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Geschichte der Welt: 600-1350 Geteilte Welten
Geschichte der Welt: 600-1350
Geteilte Welten



Verlag C. H. Beck oHG
EAN: 9783406641022 (ISBN: 3-406-64102-4)
1191 Seiten, hardcover, 17 x 25cm, Juli, 2023

EUR 49,95
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Zwischen 600 und 1350 bot die Erde noch so viel Platz, dass Individuen, Gruppen und ganze Gesellschaften isoliert voneinander existieren konnten. Australien und Ozeanien standen noch gar nicht, der amerikanische Doppelkontinent kaum wahrnehmbar mit Entwicklungen in Europa, Afrika und Asien in Verbindung. Doch wurden in dieser Periode immer mehr Menschen in Netzwerke eingebunden, die Objekte, Praktiken und Ideen über Tausende von Kilometern verbreiteten und dabei Einfluss nahmen auf Entstehung und Zerfall von Herrschaftsräumen. Sie befeuerten in dieser Epoche der Geschichte der Welt eine Dynamik, welche die Isolation einander noch fremder Gesellschaften an ein Ende brachte.
Rezension
„Geschichte der Welt“ lautet der Titel einer Reihe zur Weltgeschichte, die bei C.H. Beck in Kooperation mit Harvard University Press erschienen ist. Herausgegeben wird sie von den renommierten Historikern Akira Irye (*1934) und Jürgen Osterhammel (*1952). Veröffentlicht sind in der Reihe mittlerweile alle sechs voluminösen Bände. In diesen wird Weltgeschichte als Vernetzungsprozess unterschiedlicher Kulturen angesehen. Jüngst wurde der letzte fehlende Band mit dem Titel „600-1350. Geteilte Welten“ publiziert. Herausgeber dieses Buches ist Daniel G. König (*1976), Professor für Geschichte der Religionen an der Universität Konstanz.
Der vorliegende Band enthält sieben Beiträge von Vertreter:innen der Geschichtswissenschaft, der Anthropologie und der Archäologie. In ihren Aufsätzen elaborieren die ausgewiesenen Expert:innen präzise den Kulturaustausch und die Mobilitätsprozesse unter Berücksichtigung des aktuellen Forschungsstands. Der Bandtitel „Geteilte Welten“ soll verdeutlichen, dass sich zwar in der Zeit zwischen 600 und 1350 viele Mobilitätsströme nachweisen lassen, aber die Gesellschaften in Eufrasien (Europa, Afrika und Asien) kaum mit denen der anderen Kontinente Nord- und Südamerika, Australien und Ozeanien in Interaktion traten. Gegenüber dem Zeitraum bis 600 wurde aber ein neuer Grad an globaler Verflechtung erreicht.
Man erhält durch die Lektüre des Buches fachlich fundierte Antworten u.a. auf folgende Fragen: Kann von einem „globalen Mittelalter“ gesprochen werden? Wie vernetzt war der amerikanische Doppelkontinent vor Kolumbus? Ist es berechtigt, von einem „islamischen Commonwealth“ zu sprechen? Gibt es bestimmte Faktoren, welche den Aufstieg des Islam im Indischen Ozean bewirkten? Wie breitete sich der Buddhismus im eurasischen Raum aus? Waren die subsaharische Gesellschaften in dem Zeitraum von 600 bis 1350 für den Kulturtransfer bedeutsam? Lehrkräfte des Faches Geschichte werden durch den vorliegenden Band, der zwei Lesebändchen enthält, geradezu eingeladen sich mit dem Zeitabschnitt zwischen dem 7. und 14. Jahrhundert in globalgeschichtlicher Perspektive problemorientiert auseinanderzusetzen.
