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Dieses unruhige Ich - Ingeborg Bachmann
Eine Biographie
Dieter Burdorf
Verlag C. H. Beck oHG
EAN: 9783406844843 (ISBN: 3-406-84484-7)
768 Seiten, Festeinband mit Schutzumschlag, 14 x 22cm, 2026, mit 25 Abbildungen
EUR 38,00 alle Angaben ohne Gewähr
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Umschlagtext
Ingeborg Bachmann hat mit ihrer Lyrik, ihren Erzählungen, Hörspielen und Romanen die deutschsprachige Literatur nach 1945 geprägt wie wenige andere. Ebenso fesselnd sind ihre Person und ihre großen, sprachmächtigen Briefwechsel, die teils erst vor Kurzem bekannt wurden. Dieter Burdorfs eindrucksvolle Biographie erzählt ihr Leben auf dieser neuen Grundlage zwischen Licht und Dunkel, zwischen Ruhm und innerer Gefährdung.
«Dieses unruhige Ich» – so hat Ingeborg Bachmann sich selbst beschrieben. Es war ein Ich, das sich in Beziehungen von existentieller Intensität erlebte, Beziehungen, in denen Leben und Schreiben untrennbar verflochten waren. Mit Paul Celan verband Bachmann die tragisch scheiternde Liebe ihres Lebens. Mit Max Frisch versuchte sie vier Jahre lang, ein eheähnliches Leben zu führen, was mit ihrem Zusammenbruch endete. Eine sommerliche Affäre mit dem jungen Hans Magnus Enzensberger wurde in eine Freundschaft verwandelt, die ebenfalls zerbrach. Zu Hans Werner Henze unterhielt Bachmann dagegen eine stabile Lebens- und Arbeitsbeziehung. Mit anderen Schriftstellerinnen wie Ilse Aichinger, Marie Luise Kaschnitz und Nelly Sachs diskutierte sie Probleme schreibender Frauen in einer männlich dominierten Gesellschaft. Dieter Burdorf macht eine Autorin sichtbar, die in der europäischen Kulturwelt glänzend vernetzt war und deren flackernde Vielgestaltigkeit sich erst heute ermessen lässt.
Dieter Burdorf ist Professor für Neuere deutsche Literatur und Literaturtheorie an der Universität Leipzig.
Rezension
Mittlerweile sind nach langen Jahrzehnten der Sperre bedeutende Briefwechsel Ingeborg Bachmanns ediert. Das Urteil des Autors dieser Biographie aber lautet: Man hätte erwarten können, dass die neue Editionslage auch der literaturwissenschaftlichen Forschung zu Ingeborg Bachmann entscheidenden neuen Schwung gibt. Das ist bislang jedoch allenfalls in Ansätzen zu beobachten. Dieser Tage im Juni 2026 wäre die Lyrikerin Ingeborg Bachmann 100 Jahre alt geworden; entsprechend erscheinen neue Biographien und Filmporträts (z.B. Ingeborg Bachmann - Jemand, der ich einmal war, mit Sandra Hüller, Regie: Regina Schilling). Diese neue Biographie erzählt das Leben der Autorin nicht in einem einzigen Durchgang durch ihre Lebensstationen, sondern erschließt es in einer multiperspektivischen Darstellung: So weit wie möglich wird Bachmann anhand der nunmehr zugänglichen Briefwechsel und einiger ergänzender Materialien in ihren freundschaftlichen, kollegialen und erotischen Konstellationen vorgestellt. Kern der Darstellung ist eine genaue Lektüre der vorliegenden Briefwechsel, die im Überblick, in ihrem Verlauf und in Bezug auf ihre wichtigsten Themen und Formen vorgestellt werden.- Die österreichische Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*1926 in Klagenfurt; †1973 in Rom) ist eine der bedeutendsten deutschsprachigen Lyrikerinnen des 20. Jahrhunderts. Das Bild Ingeborg Bachmanns in der literarischen Öffentlichkeit erscheint dabei zwiespältig: man zählt sie zu den Klassikern der deutschsprachigen Literatur, interessiert sich aber oft mehr für die Legenden, die sich um ihr Leben und ihre persönliche Erscheinung ranken, als für ihr Werk. Ende der vierziger Jahre war Ingeborg Bachmann Geliebte des wesentlich älteren Wiener Essayisten und Literaturkritikers Hans Weigel. Mit Paul Celan verband sie Ende der vierziger und Anfang der fünfziger Jahre ein Liebesverhältnis. Ingeborg Bachmann erhielt 1953 den Literaturpreis der Gruppe 47 für den Gedichtband "Die gestundete Zeit", 1956 veröffentlichte sie ihren zweiten Gedichtband "Anrufung des Großen Bären", ein Jahr später erhielt sie den Bremer Literaturpreis und wurde Dramaturgin beim Bayerischen Fernsehen. 1958 begegnete sie Max Frisch, für den sie nach Zürich umzog. Die Beziehung hielt bis 1962. Ende 1962 endete die Beziehung mit Frisch; Ingeborg Bachmann verkraftete die Trennung nur schwer und musste sich mehrmals ins Krankenhaus einweisen lassen. 1964 erhielt Ingeborg Bachmann den Büchner-Preis, sie zog 1965 zurück nach Rom (Via Guilia 66), veröffentlichte nur noch selten Gedichte und litt unter Tabletten- und Alkoholabhängigkeit. 1973 verstarb sie 47-jährig an den Folgen eines Wohnungsbrands und ihrer Entzugserscheinungen.
