lehrerbibliothek.deDatenschutzerklärung
Der Wert der Biodiversität Biologische, ethische und theologische Perspektiven mit praktischen Handlungsansätzen
Der Wert der Biodiversität
Biologische, ethische und theologische Perspektiven mit praktischen Handlungsansätzen




Benjamin U. Schwarz

Pustet
EAN: 9783791736556 (ISBN: 3-7917-3655-8)
668 Seiten, hardcover, 16 x 24cm, Mai, 2026

EUR 72,00
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Biodiversität ist neben dem Klimawandel die zentrale Herausforderung des Anthropozäns. Benjamin Schwarz verbindet biologische, ethische und theologische Perspektiven zu einer umfassenden anthroporelationalen Ethik der Biodiversität. Durch sorgfältig abwägende Argumentation bricht er einen strikten Anthropozentrismus auf, ohne die Sonderstellung des Menschen zu leugnen, und entwickelt konkrete Orientierungen für eine verantwortungsbewusste Gestaltung unseres Naturverhältnisses. Die thematische Breite sowie die differenzierte und verständliche Aufbereitung grundlegender Debatten ermöglichen es, das Werk als Kompendium der umweltethischen und interdisziplinären Auseinandersetzung mit Biodiversität zu lesen.

Benjamin Ulrich Schwarz, Dr. theol., geb. 1984, ist Theologe und Diplom-Biologe. Neben wissenschaftlichen Tätigkeiten an den Fakultäten für Biologie und Katholische Theologie der Universität Regensburg ist er seit 2019 Geschäftsführer des Katholischen Kreisbildungswerks Garmisch-Partenkirchen e.V.
Rezension
Umwelt- und Bioethik gehören angesichts von Klimakatastrophe und Gentechnik sicherlich zu einem der bedeutendsten Teilbereiche Angewandter Ethik der Gegenwart. Biodiversität, Umwelt- und Naturschutz sind Themen mit gesamtgesellschaftlicher Bedeutung für alle Generationen. Die Zahl der Tier- und Pflanzenarten, die von Menschen zum Aussterben gebracht werden, ist beängstigend. Mit ihrem Verschwinden steht weit mehr auf dem Spiel, als wir ahnen; denn alles Leben ist auf anderes Leben angewiesen. Die globale Biodiversität, das Ergebnis dieser Differenzierung, bedroht die Menschheit heute insgesamt. Triviale Bedürfnisse und kurzfristige Interessen haben erdgeschichtliche Konsequenzen. Durch die Zerstörung unserer natürlichen Umwelt bedrohen wir das Wunder der globalen Biodiversität in seinem Fortbestand. Dabei verdrängen wir, dass auch die Menschheit weiter von der Produktivität jener Ökosysteme abhängig bleibt, zu denen sich das Leben evolutionär organisiert hat.

Oliver Neumann, lehrerbibliothek.de
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 15

Herausforderungen der gegenwärtigen Situation 15
Erkenntnisinteresse 20
Argumentationsgang 25

Teil I: Theoriegrundlagen und Methodik 29

1. Grundlagen, theoretische Denkmittel und Unterscheidungen in der Ethik 30

1.1. Ethik als wissenschaftliche Reflexion auf das Sollen 31
1.2. Gerechtigkeit und gutes Leben 33
1.2.1. Gerechtigkeit 34
1.2.2. Gutes Leben 35
1.2.3. Beziehungen zwischen dem Guten und dem Rechten 36
1.3. Pragmatische Orientierung oder Klugheit 39
1.4. Verortung ethischer und moralischer Orientierungen in der Gesellschaft 42
1.5. Emotion und Intuition — ihre Rolle bei ethischen und moralischen Urteilen 44
1.6. Das Theologische an und in der Ethik 50
1.6.1. Mehrwert theologischer Argumente und christlicher Handlungsorientierungen 51
1.6.2. Reichweite und Geltungsanspruch von Deutungen des Glaubens und daraus abgeleiteten Handlungsorientierungen 55
1.6.3. Prinzipielle Rechtfertigung christlicher Handlungsorientierungen 60

