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Notwendige Abschiede
Auf dem Weg zu einem glaubwürdigen Christentum
Klaus-Peter Jörns
Gütersloher Verlagshaus
EAN: 9783579064086 (ISBN: 3-579-06408-8)
412 Seiten, Festeinband mit Schutzumschlag, 16 x 23cm, Oktober, 2004
EUR 24,95 alle Angaben ohne Gewähr
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Umschlagtext
Eine leidenschaftliche Neuentfaltung christlichen Glaubens. Eine Ermutigung, den eigenen Glauben zu leben.
Klaus-Peter Jörns entfaltet in 9 Kapiteln eine veränderte Gestalt des christlichen Glaubens. Im Rückgriff auf die vielfältigen Wurzeln des Christentums nimmt Jörns Abschied von heute unverständlichen Glaubensvorstellungen: von einer absoluten Sonderstellung des Christentums und der Bibel unter den Religionen der Erde; vom Gedanken, erwählt zu sein; von der Gottebenbildlichkeit des Menschen und der Herabwürdigung der anderen Geschöpfe; von der Kriminalisierung des Todes als »der Sünde Sold« und vom Verständnis der Hinrichtung Jesu als Sühnopfer, das Gottes Liebe zu uns erst möglich mache.
Das Buch ist eine Ermutigung für alle Menschen, das Christentum neu im Rahmen einer universalen Wahrnehmungsgeschichte Gottes verstehen zu lernen, zu der alle Religionen gehören, und die in jedem Menschen ihren je eigenen Ausdruck findet.
Klaus-Peter Jörns,
geboren 1939, Prof. Dr. theol., war 10 Jahre Gemeindepfarrer, dann Professor am Predigerseminar in Herborn und von 1981-1999 Professor für Praktische Theologie und Leiter des Instituts für Religionssoziologie in Berlin. Er ist Autor der Studie »Die neuen Gesichter Gottes« (München, 2. Aufl. 1999) und lebt heute in Berg/Starnberg.
Rezension
Es handelt sich nicht um eine traditionelle Dogmatik, - aber es geht in diesem erfrischenden Buch um die Neuentfaltung des christlichen Glaubens für die Gegenwart. Und hier unternimmt der Verfasser, - bezeichnenderweise kein Dogmatiker, sondern ein Praktischer Theologe und Religionssoziologe! -, den mutigen Versuch, „alte Zöpfe“ in den Glaubensvorstellungen abzuschneiden und unverständlich gewordene Glaubensvorstellungen nicht nur zu revidieren, sondern sich gegebenenfalls ganz von ihnen zu trennen. Und so ist dieses neue Buch denn erfrischend und ermutigend zu lesen und tapfer verfasst, weil viele der unverständlich anmutenden Dogmen kritisch gesichtet werden: vom Tod als der Sünde Sold bis hin zur Absolutheit des Christentums. Sind diese Dogmen heute noch aussagbar? – Ein Buch, das jeder mit Interesse und Gewinn lesen wird, der an einer zeitgenössischen Hermeneutik des Christentums interessiert ist.
Thomas Bernhard für lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Das Unbehagen wächst - aber niemand tut etwas. Die Menschen wenden sich gelangweilt ab. Selbst Pfarrer und Pfarrerinnen glauben kaum, was ihr Amt ihnen zu bekennen aufgibt - doch niemand traut sich, die Wahrheit offen auszusprechen: Die Kirche muss sich von vielen ihrer Glaubensaussagen verabschieden. Es gilt, Neues zu bedenken.
