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Sinnbausteine für ein gelingendes Leben
Günter Ropohl
Reclam Leipzig
EAN: 9783379200783 (ISBN: 3-379-20078-6)
180 Seiten, 12 x 18cm, 2003
EUR 8,90 alle Angaben ohne Gewähr
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Umschlagtext
Die Frage nach dem Sinn des Lebens oder Bausteine für ein selbstbestimmtes Leben – ein weltlicher Katechismus
Der Philosoph Günter Ropohl entwirft einen Sinnbaukasten, bestehend aus Grund-, Ergänzungs- und Spielbausteinen, mit dem jeder Einzelne auf einem gemeinsamen Fundament sein eigenes Sinngefüge bilden kann.
Günter Ropohl, geboren 1939, lehrt als Professor an der Universität in Frankfurt a. M.
Rezension
Warum lebe ich? Für welches Ziel lebe ich? Was ist Liebe? Es gibt Fragen, die scheinen unlösbar. Und gerade diese Fragen sind die entscheidenden in unserem Leben. Wir können sie verdrängen oder wir stellen uns ihnen. Dabei können Antwortversuche eine Hilfe bieten, die eigenen Wege und Ideen zu überdenken. Das vorliegende Büchlein ist ein solcher Sinnbaukasten. Ich empfehle es als Unterrichtslektüre, die einiges in Bewegung bringen kann.
Arthur Thömmes, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Gebrauchsanleitung
Was ist der Mensch? Der Mensch ist das Lebewesen, das diese Frage stellen kann.
Vielfältig sind die Antworten, die denkende Menschen darauf gegeben haben: Der Mensch ist das Lebewesen, das mit der Sprache begabt ist. Der Mensch ist das Wesen, das in Gesellschaft lebt. Der Mensch ist das handelnde Lebewesen. Der Mensch ist das Lebewesen, das Werkzeuge herstellt. Der Mensch ist das Lebewesen, das größtmöglichen Nutzen erstrebt. Der Mensch ist das spielende Lebewesen, und er ist das Lebewesen, das lachen kann. Der Mensch ist das vernunftbegabte Lebewesen.
All dies ist der Mensch und noch vieles mehr. Aber auf nichts ist er festgelegt. Der Mensch ist das Lebewesen, das immer auch anders kann. Wer aber anders kann, muss wissen, was er hier und jetzt ist. So will der Mensch seine Wirklichkeit verstehen, um über seine Möglichkeiten befinden zu können. Darum ist der Mensch das Lebewesen, das seinen Sinn sucht.
Aus welchem Grund lebe ich? Für welches Ziel lebe ich? In welchem Zusammenhang lebe ich? Das sind die drei Teile der Sinnfrage, aber sie sind natürlich aufeinander bezogen und enthalten weitere Teilfragen. Wenn ich mir gute Antworten auf diese Fragen zu Eigen mache, habe ich meinen Sinn gefunden.
Der Sinn ist das Bewusstseinsgebilde, in dem ich Weltwissen und Selbstverständnis zu einem Ganzen zusammenfüge. Dafür brauche ich nicht alles, was Menschen wissen können. Es genügen Grundkenntnisse von den menschlichen Lebensbedingungen und Einstellungsmöglichkeiten. Bei der persönlichen Auswahl und Verknüpfung der Sinnbausteine kann ich mich vom gesunden Menschenverstand leiten lassen.
Wir kennen Kulturen, in denen ein gemeinsamer Sinn den Menschen vorgegeben ist – durch Mythen, Religionen oder andere Deutungslehren. In der modernen Kultur, die vor allem von der europäischen Aufklärung geprägt ist, sind solche verbindlichen Sinnmuster verloren gegangen. Wohl hat die Wissenschaft das Weltwissen in unvorstellbarem Ausmaß vermehrt, aber sie hat es zugleich derart zerstückelt, dass die Menschen es kaum noch für ihren Lebenshorizont fruchtbar machen können. Und vor allem hat die Wissenschaft jene persönlichen Lebensfragen ausgespart, die früher in den überlieferten Sinnmustern in der einen oder anderen Weise beantwortet wurden.
Aufklärung, Wissenschaft und Demokratie haben die Menschen von den alten Glaubenszwängen befreit, aber sie haben es nicht verstanden, die Sinnbedürfnisse zu erfüllen, die in den Menschen immer wieder aufleben. Was Wunder, wenn dann viele in der Heilslehre einer Sekte oder im geheimnisvollen Raunen der Esoterik eine Ersatzbefriedigung suchen.
Die Menschen können nicht aufhören, Fragen nach dem Sinn zu stellen, und sie wünschen sich Antworten, in denen sie ein Stück Gemeinsamkeit finden können. Sosehr sie die Freiheit der persönlichen Lebensgestaltung schätzen, so unbehaglich ist ihnen doch das Gefühl, dass alles der privaten Beliebigkeit überlassen bliebe. Die Menschen brauchen ein Mindestmaß verbindender Überzeugungen, an denen sie ihr Leben gemeinsam ausrichten können. Nun gibt es aber in der modernen Gesellschaft keine Autorität, die fertige Sinnmuster verordnen könnte, und die Menschen müssen ihren Sinn sich selber schaffen. Doch sie müssen das in einer Weise tun, die ihnen eine gemeinsame Verständigungsgrundlage sichert. Persönliche Sinngebung braucht ein Stück überpersönlicher Sinngewissheit.
