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Ich werde die Welt nie wiedersehen Texte aus dem Gefängnis
Ich werde die Welt nie wiedersehen
Texte aus dem Gefängnis




Ahmet Altan

S. Fischer Verlag
EAN: 9783103974256 (ISBN: 3-10-397425-6)
173 Seiten, hardcover, 12 x 20cm, September, 2018

EUR 12,00
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Ich erwachte.

Es klingelte an der Tür.

Ich sah hinüber zu der elektronischen Uhr ...

Die Anzeige 05:42 Uhr blinkte und verlosch.

"Die Polizei" dachte ich.

Wie alle Oppositionellen in meinem Land ging ich jede Nacht zu Bett in der Erwartung, dass im Morgengrauen an meiner Tür geläutet würde.

Ich wusste, dass sie kommen würden. Nun waren sie gekommen.



Der große türkische Intellektuelle Ahmet Altan wurde in der Türkei zu lebenslanger Haft verurteilt. in seiner Zelle hat er eine beeindruckende Sammlung teilweise sehr persönlicher, fast philosophischer Texte verfasst, in denen er auf eindringliche Weise über die Freiheit, sein Leben im Gefängnis und die politische Situation in der Türkei schreibt.

Ein eindrucksvolles Buch und wichtiges Zeugnis.
Rezension
Ahmet Altan zählt zu den renommierten türkischen Schriftstellern und Journalisten, die aufgrund ihrer offen-kritischen Einstellung dem derzeitigen Regime gegenüber in Haft genommen wurden. In seinem vorliegenden Buch "Ich werde die Welt nie wiedersehen" vermittelt der Autor den Lesern einen Eindruck über das Leben in türkischen Haftanstalten und gewährt Einblicke in sein Gefühlsleben.
Nach seiner Verhaftung, zeitlich gesehen im Anschluss an den Militärputsch, geriet er, wie viele andere kritisch denkende Menschen, unter ihnen viele Journalisten, in die Mühlen des Systems.
Seine Verhaftung hatte er mehr oder weniger erwartet. Entsprechend gelassen reagierte er darauf. Was ihn erwartete, verlangte aber vieles von ihm ab: die Mithäftlinge, die Verhältnisse der Haftanstalten, der Ablauf eines Tages, aber vor allem die Ungewissheit, was mit ihm geschehen wird.
Beeindruckend und gefühlvoll schreibt Ahmet Altan über seine Gedanken, die vor allem von einer Losung getragen sind, die ihn immer wieder aufrichten: nur nicht unterkriegen lassen!
Ausflüge in seine Gedankenwelt "erleichtern" ihm den tristen Alltag im Gefängnis und das Ertragen der Erlebnisse vor Gericht. Der Titel des Buches "Ich werde die Welt nie wiedersehen" passt zur trostlosen Situation, in der er sich befindet. Ein beeindruckender und beklemmender Hinweis über den Umgang mit seiner persönlichen Situation gleichermaßen.

Die Authentizität seiner Worte in Anbetracht einer mehr als misslichen Lage lassen uns teilhaben an einer für uns glücklicherweise fremden Situation, lassen ihn zum Sprecher zahlreicher Inhaftierter Intellektueller in vergleichbarer Situation werden. Hier für wurde ihm vor kurzem der Geschwister-Scholl-Preis zuerkannt. Insofern gleichzeitig ein preisgekröntes Buch.
Erfreulich auch die Tatsache, dass u.a. Ahmet Altan vor wenigen Tagen unter Auflagen aus der Haft entlassen wurde. Noch scheint die Situation nicht endgültig geklärt. Dennoch ein Hoffnungsschimmer, dass er die Welt doch wiedersehen kann.

Dietmar Langusch, Lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
»Ich werde die Welt nie wieder sehen. Ich werde nie wieder den Himmel ohne den Rahmen sehen, den die Wände des Gefängnishofes bilden.«

Am 16. Februar 2018 wurde der große türkische Intellektuelle Ahmet Altan in der Türkei zu lebenslanger Haft verurteilt. Altan ist einer der wichtigsten, mutigsten Journalisten der Türkei, der immer offen gesagt hat, was er denkt. Ihm wird vorgeworfen, »unterschwellige Botschaften« über den Putschversuch im Jahr 2016 verbreitet zu haben.
Im September 2018 ist im S. Fischer Verlag »Ich werde die Welt nie wieder sehen. Texte aus dem Gefängnis« erschienen. Es ist eine beeindruckende Sammlung teilweise sehr persönlicher, fast philosophischer Texte, in denen Altan auf eindringliche Weise über Freiheit, sein Leben im Gefängnis und die politische Situation in der Türkei schreibt. Ein eindrucksvolles Buch und wichtiges Zeugnis. Zum Erscheinen jährte sich seine Verhaftung zum zweiten Mal, denn seit dem 23. September 2016 sitzt er in Untersuchungshaft.

Ahmet Altan, geboren 1950, ist mit seinen Romanen und Essaybänden in Millionenauflage einer der erfolgreichsten Schriftsteller der Türkei. Und einer der bekanntesten Journalisten des Landes. Seine kritische Berichterstattung brachte ihn immer wieder in Konflikt mit der Regierung. Ahmet Altan arbeitete als Kolumnist für zahlreiche namhafte türkische Medien und gründete 2007 die Zeitung ›Taraf‹. Sie wurde nach dem vereitelten Putschversuch vom 15. Juli 2016 verboten, Ahmet Altan zusammen mit seinem Bruder Mehmet Altan festgenommen. Nach der Festnahme der Altan-Brüder und weiterer türkischer Journalisten und Schriftsteller protestierten bekannte Autoren, Künstler und Verleger in einem offenen Brief gegen die »Vendetta gegen die klügsten Denker und Autoren des Landes«. Zu den Unterzeichnern gehörten u.a. die Nobelpreisträger Orhan Pamuk, Herta Müller und J.M. Coetzee sowie die Autoren Elena Ferrante, Roberto Saviano und Günter Wallraff. Am 16. Februar 2018 wurde Ahmet Altan zu lebenslanger Haft verurteilt. 2019 wird Ahmet Altan mit dem Geschwister-Scholl-Preis ausgezeichnet.
Inhaltsverzeichnis
Ein einziger Satz 7
Die erste Nacht im Käfig 21
Der Spiegel und der Arzt 33
Der Lehrer 53
Der Friedhof der rosa Akten 66
Betrügen 76
Begegnung mit der Zeit 79
Reisen in meiner Zelle 89
Ein Traum 103
Der Serienmörder 109
Meryem 111
Der Romancier, der sein eigenes Schicksal schrieb 122
Die Abrechnung 131
Des Richters größte Sorge 141
Die Waldfeen 143
Die Anzeige 152
Handschellen 154
Der Vogel 166
Das Paradox des Schriftstellers 168