er bedauernswert ist und über dieses oder jenes klagt, sondern daß Gott ihn verlassen hat und einer Welt voller Ungerechtigkeit und Mißachtung zu überlassen droht, macht die Lebensnot des alttestamentlichen Beters aus. Trotz dieser Fragen wissen die Psalmen von einem Weg, der nicht zum Tod, sondern zum Leben führt. Die Metaphorik des "Wegs" meint beides: den Weg vom Leben zum Tod und den Weg, der an den Mächten des Todes vorbei zum Leben führt. Gemäß dieser Doppelstruktur des menschlichen Lebenswegs setzt das Buch bei den anthropologischen Themen 'Gottverlassenheit', 'Anfeindung', 'Rechtsnot' und 'Krankheit' an und geht danach zu den Themen 'Vergänglichkeit', 'Gotteslob', 'Errettung vom Tod' und 'Gottvertrauen' über. Acht lehrbuchartige Abschnitte zu anthropologischen Grundmotiven wie 'Sehen und Hören', 'Rache' oder 'Herz und Nieren' eröffnen übergreifende Zusammenhänge.
Bernd Janowski, geb. 1943 in Stettin, studierte von 1967-1972 Evangelische Theologie, Altorientalistik und Ägyptologie in Tübingen, promovierte 1980 zum Dr. theol. und ist nach Professuren in Hamburg (1986-1991) und Heidelberg (1991-1995) seit 1995 Professor für Altes Testament an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen. Seit 1996 Ordentliches Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften.
Rezension
Dieser Titel bearbeitet vor allem die Dynamik und innere Struktur der Klagepsalmen. Bei diesen wandelt sich die Klage über die Gottverlassenheit und erlittenes Unrecht zur Freude angesichts des Lebens vor Gott. Entsprechend lautet dann der - wohl provokant gemeinte Titel: Konfliktgespräche mit Gott. Innerhalb der einzelnen Kapitel werden Beispiele des Psalters exegetisch bearbeitet und Erkenntnisse aus benachbarten Wissenschaften ebenso herangezogen wie auch die Wirkungsgeschichte des Psalms in anderen Texten des AT verfolgt. Insgesamt wird somit auch eine "Geschichte der Bilder vom Tod" aufgezeigt, die bis in die moderne Kunst reicht (s. Inhalt). Dennoch steht im Zentrum die Frage, welches Menschenbild bzw. welche Menschenbilder und sich in den Psalmen wiederspiegeln und wie sich dadurch letztlich das Verhältnis des menschen zu Gott verstehen läßt.
F. Wessel, lehrerbibliothek.de
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
I.Einführung: Was ist der Mensch?
1. Grundfragen alttestamentlicher Anthropologie
a) Das Bild des Menschen
α) Historische Anthropologie
ß) Theologische Anthropologie
b) Die Sprache des Menschen
α) Stereometrie
ß) Metaphorik
2.Psalmen als anthropologische Grundtexte
a)Die Struktur der Klage- und Danklieder
b) Die Anthropologie der Klage- und Danklieder
II. Erster Teil: Vom Leben zum Tod
1. "Bis wann verbirgst du dein Gesicht?" (Ps 13,2) -der klagende Mensch
a)Die Verborgenheit Gottes
α) Der nahe und der ferne Gott
ß) Psalm 13 als Beispieltext
y) Der Stimmungsumschwung
b)Anthropologisches Stichwort 1: Sehen und Hören
α) Primat des Hörens?
ß) Das Schauen Gottes
2. "Schwerter sind auf ihren Lippen" (Ps 59,8) - der angefeindete Mensch
a)Die Unfaßlichkeit des Bösen
α) Die Feinde des Beters
ß) Psalm 59 als Beispieltext
y) Tiervergleiche in der Feindklage
b)Anthropologisches Stichwort 2: Rache
α) Feindes- und Nächstenliebe
ß) Rache und Racheverzicht
3."Schaffe mir Recht, JHWH!" (Ps 7,9) - der verfolgte Mensch
a)Die Rechtfertigung des Gerechten
α) Der Gott der Gerechtigkeit
ß) Psalm 7 als Beispieltext
y) Gott als Richter in der Umwelt Israels
b)Anthropologisches Stichwort 3: Herz und Nieren
α) Das hörende Herz
ß) "Der Herz(en) und Nieren prüft"
4. "Wann stirbt er und vergeht sein Name?" (Ps 41,6) - der kranke Mensch
a)Die Not des Kranken
α) Krankheit als Konflikt
ß) Psalm 41 als Beispieltext
y) Soziale Mißachtung im alten Israel
b)Anthropologisches Stichwort 4: Vitalität
α) Die lebendige næpæs
ß) Die næpæs des Toten
III. Zwischenstück: Das Tor zur Tiefe
1.Paul Klee, Angstausbruch
2.Paul Celan, Psalm
3.Paul Klee, Das Tor zur Tiefe
IV. Zweiter Teil: Vom Tod zum Leben
1. "Mein leben hat die Unterwelt berührt" (Ps 88,4) - der vergängliche Mensch
a)Die Erfahrung des Todes
α) Das Ende des Lebens
ß) Psalm 88 als Beispieltext
y) Todesmetaphorik in der Ich-Klage
b) Anthropologisches Stichwort 5: Diesseits und Jenseits
α) Vom Diesseits zum Jenseits
ß) Die Rückkehr ins Diesseits
2. "Du hast mich mit Freude umgürtet" (Ps 30,12) - der lobpreisende Mensch
a)Die Gegenwart des Heils
α) Der Sinn des Lebens
ß) Psalm 30 als Beispieltext
y) Opfer und Kult im alten Israel
b) Anthropologisches Stichwort 6: Dankbarkeit
α) Das Füreinander-Handeln
ß) Danklied und Dankopfer
3. "Du zeigst mir den Weg des Lebens" (Ps 16,11) -der begnadete Mensch
a)Der Gott des Lebens
α) Das Glück der Gottesnähe
ß) Psalm 16 als Beispieltext
y) Alttestamentliche Lebensmetaphorik
b) Anthropologisches Stichwort 7: Unvergänglichkeit
α) Die Überschreitung der Todesgrenze
ß) Die Unsterblichkeit der Gottesbeziehung
4. "Mein Gott, mein Gott, wozu hast du mich verlassen?" (Ps 22,2) - der Mensch Gottes
a)Konfliktgespräche mit Gott
α) Psalm 22 als exemplarisches Gebet
ß) Jesus und die Psalmen Israels
b) Anthropologisches Stichwort 8: Psalmengebet''
α) Die "Kleine Biblia"
ß) Das "Buch der unverfälschten Spiritualität"
V. Nachwort: Der Weg zum Leben
Exkurse
1.Das biblische Weltbild
2.Der 'ganze Mensch'
3.Licht und Finsternis
4.Das Rätsel des Bösen
5. Konnektive Gerechtigkeit
6.Die Welt des Kranken
7.Leben und Tod
8. Der schöne Tag
9.Gottesnähe
10. Ecce homo
Abbildungsnachweis
Abkürzungen
Literatur
Bibelstellen (Auswahl)
Sachregister
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