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Die Strategie der Rettung
Geschichte und Gegenwart eines machtpolitischen Konzepts
Johannes F. Lehmann
Hirzel
EAN: 9783777629100 (ISBN: 3-7776-2910-3)
232 Seiten, hardcover, 15 x 21cm, März, 2024, 9 s/w Abb.
EUR 32,00 alle Angaben ohne Gewähr
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Umschlagtext
Kann die Politik die Welt retten? - Politische Ethik und Philosophie der Rettungsaktionen
Ob das Leben eines Einzelnen, das Klima, die Banken oder gleich die ganze Welt: Das Prinzip der Rettung ist aus der politischen Theorie und Praxis nicht mehr wegzudenken. Welche Rolle spielt es heute in Politik und Gesellschaft? Wo liegt sein Ursprung? Johannes F. Lehmann, Professor für Neuere deutsche Literatur- und Kulturwissenschaften an der Rheinischen Friedrich-Wilhlems-Universität Bonn, spürt in diesem philosophischen Sachbuch dem Phänomen der Rettung in seinen vielfältigen Facetten nach und fragt nach seinen macht-politischen Narrativen.
Der Staat als Rettungsdienst: Krisen-Intervention durch Sofortmaßnahmen
Politik der Sicherheit und Gefahrenabwehr: Regierungen als präventive Schutzmacht zur Erhaltung des Lebens
Die Anfänge der medizinischen Lebensrettung: Eine neue Basis für das Verhältnis von politischer Macht, Recht und Leben
Rettung als politische Macht: Philosophie des unbedingten Rettungswillens und ihre Instrumentalisierung
Für alle, die aktuelle Politik verstehen wollen: Staatliche Institutionen zwischen Vorsorge und Notfallrettung
Krisenbewältigung als Aufgabe der Politik: Rettungs-Pakete für Klima, Banken und humanitäre Interventionen
Das politische Denken des 21. Jahrhunderts ist geprägt von der Vorstellung von Gefahr und Rettung: Der 11. September 2001, die Banken- und Finanzkrisen der Moderne, die Corona-Pandemie oder der russische Überfall auf die Ukraine: Rettungspakete, Rettungsschirme und Rettungsfonds charakterisieren das akute politische Krisenmanagement unserer Zeit. Hat die Logik von Rettung oder Untergang die politische Zukunftsgestaltung abgelöst?
Johannes F. Lehmann ist seit 2014 Professor für Neuere deutsche Literatur- und Kulturwissenschaften an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn. Seine Forschungsschwerpunkte bilden die Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts, kulturwissenschaftliche Fragen zur Genealogie der Moderne, zu Recht und Literatur, Geschichte von Affekt und Emotion sowie zum Verhältnis von Literatur und Gegenwart.
Rezension
Das politische Denken des 21. Jahrhunderts ist geprägt von der Vorstellung von Gefahr und Rettung.
Dieses Buch behandelt dieses interessante politisch-gesellschaftliche Thema: der Staat als Rettungsdienst und Krisenabwender, Politik der Sicherheit und Gefahrenabwehr, Krisenbewältigung als Aufgabe der Politik. Und der Autor fragt kritisch: Hat die Logik von Rettung oder Untergang die politische Zukunftsgestaltung abgelöst? Der Autor bietet einen historische Abriß: In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wird das Verhältnis von Macht, Recht und Leben auf eine grundsätzlich neue Basis gestellt, die für die Moderne insgesamt prägend geworden ist. Dass sich die neue Politik der Rettung in sehr kurzer Zeit europaweit und bis nach Übersee verbreitete, ist ein Phänomen, das man als Effekt einer sich globalisierenden Öffentlichkeit begreifen kann.
Dieter Bach, lehrerbibliothek.de
Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Was heißt Politik der Rettung? 7
Szenen der Rettungspolitik im 21.Jahrhundert 9
Dimensionen und Fragen einer Politik der Rettung 12
Der Mensch als Geretteter und die Rolle des Rettungsbootes 19
Rettungsboot Erde: Das Boot ist voll 20
Das Rettungsboot als Bühne 26
Von Rettung erzählen 35
Rettung und Zeit 41
Rettung, Befreiung, Erlösung 43
Rettung und Profit 52
Regierungen und Gesellschaften entdecken die Lebensrettung 57
Anfänge in der Aufklärung 58
Wert des Lebens– die Anfänge von Sozialmedizin und Gesundheitspolitik 63
Die Rolle des Suizids bei der Etablierung von Lebensrettung 68
Bankrotte, Banken- und Lebensrettung 74
Vom Zwang der Lebensrettung 79
Souveränität, Macht und Rettung 85
Von der Souveränitätstheorie zur Biopolitik 85
Souveränität und Ausnahmezustand 91
Rettung, Gefahr, Sicherheit 99
Rasse, Nation, Identität: Rettung bei Heinrich von Kleist 107
Rettung und Identität 108
Rettung, Rache, Identität und die Haitianische Revolution 114
Rettung und apokalyptische Politik
vom 19.Jahrhundert bis zum Nationalsozialismus 119
Politische Lebensrettung durch das »Leben«: Fichtes Reden an die deutsche Nation 120
Rettung und/oder Heil 126
Rettungspolitik im Nationalsozialismus 133
Humanität als Norm: Das Paradigma der Rettung Schiffbrüchiger 145
Strandraub statt Rettung 146
Rettung als humanitäre Norm 151
Vom Schiffbruch zum Schlachtfeld: Neutralität der Rettung 160
Rettung total: Das lückenlose Rettungswesen 173
Unfallrettung, Intensivmedizin und das künstliche Leben 175
Kokon der Rettung– jenseits der Erreichbarkeit 183
»Menschenleben retten« 192
Ausblick: Klima- und Weltrettung– oder: Für eine Politik jenseits der Rettung 201
Anmerkungen 211
Sachregister 225
Bildnachweis 228
Der Autor 229
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