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Liebe - Formen und Normen Eine Kulturgeschichte und ihre Folgen
Liebe - Formen und Normen
Eine Kulturgeschichte und ihre Folgen




Christof Breitsameter

Herder Verlag
EAN: 9783451376276 (ISBN: 3-451-37627-X)
442 Seiten, Festeinband mit Schutzumschlag, 16 x 23cm, 2021

EUR 39,99
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Formen und Normen der Liebe im Wandel der Zeit

„Liebe und was du willst, das tue!“ Wollte man diesem berühmten Satz des Augustinus im Wortlaut folgen, könnte man vermuten, dass vieles in unserer Welt sich normieren lässt, nur nicht die Liebe. Die Liebe scheint ihre eigene Norm zu sein. Tatsächlich jedoch ist kaum ein Feld menschlichen Zusammenlebens so stark reglementiert. Der Autor zeichnet die Geschichte der Ein- und Ausschlüsse nach, die Menschen gegenüber der Liebe vorgenommen haben: Was durfte in welcher Gesellschaft und in welcher Zeit Liebe heißen, und was nicht? Und vor allem: Warum durfte etwas einmal Liebe genannt werden und einmal nicht? Auf diese Weise tritt die vielfache Bedingtheit eines so „naturwüchsigen“ Phänomens, wie es die Liebe zu sein scheint, zutage. Gleichzeitig hilft die historische Rekonstruktion, zu einer tragfähigen Gestalt einer Ethik der Liebe für die Gegenwart zu gelangen.

„Die Idee zu diesem Buch entstand schlichtweg aus dem Erstaunen heraus, dass kaum ein Feld menschlichen Zusammenlebens so stark normiert ist wie die Liebe. Das öffentliche Leben hat sich in exzessiver Weise in das vielleicht privateste Erleben, das Menschen kennen, hineinbegeben; es hat sich, könnte man sagen, der Liebe vollständig bemächtigt.“ (Aus dem Vorwort)

Christof Breitsameter, Dr. theol., geb. 1967, Professor für Moraltheologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Moraltheologen
Rezension
Dieses Buch bietet eine Kulturgeschichte der Liebe und fragt zugleich: Kann es eine tragfähige Gestalt einer Ethik der Liebe für die Gegenwart geben? Kein Feld menschlichen Zusammenlebens ist so stark normiert wie die Liebe. Das öffentliche Leben hat sich in exzessiver Weise in das vielleicht privateste Erleben, das Menschen kennen, hineinbegeben. So entstanden Normen und Tabus, die nicht nur seelische Regungen, sondern auch körperliche Ausdrucksformen der Liebe bis ins Detail reglementierten. Die Gesellschaft versuchte, die Liebe zu beherrschen, um nicht von ihr beherrscht zu werden. Deshalb muß der gesellschaftliche und geschichtliche Kontext, in dem der Diskurs über die Liebe jeweils stattfndet, analysiert werden. Was also darf in welcher Gesellschaft und in welcher Zeit Liebe heißen, und was nicht? Und vor allem: Warum darf etwas einmal Liebe genannt werden und
einmal nicht? Die Ethik hat die Aufgabe, über die Einschlüsse und vor allem über die Ausschlüsse zu sprechen, also die moralischen Normen, welche die Formen der Liebe begleiten.

Dieter Bach, lehrerbibliothek.de
Inhaltsverzeichnis
Vorwort 7

I. Einleitung 9

II. Natur der Liebe 20

III. Kultur der Liebe (I): Soziale Vorgaben 29

1. Transformation I 31
a. Antike: Die Problematisierung von Begehren und Scheitern 31
b. Mittelalter: Beherrschte Liebe – der wachsende Einfluss der Kirche 61
2. Transformation II 88
a. Neuzeit: Die Entwicklung von Innerlichkeit und Empfindsamkeit 88
b. Moderne: Autonome Liebe 100

IV. Kultur der Liebe (II): Literarische Zugaben 128

1. Antike: Unüberbrückbare Differenzen 128
a. Naturphilosophische Anfänge 129
b. Liebe als seelische Kraft 131
c. Vom Wert der Freundschaft 138
d. Verbotene Frucht? 147
e. Unbedingte Liebe 151
f. Der Verdacht der Sünde 158
2. Mittelalter: Gebrochene Teleologie 173
a. Bejahte Sinnlichkeit 173
b. Liebe als Fiktion? 183
c. Fehlbarer Gott 192
d. Ein Mangel, der Reichtum ist 202
3. Neuzeit: Liebe und Glück 217
a. Weltimmanentes Glück? 218
b. Ehebruch im Ehebett 228
c. Entzauberte Natur 235
d. Liebe und Anerkennung 244
4. Moderne: Liebe im Zeichen von Einsamkeit und Tod 253

V. Systematische Betrachtung 266

1. Sinnliche Liebe 271
a. Kann leidenschaftliche Liebe vernünftig sein? 272
b. Minimale Ehe 280
2. Selbstliebe 287
a. Kriterien der Liebe 289
b. Was wird in einer Handlung geliebt? 296
3. Nächstenliebe 309
a. Kann man zwischen Egoismus und Altruismus unterscheiden? 309
b. Braucht die Nächstenliebe Normen? 318
c. Gibt es Supererogation? 331
4. Liebe: ein Gefühl? 343
a. Entstehen und Vergehen 343
b. Gefühl und Vernunft 351
c. Wahrnehmung und Wertschätzung 356
5. Reziproke Liebe 373
a. Positive und negative Reziprozität 374
b. Die Schwäche der „Goldenen Regel“ 380
6. Gottesliebe 385
a. Das Risiko der Liebe 386
b. Zum Verhältnis von Gottes-, Selbst- und Nächstenliebe 393

Literaturverzeichnis 402
Personenregister 434
Sachregister 442