Fazit: Der letzte Band aus der Reihe „Geschichte der Welt“ mit dem Titel „Geteilte Welten“ eröffnet wieder neue historische Horizonte und räumt mit verbreiteten Vorurteilen auf. Wer die Weltgeschichte verstehen möchte, sollte diesem Buch unbedingt einen Platz in seiner historischen Bibliothek einräumen.

Dr. Marcel Remme, für lehrerbibliothek.de

Verlagsinfo
Iriye, Akira / Osterhammel, Jürgen
600-1350
Geteilte Welten.
Zwischen 600 und 1350 bot die Erde noch so viel Platz, dass Individuen, Gruppen und ganze Gesellschaften isoliert voneinander existieren konnten. Australien und Ozeanien standen noch gar nicht, der amerikanische Doppelkontinent kaum wahrnehmbar mit Entwicklungen in Europa, Afrika und Asien in Verbindung. Doch wurden in dieser Periode immer mehr Menschen in Netzwerke eingebunden, die Objekte, Praktiken und Ideen über Tausende von Kilometern verbreiteten und dabei Einfluss nahmen auf Entstehung und Zerfall von Herrschaftsräumen. Sie befeuerten in dieser Epoche der Geschichte der Welt eine Dynamik, welche die Isolation einander noch fremder Gesellschaften an ein Ende brachte.
Weltgeschichte ist lange Zeit als eine Geschichte des Aufstiegs und des Niedergangs einer kleinen Zahl von geschrieben worden. Unter diesen Kulturen schienen Europa oder der atlantische während der letzten Jahrhunderte nach den Kriterien Macht, Wohlstand und kulturelle Kreativität zu dominieren. Das neue sechsbändige Werk zur Weltgeschichte, das von einem Team von Historikerinnen und Historikern vorwiegend aus den USA und Deutschland erarbeitet wird und das gleichzeitig bei C.H.Beck und Harvard University Press erscheint, verabschiedet sich von diesen Traditionen. Es leugnet die Errungenschaften des Westens nicht, stellt sie aber in den größeren Zusammenhang gleichzeitiger Entwicklungen in anderen Teilen der Welt. Dadurch wird das allmähliche, dabei aber krisenhafte Entstehen des heutigen dicht integrierten und pluralistischen Weltzusammenhangs sichtbar.
Erstmals werden in diesen Bänden die Ergebnisse von mehreren Jahrhunderten internationaler Forschung zur Vorgeschichte der Globalisierung und zur Entwicklung von Gesellschaften und politischen Ordnungen auf allen Kontinenten von führenden Experten zusammenfassend dargestellt. Weltgeschichte erscheint hier nicht als Aneinanderreihung einzelner Spezialgeschichten. Die Aufmerksamkeit richtet sich auf bisher wenig beachtete Querbeziehungen und Wechselwirkungen: auf Migration von Einzelnen und Gruppen und die Gründung neuer Gesellschaften, auf die interkontinentale Ausbreitung von Technologien, Religionen oder politischen Ideen, auf globale Kommunikationsnetze, Handelsströme und Konsummuster, auf Imperialismus, Kolonialismus und großräumige Kriege.
Herausgegeben von Akira Iriye und Jürgen Osterhammel, Bandherausgeber: Daniel G. König, Mit Beiträgen von Christopher S. Beekman, Justin Jennings, Michael D. Mathiowetz, Daniel G. König, Michael Borgolte, François-Xavier Fauvelle, André Wink und Naomi Standen, Aus dem Englischen übersetzt von Martin Richter, Werner Roller und Andreas Wirthensohn, Aus dem Französischen übersetzt von Anna Leube und Wolf Heinrich Leube.
