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Albert Schweitzer: Mythos und Wirklichkeit Zur Rezeption in Vergangenheit und Gegenwart
Albert Schweitzer: Mythos und Wirklichkeit
Zur Rezeption in Vergangenheit und Gegenwart




Werner Zager, Raphael Zager (Hrsg.)

Reihe: Veröffentlichungen des Bundes für Freies Christentum


Evangelische Verlagsanstalt
EAN: 9783374080236 (ISBN: 3-374-08023-5)
228 Seiten, paperback, 16 x 23cm, März, 2026

EUR 35,00
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Zu seinen Lebzeiten wurde Albert Schweitzer in Westdeutschland als großes Vorbild verehrt – ob nun als der »Urwaldarzt von Lambarene«, der »Samariter der Menschheit« oder als »Genie der Menschlichkeit«. Ähnliches ist in den USA zu beobachten, wo er als »The Greatest Christian« und schließlich sogar als »The Greatest Man of the World« tituliert wurde. Aber nicht nur im Westen spielte Schweitzer eine große Rolle; so galt Schweitzer in der DDR als der »große Humanist« und »Friedensfreund«.

Der vorliegende Band sucht die Frage zu beantworten, welche Motive und Funktionen mit dem jeweiligen Schweitzer-Bild verbunden waren. Dabei dürfte die zeitgeschichtliche, politische und gesellschaftliche Situation von entscheidender Bedeutung sein. Weiterhin geht es um die Rezeption des Denkens Schweitzers in Philosophie und Theologie. Neben dem kritischen Rückblick wird herausgearbeitet, worin Albert Schweitzers Bedeutung für uns heute liegt.

Prof. Dr. Werner Zager, geb. 1959 in Worms, 1977–1983 Studium der Evangelischen Theologie in Frankfurt am Main, Mainz und Tübingen, 1983–1985 Vikar in Darmstadt, 1987 Dr. theol. an der Universität Mainz, 1987–1991 Pfarrvikar in Seeheim a.d.B. und Alsfeld, 1996 Habilitation an der Universität Bochum, 1997–2003 Hochschuldozent ebd., seit 2003 Leiter der Evangelischen Erwachsenenbildung Worms-Wonnegau und apl. Professor für Neues Testament am Fachbereich Evangelische Theologie der Universität Frankfurt am Main. Er ist Herausgeber des »Theologischen und philosophischen Briefwechsels« Albert Schweitzers (C.H. Beck, 2006); zuletzt erschien von ihm das Buch »Albert Schweitzer als liberaler Theologe« (Lit Verlag, 2009).

Mit Beiträgen von Johann Hinrich Claussen, Caroline Fetscher, Michael Großmann, Wolfgang Pfüller, Hans-Georg Wittig, Dorothea Zager, Raphael Zager und Werner Zager.
Rezension
Zum 150. Geburtstag des am 14. Januar 1875 in Kaysersberg bei Colmar geborenen Theologen, Philosophen, Musikers und Mediziners scheint Albert Schweitzer weitgehend vergessen (vgl. S. 13ff), dabei war er sicherlich eine Jahrhundertgestalt, ein uomo universale, ein letzter Universalgelehrter am Beginn des 20. Jahrhunderts, der mit seinem Bemühen um die sittliche Reifung des Menschen und mit seinem friedenspolitischen Impuls, seinem medizinischen Engagement, seinem musikalischen Interesse und seinen theologischen Studien ein interdiziplinäres Genie darstellt. Im Westdeutschland der Nachkriegszeit war er ein Mythos und in der DDR ebenfalls anerkannt (vgl. S. 21ff / S. 35ff), in theologischer und philosophischer akademischer Wissenschaft aber immer ein Außerseiter (vgl. S. 63ff/ S. 93ff). Popularwissenschaftlich verbinden wir mit ihm hingegen das von ihm 1913 gegründete Urwaldhospital Lambarene in Gabun, aber auch den ethischen Begriff der "Ehrfurcht vor dem Leben" oder seine wegweisende Kritik an der Geschichte der Leben-Jesu-Forschung. Albert Schweitzer erscheint als Mega-Promi und als Super-Gutmensch, als Vorbild und Übervater in Ethik, Medizin und Pädagogik. Dieses wirkungsgeschichtliche Bild von Albert Schweitzer ist aber schon zu Lebzeiten von ihm selbst stilisiert worden; denn er war ein Meister der Selbstinszenierung. Dieser Sammelband thematisiert deshalb insbesondere seine Rezeptionsgeschichte. In den beiden Jahrzehnten nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war Albert Schweitzer sicher einer der bekanntesten Menschen in beiden Teilen Deutschlands. Dem Buch liegen die Vorträge zugrunde, die auf der Jahrestagung des Bundes für Freies Christentum vom 19. bis 21. September 2025 im Haus der Kirche in Bad Herrenalb gehalten wurden. Die Tagung fand in Kooperation mit der Evangelischen Akademie Baden und der Evangelischen Erwachsenenbildung Worms-Wonnegau statt. Der Bund für Freies Christentum versteht sich als ein Forum für offenen religiösen Dialog und ist ein Zusammenschluss überwiegend protestantischer Christen, die sich für eine persönlich verantwortete undogmatische, weltoffene Form des christlichen Glaubens einsetzen und dabei ein breites Spektrum von Auffassungen zu integrieren suchen (Geschäftsstelle des Bundes: Felix-Dahn-Straße 39, 70597 Stuttgart; Homepage: www.bund-freies-christentum.de).

Oliver Neumann, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Schlagwörter:
Theologie Systematische Theologie Albert Schweitzer Rezeption Vorbildwirkung Hilfe für Afrika Bund für Freies Christentum Veröffentlichungen des Bundes für Freies Christentum
Inhaltsverzeichnis
Johann Hinrich Claussen
Zu Recht vergessen?
Gedanken zum 150. Geburtstag von Albert Schweitzer 13

Caroline Fetscher
Albert Schweitzer und Lambarene
Mythos und Wirklichkeit bei den Westdeutschen 21

Wolfgang Pfüller
Politisch oder ideologisch instrumentalisiert?
Albert Schweitzer und die CDU in der DDR 35

Raphael Zager
Ein Außenseiter im theologischen Wissenschaftsbetrieb?
Albert Schweitzer und die Theologie 63

Michael Großmann
Ein von der akademischen Philosophie verkannter Denker?
Albert Schweitzer und die Philosophie 93

Werner Zager
Verehrtes Vorbild und Ehrenpräsident
Albert Schweitzer und der Bund für Freies Christentum 1948–1965 121

Hans-Georg Wittig
Spiel mit dem Weltbrand?
Albert Schweitzer als umsichtiger Vorkämpfer eines geschichtlich notwendigen Atompazifismus 163

Dorothea Zager
Wie verstehen Sie das, Herr Dr. Schweitzer?
Dialogpredigt zu Lk 9,62 169

Gottfried Schüz
»Ein Feuerbrand für unsere dunkle Zeit«
Albert Schweitzers Kulturkritik und Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben 179

Claus Jacobi
Albert Schweitzer
Mythos des 20. Jahrhunderts 197

Anhang 197
Personenregister 217
Autorenverzeichnis 223