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Vorlesung über Die gesamte Philosophie. 4. Teil: Metaphysik der Sitten
Vorlesung über Die gesamte Philosophie.
4. Teil: Metaphysik der Sitten




Arthur Schopenhauer

Meiner Hamburg
EAN: 9783787331796 (ISBN: 3-7873-3179-4)
285 Seiten, kartoniert, 12 x 19cm, Oktober, 2017

EUR 28,90
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Die Vorlesungsmanuskripte Schopenhauers sind ein wichtiger, aber wenig beachteter Teil seines Gesamtwerkes. Die im Sommersemester 1820 an der Universität Berlin gehaltene Vorlesung über „Die gesamte Philosophie oder die Lehre vom Wesen der Welt und dem menschlichen Geiste“ bietet nicht weniger als eine von Schopenhauer ergänzte und didaktisch aufbereitete Variante der Welt als Wille und Vorstellung, die nicht nur einen guten Einstieg in sein Gesamtwerk ermöglicht, sondern auch durch Hinweise auf andere Werke und Manuskripte sowie durch Ergänzungen und Anmerkungen einen vertiefenden Blick auf seine Philosophie ermöglicht. Die Studienausgabe legt nach mehr als hundert Jahren erstmals eine eigenständige Edition vor, die auf den letzten Überarbeitungsstand Schopenhauers bezogen einen vollständigen und lesefreundlichen Text bietet.

Die „Metaphysik der Sitten“ ist mehr als eine Ethik im geläufigen Sinn des Wortes. Schopenhauer will die „Tatsache des moralischen Bewusstseins“ erklären, dass wir, obwohl wir egoistisch veranlagt sind, ein schlechtes Gefühl haben, wenn wir auf Kosten anderer Vorteile erlangen. Er lehnt es ab, eine normative Ethik zu formulieren, sondern ist methodisch einem explanatorischen Ansatz verpflichtet. Seine Metaphysik ist damit eine betont immanente, die empiristische, hermeneutische und phänomenologische Elemente richtungsweisend zu einem neuen Theoriekonzept verbindet.


Rezension
Was ist der Wille des Menschen? Besitzt der Mensch angesichts der Naturgesetze einen freien Willen? Lässt sich die Welt als Vorstellung und Wille begreifen? Hat Ethik die Aufgabe das moralische Bewusstsein zu erklären? Basiert ethisches Handeln immer auf Gefühlen? Hat der Mensch den Tod zu fürchten? Gibt es ein moralisches Recht? Ist Leben immer Leiden? Was bedeutet Glück? Welche Kritik lässt sich gegen die deontologische Ethik Kants vorbringen? Kann Tugend angesichts des Charakters von Menschen überhaupt gelehrt werden?
Wer Antworten auf diese Fragen der Ethik und Philosophie sucht, wird zu den Schriften eines der einflussreichsten Philosophen greifen, zu denen Arthur Schopenhauers (1788-1860), insbesondere zu seinem Hauptwerk „Die Welt als Wille und Vorstellung“ (1819, 2. Aufl. 1844). Alternativ kann man auch seine Berliner Vorlesung aus dem Jahre 1820 über „Die gesamte Philosophie oder die Lehre vom Wesen der Welt und dem menschlichen Geiste“ zu Hand nehmen. Eine auf vier Teile angelegte sorgfältige Edition dieser, welche dem letzten Überarbeitungsstand Schopenhauers folgt und zugleich gut lesbar ist, wird zurzeit vom Felix Meiner Verlag vorbereitet. Bereits erschienen sind der „4. Teil: Metaphysik der Sitten“ und der „3. Teil: Metaphysik des Schönen“. In seinen Vorlesungen präsentiert der Philosoph seine Hauptgedanken in didaktisch zugänglicher Form als in seinem Hauptwerk. Daher sind sie für die Arbeit im Philosophie- und Ethikunterricht besonders geeignet. Schopenhauers Vorlesungen über Ethik, genauer über deskriptive Ethik und Metaethik, geben einen guten Einblick, zum Beispiel in seine Willensmetaphysik, seine Position in der Willensfreiheitsdebatte, seine Mitleidsethik, seine Kritik an der Kantischen Pflichtethik, seine Philosophie des Todes, seine Philosophie der Ehe oder seine Bestimmung ethischer Begrifflichkeiten.
Fazit: Für Freunde der Philosophie Schopenhauers ist die Neuedition der Vorlesungsmanuskripte Schopenhauers ein Muss. Philosophie- und Ethik-Lehrkräfte erhalten durch seine Vorlesungen zur „Metaphysik der Sitten“ zudem eine sehr gute Einführung in das philosophische Denken Schopenhauers.

