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Merkur Nr. 921, Feb. 2026
Klett-Cotta
EAN: 9783608977196 (ISBN: 3-608-97719-8)
102 Seiten, kartoniert, 15 x 22cm, Februar, 2026
EUR 15,00 alle Angaben ohne Gewähr
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Umschlagtext
ESSAY Wenn unsere Texte durch plots strukturiert sind, wenn wir fiktive Dokumente entwerfen und fiktionale Passagen einführen, ist dann vielleicht die Geschichte selbst bloß eine Fiktion, die man kneten und verdrehen kann, wie es einem gerade passt?
KRITIK Wer hat die Macht im ästhetischen Feld? Sind es die neuen kollektiven Stimmen der digitalen Öffentlichkeit, die fordern, dass Bilder abgehängt werden? Oder sind es nach wie vor die etablierten Institutionen, bei denen sich Einfluss und Ressourcen konzentrieren?
MARGINALIEN So hatte ich mir immer die Stunden nach der Parusie vorgestellt. Menschen mit tränenüberströmten Gesichtern, mehrheitlich Schwarze allen Alters, die sich gegenseitig und jedem, der es wollte, in die Arme fielen.
Rezension
Seit 1947 erscheint jeden Monat der „Merkur. Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken“. Das 102 Seiten umfassende Organ, verlegt bei Klett-Cotta, ist die einzige noch verbliebene deutschsprachige Zeitschrift des guten Essays von namhaftem Rang. Diese ist auch in Bahnhofsbuchhandlungen erhältlich. Die Kulturzeitschrift, herausgegeben von Christian Demand und Ekkehard Knörer, besitzt einen dreiteiligen Aufbau: auf drei oder vier Essays folgen zwei bis drei Beiträge der Rubrik „Kritik“, sodann drei bis sechs kürzere Beiträge der Rubrik „Marginalien“. Vertreten sind im „Merkur“ neben Essays, Kommentaren, Berichten und längeren Rezensionen auch Prosa-Texte. Außerdem zeichnen sich die einzelnen Beiträge des Essay-Organs durch sprachliche Eleganz und gutes „Cognitainment“(Han) aus.
Die Februar-Ausgabe des „Merkur“ aus diesem Jahr wird seinen intellektuellen und sprachlichen Ansprüchen vollauf gerecht. In ersten Aufsatz des Bands wird das Verhältnis zwischen Fakten und Fiktionen in der Historiografie differenziert beleuchtet. Der Aktualität der Schuldfrage widmet sich ein weiterer Beitrag unter Bezugnahme auf Karl Jaspers, Lea Goldberg, Martin Buber und Martin Plessner. Erwähnung verdienen auch die Texte zum Unterricht in einem amerikanischen Hochsicherheitsgefängnis, zur Kunstfreiheit und zur Philosophie des Schlamms. Für Lehrkräfte der Fächer Philosophie, Ethik, Politik, Geschichte, Bildende Kunst und Literatur bietet das Februar-Heft genügend Themen, die es verdienen, mit Schüler:innen in einem problemorientierten Unterricht diskutiert zu werden.
Fazit: Wer sich mit aktuellen gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklungen kritisch auseinandersetzen, sich dabei guter Argumente bedienen, außerdem intellektuell angeregt werden und seinen Horizont erweitern möchte, dem sei die Februar-Ausgabe des „Merkur“ unbedingt zur Anschaffung empfohlen.
Dr. Marcel Remme, für lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Thomas Etzemüller fragt: Dürfen Historiker die Mittel der Fiktion für die Geschichtsschreibung einsetzen? In ihrer Rechtskolumne erklärt Marietta Auer, wie das deutsche Erbrecht auf sehr altbackenen Vorstellungen von der Familie beruht. Auf die Spur mancher mit dem Begriff der „Kunstfreiheit“ verbundenen Ideologeme begibt sich Johannes Franzen.
Dürfen Historiker Mittel der Fiktion für die Geschichtsschreibung einsetzen? Und wenn ja: Wo, fragt sich Thomas Etzemüller, verläuft dann die Grenze, jenseits derer die Fakten zu alternativen zu werden drohen. Jonas Rosenbrück hat Insassen eines Hochsicherheitsgefängnisses in den USA unterrichtet. Darüber hat er einen Text verfasst, der Erfahrungsbericht, aber auch Analyse einer Gesellschaft der Ein- und Ausschließungen ist. Als Israelin, als Israelin in Deutschland, als Direktorin des Dubnow-Instituts und als Historikerin denkt Yfaat Weiss über aktuelle und vergangene Schuldfragen nach.
In ihrer Rechtskolumne erklärt Marietta Auer, wie das deutsche Erbrecht auf sehr altbackenen Vorstellungen von der Familie beruht. Eva Geulen hat sich Steffen Martus’ Literaturgeschichte der Gegenwart mit dem Titel „Erzählte Welt“ zu Gemüte geführt – und muss zugeben, dass sie sehr vieles daran beeindruckend findet. Auf die Spur mancher mit dem Begriff der „Kunstfreiheit“ verbundenen Ideologeme begibt sich Johannes Franzen.
Der Literaturwissenschaftler Helmut Müller-Sievers verflicht seine akademische US-Biografie mit dem Werk von Thomas Pynchon durch die Jahrzehnte und unterlegt das Ganze mit nicht wenig Jazz. An eine USA-Reise und nicht zuletzt die Begegnung mit dem legendären, aber auch legendär schwierigen Independent-Verleger Giancarlo DiTrapano erinnert sich Marc Degens. Mit einigem philosophischen Gepäck robbt Jens Soentgen durch die Begriffswelt des Schlamms. Von einer Therapiesituation mit Wolf und einiger Musik erzählt Sibylle Severus.
Inhaltsverzeichnis
ESSAY
Thomas Etzemüller
An der Grenze.
Geschichtsschreibung zwischen Fakt und Fiktion 5
Jonas Rosenbrück
Ein Bericht aus der Strafakademie 20
Yfaat Weiss
Wissendes Schweigen.
Über Schuldfragen und andere Bedenken 33
KRITIK
Marietta Auer
Rechtskolumne.
Die deutsche Familie im Spiegel des Erbrechts 47
Eva Geulen
Die jüngste, vielleicht beste und vorläufig letzte Geschichte der deutschen Literatur seit 1989 54
Johannes Franzen
Der Schwindel der Kunstfreiheit 62
MARGINALIEN
Helmut Müller-Sievers
Mit Thomas Pynchon durch vierzig Jahre USA 75
Marc Degens
Flucht nach oben 82
Jens Soentgen
Schlamm 90
Sibylle Severus
Abfahrt der Schiffe 97
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