2. Verschränkungen — zum Verhältnis der Diskurse 61

2.1. Umweltethik im Zusammenspiel von objektiver, sozialer und subjektiver Welt 62
2.2. Der ästhetische Diskurs im Verhältnis zum moralischen Diskurs 68
2.3. Der ästhetische Diskurs im Verhältnis zum kognitiven Diskurs 69
2.4. Der kognitive Diskurs im Verhältnis zum moralischen Diskurs 70
2.5. Transversale Vernunft als Zusammenfiihrung der Diskurse 70

3. Anthroporelationalität — Grundlegung und Vorausblick 72

3.1. Anthroporelationalität im Licht biologischer, ethischer und theologischer Perspektiven 72
3.2. Beziehungen: Kommunikation und Resonanz 75

Teil II: Biologische Perspektiven auf das Leben und seine Vielfalt 81

4. Fragen der Entstehung und Evolution von Leben 81

4.1. Die Schwierigkeit einer Definition von „Leben" 81
4.2. Voraussetzungen und Theorien der Entstehung von Leben 91
4.3. Kontinuum oder qualitativer Sprung? 94
4.4. Der Weg zur Vielfalt: Evolution in zweieinhalb Schritten 98
4.5. Zufall und Regelmechanismus 101

5. Biodiversität 106

5.1. Was bedeutet Biodiversität? 106
5.2. Was ist eine Art? 108
5.3. Artbildung 113
5.4. Maß und Bedingungen von Biodiversität 117
5.5. Gleichgewichte, Stabilität und Diversität 121
5.6. Natürliches Aussterben 127

6. Zwischenergebnis der Analysen zum Leben und zur Biodiversität 132

7. Der Mensch als Bedrohung der Biodiversität 136

7.1. Dezimierung von Biodiversität in der Frühzeit menschlicher Besiedlung 136
7.2. Menschlicher Einfluss auf die Biodiversität von der Antike bis in die Neuzeit 138
7.3. Geschwindigkeit und Ausmaß des gegenwärtigen Biodiversitätsverlusts 146

8. Ursachen des gegenwärtigen Biodiversitätsverlusts 155

8.1. Verlust von Lebensräumen 155
8.2. Übernutzung und Jagd 164
8.3. Klimaveränderung 165
8.4. Chemische Verschmutzung und Überdüngung 168
8.5. Eingeschleppte und invasive Arten 173

9. Resümee und Konsequenzen: Biodiversitätsschutz als transdisziplinäre Aufgabe 175

Teil III: Ethische Perspektiven auf die Biodiversität — ein anthroporelationaler Ansatz 179

10. Grundansätze der Umweltethik zum Verhältnis von Mensch und Natur 180

10.1. Anthropozentrischer Ansatz 180
10.2. Physiozentrische Ansätze 183
10.2.1. Pathozentrismus 183
10.2.2. Biozentrismus 184
10.2.3. Ökozentrismus 189
10.2.4. Holismus 192
10.3. Zwischenfazit der bisherigen Ansätze 197
10.4. Anthroporelationaler Ansatz als Alternative 199

11. Gängige Gründe fir den Biodiversitätsschutz 201

11.1. Argumente der Ökologie und des Naturschutzes 202
11.1.1. Ökologie — ein schillernder Begriff 203
11.1.2. Naturschutz im Wandel der gesellschaftlichen Verhältnisse und politischer Programmatik 207
Exkurs: Heimat 210
11.1.3. Vielfalt als Wert 213
11.1.4. Funktionalität von Ökosystemen 216
11.1.5. Eigenart 217
11.1.6. Seltenheit und Gefährdung 218
11.1.7. Alter 218
11.1.8. Natürlichkeit 219
11.1.9. Wildnis 222
11.1.10. Resümee der „ökologischen Argumente" zum Biodiversitätsschutz 224
11.2. Ökonomische Argumente 226
11.3. Eudaimonistische Argumente 234
11.3.1. Biophilie des Menschen 234
Exkurs: Welche „Natur" erfährt der Mensch? 236
a) Soziale Kompetenz 238
b) Physische und psychische Gesundheit 239
Exkurs: Natur-Defizit-Syndrom 241
11.3.2. Ästhetische Naturerfahrungen 244
11.3.3. Soziale Annehmlichkeitswerte 249
11.3.4. Transformativer Wert 250
11.3.5. Existenzwert, Vermächtniswert und altruistischer Wert 252
11.3.6. Differenz-Argument 253
11.3.7. Resümee der eudaimonistischen Argumente 254

