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Glückskekse vom lieben Gott? Religionsunterricht zwischen Lebensweltorientierung und Glaubensverantwortung
Glückskekse vom lieben Gott?
Religionsunterricht zwischen Lebensweltorientierung und Glaubensverantwortung




Gerd Neuhaus

Pustet
EAN: 9783791731018 (ISBN: 3-7917-3101-7)
144 Seiten, paperback, 14 x 22cm, 2019

EUR 19,95
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Die katholische Kirche scheint weit davon entfernt zu realisieren, wie sehr sie im schulischen Religionsunterricht die Möglichkeit hat, in den Dialog mit der "Welt von heute" einzutreten. Genauso wenig scheint die akademische Theologie zu bemerken, dass der Religionsunterricht der primäre Ort derjenigen intellektuellen Glaubensverantwortung ist, mit der die Kirche "Rechenschaft über unsere Hoffnung" (vgl. 1 Petr 3,15) gibt. Umgekehrt ist dieser Unterricht oft so sehr der Lebenswelt seiner Schüler und ihren Befindlichkeiten verhaftet, dass er sich einer theologisch-intellektuellen Beanspruchung verschließt. Aufgrund seiner jahrzehntelangen Verwurzelung in der akademischen Theologie und in der Schule zeigt der Autor demgegenüber auf, wie sehr Theologie und Religionsunterricht einander brauchen.

Gerd Neuhaus, Dr. theol., geb. 1952, war apl. Professor für Fundamentaltheologie an der Ruhr- Universität Bochum und Lehrer am Abtei-Gymnasium in Duisburg-Hamborn.
Rezension
Drei Grundüberzeugungen dieses Buchs erklären nicht nur den etwas befremdlichen Titel, sondern enthalten ein erfahrungs-gesättigtes Maß an Plausibilität: 1) Die Kirchen haben immer noch nicht ansatzweise realisiert, wie grundlegend bedeutsam der schulische Religionsunterricht für die Glaubensvermittlung in unserer Gesellschaft ist und wie sehr sie im schulischen Religionsunterricht die Möglichkeit hätten, in den Dialog mit der "Welt von heute" einzutreten. 2) Genauso wenig scheint die akademische Theologie zu bemerken, dass der Religionsunterricht der primäre Ort der intellektuellen Glaubensverantwortung ist; die Religionspädagogik führt an den meisten theologischen Fakultäten eine eher marginale Rolle. 3) Und die konkrete, alltägliche, praktische schulische Religionspädagogik an der wichtigen Schnittstelle von Kirchen - Theologie - Lebenswelt ist oftmals intellektuell unterbelichtet und naiv, um die bedeutsame Schnittstelle angemessen ausfüllen zu können; hier fehlt nicht selten theologisches (Hintergrund-)Wissen.

Thomas Bernhard, lehrerbibliothek.de
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 7

Erster Teil: Erfahrungen

1. Ein intellektueller Spagat 13

2. Von der akademischen Theologie ins Referendariat 15

3. Eine rückblickende Klärung: Glauben vor dem Hintergrund des Achtundsechziger-Geistes 16

4. Ankunft in der Theologie und eine Orientierung von bleibender Bedeutung 20

5. Die endgültige Ankunft in der Schule 22

6. Ein neuer Schritt auf die akademische Theologie hin 25

7. Erfahrungen und Grenzen intellektueller Beheimatung 28
... in der Schule 28
... und an der Universität 30

8. Die kleinen Lehrämter des Wissenschaftsbetriebes 34

9. Fachdidaktische Entwicklungen im Religionsunterricht der letzten 50 Jahre 36
Von der Gottesfrage zur Sinnfrage 36
Erste unterrichtspraktische Erfahrungen in einer Zeit religions-didaktischen Umbruchs 38
Der „Synodenbeschluss" zum Religionsunterricht 40
Praktische Konsequenzen eines halbverstandenen Korrelationsgedankens 42
Das Problem einer Verkündigung des „lieben" Gottes 44
Entsprechende Entwicklungen in Liturgie und Gemeindepastoral 47

10. Die intellektuelle Herausforderung eines ernsthaften Religionsunterrichts 49
Die spezifische Herausforderung der Schule 49
Meine intellektuelle Überforderung durch eine Fünftklässlerin 52

11. Widerstände in der schulpraktischen Lehrerausbildung 53
Eine katholische Schule — ein religionspädagogisches Paradies? 53
Kompetenzen statt Inhalte? 55

12. Das Interesse am Anderen und Neuen 56
Eine Stunde über die altertümlichen Ansichten des Papstes 57
Ein Rosenkranzgebet in der Klasse 10 60
Eine vorläufige Auswertung 61

1. Die aposteriorische Weckung eines apriorischen Bewusstseins durch ein Gegenüber 65

2. In Auseinandersetzung mit den „Zeichen der Zeit" 70
Intellektuelle Herausforderungen der letzten 40 Jahre und die
Notwendigkeit einer eigenen gläubig-theologischen Positionierung 70
Die „Zeichen der Zeit" als mögliche Fremdprophetie 73
De-iure-Aktualität und De-facto-Aktualität 75
Die Notwendigkeit eines theologischen Hintergrundwissens 76
Eine bestätigende Erfahrung mit Notfallseelsorgern 79

3. Religionsunterricht auf dem Boden einer „Ersten Philosophie" 80
Der Rationalitätsanspruch des Glaubens in doppelter Bedeutung 80
Zwei Entwürfe einer Glaubensverantwortung auf dem Boden einer „Ersten Philosophie" 81
Die Antinomieerfahrung moralischer Vernunft 90
Noch einmal: Die aposteriorische Entfaltung einer apriorischen Ansprechbarkeit — dargestellt an den genannten literarischen Zeugnissen 93
Noch einmal: De-iure- und De-facto-Aktualität des »Anderen" 97

4. Die biblische Glaubensgeschichte: ein Prozess der Aufklärung 101
Ein Verhältnis wechselseitiger Herausforderung 101
Ein gegenseitiges Erschließungsverhältnis von Glaube und geschichtlicher Erfahrung 102
Konsequenzen für die unterrichtliche Behandlung der Theodizeefrage 107
Die monotheistische Neuorientierung durch den Schöpfungsglauben 109
Die Vergeistigung der gentilistischen Beschränkung: nicht nur ein Problem des Monotheismus 118
Zur Aktualität der Sündenfallerzählung 120
Das Sündenbockparadox 126
Eine selbstkritische Zwischenbilanz 128
Die Inkarnation des göttlichen Logos in Jesus Christus 129

5. Religionsunterricht als schulischer Aufklärungsprozess 135

Literatur 139