Klaus-Peter Jörns unterzieht alle zentralen Glaubensaussagen der Christen einer kritischen Revision. Ob die Bedeutung der Bibel oder Jesus Christus, ob Offenbarungsglaube oder Schöpfungsbericht - alles prüft er mit scharfer Analyse und in großer Sympathie. Sein Ziel: die Neuformulierung eines Glaubens, der Leben schafft.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort 13
Hinweise zum Lesen 17
Erster Teil: Beschreibung der Lage
1. Der Ausgangspunkt: Eine vielfach gespaltene Situation des Glaubens 19
2. Der kulturelle Rahmen: Die »eigene« Kultur weitet sich aus 29
3. Die Überraschung und ein Erschrecken: Die »Rückkehr der Religion« 33
Umfragen belegen zunächst einmal ein neues wissenschaftliches Interesse an Religion 33
Religion wird zur Sache der Bürgerinnen und Bürger 36
Es geht um eine tragfähige Gottesbeziehung und den Lebensbezug des Glaubens 38
Eine erschreckende Rückkehr der Religion in die Politik 42
4. Die Ernüchterung: Religionsinterner Pluralismus kennzeichnet
Theologie, Gemeinden und Pfarrerschaft 46
Der von den Kirchen abgewehrte Pluralismus ist in der Theologie längst Alltag 47
Die Situation in den Kirchengemeinden 49
Die Situation in der Pfarrerschaft beider Kirchen 53
5. Die Grundthese: Lebendiger Glaube ist sich wandelnder Glaube . . 60
Zweiter Teil: Notwendige Abschiede von überlieferten Glaubensvorstellungen
1. Abschied von der Vorstellung, das Christentum sei keine Religion wie die anderen Religionen 70
Religion hat unterschiedliche soziale Erscheinungsformen und eine unaufhebbare Beziehung zum kulturellen Gedächtnis 72
Das Welt- und Menschenbild als Sozialform »unsichtbarer Religion« existiert unabhängig von Kirchen und Dogmen 73
Kirchen gehören zur »sichtbaren Religion« und sind spezifische Sozialformen von Religion 77
Übergänge zwischen unsichtbarer und sichtbarer Religion halten Religionsgemeinschaften und Gesellschaft offen für einander .... 78
Religion und Kultur sind durch das »kulturelle Gedächtnis« miteinander verbunden .... 80
Das Prinzip der kulturellen Kohärenz macht den Umgang mit
kanonisierten kulturellen Texten heute schwer 82
Erinnerung und Kommunikation strukturieren das kulturelle Gedächtnis 86
Der Glaube der einzelnen Menschen ist die Individualform von Religion 89
Der Lebensbezug des Glaubens 94
Ein Haus des Lebens 98
2. Abschied von der Vorstellung, die Bibel sei unabhängig von den
Regeln menschlicher Wahrnehmung entstanden 102
Religionsinterner und interreligiöser Pluralismus sind biblisches Erbe
und wollen theologisch ernstgenommen werden 103
Belege aus der frühen israelitischen Überlieferung 104
Das Nebeneinander der vier Evangelien 107
Der biblische Pluralismus kann nicht mehr mit einem »Generalskopos« zugedeckt werden 111
Die Exegese führt zu der ungewohnten Erkenntnis, daß Gott und
Wahrheit in der Bibel nur mittelbar zu finden sind 114
Wahrnehmen und Erinnern als schöpferische Tätigkeiten von Geist
sorgen für die Vielfalt menschlicher Wahrnehmung Gottes 120
Viktor von Weizsäckers Theorie der Wahrnehmung 120
Geist ist das »Eigentliche des Wirklichen«, ist Gott 125
Auf Begegnung und Wahrnehmung folgt das Erinnern 127
Christlich-biblische Erfahrungen kritisch wahrgenommen und selbstbezogen erinnert .... 129
Weihnachts- und Tauferzählungen, oder: Wes Geistes Kind Jesus ist 130
Ostererzählungen, oder: Das neue Leben muß in der Gestalt des
alten wahrgenommen werden 132
Pfingsterzählungen, oder: Wie das aramäische Evangelium über Kulturgrenzen hinweg in die hellenistische Weltsprache kam .... 134
Die Geistkindschaft der Christen, oder: Wie der Geist vom
knechtenden Gott zur Freiheit der Kinder Gottes führt 136
Gebet, oder: Kommunikation mit Gott über das Leben 137
Liturgie, oder: Was geschieht, wenn Überlieferungen liturgisch verwendet werden 138
Die Bibel als »Wort Gottes«, oder: Wie sich verschriftlichte
Erinnerungsgestalten und lebendiges Wort Gottes zueinander verhalten 140
