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Kirche in der Zeitenwende Gesellschaftlicher Wandel und Erneuerung der Kirche 3. Aufl. 1999 / 1. Aufl. 1998
Kirche in der Zeitenwende
Gesellschaftlicher Wandel und Erneuerung der Kirche


3. Aufl. 1999 / 1. Aufl. 1998

Wolfgang Huber

Verlag Bertelsmann Stiftung
EAN: 9783892048282 (ISBN: 3-89204-828-2)
335 Seiten, Festeinband mit Schutzumschlag, 14 x 22cm, 1999

EUR 23,00
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Die Kirchen in unseren pluralistischen Gesellschaften verfügen nicht mehr über ein Sinnstiftungsmonopol. Dennoch haben sie ein enormes Potenzial, Orte des Dialogs und der Orientierung zu bleiben. Dazu müssen sich die Kirchen über ihre Krise klar werden, gesellschaftliche Entwicklungen intensiv zur Kenntnis nehmen und inhaltlich und organisatorisch Reformen in Gang setzen.

Die Zukunft der Kirche entscheidet sich einerseits am Wandel ihrer Strukturen, vor allem aber muss die spezifische kirchliche Botschaft neu und verständlich formuliert werden. Die weit fortgeschrittene Säkularisierung in Mitteleuropa, gesellschaftlicher Wertewandel und Individualisierung der Lebenskonzepte machen die Notwendigkeit der Reform deutlich. Die Kirche kann sich zwischen einer gesellschaftlichen Nischenexistenz oder einer öffentliche Funktion für große Teile der Gesellschaft entscheiden.

Die gegenwärtige Zeitenwende birgt die Chance zur Neubestimmung des eigenen Selbstverständnisses und zu einer neuen Zukunftsorientierung der Kirche in sich. Bischof Hubert zeigt Strategien und Wege, wie diese Chance zu nutzen ist.



Die evangelische Kirche ist in erster Linie damit beschäftigt, Umstellungskrisen zu bewältigen. Dadurch ist sie so stark in Anspruch genommen, daß die Kräfte zu einer bewußten Neuorientierung nur schwer zu mobilisieren sind. Doch die Zeitenwende, in der wir uns befinden, birgt die Chance zur Neubestimmung des eigenen Selbstverständ-nisses und zu einer neuen Zukunftsorientierung in sich. Die Kirche läßt sich diese Chance entgehen, wenn sie nicht neu nach ihrer eigenen spezifischen Kompetenz fragt und Handlungsformen dafür entwickelt. Die Kirche ist aus ihrer staatsanalogen Stellung herausgetreten, durch ihre Deutungsgemeinschaft stellt sie Verbindungen her zwischen den einzelnen Menschen, dem Leben der Gesellschaft und dem Kosmos. In diesem anspruchsvollen Sinne kann die Kirche sich als »intermediäre Institution« in der Zivilgesellschaft erweisen.



Wolfgang Huber

Geboren 1942 in Straßburg; Studium der Theologie in Heidelberg, Göttingen und Tübingen; Dr. theol. 1966 Tübingen; dann Vikar und Pfarrer in Württemberg; 1968-1980 Mitarbeiter und stellvertretender Leiter der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft in Heidelberg; 1972 Habilitation in Heidelberg; 1980 Professor für Sozialethik in Marburg; 1984 Professor für Systematische Theologie (Schwerpunkt: Ethik) in Heidelberg; 1983-85 Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentages; 1989 Lilly Visiting Professor an der Emory University in Atlanta/USA; seit 1994 Bischof der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg, daneben Honorarprofessor in Berlin und Heidelberg, seit 1997 Mitglied des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland.
Rezension
Der Vorsitzende des Rates der Evaneglischen Kirche in Deutschland und somit der erste Repräsentant des Protestantismus in Deutschland, der Berliner Bischof Wolfgang Huber, gilt als intellektueller Vordenker nicht nur einer protestantischen deutschsprachigen Ethik sondern auch einer zeitgemäßen Kirchenverfassung. In diesem Buch zeigt der medien-präsente Bischof auf, welche Chancen zu eigener Profilierung für die ev. Landeskirchen in der derzeitigen Säkularisierung und Postmodernisierung liegen; trotz Verlust des Sinnstiftungsmonopols kann Kirche wichtige gesellschaftliche Funktionen übernehmen und tragende Konzepte innerhalb des Wertewandels repräsentieren: ein klares (und zu begrüßendes!) Votum für eine breite öffentliche Funktion der Kirche für große Teile der Gesellschaft – gegen ein gesellschaftliches Nischenchristentum, zu dem aber leider weite Teile vielen Landeskirchen neigen!

