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Jüdische Philosophie von Philo bis Levinas
Jüdische Philosophie von Philo bis Levinas




Johannes Brachtendorf

Narr , UTB
EAN: 9783825265922 (ISBN: 3-8252-6592-7)
486 Seiten, paperback, 15 x 22cm, Dezember, 2025

EUR 39,00
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Das Buch liefert einen Überblick über die jüdische Philosophie von ihren Anfängen bis zur Gegenwart. Es stellt die bedeutendsten jüdischen Denker der Antike, des Mittelalters, der Aufklärung und des 20. Jhs. ausführlich dar und diskutiert ihre Thesen. So entsteht ein repräsentatives Gesamtbild jüdischen Denkens in seiner Vielschichtigkeit und seiner historischen Entwicklung. Zudem wird deutlich, wie dieses Denken die europäische Philosophie im Ganzen immer wieder herausgefordert und vorangetrieben hat. Systematische Schwerpunkte sind das Verhältnis von Vernunft und Offenbarung, das Wesen Gottes, das jüdische Gesetz, die politische Theologie und der Zionismus. Auch das Verhältnis des Judentums zum Christentum wird erörtert.

Prof. Dr. Johannes Brachtendorf ist Seniorprofessor für philosophische Grundfragen der Theologie an der Katholisch-theologischen Fakultät der Universität Tübingen.
Rezension
Jüdische Philosophen haben im Verlaufe von 2000 Jahren Philosophiegeschichte immer wieder sehr eigenständige philosophische Entwürfe eingebracht, - das zeigt dieser philosophiegeschichtliche Band an 10 Beispielen von der Antike bis zur Gegenwart, von Philo von Alexandrien bis Emmanuel Levinas auf (vgl. Inhaltsverzeichnis). Das Buch stellt die bedeutendsten jüdischen Denker der Antike, des Mittelalters, der Aufklärung und des 20. Jhdts. ausführlich dar und diskutiert ihre Thesen. Das Attribut „jüdisch“ verweist auf zwei Merkmale. Erstens geht es hier um das Denken von Menschen, die sich dem jüdischen Glauben zugehörig fühlen und sich weitgehend mit ihm identifizieren. Das zweite Merkmal betrifft den Gegenstand dieses Denkens, also den jüdischen Glauben sowie seine literarische Überlieferung. Man kann sagen, dass sich jüdische Philosophen von der Antike bis zum 19. Jahrhundert überwiegend mit der Deutung und dem rechten Verständnis der jüdischen Religion befasst haben. Seit der Emanzipation und der bürgerlichen Gleichstellung der Juden, wie sie sich im 19. Jahrhundert in der westlichen Welt vollzog, betreiben Juden Philosophie nicht anders als Nicht-Juden. Ein Bekenntnis zum jüdischen Glauben oder eine starke thematische Ausrichtung auf ihn werden unter Philosophen jüdischer Herkunft im 20. Jh. eher zur Ausnahme. Berühmte Denker und Denkerinnen dieser Art sind beispielsweise Walter Benjamin, Simone Weil, Gershom Sholem, Hannah Arendt und Leo Strauss. Zwar sind bei diesen Autoren sicherlich Einzelmotive jüdischen Denkens wirksam, doch argumentieren sie weder aus jüdischen Überzeugungen heraus, noch liefern sie eine umfassende Reflexion auf die Grundlagen des Judentums. Deshalb wurden diese Autoren in die vorliegende Darstellung nicht aufgenommen. „Jüdische Philosophie“ meint nicht „jüdisches Denken“. Philosophie wird in diesem Buch verstanden als die Suche nach den letzten Gründen der Wirklichkeit und nach dem Ziel menschlichen Lebens, und zwar mit den Mitteln der Vernunft und der rationalen Argumentation, die eine Begründung von Thesen aus Prinzipien liefern soll. „Philosophie“ ist universalistisch ausgerichtet, denn sie beruht auf der Überzeugung, dass Vernunftargumente für alle Menschen verstehbar und diskutierbar sind, unabhängig von der je eigenen Weltanschauung und kulturellen Herkunft.

Thomas Bernhard, lehrerbibliothek.de
Inhaltsverzeichnis
Einleitung

1 Philo von Alexandria

1.1 Leben und Werk
1.2 Die Unerkennbarkeit des Wesens Gottes
1.3 Die Erschaffung der Welt in philosophischer Deutung
1.4 Naturrecht als Grundlage der Ethik
1.5 Die natürliche Weisheit der Patriarchen
1.6 Moses und die Vernünftigkeit des Sinai-Gesetzes
1.7 Zusammenfassung

2 Yehuda Halevi

2.1 Leben und Werk
2.2 Arabische und jüdische Kritik an der Philosophie
2.3 Die Kritik an Christentum und Islam
2.4 Das Judentum als wahre, geoffenbarte Religion
2.5 Die Gottesnamen
2.6 Das Gesetz
2.7 Schöpfung, Vorsehung, Prophetie und die Freiheit Gottes
2.8 Positive Bezugnahmen auf die Philosophie
2.9 Zusammenfassung

