lehrerbibliothek.deDatenschutzerklärung
Immanuel Kant Eine Biographie
Immanuel Kant
Eine Biographie




Steffen Dietzsch

Reclam Leipzig
EAN: 9783379008068 (ISBN: 3-379-00806-0)
368 Seiten, Festeinband mit Schutzumschlag, 14 x 21cm, 2003

EUR 24,90
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Diese Kant-Biographie ist nicht nur eine Beschreibung der grandiosen Persönlichkeit Kants als »Kopf ohne Welt« (Elias Canetti). Steffen Dietzsch entwirft das philosophische Erkenntnisdrama Kants neu im Kontext einer Kulturgeschichte Königsbergs. Jüngste umfangreiche Funde im Archiv der Universität Königsberg bilden die Grundlage dafür. Der Leser erhält sowohl Einsichten in das bürgerliche Leben Kants als auch in das akademische Leben des Philosophen als Hochschullehrer.

Und wer bisher davor zurückschreckte sich mit dem großen Werk Kants zu beschäftigen, kann mit dieser Biographie unschwer und gewinnbringend beginnen.



Zum 200. Todestag Immanuel Kants - ein neues Lebensbild des großen Königsbergers.

»Oft sah ich ihn so liebenswürdig unterhaltend, | daß man nimmer den tief abstrakten Denker in ihm geahnet hätte, | der eine solche Revolution in der Philosophie hervorbrachte.

Im gesellschaftlichen Gespräch wußte er bisweilen sogar | abstrakte Ideen in ein liebliches Gewand zu kleiden.

Anmuthsvoller Witz stand ihm zu Gebote und | bisweilen war sein Gespräch mit leichter Satyre gewürzt, | die er immer mit der trockensten Miene hervorbrachte.«

Charlotte Elisabeth von der Recke (1754-1833)



Steffen Dietzsch wendet sich mit seiner Kant-Biographie gegen das weitverbreitete Vorurteil, der große Kritiker der Metaphysik hätte »weder Leben noch Geschichte« (Heinrich Heine) gehabt. Goethes Diktum, Kants Denken sei »in unsere deutsche Kultur am tiefsten eingedrungen« wird hier in überzeugender und lebendiger Weise nachvollziehbar.



Steffen Dietzsch, geboren 1943, lehrt als Professor Philosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Zahlreiche Veröffentlichungen zum philosophischen Werk Immanuel Kants, zur Aufklärung in Deutschland und zum Deutschen Idealismus. Bei Reclam Leipzig sind erschienen: Philosophen beschimpfen Philosophen (RBL 1542), Luzifer lacht. Philosophische Befrachtungen von Nietzsche bis Tabori (RBL 1480), Kleine Kulturgeschichte der Lüge (RBL 1580). Letzte Buchveröffentlichungen: Wider das Schwere, Berlin 2002; Das Irrationale denken, Leipzig 2003.
Rezension
Der große deutsche Philosoph der Aufklärung Immanuel Kant (Königsberg 1724-1804) gilt als biographisch spröde, sprachlich abstrakt, geographisch einfältig (er hat den Raum um Königsberg nie verlassen), wesentlich vergeistigt (ewiger Junggeselle) und wenig lebensfreudig. Diese Biographie zum 200. Todestag entwirft ein differenzierteres Bild von Person und Leben Immanuel Kants u.a durch neue Funde aus dem Archiv der Universität Königsberg. Auf ihre Weise ermöglicht diese Darstellung auch eine Einführung in Kants Werk; denn der Bezug zu Kants Schriften wird sehr wohl hergestellt. Vor allem aber lehrt die Lektüre eines: Kant hatte mehr (Um)Welt, mehr Geschichte und mehr gesellschaftliches Leben als zunächst inmitten eines kargen und bedürfnislos ausgerichteten Daseins vermutet.

Jens Walter, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Zum 200. Todestag Immanuel Kants am 12. Februar 2004 – ein neues Lebensbild des großen Königsbergers.