Dr. Marcel Remme, für lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Die Vorlesungsmanuskripte Schopenhauers sind ein wichtiger, aber wenig beachteter Teil seines Gesamtwerkes. Die im Sommersemester 1820 an der Universität Berlin gehaltene Vorlesung über „Die gesamte Philosophie oder die Lehre vom Wesen der Welt und dem menschlichen Geiste“ bietet nicht weniger als eine von Schopenhauer ergänzte und didaktisch aufbereitete Variante der Welt als Wille und Vorstellung, die nicht nur einen guten Einstieg in sein Gesamtwerk ermöglicht, sondern auch durch Hinweise auf andere Werke und Manuskripte sowie durch Ergänzungen und Anmerkungen einen vertiefenden Blick auf seine Philosophie ermöglicht. Die Studienausgabe legt nach mehr als hundert Jahren erstmals eine eigenständige Edition vor, die auf den letzten Überarbeitungsstand Schopenhauers bezogen einen vollständigen und lesefreundlichen Text bietet. Die Neuausgabe beginnt mit dem vierten Teil „Metaphysik der Sitten“. Es folgen die „Metaphysik des Schönen“, die „Metaphysik der Natur“ und schließlich die „Theorie des Vorstellens, Denkens und Erkennens“. Der letztgenannte, erste Band der Ausgabe wird ergänzt durch die „Probevorlesung: Über die vier verschiedenen Arten der Ursachen“ (1820) – bei der es zu dem berühmten kurzen Disput mit Hegel kam –, die „Declamatio in laudem philosophiae“ (1820) und den Beginn der „Dianoiologie“ (1821). Damit werden lange vergriffene, aber wichtige Werkstücke der Philosophie Schopenhauers sukzessive wieder zugänglich gemacht.

Bei der „Metaphysik der Sitten“ handelt es sich um den abschließenden vierten Teil der Vorlesung über „Die gesamte Philosophie“. Wie der Titel „Metaphysik der Sitten" anzeigt, ist dieser Abschnitt mehr als eine Ethik im geläufigen Sinn des Wortes. Es soll die „Tatsache des moralischen Bewusstseins“ erklärt werden, dass wir, obwohl wir egoistisch veranlagt sind, ein schlechtes Gefühl haben, wenn wir auf Kosten anderer Vorteile erlangen. Schopenhauer lehnt es ab, eine normative Ethik zu formulieren.

Methodisch ist er einem explanatorischen Ansatz verpflichtet, der eine Erklärung auf der Grundlage phänomenologischer Beschreibungen und Phänomendeutungen anstrebt. Seine Metaphysik ist damit eine betont immanente, die empiristische, hermeneutische und phänomenologische Elemente richtungsweisend zu einem neuen Theoriekonzept verbindet. Für den Bereich der Ethik und Moral ermöglicht es dieser Ansatz, ein breites Spektrum an Themen zu entwickeln und die „Tatsache des moralischen Bewusstseins“ in seine vielfachen Verästelungen zu verfolgen und zu erläutern. Schopenhauer gelingt es so, Fragen der allgemeinen Ethik, der Metaethik, der Willensfreiheit, der Rechtsphilosophie bis hin zur Auseinandersetzung mit einzelnen Religionen zu verknüpfen und wechselseitig zu beleuchten.

