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Kritik der Digitalisierung
Technik, Rationalität und Kunst
Daniel Martin Feige
Meiner Hamburg
EAN: 9783787347209 (ISBN: 3-7873-4720-8)
186 Seiten, kartoniert, 13 x 21cm, Februar, 2025
EUR 19,90 alle Angaben ohne Gewähr
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Umschlagtext
›Digitalisierung‹ ist in aller Munde: Ihre mangelhafte Umsetzung wird ebenso angemahnt, wie vor ihren Folgen gewarnt wird. Das neue Buch von Daniel Martin Feige zeigt, dass die mit der Digitalisierung verbundenen Technologien weder neutrale noch unschuldige Mittel zu beliebigen Zwecken sind und soziale Medien keine Orte des Diskurses. Es weist nach, dass wir Begriffe wie Geist, Denken und Handeln KI-Systemen nicht sinnvoll zuschreiben können und entsprechende Diskurse einer Umarbeitung von Begriffen dienen, die wir eigentlich nur auf Menschen anwenden können.
Feige entwickelt seine Kritik an der Datifizierung unseres gesellschaftlichen Lebens in drei Schritten: aus technikphilosophischer, anthropologischer und kunstphilosophischer Perspektive. Dabei macht er plausibel, dass Kunst unter den Bedingungen der Digitalisierung eine kritische Rolle erfüllen kann und dass wir auf umstrittene Begriffe wie Autonomie und selbst Genie nicht verzichten können.
Sein Buch bietet zum ersten Mal den systematischen Entwurf einer kritischen Theorie der Digitalisierung.
Rezension
Big Data, Computerisierung, Mathematisierung, Metrifizierung, Transparenz, Gamifizierung oder Memifizierung sind u.a. Stichworte, die mit dem digitalen Zeitalter in Verbindung gebracht werden. Schon 1944 charakterisierten Max Horkheimer und Theodor W. Adorno in dem berühmten „Kulturindustrie“-Kapitel ihres Buches „Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente“ die durch Medien und Medienorganisationen produzierte Entindividualisierung von Menschen. Diese seien nur noch „Verkehrsknotenpunkte der Tendenzen des Allgemeinen“, schreiben die Vertreter der älteren Kritischen Theorie. Zurzeit erfährt die ältere Kritische Theorie eine Renaissance, insbesondere der Philosoph und Soziologe Theodor W. Adorno.
Dessen Fruchtbarkeit für eine kritische Analyse des Digitalzeitalters wurde mittlerweile erkannt, zum Beispiel von Christian Fuchs in seinem Buch „Kritische Theorie und soziale Medien“ oder von Peter Schmitt in seinen Büchern „Medienkritik zwischen Anthropologie und Gesellschaftstheorie“(2020) und „Postdigital“(2021) sowie insbesondere von Rainer Mühlhoff in seinem Essay „Künstliche Intelligenz und der neue Faschismus“(2025). Die Bedeutung der älteren kritischen Theorie zur kritischen Auseinandersetzung mit dem digitalen Zeitalter unterstreicht auch Daniel Martin Feige (*1976) mit seinem Essay „Kritik der Digitalisierung. Technik, Rationalität und Kunst“. Der Professor für Philosophie und Ästhetik an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart erlangte Bekanntheit erlangte durch seine Bücher „Computerspiele. Eine Ästhetik“(2015), „Design. Eine philosophische Analyse“(2018) und „Die Natur des Menschen“(2022). Erschienen ist sein neues Buch in der Blauen Reihe beim Felix Meiner Verlag. Überzeugend kann Feige darlegen, dass digitale Technik nicht wertneutral ist, dass philosophische Reflexion nicht durch KI ersetzt werden kann und dass Kunst eine Kritik der Digitalisierung ermöglicht.
Lehrkräfte der Fächer Philosophie, Ethik, Technik und Bildende Kunst werden durch Feiges Essay angeregt, in einem problemorientierten Unterricht mit Schüler:innen die technikphilosophischen und gesellschaftlichen Aspekte der Digitalisierung zu diskutieren. Aus eigener unterrichtlicher Erfahrung kann bestätigt werden, dass Oberstufenschüler:innen eines Philosophiekurses durch Zitate Adornos zu tiefsinnigen philosophischen Reflexionen über das Digitalzeitalter angeregt werden können (vgl. Adornos Gesellschafts- und Medienkritik. In: Zeitschrift für Didaktik der Philosophie und Ethik 43 H. 4/2021, S. 97-111).
Fazit: Daniel Martin Feige zeigt mit seinem Essay „Kritik der Digitalisierung“ gekonnt Möglichkeiten der Reaktualisierung der älteren kritischen Theorie zur Analyse des Digitalzeitalters auf.
Dr. Marcel Remme, für lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
›Digitalisierung‹ ist in aller Munde: Ihre mangelhafte Umsetzung wird ebenso angemahnt, wie vor ihren Folgen gewarnt wird. Das neue Buch von Daniel Martin Feige zeigt, dass die mit der Digitalisierung verbundenen Technologien weder neutrale noch unschuldige Mittel zu beliebigen Zwecken sind und soziale Medien keine Orte des Diskurses. Es weist nach, dass wir Begriffe wie Geist, Denken und Handeln KI-Systemen nicht sinnvoll zuschreiben können und entsprechende Diskurse einer Umarbeitung von Begriffen dienen, die wir eigentlich nur auf Menschen anwenden können.
Feige entwickelt seine Kritik an der Datifizierung unseres gesellschaftlichen Lebens in drei Schritten: aus technikphilosophischer, anthropologischer und kunstphilosophischer Perspektive. Dabei macht er plausibel, dass Kunst unter den Bedingungen der Digitalisierung eine kritische Rolle erfüllen kann und dass wir auf umstrittene Begriffe wie Autonomie und selbst Genie nicht verzichten können.
Sein Buch bietet zum ersten Mal den systematischen Entwurf einer kritischen Theorie der Digitalisierung. Dass sich vor dem Hintergrund seiner Diagnose sowohl Analysen, die die Digitalisierung bis in die Vor- und Frühgeschichte verlängern, als auch Diskurse, die der Künstlichen Intelligenz die Fähigkeit zu handeln und zu denken zusprechen, als höchst problematisch erweisen, zeigt Feige in seinem differenziert argumentierenden Essay.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Kritik der Digitalisierung als kritische Theorie
der Digitalisierung 7
Kapitel 1
Technik und Gesellschaft 13
1.1 Praxis und Wissen 13
1.2 Instrumentelle Vernunft und Gesellschaft 37
Kapitel 2
Geist und Künstliche Intelligenz 61
2.1 Denken und Vernunft 61
2.2 Handeln und Leben 80
Kapitel 3
Kunst und Digitalisierung 97
3.1 Autonomie und Heteronomie 97
3.2 Genie und Künstliche Intelligenz 126
Schluss
Kunst und Philosophie als Formen der Kritik 151
Anmerkungen 155
Literaturverzeichnis 173
Personenregister 185
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