lehrerbibliothek.de
Max
Max




Markus Orths

Carl Hanser Verlag
EAN: 9783446256491 (ISBN: 3-446-25649-0)
576 Seiten, hardcover, 13 x 21cm, August, 2017

EUR 24,00
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Im Spiegel von sechs Frauenleben erzählt dieser Roman vom 20. Jahrhundert und entwirft das Panorama einer wahnwitzigen Zeit.

Max kämpft. Max flieht. Max sucht. Er kämpft gegen die Verrückheit einer Welt, die aus den Fugen gerät. Er flieht vor den Menschen, die ihn nicht verstehen. Er sucht die eine Frau, die erwirklich lieben kann. Dies ist die Geschichte eines großen Künstlers des vergangenen Jahrhunderts: Max Ernst.
Rezension
„Was Geist ist, erfaßt nur der Bedrängte.“, schrieb der Dichter Hugo von Hofmannsthal 1922 in seinem „Buch der Freunde“. „Geist“ und „Bedrängnis“ sind demnach wesenhaft miteinander verbunden. Eine aufschlussreiche Deutung des Hofmannsthal`schen Satzes legte der Psychiater und Psychoanalytiker Ludwig Binswanger 1948 vor (In: Studia philosophica 8, S. 1-11). „Geist“ sei übersetzbar mit Weltentwurf, Bedrängtsein könne man von etwas oder einer Person. Bedrängnis sei dem Grad an Freiheit nach zwischen Befangensein und Gefangensein zu verorten. Der Dichter wäre seiner Existenz nach der „leidvoll Bedrängte […], der ständig aufbrechen Müssende“. Binswanger zufolge sei der Aphorismus von Hofmannsthal nicht nur auf Literaten zu beziehen, sondern er verdeutliche „das Geheimnis […] der künstlerischen Daseinsform überhaupt“.
Dass des Dichters Satz das Wesen des Künstlers treffend beschreibt, wird jeder bestätigen, der die Lebensbeschreibung von Max Ernst (1891-1976) liest, die Markus Orths mit seinem neuen Roman „Max“ vorgelegt hat. Der Schriftsteller, bekannt u. a. durch seine Satire „Das Lehrerzimmer“ (2003) oder durch den Erzählband „Fluchtversuche“ (2006), orientiert sich bei seiner Darstellung chronologisch an den Beziehungen von Ernst zu seinen sechs Frauen - vier Ehefrauen und zwei Geliebten -, von denen er befangen, bedrängt und gefangen ist. Die permanente Bedrängnis für den Maler, Grafiker, Bildhauer, Kunstschriftsteller ging aber von der Kunst aus, in der er seinen inneren Erlebnissen Ausdruck verleiht, gilt doch der anfängliche Dadaist Ernst als Hauptvertreter des Surrealismus, der Kunstrichtung, die das Unbewusste und Verdrängte zu visualisieren versuchte. Die Kontakte von Ernst zu dem Kölner Dadaisten Hans Arp sowie zu den surrealistischen Dichtern André Breton und Paul Éluard schildert Orths in seinem Werk ausführlich.
In den kurzen Kapiteln des schnörkellos geschriebenen Buches werden insbesondere Ernsts innere und äußere „Fluchtversuche“ und Fluchten vor dem Hintergrund der historischen Ereignisse und Prozesse des 20. Jahrhunderts (u. a. Fronterlebnisse im Ersten Weltkrieg, Lageraufenthalt in Frankreich, Flucht vor den Nazis über Marseille, Madrid und Lissabon in die USA, Zweiter Weltkrieg) kaleidoskopartig beleuchtet sowie Grundfragen des Lebens und der Lebensgestaltung - angesichts von Bedrängnissen - fokussiert. Dazu baut Orths geschickt philosophische Reflexionen in seinen Roman ein, zum Beispiel die religionsphilosophische des jungen Ernst über die Existenz Gottes. In einer der eindrücklichsten Szenen des Werks wird Ernst von einem Kind bedrängt, das durch bohrende Fragen an ihn sein Versagen als Familienvater aufdeckt. 1922 ließ der Jahrhundert-Künstler seine Frau Lou und den gemeinsamen zweijährigen Sohn Jimmy zurück, um in Paris in einer ménage à trois mit Paul Éluard und dessen Frau Gala, der späteren Frau Salvador Dalís, zu leben. Um seine erste Ex-Frau, die Jüdin Lou, vor der Verfolgung durch die Nazis in Frankreich zu retten, war Ernst bereit, sie für ein gemeinsames Visum wieder zu heiraten. Die (kunst)historische Bedeutung der selbstbewussten Frauen, u.a. die der Kunsthistorikerin Louise Straus-Ernst, der Künstlerin Leonora Carrington, der Kunstmäzenin Peggy Guggenheim, der Künstlerin Dorothea Tanning, wird von Orths angemessen gewürdigt, so dass keine „Helden“-Biographie des Künstlers Max Ernst entsteht. Außerdem erfährt der Leser des Buches ungewöhnliche historische Details wie zum Beispiel, dass Nazis Torten mit einer Axt anschnitten. Zudem habe Ernst auf der Flucht in Lissabon den "Vater" von James Bond, Ian Fleming, getroffen und die geflügelten Worte "eine Lizenz zu töten" ("the licence to kill") formuliert. Orths verbindet also in seinem Buch reale Fakten mit Fiktionen, zum Teil mit einem ironischen Unterton versehen.
Mit seinem jüngsten Roman gelingt es Orths vorzüglich, verschiedene Genres in einem fesselnden Buch zu vereinen: eine literarische Künstler-Biographie, eine Einführung in die Kunstgeschichte sowie einen historischen Roman über das 20. Jahrhundert. Wer Interesse an einem äußerst informativen und intellektuell anregenden Buch zur Kunst und Geschichte des 20. Jahrhunderts hat, dem sei der neue Roman „Max“ von Markus Orths, erschienen im „Carl Hanser Verlag“, zur Lektüre empfohlen.

Dr. Marcel Remme, für lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Sechs Frauen, sechs Lieben, ein Jahrhundert – Markus Orths erzählt von einer wahnwitzigen Zeit und einem großen Künstler: Max Ernst.

Das Panorama einer wahnwitzigen Zeit. Und mittendrin: Max Ernst. Er kämpft gegen die Verrücktheit einer Welt, die aus den Fugen gerät. Er flieht vor dem wilhelminischen Vater, später vor dem Nationalsozialismus. Er sucht die eine Frau, die er lieben kann. In Deutschland, im wilden Paris der Zwanzigerjahre, im Exil in den USA. Viele seiner Freunde und Frauen sind berühmte Menschen dieser Zeit: Pablo Picasso, André Breton, Leonora Carrington, Peggy Guggenheim. Im Spiegel von sechs Frauenleben entfaltet sich ein Roman über das 20. Jahrhundert und einen seiner großen Künstler. Markus Orths erzählt so lebendig und ansteckend, dass man in jeder Zeile die Leidenschaft spürt, mit der dieser Roman geschrieben wurde.
Inhaltsverzeichnis
Lou 13
Galapaul 89
Marie-Berthe 157
Leonora 231
Peggy 361
Dorothea 465