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Das aschkenasische Judentum
Herkunft, Blüte, Weg nach Osten
Verlag C. H. Beck oHG
EAN: 9783406812477 (ISBN: 3-406-81247-3)
560 Seiten, hardcover, 15 x 22cm, Februar, 2024
EUR 39,00 alle Angaben ohne Gewähr
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Umschlagtext
Aschkenas: So nannten die seit dem Mittelalter in Europa ansässigen Juden ihr Siedlungsgebiet vor allem in Deutschland. Peter Schäfer bietet mit diesem Buch erstmals einen auf archäologischen und schriftlichen Quellen basierenden Überblick über Herkunft und Blüte des aschkenasischen Judentums und seinen erzwungenen Weg nach Osteuropa. Seine glänzende Darstellung umfasst mehr als 2000 Jahre jüdischer Geschichte, von der Antike bis zum 20. Jahrhundert, und wird für lange Zeit Maßstäbe setzen.
Rezension
Aschkenas bezeichnet im ersten Buch Mose eine biblische Figur. Der Name wurde in der rabbinischen Literatur des Mittelalters zur Bezeichnung des Siedlungsgebiets der Juden in Europa, insbesondere in deutschen Regionen verwendet. Mit dem aschkenasischen Judentum bezeichnet man allgemein das Judentum west-, mittel- und osteuropäischer Herkunft.
Wie lebten die Juden im Römischen Reich? Lässt sich dort Antisemitismus nachweisen? Wann siedelten im Mittelalter erstmals Juden in Köln, Mainz, Speyer, Worms und Prag? Welche rechtliche Stellung besaßen Juden in der Epoche? Galten besondere Religionsgesetze in jüdischen Gemeinden? Wie gestaltete sich der Alltag der jüdischen Bevölkerung im Mittelalter? Wodurch zeichnete sich die synagogale Poesie aus? In welchem Verhältnis standen Christentum und Judentum zueinander? Wurde in Frankfurt das erste Ghetto in „Deutschland“ eingerichtet? Seit wann sind dort Verfolgungen von Juden und antijudaistische Pogrome nachweisbar? Führte die Große Pest zu einem Anstieg der Vertreibungen der Juden? Wer verbreitete die Ritualmordlegende und andere antijüdische Propagandabilder? Warum zogen Juden aus deutschen Regionen nach Polen-Litauen? Löste Jakob Frank eine messianische Bewegung aus? Wann entstand der Chassidismus und die Haskala, die Jüdische Aufklärung?
Fachlich fundierte Antworten auf diese Fragen jüdischer Geschichte liefert Peter Schäfer (*1943) in seinem neuen Buch „Das aschkenasische Judentum. Herkunft, Blüte, Weg nach Osten“. Erschienen ist der Band bei C.H. Beck in der „Historischen Bibliothek der Gerda Henkel Stiftung“. Bekanntheit erlangte der ehemalige Professor für Judaistik an der Princeton University, der von 2014 bis 2019 Direktor des Jüdischen Museums Berlin war, u.a. durch seine Bücher „Zwei Götter im Himmel“(2017), „Jesus im Talmud“(3. Aufl. 2017) und „Kurze Geschichte des Antisemitismus“(3. Auflage 2020).
In seiner neuesten Darstellung zeichnet Schäfer die Geschichte des aschkenasischen Judentums von seinen Anfängen in der Antike bis zum 20. Jahrhundert differenziert nach. Der Judaist stützt sich dabei auf archäologische Überrestquellen und auf schriftliche Traditionsquellen. Seine Ausführungen zeugen von exzellenter Kenntnis der Quellen und der Forschungsliteratur. Leser:innen erhalten durch die Lektüre von Schäfers Monographie faszinierende Einblicke in die jüdische Kulturgeschichte. Zugleich deckt der Wissenschaftler auch zahlreiche in der Öffentlichkeit präsente Mythen über das Judentum auf und analysiert die Genese antijüdischer Propagandabilder. Sehr hilfreich ist auch das dem Werk beigefügte Glossar. Lehrkräfte der Fächer Geschichte, Religion und Ethik werden durch Schäfers Erkenntnisse aufgefordert, sich in ihrem Unterricht oder in einem fächerübergreifenden Projekt mit der Geschichte des Judentums problemorientiert auseinanderzusetzen.
Fazit: Peter Schäfer leistet mit seinem Buch „Das aschkenasische Judentum“ einen wichtigen Beitrag zur historischen Aufklärung über jüdische Geschichte.
Dr. Marcel Remme, für lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Schäfer, Peter
Das aschkenasische Judentum
Herkunft, Blüte, Weg nach Osten.
Aschkenas: So nannten die seit dem Mittelalter in Europa ansässigen Juden ihr Siedlungsgebiet vor allem in Deutschland. Peter Schäfer bietet mit diesem Buch erstmals einen auf archäologischen und schriftlichen Quellen basierenden Überblick über Herkunft und Blüte des aschkenasischen Judentums und seinen erzwungenen Weg nach Osteuropa. Seine glänzende Darstellung umfasst mehr als 2000 Jahre jüdischer Geschichte, von der Antike bis zum 20. Jahrhundert, und wird für lange Zeit Maßstäbe setzen.