Inhaltsverzeichnis
11 Einleitung: Zwischen Isolation und Verflechtung.
Globale Interaktion 600–1350
von Daniel G. König
12 Einführung
14 1. Vom amerikanischen Doppelkontinent ins östliche Eurasien
23 2. Globale Interaktion zwischen 600 und 1350
34 3. «Globales Mittelalter»? Die Periode 600–1350 und ihre
Nachwirkungen
46 4. Danksagungen
47 Struktur und Geschichte der amerikanischen Kontinente 600–1350:
Abgeschlossen und vernetzt?
von Christopher S. Beekman, Justin Jennings
und Michael D. Mathiowetz
48 Einleitung
52 1. Werkzeuge und Datensätze
67 2. Der amerikanische Doppelkontinent: Natürliche Hindernisse für
Konnektivität und menschliche Strategien zu ihrer Überwindung
99 3. Amerikanische Makroregionen: Gesellschaftliche Organisation
und Interaktion
167 4. Aspekte der Konnektivität und Verflechtung auf dem
amerikanischen Doppelkontinent
175 Die Entstehung eines islamischen Commonwealth
von Daniel G. König
176 Einleitung
179 1. Voraussetzungen der muslimischen Expansion
191 2. Die protoglobale Expansion von Muslimen
227 3. Die Genese einer imperialen Kultur: Transregionale
Standardsetzung und ihre Grenzen
293 4. Imperialer Zerfall und die Entstehung des islamischen
Commonwealth
318 5. Epilog: Der islamische Commonwealth und sein Nachleben
331 Die Kontinentalisierung Europas
von Michael Borgolte
332 Einleitung: Europa als Teil der Ökumene
339 1. Europa um 600
362 2. Verkehrsstruktur und Besiedlung
377 3. Mobilitäten – oder die Überwindung der Isolation
421 4. Migrationen und kultureller Wandel
456 5. Marco Polo, die Pest und die Ungewissheit der Globalisierung
um 1350
461 6. Conclusio
463 Subsaharische afrikanische Gesellschaften im Dialog
mit der islamischen Sphäre
von François-Xavier Fauvelle
464 Einleitung
478 1. Das christliche Afrika vor der Herausforderung durch den Islam
499 2. Afrikas Neue «Ufer»: Das Sahelband und die Swahili-Küste
536 3. Transsaharische Beziehungen: Akteure und Routen
556 4. Kreisläufe, Veränderungen, Erwartungen: Handelsaustausch
zwischen subsaharischem Afrika und der Welt
593 5. Maklerstaaten im Afrika des Mittelalters
626 6. Narrative Wirkungsmacht, Ambivalenz und Unbestimmtheit
subsaharischer Maklerstaaten
640 7. Epilog: Überschneidungen der Dynamik quer über den Kontinent
und darüber hinaus
647 Die Entstehung einer sesshaften Zivilisation und der Aufstieg
des Islam im Indien des Mittelalters
von André Wink
648 Einleitung
653 1. Landwirtschaft, sesshafte Gesellschaft, Königtum und Religion
683 2. Indien und die nomadische Grenzzone
708 3. Die maritime Grenzzone: Seefahrt, Handel und Politik
im Indischen Ozean
721 4. Der Aufstieg des Islam
748 5. Zusammenfassung und Schlussfolgerung
751 Frömmigkeitsakte, Gefolgschaft und Gemeinschaften
im östlichen Eurasien
von Naomi Standen
752 1. Östliches Eurasien – Eine Definition
778 2. Netzwerke ins 8. Jahrhundert: Frömmigkeit, Politik und
Austausch
820 3. Überall Buddhismen: Der gemeinsame Bestand und die Vielfalt
ab dem 8. Jahrhundert
870 4. Vermehrte Interaktionen: Lokalisierung und Kommunikation
vom 10. zum 12. Jahrhundert
903 5. Transformationen, Expansionen und Eroberungen vom 12. zum
14. Jahrhundert: Die Neugestaltung des östlichen Eurasien
950 6. Das östliche Eurasien neu gedacht
Anhang
961 Anmerkungen
1097 Bibliographie
1122 Abbildungsnachweis
1126 Autorin, Autoren und Herausgeber
1129 Personenregister
1141 Ortsregister
1161 Sachregister