12. Eigenwert von Leben — Die Kernthese 255

12.1. Wert oder Würde 257
12.2. Status und Sinn der Konstatierung eines Eigenwerts 262
12.3. Kommt Eigenwert allen Lebewesen zu — und allen gleichermaßen? 265
12.4. Spezifizierungen des Eigenwerts und Abgrenzungen 271
12.5. Schutzgüter und das Verhältnis von Individuen- und Lebensraumschutz 277
12.6. Eingriffe in nicht-menschliches Leben trotz seines Eigenwerts — Eine Kriteriologie 284
12.6.1. Prima-facie-Regeln im Umgang mit nicht-menschlichem Leben 285
12.6.2. Vorrang-Regeln bei Zielkonflikten 286

13. Resümee und Konsequenzen 290

Teil IV: Schöpfungstheologie angesichts der Biodiversitätskrise 295

14. Bibeltheologische Aspekte nicht-menschlicher Schöpfung und der Vielfalt des Lebens vor dem Hintergrund einer Schöpfungsverantwortung 297

14.1. Alttestamentliche Perspektiven 299
14.1.1. Genesis 1-3 — die Schöpfungserzählungen 300
Exkurs: Weisheit 11,23-12,1 — Liebe und Weisheit als Garant für eine lebendige Vielfalt 302
14.1.2. Genesis 9,8-17 — Gottes Bund mit allen Lebewesen und der Erde 311
14.1.3. Ijob 37-39 — Gelehrtes Nichtwissen und Gottes Sorge für die Tiere 314
14.1.4. Schöpfungspsalmen 319
a) Psalm 8 — Gottes Größe und des Menschen Auftrag 320
b) Psalm 19 — Schöpfung und Tora als Richtschnur für den Menschen 323
Exkurs: Die Schöpfungsordnung und der Dekalog am Beispiel des Sabbatgebots 325
c) Psalm 104 — biblische Schöpfungstheologie auf den Punkt gebracht 328
14.1.5. Jesaja — Gottes Zuwendung zur Schöpfung als deren Heil 331
14.2. Neutestamentliche Perspektiven 337
14.2.1. Das Verhältnis Jesu zur Schöpfung 338
14.2.2. Der Johannesprolog (Joh 1,1-18) — Herkunft und Zukunft des Lebens 340
14.2.3. Römer 1,18-25 und 8,18-39 — Das rechte Verhältnis von Mensch, Schöpfung und Gott sowie die Hoffnung der Schöpfung 344
14.2.4. Offenbarung 21 und 22 — Neuschöpfung als Ziel, doch auf das Jetzt kommt es an 350

15. Schöpfungstheologische Reflexion der bibeltheologischen Aussagen — ihre Bedeutung für den anthroporelationalen Ansatz 354

15.1. Eröffnung eines Sinnhorizonts 355
15.2. Relationalität des Schöpfers mit der Schöpfung 356
15.3. Bekenntnis zum Leben in seiner Fülle 358
15.4. Der Mensch als imago und repraesentatio Dei — Auftrag und Verantwortung 360
15.5. Mitgeschöpflichkeit und Eigenwert allen Lebens 365
15.6. Schöpfung und Erlösung als Einheit 368
15.7. Anthroporelationalität als Konsequenz auch für die Theologie 374

16. Kirchliche Lehrentwicklung zum Thema Schöpfungsverantwortung und Eigenwert nicht-menschlichen Lebens 376

16.1. Schlaglichter der kirchlichen Lehrentwicklung seit dem II. Vatikanum 377
16.2. Ganzheitliche Ökologie und Humanökologie 382
16.3. Paradigmenwechsel: Eigenwert auch fit. nicht-menschliche Lebewesen 387

17. Weiterentwicklung der Schöpfungstheologie vor dem Hintergrund bedrohter Biodiversität 391

17.1. Nicht-Notwendigkeit der Schöpfung und „Unbrauchbarkeit" Gottes — oder: das Geschenktsein des Lebens 391
17.2. Von der Resonanz mit nicht-menschlichen Geschöpfen zu deren Eigenwert 397
17.3. Schöpfungsspiritualität — Sinnhorizont und Motivationsquelle von Schöpfungsverantwortung 403