Biblische Überlieferungen, nach dem Dreischritt von Begegnen -Wahrnehmen - Erinnern betrachtet: Ergebnisse 141
Das Christentum hat sich zur Schriftreligion verengt. Bedenken, nicht
nur von Platons »ungeschriebener Lehre« her, geäußert 142
Platon beharrt trotz seines großen Oeuvres auf dem Vorrang des Gesprächs 142
Auch nach Paulus kommt der Glaube aus dem Hörensagen .... 144
Vom Kampf gegen den Pluralismus zur Einsicht in die Vielfalt der universalen Wahrnehmungsgeschichte Gottes 146
Was kann es noch heißen, von »Offenbarung« zu reden? 149
3. Abschied von der Vorstellung, ein einzelner Kanon könne die
universale Wahrnehmungsgeschichte Gottes ersetzen 154
Jede Religion pflegt eine bestimmte Gedächtnisspur im Rahmen der universalen Wahrnehmungsgeschichte Gottes 155
Die Rolle des Kanons im Rahmen der universalen
Wahrnehmungsgeschichte Gottes 158
Kanons sind geschlossene Gedächtnisspuren Gottes 158
Einflüsse unterschiedlicher Gedächtnisspuren auf den jüdischen Teil
der Bibel: das Gilgamesch-Epos 161
Einflüsse unterschiedlicher Gedächtnisspuren auf den christlichen
Teil der Bibel: ägyptische Einflüsse 164
Der alte und der neue »Heiland der Welt« - die Begegnung des
frühen Christentums mit dem griechisch-hellenistischen Asklepios-Kult 166
Der Reichtum der universalen Wahrnehmungsgeschichte Gottes ist noch zu entdecken .... 168
Theologien müssen Konstruktionen von Wirklichkeit riskieren, die die
veränderte kulturelle Situation und die universale
Wahrnehmungsgeschichte Gottes ernstnehmen 169
Theologische Entwürfe können hinterfragt werden, auch wo sie
kirchlich dogmatisiert worden sind 169
Überholte dogmatische Urteile können überwunden werden,
wenn ihre kulturell bedingten Anteile »überschrieben« werden ... 174
Die Verwerfung von »Heiden« und »Juden« in der Bibel stellen eine
Herausforderung dar, die mit entschiedenen Mitteln beantwortet werden muß 177
Die Leidensgeschichte der Menschheit verlangt Entwürfe für den
einen »Himmel« und die eine Erde und nicht die Reproduktion alter Partialwelten 179
Was Bibel und christlicher Glaube mit Wahrheit zu tun haben. Thesen 181
Der Abschied Jesu und die Zukunft der Wahrheit 186
4. Abschied von Erwählungs-und Verwerfungsvorstellungen 188
Die Wortgruppe >erwählen<, >auserwählen< in heutigem Sprachgebrauch
und Erfahrungszusammenhang 189
Die Gottesbeziehung als Basis der Erwählungsvorstellungen 191
Die Christen übernehmen die Erwählungsvorstellung, entgrenzen sie aber 195
Die Tragik der Kirche: Sie bindet die Liebe und Weite Gottes wieder an
eine Partialwelt: an sich selbst 198
Gott darf nicht vom Erwählungsdenken instrumentalisiert werden ... 201
Der narzißtische Hintergrund von Erwählungsvorstellungen 205
Die gefährlichste Form der Erwählungsidee: die Verbindung aus Ethnozentrismus/Rassismus und »heiliger« Gewalt 208
Wir brauchen eine Didaktik zur Entwöhnung von Erwähltheitsbedürfnissen 212
Ein Nachwort zum Stichwort »antiselektionistische Ethik« 214
5. Abschied von der Vorstellung einer wechselseitigen Ebenbildlichkeit von Gott und Menschen 217
Bei den meisten Völkern verstehen sich die Menschen als von Gott
geformt, und bei vielen als nach Gottes Bild erschaffen 218
Die Menschen haben sich Gott vorgestellt nach dem Bild, nach dem er Menschen (und Tiere) geschaffen hat 224
Schon früh beginnt die Kritik an der Gottebenbildlichkeit des Menschen
und an der Darstellbarkeit Gottes im Kultbild 227
Der Gedanke der Ebenbildlichkeit schränkt die wahre Universalität
Gottes ein und fördert den Mißbrauch tödlicher Gewalt 231
Wir können Gott nicht auf personale Kategorien festlegen 235
Die Mystik als Weg in eine Zukunft, in der wir Menschen uns menschlich sehen lassen können 237
6. Abschied von der Herabwürdigung unserer Mitgeschöpfe 242
Die biblischen Schöpfungserzählungen flechten ein Netz von Lebensbeziehungen und kennen keine »Krone der Schöpfung« 242
Theologie darf die Schreckensherrschaft der Menschen über die Tiere nicht rechtfertigen und Tiere nicht von Gottes Zukunft ausschließen . . 248 Die Ehrfurcht vor dem Leben als Heilmittel gegen die »geistige Krankheit« der Menschen 255
