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Albert Camus / Jean Grenier  - Briefwechsel 1932-1960 Mit den Erinnerungen Jean Greniers an Albert Camus
Albert Camus / Jean Grenier - Briefwechsel 1932-1960
Mit den Erinnerungen Jean Greniers an Albert Camus




Albert Camus, Jean Grenier

Verlag Karl Alber
EAN: 9783495486214 (ISBN: 3-495-48621-6)
480 Seiten, hardcover, 15 x 22cm, 2013

EUR 49,00
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
»Der Mensch ist nicht unschuldig und auch nicht schuldig. Wie soll man das lösen? [...] Die Freiheit - welch schönes Wort! Und wie niederschmetternd ist es, wenn man sie nur erreichen kann, wenn man die Autorität anerkennt. [...] Natürlich behalten die Ehre, die Treue in der absurden Welt ihren Sinn.«

Albert Camus



Aber man darf nicht so weit in die Ferne schweifen, man tut besser daran, in der Nähe Ausschau zu halten, wie Sie es tun, um zu versuchen, am Nächstliegenden das Menschliche mit menschlichen Mit- teln zu entdecken. - Aber wie kann man dabei einer Philosophie der Ungerechtigkeit entgehen? Wird die Gerechtigkeit nicht entdeckt dank der Ungerechtigkeit, das Menschliche dank dem Unmenschlichen usw.?«

Jean Grenier



»Ja, aber ich meine, dass man sich nicht nur empören muss, um die Ungerechtigkeit aus der Welt zu

schaffen, sondern auch um das Glück auf Erden herbeizuführen, dass das als Lebensweisheit für das

Hier und Jetzt gelten muss und nicht für ferne Zeiten«.

Albert Camus
Rezension
Der Lehrer Jean Grenier (1898-1971) überlebte seinen verunfallten Schüler Albert Camus (1913-1960) um mehr als ein Jahrzehnt. Anläßlich des 100. Geburtstags des Philosophen und Literatur-Nobelpreisträgers von 1957 Albert Camus wird hiermit der jahrzehnte-lange Briefwechsel Grenier / Camus auf deutsch herausgegeben. Aus der Perspektive dieses Wechselverhältnisses, aber auch aus der Perspektive des Lehrers (vgl. Teil 2 ab S. 345) tritt so das Leben, das Denken, der Mensch, das Werk und die Zeitverhältnisse Albert Camus´ hervor: der einsame Mensch aus einfachen algerischen Verhältnissen, der Widerstand in der französischen Résistance, die Revolte (L´homme révolté), die Einsamkeit, die Klarheit, Licht und Schatten und der unbedingte Wille zu leben und dem Leben Sinn abzutrotzen (Sisyphos) in all seiner Absurdität, Sinnlosigkeit ("Die Pest") und Tragik, wie sie sich auch im Unfalltod am 4. Jan. 1960 spiegelt.

Thomas Bernhard, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Als der Philosophielehrer Jean Grenier 1930 den 17-jährigen Albert Camus an der Knabenoberschule zu Algier kennenlernt, wird er schnell auf dessen außergewöhnliches Talent aufmerksam. Was zunächst noch ein reines Lehrer-Schüler-Verhältnis ist, entwickelt sich durch einen regen Briefwechsel bald zu einer innigen wechselseitigen Freundschaft. Insgesamt 235 Briefe dokumentieren den Gedanken- und Ideenaustausch zwischen Grenier und Camus und geben Auskunft über intellektuelle Ansichten und Prozesse, wechselseitigen Einfluss und Inspiration, persönliche Erfolge und Enttäuschungen ihrer Verfasser. Darüber hinaus gewährt die Korrespondenz spannende Einblicke in die intellektuelle Landschaft Frankreichs jener Zeit und spiegelt die historischen Ereignisse zwischen 1932-1960 wider: den Aufstieg des Faschismus in Europa, die Wirren des Zweiten Weltkrieges, die existenziellen Sorgen der Nachkriegszeit, den Algerienkrieg. Jean Ohlenburg hat diesen Briefwechsel erstmals ins Deutsche übersetzt. Gleichzeitig liefert er ein eindrückliches Porträt von Camus' Lehrer Grenier, der als Vorbild und Freund sein Denken entscheidend geprägt hat. Die Briefe werden durch die Erinnerungen Greniers an Camus ergänzt. Darin reflektiert Grenier etwa Camus' Aktivität als Mitglied der kommunistischen Partei, seine Liebe zur Heimat Algerien, die Beziehung zu seiner Mutter, sein Wirken als Journalist und am Theater und seinen geistigen Schaffensprozess als Ganzes - dies alles mit einer diskreten Offenheit eines kritischen Bewunderers und Begleiters.