Teil V: Handlungsorientierungen gemäß der Anthroporelationalität 413

18. Gerechtigkeit und gutes Leben im ökologischen Kontext als Grundlegung anthroporelationalen Handelns 414

18.1. Gerechtigkeit 414
18.1.1. Globale Gerechtigkeit und Zukunftsgerechtigkeit 414
18.1.2. Aspekte von Gerechtigkeit 418
18.1.3. Ökologische Gerechtigkeit 420
a) Den Kreis der Rechtssubjekte und Gerechtigkeitsansprüche erweitern? 421
b) Wofür kann „Ökologische Gerechtigkeit" stehen? 427
18.2. Gutes Leben im Verhältnis zur Gerechtigkeit beim Schutz von Biodiversität 431

19. Verantwortung gegenüber nicht-menschlichen Lebewesen und ihre anwaltschaftliche Wahrnehmung 436

19.1. Wer trägt Verantwortung? 438
19.2. Wofür ist Verantwortung zu tragen? 446
19.3. Wem gegenüber, vor wem und warum ist Verantwortung zu tragen? 451
19.4. Anwaltschaftliche Ethik 457

20. Tugenden als Promotor einer anwaltschaftlichen Ethik 459

20.1. Zur Relevanz von Tugenden 460
20.2. Environmental Virtue Ethics (EVE) 466
20.3. Christliche Tugenden angesichts des Biodiversitätsverlusts 469
a) Förderung von Klugheit 470
b) Ehrfurcht und Demut 471
c) Dankbarkeit 473
d) Suffizienz oder das rechte Maß 475
e) Glaube, Hoffnung, Liebe — Schöpfungsverbundenheit 478

21. Biodiversität und Sozialprinzipien — wechselseitige Erhellungen 485

21.1. Personalität — als Auftrag, über sich hinauszublicken 486
21.2. Solidarität — im Verhältnis zum nicht-menschlichen Leben 488
21.3. Subsidiarität — ein Kompetenzdefizit auf übernationaler Ebene 495
21.4. Nachhaltigkeit — als Leitprinzip 498
Exkurs: Grundlegende Aspekte von Nachhaltigkeit als konsequente Anthroporelationalität 498

22. Wichtige gesellschaftliche und kirchliche Handlungsfelder 506

22.1. Bevölkerungswachstum unter der Perspektive von Gerechtigkeit 507
22.2. Die Steigerungslogik der Moderne und eine Alternative nach Hartmut Rosa 509
a) Dynamische Stabilisierung 511
b) Weltreichweitenvergrößerung 511
c) Eskalation und Desynchronisation 512
d) Entfremdung und Weltverstummen 513
e) Adaptive Stabilisierung und Resonanz 515
22.3. Grundlegende Orte ökologischer Verantwortung 520
22.3.1. Lebensstil 520
22.3.2. Wirtschaftssystem und Organisationsverantwortung 523
22.3.3. Zivilgesellschaftliches Engagement 530
22.4. Naturschutzpolitische Instrumente 533
22.4.1. Rechtliche Vorgaben 533
22.4.2. Ökonomische Steuerung 537
22.4.3. Selbstverpflichtung 541
22.4.4. Planerische Instrumente 543
22.4.5. Förderung mitwelt-bewussten Handelns der Bürgerinnen und Bürger 547
22.5. Kirche mit Potenzial im Biodiversitätsschutz 551
22.5.1. Kirche als Motivationsquelle und Hoffnungsträger 554
22.5.2. Der Öffentlichkeitsbezug der Kirche 557
22.5.2.1. Eigenverantwortung und Zeugnis anhand des Beispiels Liegenschaften 559
22.5.2.2. Politische Dimension: Anwalt für die Vielfalt der Schöpfung 566
Exkurs: Träger öffentlicher Belange (TöB) 568
22.5.3. Ein Resümee des kirchlichen Potenzials im Biodiversitätsschutz 570

23. Maßnahmen im praktischen Biodiversitätsschutz 573

23.1. Biodiversitätsschutz vor Ort 573
23.2. Prozessschutz oder Biotopschutz? 577
Exkurs: Renaturierung und Kompensationsmaßnahmen 579
23.3. Letzte Rettung Zoo, botanischer Garten, Genbank oder gar „assistierte Evolution" und
Klonen? 584
23.4. Was tun mit „nutzlosen" Arten? — Der Härtetest des Eigenwertes 592

24. Resümee der Handlungsorientierungen 596

Fazit und Ausblick 601

Dank 606
Abkürzungen 607
Literaturverzeichnis 609