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Hanna Nagel
Deutscher Kunstverlag
EAN: 9783422989498 (ISBN: 3-422-98949-8)
216 Seiten, hardcover, 23 x 27cm, Mai, 2022
EUR 42,00 alle Angaben ohne Gewähr
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Umschlagtext
Hanna Nagels künstlerischer Schwerpunkt liegt in der Zeichnung und Druckgrafik. Wie keine andere Künstlerin ihrer Zeit hat sie sich mit dem Verhältnis zwischen Mann und Frau sowie der problematischen Lebenssituation im Konflikt zwischen Berufstätigkeit und Mutterschaft auseinandergesetzt. Ausgebildet in Karlsruhe, ist ihre Arbeit zunächst von sachlicher Präzision geprägt. Mit der Übersiedlung nach Berlin entfernt sie sich von dem strengen neusachlichen Zeichenstil. Die mit Pinsel und Feder in Tusche ausgeführten, oft autobiografischen Arbeiten werden formal komplexer und malerischer, wobei der Eindruck dieser sogenannten „Dunklen Blätter" ganz den gewählten erzählerisch und symbolhaft aufgeladenen Themen entspricht. Der Fokus von Ausstellung und Katalog liegen auf den Arbeiten der 1920er- und frühen 1930er-Jahre.
Hanna Nagel’s focus as an artist was on drawing and graphic prints. Like no other woman artist of her time, she examined the relationship between men and women as well as the problematic balancing act between professional work and motherhood. Her work following her studies in Karlsruhe was at first characterized by objective precision. With her move to Berlin, she, however, distanced herself from the stringent drawing style of Neue Sachlichkeit. The oft-biographical works executed with a brush and pen in Indian ink are formally more complex and painterly, whereby the impression of these so-called "Dunkle Blätter" (Dark Works) corresponds to the narratively and symbolically charged topics chosen. The focus of the exhibition and catalogue is on the works of the 1920s and the early 1930s.
Rezension
Zurecht werden gegenwärtig im deutschsprachigen Raum die Werke von Künstlerinnen in Ausstellungen gewürdigt, genannt seien beispielsweise nur die aktuellen zu Käthe Kollwitz, Frida Kahlo, Gabriele Münter oder Louise Rösler. In der Kunstgeschichte und in der Öffentlichkeit wurden die Arbeiten von Künstlerinnen bis weit ins 20. Jahrhundert marginalisiert. Seit den 1990er Jahren erhielten im deutschsprachigen Raum neben den oben genannten Künstlerinnen eine eigene Ausstellung, u.a. Ella Bergmann-Michel, Hannah Höch, Ida Kerkovius, Margaret Camilla Leiteritz, Lotte Laserstein.
Dazu zählt auch Hanna Nagel (1907-1975), deren Tuschezeichnungen dem surrealistisch beeinflussten Verismus zugerechnet werden. Bekanntheit erlangte die Künstlerin durch ihre Arbeiten zu Szenen einer Ehe, zur Mutterschaft und zum Tod und Mythos. Zu nennen wären u.a. das Gemälde ”Selbstbildnis”(1929) und die Tuschezeichnungen ”Selbstbildnis”(1930), ”Die Ehe”(1930), ”Mühevolle Ehe”(1930), ”Selbstmordkandidaten”(1930), ”Schneckenschießen”(1931), ”Paragraf 218”(1931) und ”Angst”(1931). Mit ihren Arbeiten übt Nagel scharfe Kritik an der in der Gesellschaft verbreiteten Diskriminierung von und Homophobie gegenüber Frauen, Kindern, Juden, Armen und Kranken. Autoritäre Strukturen deckte sie in ihren gesellschaftskritischen Tuschezeichnungen unmissverständlich auf.
Das Leben und das Œuvre der engagierten Künstlerin wurde erstmals angemessen in der Ausstellung ”Hanna Nagel” in der Kunsthalle Mannheim vom 8.4. bis 3.7.2022 erschlossen. Der Schwerpunkt der dort gezeigten Werke lag auf denen der Jahre 1926 bis 1931. Dazu erschien eine gleichnamige deutsch-englische Begleitpublikation im Deutscher Kunstverlag, herausgegeben von Inge Herold und Johan Holten. In der Einleitung zeigt Herold überzeugend auf, dass Nagel eine ”Pionierin feministischer Kunst” war. Der umfangreiche Katalogteil des Buches demonstriert die thematische Vielfalt und Aktualität ihres Œuvres angesichts frauenfeindlicher Retrotopien auf. Lehrkräfte des Faches Bildende Kunst werden durch das mit 156 Abbildungen versehene Ausstellungsbuch motiviert, sich in ihrem Unterricht mit den Arbeiten von Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts auseinanderzusetzen.
Fazit: Die wichtige Publikation „Hanna Nagel” würdigt angemessen eine Vertreterin gesellschaftskritisch-feminstischer Kunst in der Weimarer Republik. Der Band verdient einen Platz in der Bibliothek aller an der Kunst der Moderne Interessierten.
Dr. Marcel Remme, für lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Deutsch-englische Ausgabe
Hanna Nagels künstlerischer Schwerpunkt liegt in der Zeichnung und Druckgrafik. Wie keine andere Künstlerin ihrer Zeit hat sie sich mit dem Verhältnis zwischen Mann und Frau sowie der problematischen Lebenssituation im Konflikt zwischen Berufstätigkeit und Mutterschaft auseinandergesetzt. Ausgebildet in Karlsruhe, ist ihre Arbeit zunächst von sachlicher Präzision geprägt. Mit der Übersiedlung nach Berlin entfernt sie sich von dem strengen neusachlichen Zeichenstil. Die mit Pinsel und Feder in Tusche ausgeführten, oft autobiografischen Arbeiten werden formal komplexer und malerischer, wobei der Eindruck dieser sogenannten „Dunklen Blätter" ganz den gewählten erzählerisch und symbolhaft aufgeladenen Themen entspricht. Der Fokus von Ausstellung und Katalog liegen auf den Arbeiten der 1920er- und frühen 1930er-Jahre.
Wiederentdeckung einer herausragenden Zeichnerin und Grafikerin der Neuen Sachlichkeit und Pionierin feministischer Kunst
Ausstellung: Kunsthalle Mannheim, 2022
Inhaltsverzeichnis
Johan Holten
Vorwort 6
Inge Herold 8
Hanna Nagel
Das vergessene Werk einer Pionierin feministischer Kunst
Katalog I Catalogue 59
Studienblätter | Study Drawings 40
Menschenbilder | Images of People 52
Gesellschaft I Society 78
Selbstbildnisse I Self-Portraits 94
Das Verhältnis der Geschlechter | The Relationship between the Sexes 110
Mutterschaft | Motherhood 152
Tod und Mythos I Death and Myth 166
Die Träumende I The Dreaming Woman 180
Johan Holten 192
Foreword
Inge Herold 193
Hanna Nagel
The Forgotten Work of a Pioneer of Feminist Art
Biografie | Biography 208
Liste der ausgestellten Werke | List of Exhibited Works 212
Ausstellungen (Auswahl) | Exhibitions(Selection) 215
Bibliografie (Auswahl) | Bibliography (Selection) 216
Impressum | Colophon 216
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