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Das Revier um 1900 Zu Besuch in der „reichsten Gegend von ganz Deutschland“
Das Revier um 1900
Zu Besuch in der „reichsten Gegend von ganz Deutschland“




Jules Huret

Henselowsky Boschmann
EAN: 9783948566272 (ISBN: 3-948566-27-5)
168 Seiten, Festeinband mit Schutzumschlag, 13 x 21cm, Oktober, 2025

EUR 14,90
alle Angaben ohne Gewähr

Rezension
Jules Huret (1863-1915) hat Anfang des 20. Jahrhunderts das Ruhrgebiet bereist und einen seinerzeit vielbeachteten Bericht über diese Reise verfasst. Er schildert eindrücklich eine aufstrebende Region voller Ideen und Industrie, berichtet von Begegnungen mit dem Fabrikmagnaten Thyssen und ruft die Ära Krupp in Erinnerung, erzählt vom steigenden Wohlstand und den im Revier lebenden Menschen. Der Reisebericht war lange in Vergessenheit geraten und ist nun dankenswerterweise von Dirk Hallenberger erneut herausgegeben worden. Besonders beeindruckt haben mich die Erzählungen von den Werksbesichtigungen der großen Industrieeinheiten in Duisburg und Essen. Hier wird eine Zeit lebendig, die heute kaum noch vorstellbar erscheint. Sehr unterhaltsam ist auch die Sammlung verschiedener deutscher Verbote, die der Autor gesammelt zum Besten gibt.
Für den Geschichtsunterricht liegt hier eine interessante Quelle vor, ein Augenzeugenbericht, der durch die Brille des französischen Journalisten einen Einblick in eine längst vergangene Zeit gewährt. So lassen sich regionale Besonderheiten der Industrialisierung des frühen 20. Jahrhunderts gut herausarbeiten, womöglich auch im Kontrast zu anderen Regionen Deutschlands oder Europas.
JG, www.lbib.de
Verlagsinfo
„Fürwahr ein bemerkenswerter Zusammenzug von Menschen, der in Europa nicht seinesgleichen hat.“ Der französische Journalist Jules Huret bereiste im Jahre 1906 das Land an Rhein und Ruhr, berichtete darüber in „Le Figaro“ und später in einem Buch. Er nimmt den Leser mit auf ausgedehnte Werksbesichtigungen, spricht mit August Thyssen. Und er stellt fest, „dass man diese Deutschen fast mit einem Arbeitspferd vergleichen möchte“. Durch Hurets Augen auf das Revier um 1900 zu blicken, ist spannend. Und wer das Damals mit dem Heute vergleicht, wird überrascht feststellen: Manches hat sich kaum verändert.

Jules Huret (1863–1915) war der erste und lange Zeit einzige prominente Autor, der – nicht aus Deutschland kommend – über das Land an Rhein und Ruhr berichtete.
Er beschränkte sich allerdings nicht allein auf dieses Gebiet, sein Interesse galt dem gesamten Deutschen Reich. „En Allemagne“ hieß das damals viel gelesene Werk, das zwischen 1907 und 1910 in vier Bänden und größtenteils als Vorabdruck in „Le Figaro“ erschien. Im selben Zeitraum wurde es unter dem Titel „In Deutschland“ sogleich ins Deutsche übertragen. Hurets Tetralogie beginnt nun nicht etwa mit der Hauptstadt Berlin oder den anderen traditionsreichen Zentren des Reiches, sondern der erste Band widmet sich überraschenderweise „Rheinland und Westfalen“ (1907).
Das berühmte Reisebuch von Jules Huret ist heute leider nahezu vergessen, sodass sich mit der vorliegenden Neuausgabe endlich die Möglichkeit bietet, nach fast 120 Jahren einen erneuten Blick
auf das einstige und vergangene Revier, dessen
Industrielandschaft und -kultur zu wagen.
Aus dem Vorwort von Dirk Hallenberger

Das Revier um 1900

„Der Erdboden scheint in der Tat mit Schornsteinen bepflanzt zu sein; die Städte ersticken fast im Kohlenrauch: Die geschwärzten Mauern der Häuser, die von chemischen Bestandteilen vergifteten Flüsse, die man in diesem Erdenwinkel findet, machen einen durchaus nüchternen und doch auch wieder imposanten Eindruck und kennzeichnen die Zivilisation des Landes.
Denkt man hier an das sentimentale, verträumte Deutschland, wie es abgedroschene Romantiker geschildert haben, muss man unwillkürlich lächeln. Nein, der Beschauer gewinnt den Eindruck, dass da ein stark reales Leben herrscht, hineingebracht in solch ruhiger Besonnenheit, dass man diesen Deutschen fast mit einem Arbeitspferd vergleichen möchte! Richtet man seine Gedanken einen Augenblick auf diese Ziffern, so steigt das Bild einer anwachsenden, unaufhaltsam vordringenden Woge sozusagen körperlich und mit Gewalt vor dem geistigen Auge empor.“
Aus dem Kapitel „Die Rheinprovinz und Westfalen“
Inhaltsverzeichnis
Vorwort von Dirk Hallenberger
Die Rheinprovinz und Westfalen
Bei Herrn Thyssen
Die Disziplin
Bei Herrn Thyssen (Fortsetzung)
Charakter und Sitten
Ein Konkurrent von Krupp (Herr Ehrhardt)
Das Kapitel vom Magen
Krupp
Das Kapitel vom Geschmack
Krupp (Fortsetzung)
Wohlstand
Gewonnene Eindrücke