Steffen Dietzsch wendet sich mit seiner Kant-Biographie gegen das weit verbreitete Vorurteil, der große Kritiker der Metaphysik hätte "weder Leben noch Geschichte" (Heinrich Heine) gehabt. Dietzsch’ Biographie ist nicht nur eine Beschreibung der grandiosen Persönlichkeit Kants als "Kopf ohne Welt" (Elias Canetti), sondern sie entwirft das philosophische Erkenntnisdrama Kants neu im Kontext einer Kulturgeschichte Königsbergs. Jüngste umfangreiche Funde im Archiv der Universität Königsberg bilden die Grundlage dafür. Der Leser erhält aufschlussreiche Einsichten in das bürgerliche wie akademische Leben Kants als Hochschullehrer - namentlich auch als Prüfer, Zensor, Dekan, Rektor.
Goethes Diktum, Kants Denken sei "in unsere deutsche Kultur am tiefsten eingedrungen" wird hier in überzeugender und lebendiger Weise nachvollziehbar.

Autoreninformation:

Steffen Dietzsch, geboren 1943, lehrt als Professor Philosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Letzte Buchveröffentlichungen: Wider das Schwere, Berlin 2002; Das Irrationale Denken, Leipzig 2003.
Zuletzt bei Reclam Leipzig Kleine Kulturgeschichte der Lüge, 1998.


Pressestimmen:

"Den institutionellen Kontext von Kants Leben beleuchtet Dietzsch, der durch seine Aufarbeitung der Universitätsakten eine nach wie vor bestehende Lücke zu schließen beginnt. Denn mit dem Tag der Immatrikulation wurde Kant 1740 zu einem Bürger der Universität, der er bis zu seinem Tode blieb. Über vierzig Jahre lang erfüllt er, zunächst als Privatdozent und erst spät als Professor, ein für heutige Begriffe immenses Lehrpensum von zeitweise mehr als zwanzig Wochenstunden. Daneben wurde er 1776 zum ersten Mal Dekan der Philosophischen Fakultät, später in den Akademischen Senat der Universität gewählt und übernahm schließlich das Amt des Rektors.
Wohl vernachlässigte Kant seine Dienstpflichten nicht schlichtweg, wie es ihm sein Kollege und Konkurrent, der Medizinprofessor Metzger Metzger, vorwarf, der im Rektorat 'Confusion' und einen 'tulmutarischen Gang der Geschäfte' sah. Doch wird man seine Amtsführung auch nicht gerade als preußisch bezeichnen können. So ließ er sich in seiner Eigenschaft als Rektor bei der Huldigungsfeier für den neuen preußischen König Friedrich Wilhelm II. beim Hof-Gottesdienst vertreten, da er mit wachsendem Alter kirchlichen Zeremonien ablehnend gegenüber stand."
Süddeutsche Zeitung


"Ausführlich berichtet Dietzsch über das Schicksal einiger jüdischer Studenten, die prekären Bedingungen ihrer Zulassung und ihre vergeblichen Versuche, auf eine Professur zu gelangen: An der Königsberger Albertina wurde Juden – ebenso wenig wie Katholiken – die Lehre nicht gestattet. Dieser 'administrative' Antijudaismus, so muss man Dietzsch' Ausführungen über die Zeit von 1702 bis 1812 wohl interpretieren, wurde auch von Kant, als Professor, zeitweiligem Rektor und Mitglied des Senats der Königsberger Universität mitgetragen. Das lässt nach Einschätzung von Dietzsch aber nicht auf persönliche Feindschaft oder Intoleranz Kants schließen, der Moses Mendelssohn hoch schätzte und Marcus Herz zu seinen engsten Vertrauten zählte."
Frankfurter Rundschau