Jens Walter, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Schlagwörter:
Beziehungen, Biographie, Briefwechsel, Existentialismus, Freundschaft, Gesellschaft, Hans Werner Henze, Identität, Ingeborg Bachmann, Künstlerleben, Liebe, Literatur der Moderne, Österreich, Literaturgeschichte, Lyrik, Max Frisch, Nachkriegsliteratur, Paul Celan, Psychoanalyse, Schriftstellerinnen, weibliches Schreiben
Pressestimmen:
„Überzeugt unmittelbar ... ebenso ergiebig wie historisch plausibel ... ‚Dieses unruhige Ich‘ zeigt, wie verschlungen der Weg vom Leben in die Literatur ist.“
Frankfurter Allgemeine Zeitung, Tina Hartmann
„Burdorf gelingt auf solider wissenschaftlicher Basis ein Panoptikum Bachmann’scher Lebenslagen, das biografisch einen Meilenstein setzt und lange State of the Art sein dürfte.“
Der Freitag, Wolfgang Asenhuber
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 9
Dieses unruhige Ich 9 Multiple Rollen 13 Biographie – Fluch oder Segen? 16 Eine neue Quellenlage – die Briefwechsel-Editionen 18 Ein Leben in Korrespondenzen 21 Die Kapitel dieses Buches 25
1. Eine österreichische Kindheit und Jugend im Schatten des Nationalsozialismus 30
Der Schritt aus dem Grenzland 30 Ein ‹Tagebuch› aus Krieg und Nachkrieg 35 Briefe aus Palästina 42 Studienbeginn in Innsbruck und Graz 46 Die «Briefe an Felician» 50
2. Bachmanns Wien 55
Leben in der Hauptstadt 55 Schwerpunkt Philosophie 60 Abrechnung mit dem «deutschen Irrationaldenken» 62 Förderer im Literatur- und Medienbetrieb 69 «Eine sehr intensive Beziehung» 73 Vom ‹kleinen Mädel› zur ‹selbstständigen Frau› 79 Nachlassangst und das Ende einer Liebe 85 Doch ein Roman? 89 Rundfunkarbeit und neue Perspektiven 93
3. Das schreibende Paar und der dritte Zwilling – Bachmann, Ilse Aichinger und Günter Eich 99
Ilse Aichinger und ihre Familie – jüdische Schicksale in Wien 99 Eine Freundschaft und eine Ehe 101 Integration in eine jüdische Familie 105 Das Wir der Anderen 108 Missverständnisse und erste Krisen 112 Zwei Paare – Peinlichkeiten und Entfremdung 115 Eine letzte Annäherung 118 Gründe des Scheiterns 120 Kritik und Bewunderung 124 Zwei verfeindete Großmächte und die Trauer über den Verlust 127
4. Die Liebe ihres Lebens – Bachmann und Celan (I) 131
Ankunft in Wien 131 Ein euphorischer Anfang 134 Bachmann tritt ins Gedicht 137 Briefe nach Paris 139 Ein Dialog in Gedichten 146 Ferne Nähe 151 Missverständnisse ohne Ende 156 Gescheitertes Zusammenleben 160 Sprachlosigkeit und Vorwürfe 164 Ein Wiedersehen an der Ostsee 173 Niendorf in Celans Sicht 179 «Dunkles zu sagen» 186 Eine Zeit des Schweigens 188 Die andere ‹Fremde› 195
5. Die Erneuerung der Liebe und das endgültige Scheitern – Bachmann und Celan (II) 198
Euphorisches Wiedersehen 198 Die schwere Reaktion der Geliebten 205 Ein neuer Liebesversuch 207 Der Umgang mit der ‹Goll-Affäre› 211 Ratlosigkeit und eine neue Liebe 215 Eine Rezension und ihre Folgen 217 Neue Verstimmungen 222 Gibt es kein Weiter mehr? 226 Neue Anwürfe und eine schwierige ‹Entgegnung› 231 Die letzte Begegnung und anschließende Zerwürfnisse 236 Letzte Briefe 241 Statt eines Bruchs – ein Ende im Schweigen 245 Über den Tod hinaus 248 ‹Sympoesie› und eine Liebe ohne Lösung 250
6. Gut zu wissen, dass es Freunde gibt – Heinrich Böll und Henry Kissinger 257
Freundschaft statt Erotik 257 Bachmann rezensiert Böll 260 Beherzter Anfang und schwungvolle Fortsetzung 263 Von der Schwierigkeit, ein Autor oder eine Autorin zu sein 269 Wie und wo leben? 271 Religion und existentielle Fragen 276 Zunehmende Entfernung und die Zeit der Katastrophen 281 In der Neuen Welt 286 Eine heikle kollegiale Beziehung – Hans Egon Holthusen 289 So viele Sommer – Bachmann und Henry A. Kissinger 292