Zudem wird eine Reihe von Phänomenen wie Reue, Gewissensqual, Güte, Egoismus und Mitleid präzise beschrieben und in ihrer Bedeutung für das moralische Handeln dargestellt. Entgegen dem kantischen Ansatz eröffnet Schopenhauer einen Blick auf den Bereich des Moralischen, der die Auseinandersetzung mit Gefühlen und dem Triebhaften und damit die konkrete menschliche Existenz in den Mittelpunkt stellt.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort IX
Einleitung von Daniel Schubbe XI
1. Präsentismus oder Eternalismus? XVII
2. Freiheit oder Notwendigkeit? XVIII
3. Willensbejahung oder Willensverneinung? XXI
4. Nonkognitivismus oder Kognitivismus? XXIV
Editorische Hinweise XXIX
1. Editionslage XXIX
2. Textkorpus und Zustand des Manuskripts XXXI
Zeichen und Siglen VL
Bibliographie VLII

Arthur Schopenhauer
[Inhaltsübersicht] 3
Cap. 1. Ueber praktische Philosophie überhaupt 7
Thatsache des moralischen Bewusstseÿns; als Problem 7
Absicht meiner Ethik 8
Cap. 2. Ueber unser Verhältniss zum Tode 10
Dem Willen das Leben gewiss 10
Leben und Tod 11
Bei Pflanze und Thier 13
Verlöschen des Bewusstseins 15
Gegenwart Form der Wirklichkeit 17
Bejahung des Willens zum Leben (vorläufig) 25
Cap. 3. Von der Freiheit des Willens 29
Ueber die Reue 43
Von der Wahlbestimmung oder dem Konflikt der Motive. Oder : vom Gegensatz anschaulicher und gedachter Motivation und dem hierauf beruhenden Unterschied zwischen Menschen und Thieren 45
Vom erworbenen Karakter 57
Die Sphäre der Freuden und Leiden 62
Von der Freiheit des Willens zur Bejahung und Verneinung seiner selbst 65
Cap. 4. Vom Zustande des Willens, in der Welt seiner Erscheinung: oder vom Leiden des Daseyns 67
Erkenntnisslose Natur 68
Thier 69
Das Leiden im Menschlichen Daseÿn 69
Streben ohne Ziel und ohne Befriedigung 71
Langeweile 72
Negativität aller Befriedigung 79
Cap. 5. Von der Bejahung des Willens zum Leben 95
Zwei Wege, die über die blosse Bejahung des individuellen Leibes hinaus führen 96
Bejahung des Willens über den eigenen Leib hinaus. (Zeugung) 97
Cap. 6. Vom Unrecht und Recht. oder philosophische Rechtslehre 105
Ableitung des Egoismus 105
Das Unrecht 108
6 Rubriken des Unrechts 110
Sexualverhältniss 111
Ableitung des Eigenthums 115
Zwei Arten der Ausübung des Unrechts 118
Die Lüge 118
Begriff des Rechts 121
Zwangsrecht 122
Recht zur Lüge 123
Die Bedeutung von Recht und Unrecht ist eine ethische 124
Der Staat 128
Ueber Kants Rechtslehre 136
Vom Straf-Recht 138
Cap. 7. Von der ewigen Gerechtigkeit 145
Cap. 8. Von der ethischen Bedeutsamkeit des Handelns. oder: vom Wesen der Tugend und des Lasters 163
Ueber die Begriffe »Gut und Böse« 163
Der böse Karakter 168
Grausamkeit 170
Gewissensquaal 172
Der gute Karakter und die Tugend 178
Die freie Gerechtigkeit 183
Die Güte 185
Der Edelmuth 193
Alle Liebe ist Mitleid 194
Freundschaft 197
Das Weinen 198
Cap. 9. Von der Verneinung des Willens zum Leben: oder: Von der Entsagung und Heiligkeit 200
Δευτερος πλους 224
Die Erlösung 230
Vom Selbstmord 232
Ueber das Verhältniss der Verneinung des Willens zur Nothwendigkeit der Motivation 236
Erläuterung dieser Lehren durch Dogmen der Christlichen Kirche 238
Vom Nichts, bei aufgehobner Welt 243
Eine letzte Frage 248
Anmerkungen des Herausgebers (Textverweise, Übersetzungen und Zitatnachweise) 253