Autoreninfo:
Albert Camus (1913-1960) war Schriftsteller und Philosoph. Er schrieb philosophische Essays (»Der Mensch in der Revolte«, »Der Mythos des Sisyphos«), literarische Werke (»Der Fremde«, »Die Pest«, »Der Fall« usw.) und Theaterstücke (»Belagerungszustan«, »Die Gerechten«, »Caligula« usw.). 1957 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.

Jean Grenier (1898-1971) war Professor für Philosophie in Algier, Lille, Kairo, Paris. Er schrieb hauptsächlich philosophische Essays (u. a. »Kater Mouloud«, »Der Hund Taiaut«).
Inhaltsverzeichnis
Editorisches Konzept 9

Albert Camus / Jean Grenier
Briefwechsel
1932-1960


Einleitung des Übersetzers 15

Vorrede von Marguerite Dobrenn 20

Korrespondenz 23

Anmerkungen 243

Appendix 335

I. Fragmentarisch erhaltener Brief von A. Camus an J. Grenier [1939] 335
II. Albert Camus: Jean Grenier. Würdigungsrede nach der
Verleihung des Prix du Portique an J. Grenier 336
III. Albert Camus: Vorwort zu Les lies (1959) 338

Jean Grenier:
Erinnerungen an Albert Camus


Vorwort des Übersetzers 345

Jean Grenier: Albert Camus.
Erinnerungen eines Lehrers, Wegbereiters, Freundes und Beraters

Einleitung: Ein ephemerisches Missverständnis:
»noli me tangere« 353

I Der tragische »Humanismus« 354
Die pessimistische Sicht der »conditio humana« * Der privilegierte Augenblick im Spiegel des Anderen * Das Unausgesprochene Ausgesprochene

II Das politische Engagement 366
Geist und Ungeist: »blind die Misere des Menschen sehen« * Der Intellektuelle in der Gesellschaft * Der mutige Einsatz für den Menschen, für Gerechtigkeit und Wahrheit

III Das Künstlerprofil 375
Das Absurde * Das Weltverständnis aus mittel-meerischer, griechischer Sicht * Das Böse

IV Der Schriftsteller 384
Der schöpferische Schriftsteller * Der Fall Nietzsche * Der Nobelpreis

V Entdeckungsreisen 391
»Der Dichter der Morgenröte« * Der erste Mensch * »Kein ander Eand« als die Mittelmeerländer

VI Die Freundschaft 398
Das zustimmende Schweigen * Offenheit und Ausblick * Das irdische Glück

VII Die Welt des Theaters 401
Der Spiegel des Menschlichen * Die Bühnenfassungen * Form und Gestalt, das Schöne

VIII Der philosophisch denkende Mensch 407
Die Empörung, Revolte * Das Scheitern * Das Absolute

IX Die moralische Präsenz 414
Refugium und die verneinenden Kräfte »Jonas« * Nachdenken über die Befindlichkeit des Menschen * »Der Rigorismus«

X Der Journalist 423
Algerien, das Land der drei Ethnien * Der koloniale, politische Algerienkrieg * Die Vertreibung, eine europäische Politik zur Konfliktlösung im 20. Jahrhundert

XI Nekrolog 432
Aufbruch und Passion * Stille: Ort der künstlerischen Produktion * Ruhe und Gelassenheit * Das »unausgesprochene erste Wort«

Jean Grenier: »Preface« [Vorwort], aus:
Albert Camus. Theätre, Recits, Nouvelles 435

Chronologie. Ein Zeitspiegel der Biographien, Werkkonstituenten und zeitgeschichtlichen Ereignisse 452

Angaben zu den Editoren 479