lehrerbibliothek.deDatenschutzerklärung
Rembrandt - Die Opferung Isaaks Alte Pinakothek
Rembrandt - Die Opferung Isaaks
Alte Pinakothek




Marcus Dekiert

Reihe: Monographien der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen


Bayerische Staatsgemäldesammlungen
ISBN: 00000001
96 Seiten, paperback, 18 x 25cm, März, 2004

EUR 16,80
alle Angaben ohne Gewähr

Bestellen über den Verlag (zzgl. Versandkosten)

Umschlagtext
Vorwort



Das Privileg, Meisterwerke wie diejenigen der Alten Pinakothek zu hüten, fordert neben der Pflicht des Bewahrens zugleich die Vertiefung und Weitergabe der Kenntnis. Erst Vertrautheit mit dem Werk legt ein Fundament des Wissens um die Eigentümlichkeit seines Ausdrucks, der Wirkung auf den Betrachter und damit der Botschaft, die aus ihm spricht. Und diese Vertrautheit mit dem Werk nimmt seinen Ausgangspunkt, zugleich sein eigentliches Ziel, vom Alpha und Omega der Betrachtung, dem Akt des Schauens. Wissenschaftler und Laien, Kenner und Liebhaber müssen durch diese Schule des Sehens gehen, um sich mit dem gewonnenen Verständnis Einsichten zur Deutung eines Kunstwerks zu erarbeiten, und dies mittels eines Prozesses, den es immer wieder neu aufzurollen gilt. In diesem Sinn ist die Alte Pinakothek eines der großen Foren der Welt für den Wissensgewinn durch Betrachtung.

Rembrandts Opferung Isaaks, das von einer horrenden, alttestamentarischen Prüfung handelt, ist ein solches Prüfstück für die Erkenntnis durch Schaulust wie Schärfe des Blickes. Als Schlüsselwerk für das Verständnis der Werkstattpraxis Rembrandts ist das Gemälde in seinem Status umstritten und kann nur begriffen werden im unmittelbaren Vergleich mit Rembrandts Erstfasssung des Themas aus St. Petersburg. Diese Konfrontation zweier berühmter Bilder ist nun erstmals für das große Publikum gelungen und bereitet ein Fest für die Augen. Wiederholung und Abwandlung, erzählerische Wucht und dramaturgische Zuspitzung, Eigenhändigkeit und Werkstattausführung, Korrektur und meisterlicher Eingriff werden sichtbar und damit nachprüfbar dank dieser einzigartigen Gelegenheit der Zusammenschau beider Gemälde. Der Auftrag, Kenntnisse - für den Wissenschaftler wie den Liebhaber - weiterzugeben und zu vertiefen, wird mit dieser eminenten Fallstudie vergleichenden Sehens eingelöst.

Eine Ausstellung allein aus der Zusammenführung zweier Geschwisterstücke zu arrangieren, scheint geringfügig. Für die Alte Pinakothek bedeutet dies jedoch eine Sternstunde. Und so danke ich drei Kollegen und Freunden, dank deren Verständnis und Hilfe der Mikrokosmos einer Schau auf Rembrandt erst möglich wurde. Mikhail Piotrovsky, der Direktor der Eremitage, hat die St. Petersburger Opferung Isaaks der Alten Pinakothek anvertraut und damit den eigentlichen Grundstein für das Unternehmen gelegt. Im Gegenzug wird das Münchner Bild und damit die einzigartige Konstellation beider Fassungen nach St. Petersburg reisen und dort in Klenzes Neuer Eremitage den Brückenschlag zwischen zwei geschwisterlichen Gemäldegalerien bekräftigen. Neil McGregor, der Direktor des British Museum, hat zusammen mit Antony Griffiths und Martin Royalton-Kisch vom Department of Prints and Drawings eine Zeichnung Rembrandts, die zwischen beiden Gemäldefassungen vermittelt, als Leihgabe zur Verfügung gestellt und damit einen Kronzeugen für das Plädoyer zu Gunsten des Münchner Bildes aufgeboten. Schließlich hat Michael Semff, der Direktor der Staatlichen Graphischen Sammlung, mit wichtigen Belegstücken des reichen Münchner Bestandes an Rembrandts Druckgraphik erneut und nachdrücklich den Austausch mit der Alten Pinakothek gefördert. Diesen drei Leihgebern sei herzlich Dank gesagt.

Ausstellung und begleitende Publikation sind das Werk von Marcus Dekiert, Referent der Alten Pinakothek für die Malerei Hollands. Mit ihm ist seit längerer Zeit wieder ein ausgewiesener Kenner der Kunst des Goldenen Zeitalters an unserem Haus tätig, dem die Aufgabe eines Forschers und Fürsprechers des neben der glanzvollen Flamensammlung keinesfalls gering einzustufenden Bestandes an holländischer Malerei übertragen ist. Ein erstes Werkstück der Arbeit von Marcus Dekiert liegt mit der von ihm vorgenommenen Schärfung der Sicht auf Rembrandts Opferung Isaaks vor. Dass dabei seine Argumentation in so ansprechender Form publiziert, dass mit dieser Veröffentlichung eine eigene Reihe von Monographien der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen konzipiert werden konnte, ist Caroline Sieveking zu danken, deren Gespür für noble Buchgestaltung das Erscheinungsbild unserer Publikationen ein weiteres Mal auszeichnet.