"Dietzsch Kapitel 'Kant und die Juden' erlaubt genauere Einblicke in das Verhältnis von Christen und Juden in Königberg. Kants Kollege Georg David Kypke war Regierungsinspektor der Synagoge und musste dort das Alenu-Gebet überwachen, das angeblich antichristliche Lästerungen enthielt 1777 kam es zu einem Streit mit dem Überwacher, denn die Gemeinde sprach das Gebet undeutlich oder leise, so dass nicht zu entscheiden war, ob die untersagten Passagen gesprochen wurde. Ein Gutachten von Moses Mendelsohn brachte schießlich das Ende der Überwachungspraxis.
Bei Dietzsch treten Kants Hauptwerke in den Hintergrund; dafür ist sein Königsberger Umfeld beschrieben und ein Schwerpunkt mit dem Verhältnis der Stadt, der Universität und des Philosophen zur Judenschaft im Zeitalter der Aufklärung gesetzt. Der Abdruck von unveröffentlichten Vorworten zu Vorlesungsverzeichnissen der Königsberger 'Albertina' – aufgefunden im Staatsarchiv Olsztyn – von denen einige von Kants Hand sein könnten, bietet einen Eindruck vom feierlichen Ernst des damaligen Studiums – jedenfalls seitens der Universität."
Berliner Zeitung


"Natürlich gibt es viele Möglichkeiten eine Kant-Biographie anzufangen. Steffen Dietzsch entscheidet sich für Königsberg, dann kommt noch ein bisschen Königsberger Universitätsgeschichte. Das sind sehr lesenswerte, plastische Skizzen, und außerdem steckt ein tiefer Realismus darin: immer gibt es viele Dinge, die schon da sind, bevor man selbst da ist. Das führt dazu, dass Kant bei Dietzsch erst auf Seite 22 sehr beiläufig geboren wird.
Dietzschs Lebensgeschichte Kants ist mit filigranem Humor geschrieben und schöner Aufmerksamkeit für absurde gleichwohl aufhellende Details."
Der Tagesspiegel


"Die Erschließung bisher wenig oder gar nicht beachteter Aspekte zu Kants Leben zeichnet die Biografie von Steffen Dietzsch aus. Seine detaillierte Beschreibung von Königsberg zu Zeiten Kants erweckt im Leser die Lust, im heutigen Kaliningrad selbst die historischen Orte aufzuspüren."
Neues Deutschland


"Hervorragend recherchierte Kant-Biografie , die anhand der Lebensgeschichte des großen Aufklärers nicht nur sein komplexes Werk entschlüsselt, sondern auch ein Stück Universitäts- und Geistesgeschichte schreibt."
Leseempfehlungen Stiftung Lesen & ZDF aspekte


Inhaltsverzeichnis
Prolog

Königsberg 1724-1740 9

Die Albertina 34
Der elegante Magister 65
Was Erkennen ist und was nur Denken 108
Die ansteckende Kraft der Kritik 13 2
Die Tischgesellschaft 158
Kant und die Königsberger Juden 171
Kants unmerkliches Lächeln über die Aufklärung 202
Der unbotmäßige Alte 227

Epilog
Die Fakultät sucht Kants Nachfolger 265

Anhang
Apokryphe Kant-Texte 1776-1791 294
Anmerkungen 308
Personenregister 358
Abbildungsverzeichnis 365



Leseprobe

Kant und die Königsberger Juden

... daß wir unser geistiges Judesein abhängig glauben mussten von der Frage, ob wir Kantianer zu sein vermochten oder nicht.
Franz Rosenzweig


Nirgends in Kants Theorie über den Menschen, nirgends in seiner Schrift Von den verschiedenen Racen der Menschen (1775) ist Platz für den Begriff 'jüdische Rasse'. Der Begriff 'Rasse' wird von ihm generell in der Naturgeschichte gebraucht, um "den Klassenunterschied der Thiere eines und desselben Stammes, so ferne er unausbleiblich erblich ist", zu bezeichnen.
Unter den Menschen gibt es augenfällig natürlich auch bemerkenswerte Unterschiede, die Kant aber nicht mit dem Begriff 'Rasse' qualifizieren will, sondern er wird das vielmehr mit "Abartung (progenies classifica) übersetzen, um eine Race von der Ausartung (degeneratio) zu unterscheiden, die man nicht einräumen kann, weil sie dem Gesetz der Natur [...] zuwider läuft." Wenn man also die Menschengattung intern differenzieren wollte, dann, nach Kant, allerdings nicht so, aus dem je "verschiedenen Menschenschlag" etwa eine "besondere Species daraus zu machen, weil diese auch eine absonderliche Abstammung bedeuten könnte, welche wir unter dem Namen einer Race nicht verstanden wissen wollen." Denn, so Kant, "genera und species (bedeuten) die physische Absonderung, die die Natur selbst unter ihren Geschöpfen in Ansehung ihrer Erzeugung macht."

