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Die biblische Urgeschichte Spiegel der Menschheit. 14 Essays
Die biblische Urgeschichte
Spiegel der Menschheit. 14 Essays




Martin Thoms

Evangelische Verlagsanstalt
EAN: 9783374080519 (ISBN: 3-374-08051-0)
240 Seiten, paperback, 12 x 19cm, März, 2026

EUR 25,00
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Die Urgeschichte erzählt nicht von gestern, sondern von uns. In diesem Essayband werden ihre Geschichten als Spiegel der Menschheit entfaltet. Sie handeln von Schöpfung, Verantwortung, Scham, Würde, Liebe, Geschlecht, Gewalt und Macht. Exegetische Tiefenbohrungen treffen auf aktuelle Debatten. Dabei wird deutlich: Die Schöpfung ist nicht binär. Es gab keinen Sündenfall. Gott schickte nie eine Flut. Und die Sprachverwirrung beim Turmbau war keine Strafe, sondern eine Befreiung. Die Urgeschichte zeigt sich so als verdichtete Menschheitserfahrung. Dadurch eröffnet sie einen neuen Blick auf den Schöpfer und seine Schöpfung.

Martin Thoms, Jahrgang 1999, studierte Theologie in Braunschweig und Reutlingen und promoviert im Fach Systematische Theologie an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal. Zu seinen Lehrern gehörte Jürgen Moltmann, mit dem er bis zu seinem Tod im intensiven Austausch stand. Von 2023 bis 2024 war er Mitarbeiter am Lehrstuhl für Neues Testament und Mitarbeiter am Lehrstuhl für Altes Testament an der Theologischen Hochschule Reutlingen. Er ist Autor der Bücher »Der gottverlassene Gott« (Münster 2023) und »Es ist vollbracht! Oder doch nicht?« (Leipzig 2025).
Rezension
Die biblische Urgeschichte zählt in der Religionspädagogik zu den elementaren und vielleicht am häufigsten behandelten biblischen Texten. Neben den Schöpfungsgeschichten in Gen 1-3 kommen auch die Erzählungen über die Bewahrung von Schöpfung und Menschheit in Gen 4-11 insbesondere mit der Sintfluterzählung religionspädagogisch in den Blick. Dieser Essayband begreift die biblische Urgeschichte in Genesis 1-12 konsequent und berechtigterweise als Mythen, als sinnstiftende und grundlegende Erzählungen zu den Themen Schöpfung, Verantwortung, Scham, Würde, Liebe, Geschlecht, Gewalt und Macht, die mithin auch für unsere heutige Welt Relevanz haben, wie der Autor aufzuzeigen sucht. Die Urgeschichte zeigt sich so als verdichtete Menschheitserfahrung. Der Autor spürt dem Sinn dieser alten Texte für heutige Existenz nach.

Thomas Bernhard, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Schlagwörter:
Religion und Welt Glaube und Kirche Theologie Bibelwissenschaft Schöpfung Bibel Hermeneutik Exegese Anthropologie Geschlechtergerechtigkeit Genesis Ökologie Gewaltkritik Bewahrung der Schöpfung Dekonstruktion
Inhaltsverzeichnis
1. Was die Welt im Innersten zusammenhält – Die grundlegende Hermeneutik der Urgeschichte 15

Was ist es, was die Welt im Innersten zusammenhält? 15
Das Partikulare steht im Horizont des Universalen 17
Der Anfang als Grundlage 18
Die Urgeschichte als Mythos 20
Warum das Genre wichtig ist 23

2. Schöpfung zwischen Glauben und Wissen – Warum Theologie kosmologisch denken muss (Genesis 1) 27

Liebe ich dich wirklich? 27
Genesis 1 als theologische Kosmologie 30
Schöpfung aus einer Leiche 32
Entmythologisierung der Gestirne 34
Die Schöpfung der Welt 36
Schöpferische Worte und sprechende Taten 40
Die Welt als Poesie 42

3. Gekrönt – Die königliche Würde und der Auftrag des Menschen (Genesis 1,26–28) 45

Die Würde des Menschen ist unantastbar 45
Bild Gottes 46
Die Berufung des Menschen 49
Missbrauchte Herrschaft und Klimakrise 51
Theosis 53
Männlich und Weiblich 56
Bilderverbot 60