Ein Edikt des Kaisers Konstantin aus dem Jahr 321 betrifft die Juden in Köln, doch erst für die Zeit um das Jahr 1000 sind jüdische Gemeinden in Köln, Mainz, Speyer,Worms, Regensburg, Prag oder Frankfurt sicher belegt. Woher kamen diese Juden? Wie waren ihre Gemeinden organisiert? Wovon lebten sie, und welche Beziehungen pflegten sie zu ihrer christlichen Umgebung? Peter Schäfer kennt wie kaum ein anderer die Schriften des mittelalterlichen Judentums und beschreibt auf ihrer Grundlage – jenseits der bis heute verbreiteten Klischeevorstellungen – den Alltag und die mystisch geprägte Frömmigkeit der aschkenasischen Juden. Er erzählt von den Verfolgungen und Vertreibungen im Spätmittelalter, der erneuten Blüte jüdischen Lebens in Polen, Litauen und Russland und vom Weg der Juden in eine ambivalente Moderne, die Emanzipation versprach und Vernichtung brachte. Seither liegen die Zentren des aschkenasischen Judentums in den USA und Israel, doch seine Wurzeln reichen weit in das europäische Ostjudentum, in das mittelalterliche Deutschland und in die Antike zurück.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 9
ERSTER TEIL I HERKUNFT
1. Mutterland und Diaspora 31
2. Juden im Römischen Reich 37
Die Juden im «Mutterland» 38
Juden in der «Diaspora»: Kleinasien, Alexandria, Rom 43
Das rabbinische Judentum 70
ZWEITER TEIL I VERBREITUNG
1. Aschkenas: Eine Begriffsbestimmung 99
2. Der lange Weg nach Westeuropa 108
Ein rätselhafter Beleg aus Köln 109
Die dunklen Jahrhunderte: Verstreute Einzelfunde 119
Auf dem Weg nach Aschkenas 132
DRITTER TEIL I GEMEINDELEBEN
1. Ursprungslegenden der Frommen von Aschkenas 143
2. Schutz und Knechtschaft: Die rechtliche Stellung 150
3. Fernhandel und Geldwirtschaft 160
4. Institutionen und Ämter 164
5. Bedeutende aschkenasische Gemeinden 168
Köln: Judenviertel und Privilegien 169
Mainz: Bedeutend und beinahe rechtlos 181
Speyer: Bischöfliche und kaiserliche Privilegien 188
Worms: Kaiserlicher Schutz und kulturelle Ausstrahlung 197
Regensburg: Unfreie Juden in der Freien Stadt 203
Prag: Königlicher Schutz und wirtschaftliche Macht 210
Frankfurt: Der Weg ins Ghetto 217
VIERTER TEIL I LEBEN MIT DER TORAH
1. Einübung in die Torah 231
2. Bibelauslegung: Raschi und der einfache Wortsinn 240
3. Talmudkommentar und Tosafot 248
4. Responsen: Antworten auf strittige Fragen 266
5. Die Verordnungen von Schum 275
6. Synagogale Poesie 285
7. Die Frommen von Aschkenas 295
Rigide Ethik: Das «Buch der Frommen» 296
Mystik: Die esoterische Lehre der Frommen 314
Die Erschaffung des Golem 326
8. Die Rückkehr der Bilder 333
FÜNFTER TEIL I VERFOLGUNGEN UND
VERTREIBUNGEN
1. Kreuzzüge: Die Heiligung des göttlichen Namens 345
Speyer und Worms: Der Beginn der Verfolgungen 348
Mainz: Die Akzeptanz des Martyriums 350
Köln und weitere Orte: Die Vollendung des Opfers 357
2. Hass, Legenden und Pogrome 362
Blutbeschuldigungen 362
Legenden vom Hostienfrevel 373
Die Bücherverbrennung von 1242 380
Große Pest, Pogrome und Vertreibungen 385
3. Antijüdische Propagandabilder 392
Juden als Christusmörder und Verbündete Satans 392
Darstellungen der «Judensau» 395
Ecclesia und Synagoga 399
SECHSTER TEIL I DER WEG NACH OSTEN
1. Polen-Litauen: Blüte und Katastrophe 411
Unter königlichem Schutz 411
Der Vierländerausschuss und der Ausschuss
des Landes Litauen 419
Die Chmielnicki-Massaker 421
2. Mystische Frömmigkeit jenseits der Orthodoxie 424
Die Lurianische Kabbala 424
Die Sabbatianische Bewegung 427
Die Frankistische Bewegung 432
Der Chasidismus 437
Die Mitnaggedim: Gegner des Chasidismus 445
3. Aufbrüche in eine neue Welt 449
Haskala: Die Jüdische Aufklärung 449
Jüdischer Sozialismus in Ostaschkenas und Palästina 455
Die Anfänge des Zionismus 458
Jiddische und neuhebräische Literatur 468
ANHANG
Karten 476
Anmerkungen 479
Literatur 531
Bildnachweis 544
Glossar 545
Register 554
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