Gleichwohl gehörte es zu Kants gesellschaftlichen Umgangsformen und Gesprächsthemen, auch in seiner Publizistik, sogenannte nationale und regionale Charaktere in ihren Eigenarten und Auffälligkeiten aufzugreifen, sie miteinander zu vergleichen und gelegentlich auch – von heute her gesehen bisweilen political incorrect – darüber mehr oder weniger derbe generalisierende Scherze zu machen. Beispielsweise, daß der Deutsche hoffärtig und aufgeblasen sei, seine Umgangssprache bombastisch und steif, so daß "die schöne Einfalt, welche andere Völker ihrer Schreibart geben können", hier ganz fehle. Oder daß die Einwohner von Amerika, "zu schwach für schwere Arbeit, zu gleichgültig für emsige und unfähig zu aller Cultur", "noch tief unter dem Neger selbst stehen, welcher doch die niedrigste unter allen übrigen Stufen einnimmt, die wir als Racenverschiedenheiten genannt haben." Schließlich die Italiener, sie leben in Salons, wohnen aber in 'Ratzenlöchern'. Aber auch, daß wir im "Araber den edelsten Menschen im Orient" bemerken könnten, oder daß "die Perser die Franzosen von Asien" seien.
Die Quellen und Anlässe für solche – eben mitunter auch degoutante – Redereien waren häufig das in Hafen- und Handelsstädten allgegenwärtige Hörensagen von fremden und befremdlichen Lebensumständen, der Kenntnisnahme von Reiseberichten aus aller Welt oder eben auch die distanzierte eigene
In-Augenschein-nahme von Fremden. So sollten wir auch des Aufklärers Kants mitunter wenig verständnisvolle empirische Wahrnehmungen des 'Jüdischen' immer unter die Kautele stellen, daß hier nicht 'rassentheoretisch' geurteilt wird. Sondern daß er – im eigenen Selbstverständnis – über Varietäten der Einen
Menschengattung schulmeistert. Und vor allem, daß hier von Kant ordnungs- und religionsphilosophisch unterschiedliche Sachverhalte thematisiert und verglichen werden.

Eine Hauptaufgabe der Aufklärung war es, auch den jüdischen Emanzipationsprozeß zu flankieren. Es ging dabei darum, vom Ghetto in die bürgerliche Gesellschaft zu kommen, aber, wie es übereinstimmend die ansonsten philosophisch kontroversen Aufklärer Moses Mendelssohn und Immanuel Kant forderten, "ohne die Träumerei einer allgemeinen Judenbekehrung." Ob und wie das gelingen würde, war ablesbar an den rechtlichen Möglichkeiten für die jüdische Jugend, geregelten Zugang zu höherer säkularer Bildung zu erhalten. Und wie viel man dafür von seiner jüdischen Identität preiszugeben hätte.
Daß aber ein Jude als akademischer Bürger in Preußen, zumal im ostpreußischen Königsberg, ohne sein Jüdischsein zu verleugnen, eine beamtete Karriere machen könnte, war noch im 19.Jahrhundert ziemlich ausgeschlossen. – Bis 1812 wurden (an der seit 1544 bestehenden Universität) insgesamt 112 jüdische Studenten (meist an der Medizinischen Fakultät) gezählt, aber mehr als die Hälfte von ihnen war allein im letzten Viertel des 18.Jahrhunderts immatrikuliert. Die Albertina hatte damit allerdings die höchste Frequenz studierender Juden aller vergleichbaren deutschen Universitäten in jener Zeit. "Die Zahl der an der Umweltkultur interessierten Juden wuchs so, daß sich die Immatrikulationen jüdischer Studenten zwischen 1740 und 1790 versechsfachten. Juden strebten von der Medizin jetzt auch zur Philosophie und gehörten zu den ergebensten Studenten Kants."
Das Emanzipationsedikt (vom 11.März 1812) beseitigte zwar schon viele alte Vorschriften, die einem bürgerlichen Leben im Wege standen – erst jetzt wurden Juden für Inländer und preußische Staatsbürger erklärt –, doch es brachte noch keine vollständige rechtliche Gleichstellung der Juden in Preußen. Aber dies war, jedenfalls in den wenigen Jahren bis hin zur Metternich-Ära, die wohl fortschrittlichste Judengesetzgebung in Deutschland. Dieses Edikt von 1812 wurde in der Reaktionszeit nach 1818 immer wieder restriktiv novelliert, z.B. durch eine Verordnung (Publicandum) des Staatsministeriums von 1822, die die Zulassung von Juden in akademische Lehr- und Schulämter wieder zurücknahm.

