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Deutungskämpfe
Der Streit um die deutsche Geschichte. Historisch-politische Essays
Heinrich August Winkler
Verlag C. H. Beck oHG
EAN: 9783406774058 (ISBN: 3-406-77405-9)
278 Seiten, hardcover, 15 x 22cm, August, 2021
EUR 26,00 alle Angaben ohne Gewähr
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Umschlagtext
Bis heute ist die deutsche Geschichte ein Terrain, auf dessen Boden gern auch politische Konflikte ausgetragen werden: Gibt es einen deutschen Sonderweg? Kommt Deutschland eine größere Verantwortung für den Ausbruch des Ersten Weltkriegs zu als anderen Nationen? Wie konnte es zum Aufstieg Hitlers, der nationalsozialistischen Machtergreifung und dem Holocaust kommen? So lauten nur einige der Fragen, zu denen auch Heinrich August Winkler immer wieder öffentlich Stellung genommen hat. Seine glänzend geschriebenen Essays, die hier in einer Auswahl versammelt sind, haben diese "Deutungskämpfe" über fünf Jahrzehnte hinweg maßgeblich geprägt.
„Ein in vielen Fachdebatten und politischen Streitgesprächen gestählter Meister des geschliffenen Wortes.“
Rainer Volk, SWR2
Rezension
Ist die These eines deutschen Sonderwegs historisch haltbar? Sollen Historiker:innen Geschichtsschreibung „ohne normativen Ballast“ betreiben? Waren die zwanziger Jahre wirklich „golden“? War Hitler ein Sozialist, wie Franz Josef Strauß und Edmund Stoiber behaupteten? Lässt sich das Herrschaftssystem der Nationalsozialisten mit dem Ansatz der „Intentionalisten“ angemessen analysieren? Kann der Nationalsozialismus aus dem Bolschewismus abgeleitet werden, wie es Ernst Nolte machte? Strebte Konrad Adenauer die Wiedervereinigung Deutschlands an? War der preußische Adel ein Gegner des Nationalsozialismus? Kann das Haus Hohenzollern heutzutage noch Besitzansprüche stellen?
Alle diese Fragen der Geschichtspolitik lassen sich nach Heinrich August Winkler (*1938) mit „Nein“ beantworten, folgt man seinen Essays, die jüngst bei C.H. Beck unter dem Titel „Deutungskämpfe. Der Streit um die deutsche Geschichte“ erschienen sind. Dabei handelt es sich um eine sehr gute Zusammenstellung von 33 veröffentlichten Beiträgen (Rezensionen, Artikeln, Reden) des international renommierten Historikers, die überwiegend in überregionalen Zeitungen und Zeitschriften in den letzten 50 Jahren publiziert wurden. Sie demonstrieren zugleich, dass der emeritierte Professor für Neueste Geschichte an der Humboldt-Universität (Berlin), nicht nur hervorragende voluminöse historische Standardwerke wie zum Beispiel die „Geschichte des Westens“(2009-2015) verfassen kann, sondern auch ein Meister der fundierten Buchbesprechung ist.
Gekonnt widerlegt Winkler in ihnen historische Mythen, deckt politische Instrumentalisierungs- und Umdeutungsversuche der Geschichte durch (rechts-)konservative Kreise und Politiker auf. Zudem würdigt der Historiker in dem Buch die demokratische Haltung der SPD, die 1933 als einzige Partei des Reichstags gegen das Ermächtigungsgesetz Hitlers gestimmt hat. Lehrkräfte der Fächer Geschichte und Politik werden durch die verständlich geschriebenen historisch-politischen Beiträge des Sammelbands geradezu aufgefordert, sich in ihrem Unterricht mit historischen Kontroversen über die deutsche Geschichte problemorientiert auseinanderzusetzen.
Fazit: Heinrich August Winklers neues Buch „Deutungskämpfe“ verdient von allen an deutscher Geschichte Interessierten - insbesondere auch von Politiker:innen - gelesen zu werden, die auf der Höhe historischer Forschung sein möchten, um nicht rechten Geschichtsumdeuter:innen auf den Leim zu gehen.
Dr. Marcel Remme, für lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Winkler
Deutungskämpfe
DER STREIT UM DIE DEUTSCHE GESCHICHTE
Bis heute ist die deutsche Geschichte ein Terrain, auf dessen Boden gern auch politische Konflikte ausgetragen werden: Gibt es einen deutschen Sonderweg? Kommt Deutschland eine größere Verantwortung für den Ausbruch des Ersten Weltkriegs zu als anderen Nationen? Wie konnte es zum Aufstieg Hitlers, der nationalsozialistischen Machtergreifung und dem Holocaust kommen? So lauten nur einige der Fragen, zu denen auch Heinrich August Winkler immer wieder öffentlich Stellung genommen hat. Seine glänzend geschriebenen Essays, die hier in einer Auswahl versammelt sind, haben diese "Deutungskämpfe" über fünf Jahrzehnte hinweg maßgeblich geprägt.
