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Schule - Verlust oder Stärkung der Person?
Fritz Bohnsack
Verlag Julius Klinkhardt
EAN: 9783781516113 (ISBN: 3-7815-1611-3)
182 Seiten, paperback, 15 x 21cm, 2008
EUR 18,90 alle Angaben ohne Gewähr
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Umschlagtext
Fritz Bohnsack
Schule – Verlust oder Stärkung der Person?
„Schon mal über Schule nachgedacht? Läuft da nicht manches falsch?“
Ziele der Schule wandeln sich gegenwärtig stärker zu messbaren, auch testbaren, Kompetenzen nach schul- und länderübergreifenden Standards, letztlich orientiert auch an Perspektiven des PISA- und Wirtschafts-Standortes Deutschland. Kritiker fragen, wieweit Schüler und Lehrer dadurch zu fremdbestimmten Werkzeugen außerpädagogischer Interessen werden.
Der vorliegende Band sucht nach Möglichkeiten, die Paradoxie der Fremdbestimmung mit dem Ziel der Selbstbestimmung der Heranwachsenden zu überwinden. Dabei geht es
– um Konsequenzen der personalen Besonderheit bzw. Einmaligkeit jedes Lernenden für die Vielfalt der Lernvorgänge und Heterogenität der schulischen Lerngruppe;
– um die Möglichkeiten und Grenzen der Selbstbestimmung der Lernenden und deren Abhängigkeit von Aspekten der Lehrersteuerung;
– um die Bedeutung und Bedingungen des Vertrauens zwischen Lehrern und Schülern und um beider „Seins-Vertrauen“, dessen Zusammenhang mit Selbstbewusstsein, Lebensmut und Erfolg durch die empirische Gesundheitsforschung nachgewiesen wird;
– um religiöse Dimensionen eines nicht-konfessionellen „Seins-Vertrauens“ und generell um die Möglichkeiten der Schule zur personalen Stärkung der Heranwachsenden.
Zu alledem werden vor allem die dialogischen Kategorien der Anthropologie und Pädagogik Martin Bubers als Urteilskriterien herangezogen. Die konkreten Hinweise auf Unterricht sollen Lehrer zu neuen Wegen anregen.
Rezension
Von der Reformpädagogik und insbesondere von Martin Bubers dialogischem Konzept her versucht der Autor, emeritierter Erziehungswissenschaftler, den Lernort Schule zu befreien von einseitig verzwecktem Lernen und absichtlich intendierter, formalisierter Lehr-Lern-Prozesse, die nicht dem Menschen dienen, sondern nur der Vermittlung von Wissen zur Stabilisierung eines Wirtschaftsstandorts (Deutschland). Diese Gefahr sieht der Autor auch durch PISA angedeutet und den zunehmenden Einfluß der Wirtschaft auf Bildung und Schule. Dem setzt der Autor von Martin Buber her die Selbstbestimmung der Heranwachsenden als Ziel aller schulischen Bildung entgegen, die die Persönlichkeit zu fördern hat und auch die sog. soft skills wie Konfliktfähigkeit, Toleranz und Friedensliebe zu entwickeln hat, - und mithin nicht nur operationalisierbare Wissensvermittlung. Wieder einmal zeigt sich: Die älteren Jahrgänge (der Autor ist Jg. 1923) haben der (allzu fortschrittsgläubigen) Pädagogik ein bleibendes Vermächtnis zu übermitteln!