Die Rechtsvorschriften der alma mater Albertina, zumal die Statuta Facultatis Artium et Philosophiae posteriora bestimmten exklusiv das lutherische Augsburgische Glaubens-Bekenntnis als für Hochschullehrer unerläßliche geistige und geistliche Bedingung ihrer Arbeit auch hier in Königsberg.
Diese strikten Bestimmungen zur religiösen Verfassung an den Universitäten hatten ursprünglich zu tun mit der Herausbildung neuer reformatorischer Staatlichkeit, d.h. die Hohen Schulen in den neuen protestantischen Territorien waren "instrumenta dominationis" bei der Identitätsfindung und -behauptung jener Staaten mit der neuen Konfession. "Die Fürsten bemächtigten sich sofort des Rechts, die Professoren [...] nach Gutdünken zu ernennen und zu vertreiben, und die Leichtigkeit, mittels der Ab- und Einsetzung von drei oder vier Professoren den Religionsstand eines ganzen Landes zu ändern, gebar das Territorialsystem mit seinen Grundsätzen, daß der Fürst über die Religion des Landes entscheide." Diese Religionsverfassungen der Universitäten im protestantischen Deutschland blieben über die Zeiten bis fast zur Reichsgründung 1870 hin in Geltung.

So mußte man in Preußen also über lange Zeit gut lutherisch sein, wenn man zu höheren Weihen der Kultur, allem voran der Bildung gelangen wollte; es wurden also keine reformierten, keine katholischen und natürlich auch keine jüdischen Universitätslehrer geduldet. "Yet the Prussian university was less Christian than Protestant, for Catholics were almost as disadvantaged as Jews."
Da schaffte auch z.B. die Aufklärung keine Abhilfe, obwohl sie doch immerhin eine Königsberger Erfindung war. Ihr Appell jedenfalls an Selber-Denken und Mut zu haben, sich seines Verstandes ohne Leitung anderer zu bedienen, so die beiden bekannten Essentials jenes programmatischen Aufsatzes von Immanuel Kant Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?, führte keineswegs auch schon institutionell oder administrativ zu einer breiteren Toleranzkultur in Preußen. Das königliche Versprechen, daß jeder seiner Façon gemäß selig werden solle, bedeutete noch lange nicht, daß jeder auch – unbehelligt – seiner Façon gemäß leben oder auch nur lehren dürfte. – Übrigens: Erst im Vormärz gelang es – 1828 – dem jüdischstämmigen Juristen Eduard Gans eine angestrebte Karriere als Hochschullehrer in Preußens Hauptstadt zu beginnen, allerdings auch erst, als er sich entschloß, zum Christentum zu konvertieren. Die Umstände dieses Universitätszugangs waren noch unerfreulich genug; erinnert sei an die lex gans, bzw. an den Streit mit dem Fakultätskollegen von Savigny (der sich nach der Berufung Gans’ von den Fakultätsgeschäften meint zurückziehen zu müssen)