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Wirtschaft im Anthropozän
Grundbegriffe der ökologischen Ökonomie
Oliver Schlaudt
UTB
EAN: 9783825265175 (ISBN: 3-8252-6517-X)
450 Seiten, kartoniert, 15 x 22cm, Oktober, 2025
EUR 35,00 alle Angaben ohne Gewähr
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Rezension
Ist die gegenwärtige Polykrise im Kern eine Doppelkrise von politischer und ökologischer Krise? Leben wir im Zeitalter des Anthropozän? Ist Ökonomie eine normative Wissenschaft? Können Kenntnisse in Thermodynamik und Evolutionstheorie hilfreich für die Ökonomie sein? Gilt es zwischen Entwicklung und Wachstum zu unterscheiden? Ist Abfall ein ökonomischer Grundbegriff? Trägt der Neoliberalismus zur Umweltzerstörung bei? Bedarf es im Zeitalter des Anthropozäns einer neuen Ökonomie?
Alle diese Fragen beantwortet Oliver Schlaudt (*1978) in seinem neuen Buch „Wirtschaft im Anthropozän. Grundbegriffe der ökologischen Ökonomie“ mit „Ja“. Erschienen ist der umfangreiche Band bei UTB/transcript. Bekanntheit erlangte der Inhaber Professur für Philosophie und Politische Ökonomie an der Hochschule für Gesellschaftsgestaltung in Koblenz, durch seine Bücher „Wirtschaft im Kontext“(2016), „Die politischen Zahlen“(2018), „Das Technozän“(2022) und „Zugemüllt“(2024). Für letzteres Werk war er für den Bayerischen Buchpreis nominiert. In seinem neuen Werk entwickelt er Grundlagen und -begriffe einer dem Zeitalter des Anthropozäns angemessenen Wirtschaftswissenschaft, die er als „ökologische Ökonomie“ bezeichnet. Schlaudt gelingt es sehr gut, die Zusammenhänge zwischen Wirtschaft, Gesellschaft und Ökologie zu verdeutlichen. Dabei nimmt er u.a. Bezug auf Karl Marx` Stoffwechseltheorie, William K. Kapps politischer Ökonomie und Philipp Mirowskis Kritik des Neoliberalismus. Die von Schlaudt entwickelten Vorschläge zum Umgang mit der Klimakrise und der Krise der Politik verdienen in der Öffentlichkeit diskutiert zu werden. Sein Band richtet sich primär an Studierende der Volkswirtschaftslehre, der Ökologie und Politikwissenschaft. Lehrkräften der Fächer Ethik, Philosophie, Politik und Wirtschaft liefert der Band von Schlaudt ebenfalls produktive Materialien zur problemorientierten Auseinandersetzung mit dem Thema „Ökonomie und Ökologie“.
Fazit: Oliver Schlaudt leistet mit seinem tiefsinnigen Entwurf einer „ökologischen Ökonomie“ einen wichtigen Debattenbeitrag, der gerade im Zeitalter der Polykrise besondere Aktualität für sich reklamieren kann.
Dr. Marcel Remme, für lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Die wirtschaftliche Nutzung der Erdoberfläche hat Auswirkungen auf das Klima und die Lebensräume von Mensch und Tier. Um ökonomische Zusammenhänge unter diesen Bedingungen zu verstehen, müssen Fachgrenzen überwunden werden. Oliver Schlaudt vermittelt einer neuen Generation von Ökonom:innen das interdisziplinäre Handwerkszeug für ein selbstständiges Arbeiten im Feld der ökologischen Ökonomie. Auf leicht verständliche Weise führt er Wirtschaftsstudierende in Grundbegriffe und Einsichten aus Philosophie, Natur-, Kultur- und Sozialwissenschaften ein, die für die Erforschung ökonomischer Prozesse in und mit der Natur notwendig sind. Der Band macht damit die Grundlagen einer Ökonomie im Anthropozän verständlich und richtet sich an alle, die sich für nachhaltiges Wirtschaften und heterodoxe Ansätze interessieren.
Inhaltsverzeichnis
Geleitwort von Silja Graupe 9
Vorwort11
I. Ökonomie: Warum wir noch einmal ganz
von vorne anfangen müssen 21
1. Unser Ausgangspunkt: Polykrise 23
Die ökologische Krise 24
Die politische Krise 25
Die ökologisch-politische Doppelkrise 27
Anthropozän als Hebel im Denken 28
2. Warum die Lehrbuchökonomik nicht
unsere Fragen beantwortet 31
Die merkwürdigen blinden Flecken 31
Was ist überhaupt >die Ökonomie 34
Ökonomik als normative Wissenschaft 38
Monetäre Wissenschaft 43
Die halbierte Ökonomie 53
Performative Wissenschaft und epistemische Gewalt 63
Unsere Aufgabe 70
3. Reflexive Wissenschaft(lichkeit)71
Eine Stunde Null in der Ökonomik?71
Eine Stunde Null in der Wissenschaft? 74
Alternative Naturbilder 76
Topologie der modernen Welt82
Dualismen 91
Positivismus oder kritische Wissenschaft? 98
II Unser Handwerkszeug für
die ökologische Ökonomie 103
4. Mechanistische Systeme 105
Die Natur als Maschine 107
Mechanistische Erklärung 109
Voraussetzungen und Grenzen des mechanistischen Ansatzes113
5. Komplexe Systeme: Strukturbildung
und ihre Voraussetzungen121
Ein wenig Thermodynamik I: Energie 122
Ein wenig Thermodynamik II: Entropie 127
Ein Schritt Richtung Systemtheorie 138
Dissipative Strukturen 140
6. Planet Erde als Ort der Wirtschaft155
Erdsystemtheorie: Erste Bekanntschaft mit dem Erdsystem 156
Kippdynamiken 167
Organismen als neue Typen von Entitäten 175
Evolution als Prozess und Paradigma 181
Die Biosphäre 197
Nischenkonstruktion und Ecological Engineering 201
Ökosysteme 208
Ökologie: Denken in Zusammenhängen 220
Ein letzter Schritt: Gaia 227
7. Kultur: Wir Menschen ändern die Regeln 249
Kultur und die Evolution der Evolution251
Der menschliche Sonderweg: Kumulative Kultur 255
Entwicklung und Fortschritt 269
III Umrisse einer ökologischen Ökonomie 281
8. Noch einmal die ökonomischen Grundbegriffe283
Produktion, Konsum, Abfall 284
Interludium: Konsum und Arbeit = pleasure and pain? 300
Reproduktion: Zweimal Kreislaufwirtschaft 308
Anbau und Abbau: Techno-fix und Verwertungslogik314
9. Metabolische Regime und gesellschaftliche
Naturverhältnisse 331
Wachstum 331
Entwicklung: Metabolische Regime 344
Politische Ökonomie und soziale Ökologie:
gesellschaftliche Naturverhältnisse355
10. Preis und Wert365
Die ökonomische Vernunft366
Preise und ihre blinden Flecken371
Geld als Objekt statt Methode387
11. Ökologisches Wirtschaften393
Alternative Werttheorien und Naturverhältnisse 394
Green Accounting, oder: Kapitalismus kompostieren 405
Schluss-oder vielmehr: Anfang 412
Danksagung 415
Literatur 41
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