Oliver Neumann, lehrerbibliothek.de
Inhaltsverzeichnis
Einführung 8
Zusammenfassung des personalen Ansatzes Martin Bubers 12
1. Kapitel: Differenzierung des Problems der Vermittlung von Personalität mit „Output"- bezogener Steuerung im Schulwesen 17
1.1 Gründe für neue Formen der Ergebnisorientierung und erste Bedenken 17
1.2 Probleme einer Übertragung von „Technologie" und „Technik" auf die„Methode" 19
1.3 Zur Geschichte der Schule unter dem Gesichtspunkt ihrer Instrumentalisierung und des Verfügens über die Lernenden 21
1.4 Verschiedenheit und Einzigartigkeit oder die gewohnte Homogenität? 23
1.5 Ökonomisierung, Leistungsorientierung, Tests und das Problem der personalen Akzeptanz 25
2. Kapitel: Probleme der Planung, Lenkung und Auswertung von Lernprozessen 28
2.1 Zur gegenwärtigen Diskussion der Paradoxie von pädagogischer Fremd- und Selbstbestimmung 28
2.1.1 Erziehung und Manipulation 28
2.1.2 Zur Überwindung der Dualität von „Person" und „Objekt": Ansätze zur Rettung der Personalität der Lernenden 29
2.2 Zur Problematik der Standardisierung und Evaluation von Lernprozessen 32
2.2.1 Begründungen für die Einführung von „Standards" 32
2.2.2 Zum Problemfeld der Evaluation und Prüfungen 35
2.2.3 Kritik an der standardisierten Output-Orientierung 39
Zusammenfassung 44
3. Kapitel: Zur pädagogischen Berücksichtigung personaler Einmaligkeit und Verschiedenheit: Homogenität und Heterogenität schulischer Lerngruppen 47
3.1 Der homogene Unterricht in der heutigen Schule 48
3.2 Die Akzeptanz der Anderheit 49
3.3 Zum Verhältnis von Heterogenität, Gleichheit und Allgemeinbildung 51
3.4 Eine Schule für alle Kinder? Verschiedene Formen der Integration 54
3.5 Möglichkeiten und Wege der Unterrichtsdifferenzierung 57
3.6 Zur Autonomie der Schule und der Lehrer 59
Zusammenfassung 60
4. Kapitel: Möglichkeiten und Grenzen der Selbstbestimmung der Lernenden 62
4.1 Die bisherige Realität: immer noch die Schule der Fremdbestimmung 64
4.2 Das „Selbst" der Selbstbestimmung des Lernens 67
4.3 Aspekte der Selbstbestimmung der Lernenden 69
4.4 Selbstbestimmung des Lernens unter dem Gesichtspunkt des Gewinns an methodischer Kompetenz 73
4.5 Zur Polarität von Lehrersteuerung und Schülerselbstbestimmung 76
4.5.1 Vom „Ausbalancieren" zum „Aushandeln" 77
4.5.2 Momente der Lehrer-Führung im selbstgesteuerten Lernen der Schüler 78
4.6 Varianten des offenen Unterrichts 83
4.6.1 Aspekte eines offenen Unterrichts 83
4.6.2 Unterschiedlich offene Lehr-Lern-Formen 84
4.6.3 Ein extremes Beispiel für offenen Unterricht 86
4.6.4 Ergebnisse der Öffnung von Unterricht und der Selbstbestimmung der Lernenden 90
4.7 Zur Problematik des Verhältnisses von intrinsischer und extrinsischer Motivation 96
5. Kapitel: Personale Stärkung und Seins-Vertrauen als Ziele der Schule 102
5.1 Empirische Ansätze zur personalen Stärkung Heranwachsender 103
5.1.1 Aaron Antonovskys „Salutogenese" 104
5.1.2 Resilienz-und Gesundheitsforschung 110
5.1.3 Neuere Konturen der Identitätsforschung 113
5.2 Vertrauen als Ursache und Wirkung personaler Stärkung zwischen Lehrern und Schülern und als Seins-Vertrauen 15
5.2.1 Vertrauen zwischen Lehrern und Schülern 116
5.2.2 Seins-Vertrauen 119
5.3 Zur Problematik der Religiosität bzw. Spiritualität in der pluralistisch-kirchenfernen Gesellschaft 127
5.3.1 Zur These einer evolutionär vorgegebenen genetischen Spiritualität: religionspädagogische Konsequenzen im Pluralismus 128
5.3.2 Weiterführende Fragen zur Religionspädagogik im Pluralismus 133
5.4 Möglichkeiten personaler Stärkung in der Schule 138
5.4.1 Kräftebildung im traditionellen Unterricht 138
5.4.2 Umwege zur „Gesundheit" in der Schule nach den Ergebnissen der Gesundheitserziehung 142
5.4.3 Religiöse Dimensionen einer Stärkung der Person und ihres Seins-Vertrauens 148
5.4.4 Ist personale Stärke genetisch vorbestimmt und daher pädagogisch nicht beeinflussbar? 155
Zusammenfassung und persönliches Nachwort 157
Literatur 165
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