Ein Deutschland, das sich der politischen Kultur des Westens vorbehaltlos öffnet und dabei ein kritisches Verhältnis zur eigenen Vergangenheit entwickelt – ein solches Deutschland musste nach 1945 erst gegen zahlreiche Widerstände errungen werden. Von diesem oft erbittert geführten Streit über die deutsche Geschichte erzählt das neue Buch von Heinrich August Winkler. Ganz gleich, ob die Versuche einer Instrumentalisierung der Geschichte dabei von links oder von rechts kamen, stets verfolgten Winklers Interventionen einen doppelten Zweck: Legenden zu korrigieren und der Kultur des demokratischen Pluralismus Rückendeckung zu geben – kenntnisreich, scharfsinnig und, wo nötig, auch mit einem kräftigen Schuss Polemik.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort 13
I. DEUTSCHLAND VOR 1918
1. Wandlungen des deutschen Nationalismus 16
2. Der deutsche Sonderweg: Eine Nachlese 30
3. Eine Revolution von oben
Der «deutsche Krieg» von 1866 als historische Zäsur 46
4. Und erlöse uns von der Kriegsschuld
Die deutsche Begeisterung für Christopher Clarks
«Schlafwandler» lässt tief blicken 57
II. ZWISCHEN DEN WELTKRIEGEN
1. Die Mär von der guten Revolution
Stefan Heyms «Radek»: Ein Dienst am Mythos 66
2. «Zwischen allen Stühlen»
Victor Klemperers Tagebücher aus der Zeit der Weimarer
Republik werfen ein Schlaglicht auf die oft gar nicht so
«goldenen» zwanziger Jahre 71
3. Unfolgsame Proletarier
Erich Fromms verschollene Pionierstudie über Arbeiter und
Angestellte am Vorabend des «Dritten Reiches» 78
4. Diktator mit Scheuklappen
Welche Rolle spielte Stalin beim Aufstieg Hitlers? 82
5. Die Ehre der deutschen Republik
Die SPD, die erste deutsche Demokratie und Hitlers Ermächtigungsgesetz 87
6. Warum die Bauern Hitler wählten
Ein wahlsoziologische Pionierstudie über Schleswig-Holstein 100
7. Aufstand des schlechten Gewissens
Eine neue Studie zeigt, in welchem Maß der preußische Adel
sich Hitler zugewandt hat 104
8. Vom Drachentöter zur Droge
Neue Erkenntnisse über die Entwicklung der Volksmeinung
im nationalsozialistischen Deutschland 109
9. Aus der Angst entstanden
Ernst Noltes Werk über den Faschismus in seiner Epoche 114
10. Ein europäischer Bürger namens Hitler
Ernst Nolte scheitert mit seinem Versuch, den Nationalsozialismus aus dem Bolschewismus abzuleiten 118
11. Mehr Agitation als Analyse
Sebastian Haff ners «Germany: Jekyll & Hyde» liegt nach gut
5o Jahren auf deutsch vor 127
III. DAS GETEILTE DEUTSCHLAND
1. Von den Faschisten lernen?
Neues über die Nachkriegsplanungen der KPD 132
2. Wollte Adenauer die Wiedervereinigung? 136
3. War Kurt Schumacher ein Nationalist?
Peter Merseburger porträtiert den ersten Nachkriegsvorsitzenden der SPD 143
4. Historiker in ihrer Gegenwart
Anmerkungen zu einem wissenschaftlichen Kongress 151
5. Requiem für eine Reform
Eine Berliner Fallstudie zur studentischen Revolte von 1968 154
6. Die Lebenslüge des Rätesystems
Eine Auseinandersetzung mit Ernest Mandel, dem Sekretär
der trotzkistischen Vierten Internationale 163
7. Der Realitätsgehalt entscheidet
Antwort an Ernest Mandel 169
8. Wider die Verharmlosung Hitlers von links
Eine Kritik von Th eorien der Neuen Linken 173
9. Die Mär vom Sozi Hitler
Eine Kritik der jüngsten Umdeutung der deutschen Zeitgeschichte durch Franz Josef Strauß und Edmund Stoiber 182
IV. NACH DEM MAUERFALL
1. Mehr als ein Zusammenbruch
Ein Historiker erlebt und analysiert die friedliche Revolution
von 1989 in Leipzig 190
2. Ein Streit um Weimar
Mit einem «Dialog über die Vergangenheit» möchte die PDS
einen Keil in die Sozialdemokratie treiben 195
3. «Der Kronprinz war ein reaktionärer Opportunist»
Ein Interview zum Streit um Besitzansprüche des Hauses
Hohenzollern 203
4. Gewalt von rechts, Gewalt von links
Der Streit um das «Schwarzbuch des Kommunismus» 211
5. Griff nach der Deutungsmacht
Zum Tod des Historikers Fritz Fischer 216
6. Ein Denker des Jahrhunderts der Extreme
Am 15. April 2008 wäre Richard Löwenthal 100 Jahre alt
geworden 219
7. Hellas statt Holocaust?
Jürgen Habermas, Egon Flaig und der «Historikerstreit» von
1986 225
8. «In Polen entscheidet sich das Schicksal Europas»
Was Deutschland dem Wirken von Bronisław Geremek und
Jerzy Holzer verdankt 232
9. Gab es ihn doch, den deutschen Sonderweg?
Anmerkungen zu einer Kontroverse 242
ANHANG
Ernest Mandels Offener Brief an Heinrich August
Winkler 257
Dank 261
Abkürzungsverzeichnis 262
Anmerkungen 263
Personenregister 273
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