Dafür biete ich mit diesem Buch einen Sinnbaukasten an, aus dem sich jeder sein eigenes Sinngebilde zusammenfügen kann. Von den herkömmlichen Religionsfibeln habe ich die Form des Katechismus übernommen, der die Lehrstücke in Frage und Antwort abhandelt. Aber ich gebe auf die Frage nicht nur eine Antwort, sondern schlage mehrere Möglichkeiten vor, die ich als Bausteine verstehe. Für jede Sinnfrage stelle ich verschiedene Arten von Bausteinen bereit.
Die Grundbausteine sind für das Fundament des Sinngebäudes bestimmt. Sie sind so gestaltet, dass sie von jedem vernünftig denkenden Menschen verwendet werden können. Sie lassen nämlich nur das gelten, was sich nach kritischer Prüfung mit bewährter Erkenntnis und kontrollierter Erfahrung verträgt. Da mithin die Grundbausteine von allen nachvollzogen werden können, eignen sie sich für überpersönliche Sinngewissheit.
Neben den Grundbausteinen biete ich zu manchen Fragen Ergänzungsbausteine an. Auch diese sind mit bewährtem Wissen verträglich, müssen aber nicht für jeden bedeutungsvoll sein. Beispielsweise gehört die Kunst unbestritten zu den großen Leistungen menschlicher Lebensentfaltung, doch Menschen, die keinen Zugang zur Kunst finden, können auch ohne ästhetische Sinnelemente zufrieden leben. Dann gibt es unter den Ergänzungsbausteinen gelegentlich Alternativen, die einander lebenspraktisch mehr oder minder ausschließen, so dass man nur eine der denkbaren Möglichkeiten wählen kann.
Schließlich skizziere ich zu einzelnen Fragen auch Spielbausteine. Ich will sie nicht unbedingt empfehlen, da sie sich jeder kritischen Prüfung entziehen. Wenn man sich aber darüber im Klaren ist, dass solche Sinnelemente allein auf persönlichem Glauben und Fühlen beruhen, mag man sie für sich selbst vielleicht verwenden. Man muss dann aber auf überpersönliche Sinngewissheit verzichten, da man nicht mit der allgemeinen Zustimmung aller anderen rechnen darf. Darum kommen Spielbausteine nur dann in Betracht, wenn sie den Grundbausteinen nicht widersprechen. Denn es sind die Grundbausteine, in denen die Menschen den kleinsten gemeinsamen Nenner gesellschaftlicher Übereinstimmung finden. Nur ein solches Mindestmaß an Einverständnis hält die Menschen zusammen.
So lautet die Gebrauchsanweisung für dieses Buch: Man nehme die Grundbausteine G und bilde daraus das Sinnfundament. Dann wähle man nach eigenem Ermessen einige Ergänzungsbausteine E und füge sie dem Sinngebäude hinzu. Mit größter Achtsamkeit prüfe man schließlich, ob man den einen oder anderen Spielbaustein S wirklich braucht oder nicht besser ohne dieses brüchige Material auskommt. Am Ende des Buches findet man übrigens eine anschauliche Übersicht über die Auswahlmöglichkeiten.
In den folgenden Kapiteln steht nichts, was wirklich neu wäre. Zu den meisten Sätzen könnte ich berühmte Denker zitieren, die das längst vor mir gesagt haben. Ich verzichte durchweg auf den Schmuck der großen Namen, um den Text einfach und übersichtlich zu halten. Nur am Ende des Buches empfehle ich ein paar Lesebausteine für solche Leser, die sich in diese Fragen vertiefen möchten.
Neu ist allein die Form, die ich dem Bekannten gebe. Erst wenn das Wissen eine Form erhält, fügt es sich zum Weltbild. Neu ist, dass dieses Buch nicht den einen Sinn verkündet, sondern einen Sinnbaukasten entwirft, aus dem jeder Einzelne auf einem gemeinsamen Fundament sein eigenes Sinngebilde zusammenfügen kann.
Dieses Buch ist ein Entwurf für die Vielfalt in der Einheit.
Inhaltsverzeichnis
Gebrauchsanleitung 7
1 Woher komme ich? 11
2 Wozu lebe ich? 14
3 Wohin gehe ich? 21
4 Gibt es einen Gott? 23
5 Wie bin ich geworden, was ich bin? 27
6 Wie frei bin ich? 30
7 Wie soll ich mein Leben gestalten? 33
8 Woher kommt das Leid? 37
9 Was bedeuten die Gefühle? 41
10 Was kann ich wissen? 48
11 Wie stehe ich zur Natur? 55
12 Wie verschieden sind Frauen und Männer?
13 Was ist die Liebe? 69
14 Was bedeuten andere Menschen für mich?
15 Was bin ich den anderen schuldig? 83
16 Was bedeutet die Arbeit? 91
17 Wie gehe ich mit der Technik um? 99
18 Was bedeutet die Wirtschaft? 109
19 Was geht mich die Politik an? 115
20 Was wird aus der Erde? 127
Gewährleistung 134
Philosophische Anmerkungen 137
Lesebausteine 142
Die Sinnbausteine im Überblick 145
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