Eine Liturgie für die Beerdigung von Haustieren 263
7. Abschied von der Vorstellung, der Tod sei »der Sünde Sold« .... 266
Das Leben beginnt und endet mit notwendigen Abschieden 266
Die »Vertreibung aus dem Paradies« hat nichts mit unserer Sterblichkeit zutun ... 269
Das Bewußtsein der Endlichkeit weckt den Wunsch zu bleiben 272
Die Rede vom Tod als der »Sünde Sold« verunstaltet den Tod zum Strafverhängnis und verleitet uns zu einem aussichtslosen Kampf . . . 275
Die Vorstellung stammt aus einem Verständnis von Glauben als Gehorsam 275
Statt gegen den als Strafe mißverstandenen Tod zu kämpfen, können
wir den Tod als wichtigstes Argument für das Leben nehmen . . . 280
Was Menschen heute vom Tod als Strafverhängnis denken 283
Der Tod als Tor zu einem anderen Leben 283
8. Abschied vom Verständnis der Hinrichtung Jesu als Sühnopfer und
von dessen sakramentaler Nutzung in einer Opfermahlfeier .... 286
Kontexte, die Denken und Fühlen beim Stichwort Sühnopfer beeinflussen 286
Die Struktur des Opferrituals ist auf die Darstellung der Passion Jesu und des letzten Mahles übertragen worden 289
Der Dreischritt des Opferrituals: Nehmen - Schlachten - Teilen . . 289
Die Darstellung der Passion Jesu folgt dem Dreischritt des blutigen Opferrituals 291
Der Dreischritt prägt auch die »Einsetzungsworte« des letzten Mahles Jesu und weist es als Festmahl der Opferhandlung zu 294
Das Johannesevangelium und die Didache kennen eine opferfreie
Mahlfeier - haben sich aber in der Kirche nicht durchgesetzt 295
Das Johannesevangelium deutet die Hinrichtung Jesu nicht als Sühnopfer und führt mit der Fußwaschung ein eigenes Sakrament ein 296 Die »Lehre der Apostel« (Didache) kennt eine Mahlfeier ohne Bezug zu Jesu Tod, ohne Einsetzungsworte und Sühnegedanken 301
In der Gesamtkirche wird die Sühnopfertheologie dominant, weil sie sich sakramental nutzen und mit unterschiedlichsten Erwartungen verbinden läßt 303
Gegen Ende des 1. Jahrhunderts zeigt sich ein differenziertes Bild im
Blick auf die Mahlfeier und die Sühnopferdeutung der
Hinrichtung Jesu 305
Die christliche Sühnopfertheologie ist im Blick auf den geschichtlichen Wandel der Opfer- und Gottesvorstellungen anachronistisch 307
Die christliche Sühnopfertheologie stellt innerhalb der Entwicklungsgeschichte der Opfervorstellungen einen Anachronismus dar 307
Die Sühnopfertheologie ist auch im Blick auf den geschichtlichen Wandel der Gottesvorstellungen anachronistisch 311
Die kirchliche Sühnopfertheologie und die darauf basierende Mahlfeierpraxis widersprechen der Verkündigung Jesu 314
Die wechselnden Subjekte in dem auf Jesu Sterben übertragenen
Opferritual geben Auskunft darüber, welchem theologischen Zweck
es dienen sollte 314
Die zentrale Botschaft Jesu von der unbedingten Liebe Gottes widerspricht einer Deutung seines Todes als Sühnopfer 319
Warum die Kirche Jesu letztes Mahl und seine Hinrichtung trotzdem vom Sühnopfergedanken her gedeutet hat 322
Entspricht das blutige Opfer der Struktur der menschlichen Seele? . . . 324
Die Sühnopfervorstellung steht heute dem Evangelium von Jesus Christus
im Wege und muß verabschiedet werden 326
Opferfreie Möglichkeiten, die Hinrichtung Jesu zu erinnern 335
Überlegungen und Vorschläge für eine opferfreie Mahlfeier 338
Dritter Teil: Auf dem Weg zu einem glaubwürdigen Christentum
1. Kriterien eines glaubwürdigen Christentums 344
2. Arbeit am religiösen Gedächtnis der Menschheit als vor uns liegende Aufgabe 351
Die Arbeit am religiösen Gedächtnis der Menschheit muß bei der
eigenen Religion beginnen 355
Arbeit am religiösen Gedächtnis als Kampf um die Erinnerung 365
3. Pia Desideria: Fromme Wünsche 369
Ein Kanon aus den Kanons 369
Ein Festjahr für Weltbürger als Basis einer lebensfreundlichen Kultur . . 373
Glossar 379
Literatur- und Namenverzeichnis 387
Register:
Stellen 399
Stichworte 406
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