Dieses hiermit der Öffentlichkeit übergebene kleine Buch ist für die Hand vieler Besucher der Alten Pinakothek bestimmt, die sich auf das Wagnis der Arbeit der Augen einlassen und im Schauen erkennen mögen, welche Kräfte, welche Erkenntnisse, welchen Gewinn ein Kunstwerk - hier Rembrandts Opferung Isaaks - zu vermitteln vermag, wendet man sich ihm mit allem Augenmerk und der Wissbegierde des Blickes zu.



Reinhold Baumstark
Rezension
Ein Unterrichtsgang in die Alte Pinakothek lohnt sich derzeit besonders: die Ausstellung "Rembrandt - Die Opferung Isaaks", die bis zum 27. Juni 2004 läuft, bietet alles, was so einen Unterrichtsgang selbst für widerwillige Schüler zu einem spannenden Erlebnis machen kann:
Der fast spielerische Vergleich zwischen den beiden Versionen der "Opferung Isaaks", verbunden mit den detektivischen Methoden zur Fragestellung, ob die Münchener Version nur als authentisch Rembrandt bezeichnet werden kann, ist eine kunsthistorische Sensation und ein museumspädagogisches Highlight ersten Ranges, das man sich besonders aus Sicht des Kunst- und Religionsunterrichtes nicht entgehen lassen sollte. Für Münchener Schulklassen ist der Eintritt frei, allerdings ist eine rechtzeitige Anmeldung im Museumspädagogischen Zentrum dazu nötig.

Dieses Buch führt leicht lesbar durch die Ausstellung. Jeder, der seine Schüler selbst führen will, sollte es vorher gelesen haben. Aber auch ohne Museumsbesuch ist es Rohmaterial für Unterrichtseinheiten zu diesem Thema. Die theologische Deutung, die sowohl in der Biblischen Geschichte als auch in den Bildern steckt, ist in dieser aus kunsthistorischem Intresse geschriebenen Publikation nur am Rande erwähnt.
Hier sei verwiesen auf die Ausführungen in der Artothek von www.rpi-virtuell.net
http://www.rpi-virtuell.de/arbeitsbereiche/artothek/impulse/rembrandt/rembrandt.htm

Ein Besuch in mit Meisterwerken vollgehängte Museen ist eine kaum zu bewältigende Herausforderung - erst recht für Schulklassen: man wird wohl kaum einem der Meisterwerke gerecht, wenn man im Vorbeischlendern mehr oder weniger abnickend die Gemälde zur Kenntnis nimmt.
Auch deshalb ist die von Marcus Dekiert kuratierte Ausstellung fantastisch: Nur zwei Bilder anschauen -aber das intensiv!

Christoph Ranzinger, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Eines der eindrucksvollsten Gemälde des Holländersaales der Alten Pinakothek steht im Blickpunkt dieser kleinen Ausstellung: Die Opferung Isaaks von 1636 wurde jüngst einem der begabtesten Mitarbeiter Rembrandts zugeschrieben. Mit der Gegenüberstellung der gänzlich authentischen Version der Opferung Isaaks aus der Ermitage St. Petersburg bietet sich für drei Monate die lang ersehnte Gelegenheit die beiden Hauptwerke der großfigurigen Malerei Rembrandts aus der 1630er Jahren zu erleben. Rembrandt erweist sich bei diesen alttestamentarischen Themenbildern als einer der großartigsten Figurenmaler und Bildererzähler nicht nur des 17. Jahrhunderts.
Inhaltsverzeichnis
7 Reinhold Baumstark Vorwort

9 Einleitende Vorbemerkung

11 Aspekte der Auslegung einer alttestamentlichen Erzählung im Zeitalter Rembrandts

21 Die St. Petersburger Fassung von 1635 - Rembrandt als Maler »barocker« Historien

39 Die »zweite« Opferung Isaaks — Das Gemälde von 1636 in der Alten Pinakothek

39 Erwerb und >Fortuna critica<

42 Die beiden Fassungen der Opferung Isaaks im Vergleich

48 Die Inschrift I — »Rembrandt. verändert.«

55 Die Zeichnung der Opferung Isaaks in London

57 Die Inschrift II - »En overgeschildert.«

60 Rembrandt und die Tradition — Die »Vor-bilder«

68 Rembrandt und seine Werkstatt, Schule und Nachfolge

68 Rembrandts Werkstatt oder: Wer malte die Münchner Opferung Isaaks?

76 Der Einfluss der Opferung Isaaks - Werke aus dem Rembrandtkreis

83 Schlussbemerkung
85 Anmerkungen
89 Literaturverzeichnis: Die Münchner Opferung Isaaks von 1636 -Eine Auswahl in chronologischer Folge
93 Weitere abgekürzt zitierte Literatur
96 Abbildungsnachweis