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Gott ist nicht gut und nicht gerecht Zum Gottesbild der Gegenwart 2. Auflage 2012
Gott ist nicht gut und nicht gerecht
Zum Gottesbild der Gegenwart


2. Auflage 2012

Andreas Benk

Patmos
EAN: 9783491704176 (ISBN: 3-491-70417-0)
216 Seiten, paperback, 14 x 22cm, 2012

EUR 16,99
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Gott begegnet in kirchlichen und persönlichen Bekenntnissen, in lautstarker Ablehnung, in politischen Kampagnen. Dabei spüren immer mehr Zeitgenossen, dass die Rede von Gott in eine Krise geraten ist. Dass Gott Schöpfer, Person, Vater ist, dass er allmächtig, gütig und gerecht ist – das sind Auffassungen, denen zunehmend viele verständnislos gegenüberstehen.

Das Buch erinnert an die biblischen Ursprünge und setzt sich mit der sogenannten negativen Theologie auseinander. Es plädiert für eine erneuerte Gottesrede, die den Anforderungen in der religiösen Erziehung, dem Verhältnis zu den Naturwissenschaften und dem Verständnis des Menschen gerecht wird.

Dr. Andreas Benk, geb. 1957, ist Professor für Katholische Theologie/Religionspädagogik am Ökumenischen Institut für Theologie und Religionspädagogik der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd.
Rezension
"Gott ist nicht gut und nicht gerecht." Dieser Buchtitel ist keine Effekthascherei zur Verkaufsförderung, keine oberflächliche Provokation, die alsbald zurückgenommen wird. Der Titel ist im Sinne einer Negativen Theologie, die die Unbegreiflichkeit Gottes betont, ernst gemeint: Gott ist nicht gut und nicht gerecht, nicht vollkommen und nicht allmächtig, Gott ist nicht Vater und nicht Mutter, nicht Geist und nicht Person. Gott entzieht sich notwendig und unvermeidlich all unseren Vorstellungen und all unseren Versuchen, ihn zu begreifen. Alle unsere Begriffe, Bilder und Vorstellungen sind unangemessen für Gott. Das ist für viele Menschen bestürzend und verstörend – aber das ist biblische und christliche Rede von Gott. Christliche Theologie und christliche Kirchen haben es in ihrer Verkündigung, Lehre und religiösen Unterweisung versäumt, diese grundlegende Wahrheit präsent zu halten. Unverfügbarkeit und Unbegreiflichkeit Gottes sind keine abgehobene Spekulation von einzelnen theologischen Außenseitern, sondern zählen zum Zentrum christlichen Glaubens. Negative Theologie richtet sich gegen den affirmativen Charakter einer theologischen Rede, die nur letzte Gewissheiten behauptet und Fragen und Zweifel erstickt oder verdrängt. Negative Theologie trägt gerade nicht zur Verunsicherung bei, sondern befreit vom Ballast nur noch rein positiv verstandener theologischer Begrifflichkeit und eröffnet einen Raum für elementares theologisches Fragen, Zweifeln und Entdecken. Viele Menschen sind dabei, aus ihren erlernten religiösen Konventionen auszubrechen und Gottesbilder abzustreifen, die dem Denken und der Praxis ihres Alltags nicht mehr standhalten.

Buschmann, lehrerbibliothek.de
Inhaltsverzeichnis
Einführung: Über dem Abgrund der Unbegreiflichkeit 9

Verlorene Glaubwürdigkeit christlicher Gottesrede 11
Kein Triumph der Affirmation über Negation 14
Negative Theologie als Form des Protests 16
Übersicht: Verborgenheit Gottes als Leitgedanke gegenwärtiger Theologie 19

Erstes Kapitel: »Du sollst dir kein Bildnis machen!« 23

Xenophanes 23
Negative Theologie und Bibel 25
»Ich bin ich!« – Offenbarung des Gottesnamens? 27
»Menschen küssen Kälber« – biblisches Kultbildverbot 29
Biblische Rede von Gott 33
Gottesrede Jesu 35
Gebrochene Nähe zu Gott 37
Paulus auf dem Areopag (Apg 17,16-34) 39

Zweites Kapitel: Negative Theologie im Zwielicht 43

Dionysius Areopagita: Täuschung und Legende 43
Bejahende Gottesrede 45
Verneinende Gottesrede 47
Vorrang verneinender Gottesrede 48
Mystische Theologie und Ekstase 50
Potenzial Negativer Theologie 51
Verkehrung des kritischen Potenzials Negativer Theologie 53
Negative Theologie in offiziellen kirchlichen Dokumenten: Die klassische Analogieformel (1215) 57

Drittes Kapitel: Wie mit Kindern von Gott sprechen? 63

GroßeFragen–dürftigeAntworten 63
Religiöse Bildung in der Kindheit – eine entwicklungspsychologische Falle? 65
Die Grenze theologisch verantworteter Religionspädagogik 67
Rousseaus religiöses Erziehungskonzept – Provokation bis heute 67
Religionspädagogik vom Kind aus 80
Symboldidaktik 81
Theologisieren mit Kindern 83
Negative Theologie und Gebet 87
Religionspädagogische Grundhaltungen 90

Viertes Kapitel: Grenzen des Erkennens und Verstehens in Naturwissenschaft und Theologie 93

Naturwissenschaftliche Erkenntnisse als AuslöservonGlaubenskrisen 93
Von der Konfrontation zum Dialog: Wandel im Verhältnis von Naturwissenschaft und Theologie 94
Große Gesprächsbereitschaft – enttäuschende Gesprächsergebnisse 96
»Naives« Wirklichkeitsverständnis klassischer Physik 99
Das Realismusproblem der modernen Physik 100
Affinitäten zwischen physikalischem Denken und Einstellungen zu religiösen Fragen? 101
Grenzen der Physik 103
Deutungsoffenheit naturwissenschaftlicher Erkenntnisse 105
Vorbehalte gegenüber traditionellen christlichen Vorstellungen 107
»Schöpfung« ist kein Weltentstehungsmodell 109
Kein anthropischer Gottesbeweis 112
Hindernisse im gegenwärtigen Dialog von Theologie und Naturwissenschaften 114

Fünftes Kapitel: Gottesbildlichkeit des Menschen und Negative Anthropologie 119

Der Mensch als Bild Gottes 120
Gottesbildlichkeit und Bilderverbot 122
Menschenbilder als gesellschaftliche Konstrukte 125
Bleibendes Wesen des Menschen? – Fragwürdigkeit philosophischer Anthropologie 128
Helmuth Plessner: Natürliche Künstlichkeit des Menschen 132
Unergründlichkeit des Menschen 134
Der Mensch: Geschöpf und Schöpfer 136
Es wird der Mensch, wie er sich sieht 138
Amoralität Gottes 141
Mündigkeit des Menschen 142
Zerstörtes Menschsein – entgöttlichte Welt 144

Sechstes Kapitel: Gottesrede im Bewusstsein ungemilderter Negativität 147

Reich-Gottes-Botschaft Jesu und die Leidensgeschichte der Menschheit 148
Auschwitz 150
Christliche Schuld: Antijudaismus 151
Wie von Gott noch sprechen? 155
Nocheinmal: Jesus von Nazaret 158
Revision christlicher Gottesrede 160
Tun des Gerechten 163

Anmerkungen 167
Literatur 201
Dank 215