3 Moses Maimonides

3.1 Leben und Werk
3.2 "Führer der Unschlüssigen" - Das Programm des Werks
3.3 Die rationale Auslegung der Bibel
3.4 Eigenschaften und Namen - Die Unerkennbarkeit des Wesens Gottes
3.5 Beweise für die Existenz Gottes
3.6 Die Schöpfung - Ist die Welt ewig oder hatte sie einen Anfang?
3.7 Die Prophetie - Wer wird Prophet?
3.8 Die Vorsehung - Kümmert Gott sich um jeden Menschen?
3.9 Das Gesetz und seine Zwecke
3.10 Der geistige Aufstieg zu Gott und das Endziel des Menschen
3.11 Zur Frage einer esoterischen Lehre im "Führer der Unschlüssigen"
3.12 Zusammenfassung

4 Baruch Spinoza

4.1 Leben und Werk
4.2 Das Anliegen des "Theologisch-politischen Traktats"
4.3 Prophetie und die Erwählung Israels
4.4 Das geoffenbarte und das natürliche Gesetz bei Moses und Christus
4.5 Die Grundlegung der historisch-kritischen Bibelexegese
4.6 Die Bibel als Wort Gottes
4.7 Die sieben allgemeingültigen Dogmen des praktischen Glaubens
4.8 Die Trennung von Theologie und Philosophie
4.9 Der Gesellschaftsvertrag als Grundlage des Staates
4.10 Die politische Geschichte Israels
4.11 Weltliche Herrschaft und kirchliche Macht im modernen Staat
4.12 Zusammenfassung

5 Moses Mendelssohn

5.1 Leben und Werk
5.2 Kritik an Spinozas Metaphysik - Alleinheitslehre vs. Schöpfertheismus
5.3 Kritik am Christentum
5.4 Natürliche Religion und Offenbarung
5.5 Die Erwählung der Juden und das Gesetz
5.6 Biblische Exegese
5.7 "Jerusalem oder über religiöse Macht und Judentum"
5.8 Zusammenfassung

6 Exkurs: Kants philosophische Kritik des Judentums

6.1 Die Frage nach dem Antisemitismus bei Kant
6.2 Die Idee einer Vernunftreligion und ihre Entstehung im 17. /18. Jh.
6.3 Kants Stellungnahmen zum Judentum
6.4 Resultat

7 Hermann Cohen

7.1 Leben und Werk
7.2 Denkgeschichtliche Bezugspunkte Cohens
7.3 Der Ansatz der Religionsphilosophie Cohens
7.4 "Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums"
7.5 Gotteslehre
7.6 Schöpfungslehre
7.7 Offenbarung als Erschaffung der Vernunft
7.8 Der Mensch als Mitmensch
7.9 Das Ich als Individuum7
.10 Der Messianismus
7.11 Auferstehung und Unsterblichkeit
7.12 Das Gesetz
7.13 Kritik am Zionismus
7.14 Zusammenfassung

8 Franz Rosenzweig

8.1 Leben und Werk
8.2 "Der Stern der Erlösung" - Aufbau und Gliederung
8.3 Kritik an der Philosophie von Jonien bis Jena
8.4 "Das neue Denken" (1925) - Rosenzweigs Selbstinterpretation
8.5 Gott, Welt, Mensch - "Der Stern der Erlösung" (I)
8.6 Schöpfung, Offenbarung, Erlösung - "Der Stern der Erlösung" (II)
8.7 Judentum und Christentum - "Der Stern der Erlösung" (III)
8.8 Zusammenfassung

9 Martin Buber

9.1 Leben und Werk
9.2 Philosophische Anfänge bei Nietzsche und Tönnies
9.3 Theopolitik
9.4 "Daniel" (1913) - die Zweiheit in der Einheit
9.5 "Ich und Du" (1923) - das dialogische Denken
9.6 "Gottesfinsternis" - Religion vs. Philosophie
9.7 Ich-Du und Ich-Es - Judentum vs. Christentum
9.8 Zusammenfassende Reflexion: Bubers dichotomisches Denken und das ethische Defizit des Prinzips "Gemeinschaft"

10 Emmanuel Levinas

10.1 Leben und Werk
10.2 "Totalität und Unendlichkeit"
10.3 "Jenseits des Seins" - Stellvertretendes Sühneleiden als Grund des Subjektseins
10.4 "Gott und die Philosophie" - "Illeität" und "Intrige"
10.5 Kritik an Levinas' Philosophie
10.6 Levinas' jüdische Schriften

Literaturverzeichnis
1. Quellen
2. Sekundärliteratur
Personen- und Sachregister
Bibelstellen