4. Rast in der Ewigkeit – Der Sabbat als Vollendung der Schöpfung (Genesis 1) 63

Gottlose Welt? 63
Kosmischer Tempel 64
Der Sabbat als Krone der Schöpfung 66
Zeltheiligtum 68
Eigenrecht der Schöpfung 72
Für den Menschen 75
Leben im Einklang 77

5. Staub und Gottesatem – Die Geburt von Mann und Frau aus dem Menschen (Genesis 2) 81

Den Gottesnamen atmen 81
Der Mensch: Ein himmlisches Geschöpf aus Geist und Erde 82
Der Gottesgarten 85
Die Sterblichkeit des Menschen 87
Das Du als Rettung des einsamen Ich 90
Die Geburt von Mann und Frau aus dem Menschen 92

6. Die zischelnde Stimme – Angst vor Gott als Ursprung der Sünde (Genesis 3) 99

Gottesvergiftung 99
Die Rhetorik der Schlange 101
Angst vor Gott 104
Niemand entscheidet sich gegen Gott 105
Gott sucht den Menschen 107
Neue Kleider 109

7. Der Fall in die Freiheit – Die Ambivalenz der Verantwortung (Genesis 3) 113

Ambivalenz der erfahrenen Wirklichkeit 113
Was ist Gut und Böse? 115
Die Ambivalenz des Erwachsenwerdens 118
Die Übertretung des Gebotes 121
Die (angeblichen) Fluch- und Strafworte 123
Weder Teufel noch Erbsünde 124

8. Rückkehr ins Paradies – Die erotische Liebe als Schöpferin des Paradiesgartens (Hohelied) 129

Eros und Agape 129
Das Hohelied – ein erotisches Buch der sinnlichen Leidenschaft 131
Sex vor der Ehe 133
Rückkehr ins Paradies 137
Dekonstruktion patriarchaler Herrschaft 138
Eros vs. Porno 142

9. Schamvolle Vereinigung – Die Ambivalenz der Scham (Genesis 3–4) 147

Ein Loblied auf die Scham 147
Erkenntnis der Nacktheit 148
Adam erkannte Eva 151
Die Diktatur der Scham 152
Das erste Wunder Jesu 154

10. Bruder und Blut – Wenn Anerkennung zur Wunde wird (Genesis 4) 157

Der Fall Elliot Rodger 158
Kains Erfahrung 159
Der gesenkte Blick 160
Der einzige Ausweg: Gutes tun 162
Der Mord 164
Die Wirkungen 166
Die tragische Illusion 168

11. Die Flut, die nicht kam – Die Dekonstruktion eines grausamen Gottesbildes (Genesis 6–9) 173

»Gott selbst könnte dieses Schiff nicht versenken!« 173
Die Flutgeschichte als konstruktiv-kritische Auseinandersetzung mit anderen Flutepen 177
Göttersöhne 179
Gott als Mutter 181
Die Selbstverdammnis allen Fleisches 182
Die Arche als Tempel Gottes 184
Die Flut und der Neubeginn 185
Die narrative Wende im Gottesbild 188
Die unerschütterliche Treue des Schöpfers 190

12. Die Verfluchung Kanaans und der nationalistische Kriegsgott der Landnahme (Genesis 9) 193

Göttlicher Völkermord? 193
Das Verhältnis von Geschichte, Offenbarung und Überlieferung 194
Die historische Realität der Landnahme 197
Die Verfluchung Kanaans 201
Innerbiblische Kritik an Exklusivismus und Gewalt 205
Wenn Unterdrückte zu Unterdrückern werden 208
Gott und Gewalt – ein abschließendes Urteil 209

13. Turm und Zunge – Zwang zur Einheit und Ermöglichung der Vielfalt (Genesis 10–11) 213

Wenn Sprache zur Macht wird 213
Zwang zur Einheit oder Ermöglichung der Vielfalt? 214
Sprachvielfalt in Genesis 10 217
Imperiale Großbauprojekte 218
Der Anfang ihres Tuns 221
Verzweckte Sprache 222
Gebrochene Vielfalt und Verstehen 223

14. Hiob erkennt den Schöpfer im Herzen der Schöpfung (Hiob 38–42) 227

Franz von Assisi 227
Heilsame Anthropo-Dezentrierung 228
Kontemplation als Einübung in die Weltgemeinschaft 232
Staunen statt Sternchen 234

Zum Autor 237