Jens Walter, lehrerbibliothek.de
Inhaltsverzeichnis
Resümee 9
Vorwort 19

I. Einleitung 25

II. Gesellschaftlicher Wandel und Kirche 41

1. Säkularisierung 44
1.1 Die Entwicklung einer säkularen Verfassungsordnung 47
1.2 Die veränderte Rolle religiöser Institutionen und Inhalte 51
1.3 Die Verwandlung von Glaubensinhalten in Themen weltlicher Verständigung 69

2. Wertewandel 74
2.1 Aspekte des Wertewandels 75
2.2 Die Ambivalenz des Wertewandels 79
2.3 Wertewandel und Kirche 81

3. Individualisierung 86
3.1 Aspekte der Individualisierung 87
3.2 Grenzen der Individualisierung 89
3.3 Individualisierung und Kirche 93

III. Offene und öffentliche Kirche 97

1. Kirche in der Öffentlichkeit 97
1.1 Kirche im Gegenwind 99
1.2 Der Öffentlichkeitsauftrag der Kirche 102
1.3 Kirche im Pluralismus 112
1.4 Der Grund der Kirche 115
1.5 Der öffentliche Status der Kirchen 121

2. Grundvollzüge christlichen Gemeinschaftshandelns 127
2.1 Formen menschlichen Handelns 128
2.2 Verkündigung und Bekenntnis. 134
2.3 Die Feier der Sakramente 139
2.4 Gebet 146
2.5 Segen 151

3. Die Erkennbarkeit der Kirche. 152
3.1 Gottesdienst im Alltag der Welt 153
3.2 Primäre und sekundäre Kennzeichen der Kirche 157

IV. Die Aktualität christlicher Freiheit 163

1. Freiheit und Verantwortung - auf dem Weg zu einem neuen gesellschaftlichen Leitbild 163
1.1 Jenseits der Trennung von Gesellschaftsentwicklung und Moral 164
1.2 Der Sinn christlicher Freiheit 167
1.3 Kommunikative und kooperative Freiheit ... 176
1.4 Wechselseitige Verantwortung 182
1.5 Der Rahmen eines Lebens aus Freiheit 185

2. Freiheit in der Gesellschaft 197
2.1 Demokratischer Kommunitarismus 197
2.2 Gesellschaftliche Freiheit 200

3. Freiheit im Verhältnis zur Natur 210
3.1 Selbstbeherrschung und Selbstbegrenzung... 211
3.2 Verantwortung für die Zukunft des Lebens . . 215

V. Die Zukunft der Kirche 223

1. Kirche in der Krise - sieben Aspekte 223
1.1 Mitgliederkrise 228
1.2 Finanzkrise 229
1.3 Mitarbeiterkrise 230
1.4 Vereinigungskrise 231
1.5 Organisationskrise 232
1.6 Krise des Krisenmanagements 233
1.7 Orientierungskrise 234

2. Der Ansatzpunkt: Die eigene Botschaft ernst nehmen 234
2.1 Nachfrage nach der Kompetenz der Kirche .. 236
2.2 Die Wahrheit Gottes feiern 237
2.3 Den Menschen entdecken 239
2.4 Zu mündigem Glauben ermutigen 241
2.5 Auf die Erneuerung der Kirche hoffen 242

3. Wege aus der Krise - sieben Vorschläge 244
3.1 Neue Wege zur Kirchenmitgliedschaft 244
3.2 Neue Wege kirchlicher Finanzierung 252
3.3 Neue Aufgaben beruflicher Mitarbeit in der Kirche 256
3.4 Die Vereinigung Deutschlands und Europas als Herausforderung 259
3.5 Schlüsselprobleme kirchlicher Organisation 261
3.6 Von der reaktiven Verwaltung zur vorausschauenden Planung 263
3.7 Orientierung am Ursprung und Kern des Glaubens. 264

VI. Kirche in der Zivilgesellschaft 267

1. Kirche als intermediäre Institution 267
1.1 Von der staatsanalogen zur intermediären Institution 267
1.2 Zivilgesellschaft 270
1.3 Die Zukunft der Zivilgesellschaft und die Aufgabe der Kirche 277

2. Kirchen als Orte der Begegnung und Vergewisserung 283
2.1 Kirchengebäude - ein vormodernes Relikt?.. 283
2.2 Heilige Räume in der Diesseitigkeit des Lebens 285
2.3 Kirchen als öffentliche Gebäude 289

3. Die öffentliche Verantwortung der Kirche. .... 293
3.1 Die Bildungsverantwortung der Kirche 293
3.2 Die politische Verantwortung der Kirche .... 305
3.3 Die Verantwortung der Kirche für eine Kultur des Helfens. 320

Nachweise 329
Der Autor 331
Das Projekt 333