7. Ein Reich aus Schönheit, Klängen und Worten – die Lebensfreundschaft mit Hans Werner Henze 297
Italien und der Weg dorthin 297 Ungleiche Überlieferung 301 Leben und Arbeiten auf Ischia 302 Die ersten Jahre in Rom 314 Experiment Neapel – Versuch eines Zusammenlebens 319 Ein Tagebuch in nicht abgeschickten Briefen 326 Eine ungewöhnliche Abreise 338 Von Rom nach München – gemeinsame künstlerische Arbeit 344 Der dritte Mann – Max Frisch 351 Erste Sinfonie und tragischer Tod 362
8. Freundin, Kollegin, Vorbild – Hilde Domin, Nelly Sachs und Marie Luise Kaschnitz 370
Vier Lyrikerinnen 370 Hilde Domin – von der Exilantin zur literarischen Netzwerkerin 371 Zögerliche Zusammenarbeit 377 Nelly Sachs – Freundschaft in Briefen 382 Erste Reise ins Land der Täter 385 «Ihr Worte» – Sterbenswörter und Singvögel 391 Dunkle Jahre 394 Marie Luise Kaschnitz – eine adlige Dichterin zwischen Deutschland und Rom 396 Literatur in fünf Sprachen – die Zeitschrift «Botteghe Oscure» 405 Graues und Tragisches 408 Alles wieder in Harmonie 413 In Rom wohnen und sterben 416
9. Die größte Niederlage ihres Lebens – die Jahre mit Max Frisch 421
Von München nach Paris und Zürich 421 Erste Trennung, ein reger Briefaustausch und ein italienischer Spätsommer 429 Zuhause in Zürich? 433 Frischs Krankheit und Bachmanns «Rom-Katastrophe» 437 Leben in Uetikon und Rom 446 Krise und Distanz – Begegnung mit Hannah Arendt in New York 454 Allein in Uetikon – und eine junge Frau in der Via de Notaris 459 Der Zusammenbruch 467 Bittere Bilanz einer Lebensphase – ein Brief an Henze 471 Ein schwerwiegender Eingriff und die endgültige Trennung 473 Bachmanns Lektorat von Frischs «Gantenbein» 481 Der Streit um die Briefe und Interventionen Dritter 483 Der Faden ist gerissen 485
10. Sommerliebe und zerrinnende Freundschaft – Bachmann und Enzensberger 490
Ein neues Gesicht und eine heftige Debatte in der Gruppe 47 490 Post aus Norwegen 494 Fluchtpunkt Rom 501 Gemeinsame Reise nach Süden 505 Sommerwochen in Rom und Lanuvio 508 Eine Liebesutopie 510 Die Überwindung des Liebesschmerzes 514 Übergang zur Freundschaft 518 Das Leipziger Lyrik-Colloquium 524 Zwei verschiedene Sprachen? 530 Enzensberger als Suhrkamp-Lektor 535 Höhe- punkte der Freundschaft und tiefste Krisen 540 Fast schon ein Abschiedsbrief 551 Das lange Warten – Gedichte fürs «Kursbuch» 555 Abrechnung mit der politisierten Literatur von 1968 563 Enzensbergers verdrängte Trauer 566
11. Fluchtorte – Berlin, Prag und Ägypten 568
Stationen der Krise und des Erfolgs 568 Warum Berlin? 571 Walter Höllerer – Vermittlung als Beruf 572 Berlin und die CIA 575 Bachmann und Witold Gombrowicz 576 Freundschaften in Berlin – Günter Grass, Uwe Johnson, Peter Szondi 580 Die Zeit der Krankheit 585 Kleine und größere Fluchten – von Prag nach Ägypten 588 Der Büchner-Preis und die Rede «Ein Ort für Zufälle» 595
12. Letzte Jahre in Rom 604
Zwei Begegnungen 604 Langsame Ankunft 606 Arbeit an den «Todesarten» und ein Verlagswechsel 608 Die Frage nach jüdischen Perspektiven 611 Bachmanns römische Netzwerke 614 Die Ursachen des Elends – eine Analyse aus der Nähe 620 Letzte Lieben 621 «Malina» und «Simultan» 627 Die letzten Lebensjahre und eine Reise nach Polen 630 Der letzte Sommer und das lange Martyrium 633 Coda – Ingeborg Bachmann und die zerrissene Zeit 637
Anhang
Anmerkungen 645 Literaturverzeichnis 721 Dank 748 Zeittafel 750 Bildnachweis 753 Personenregister 755
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