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Jerusalem - Nabel der Welt
Überlieferung und Funktionen von Heiligtumstraditionen im antiken Judentum
Michael Tilly
Kohlhammer
EAN: 9783170172654 (ISBN: 3-17-017265-4)
307 Seiten, kartoniert, 16 x 24cm, 2002
EUR 35,00 alle Angaben ohne Gewähr
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Umschlagtext
Jerusalem gilt drei Weltreligionen als heilige Stadt. Die Bezeichnung des irdischen Jerusalem und seines Heiligtums als "Nabel der Welt", als "Weltmittelpunkt" und als Ort, an dem sich der mythische "Gründungsstein" der Welt befindet, bezeugen die besondere Stellung von Stadt und Tempel. Die vorliegende religionsgeschichtliche Untersuchung bietet eine Sichtung, Übersetzung, Darstellung und Interpretation der biblischen, frühjüdischen und rabbinischen Texte aus der Zeit von der Zerstörung des salomonischen Tempels (587/586 v.Chr.) bis zur Errichtung des Felsendoms durch die Araber (691 n.Chr.). Die Deutungen des Jerusalemer Heiligtums entfalten bereits früh ein Eigenleben; im antiken Judentum dienten sie vor allem der Konstruktion und der Formulierung des religiösen, kulturellen und nationalen Selbstbewußtseins. Sie lassen sich zumeist Kreisen zuordnen, die durch ihre Inanspruchnahme der Überlieferungen zwar ihre religiöse oder gesellschaftliche Besonderheit zu markieren trachteten, sich dabei aber keinesfalls als eine randständige Sondergruppe verstanden, sondern als das wahre Israel.
Privatdozent Dr. Michael Tilly ist Wissenschaftlicher Assistent an der Universität Mainz.
Rezension
Jerusalem ist noch heute der entscheidende Zankapfel im Nahen Osten. Insofern ist die hier anzuzeigende religionswissenschaftliche Studie über Jerusalem als Nabel der Welt von durchaus aktuellem Interesse. Schon der Untersuchungszeitraum von der Zerstörung des salomonischen Temples (587 v. Chr.) bis zur Errichtung des Felsendoms durch die Araber (691 n. Chr.) zeigt in prägnanter Weise auf, wie sich um das Jerusalemer Heiligtum religiöses, kulturelles und vor allem nationales Selbstbewußtsein aufgebaut hat. Man wird dieses beachten müssen, auch wenn man heutige Konflikte verstehen will. Zugleich gibt die Studie Einblick in eine Form jüdischer Identitätsbildung, die in Teilen des Judentums bis heute weitertradiert wird. Religionswissenschaftlich zeigt sie, wie Religion scheinbar notwendigerweise mit Heiligtumstraditionen verknüpft ist. (Hebräischkenntnisse sind bei der Lektüre von Vorteil, aber nicht zwingend).
Thomas Bernhard für lehrerbibliothek.de
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
1.1. Die mythische Bedeutung von Stadt und Tempel 1
1.2. Tradition und Tradenten 4
1.3. Fragestellung und Motiv der Untersuchung 6
1.4. Methodik und Anordnung der Untersuchung 7
1.5. Übersetzung und Auslegung 8
1.5.1. Die antiken Übersetzungen 10
1.5.2. Grundzüge antiker jüdischer Textauslegung 13
1.6. Stadt und Tempel von der babylonischen Eroberung Jerusalems bis zur rabbinischen Zeit 15
1.6.1. Nach der Zerstörung des salomonischen Tempels 15
1.6.2. Die Errichtung des Zweiten Tempels 17
1.6.3. Der Jerusalemer Tempel in hellenistisch-römischer Zeit 20
1.6.4. Der Tempel und die Rabbinen 26
1.7. Forschungsgeschichtlicher Überblick 31
1.7.1. W.H. Röscher (1) 32
1.7.2. D. Feuchtwang 34
1.7.3. G. Dalman 36
1.7.4 R. Meringer und N. Rhodokanakis 40
1.7.5. G. Klameth 42
1.7.6. W.H. Röscher (2) 43
1.7.7. A.J. Wensinck 44
1.7.8. W.H. Röscher (3) 46
1.7.9. J. Jeremias 48
1.7.10. E. Burrows 50
1.7.11. R. Patai 51
1.7.12. S.L.Terrien 54
1.7.13. L. Stadelmann 57
1.7.14. F. Böhl 60
1.7.15. R Schäfer 64
1.7.16. S.Talmon 67
1.7.17. B. Ego 71
1.7.18. D. Krochmalnik 75
1.7.19 P.S. Alexander 78
1.8. Der Ertrag der bisherigen Forschung 82
2. Text und Auslegung 87
2.1. Tabor Haaretz in der biblischen Überlieferung 87
2.1.1. Tabor Haaretz bei Sichern (Ri 9,37) - "Nabel der Welt" zur Richterzeit? 88
2.1.1.1 Das Richterbuch 89
2.1.1.2. Ri 9 91
2.1.1.3. Ri 9,37 94
2.1.1.3.1. Der hebräische Text 94
2.1.1.3.2. Die griechischen Übersetzungen 97
2.1.1.3.3. Der Targum 103
2.1.1.4. Die Lokalisierung des Tabor Haaretz bei Sichern 107
2.1.1.4.1. Sichern 109
2.1.1.4.2. Der Garizim 110
2.1.1.4.3. Das samaritanische Heiligtum auf dem Garizim 111
2.1.1.5. Auswertung 115
2.1.1.6. Ergebnisse 118
2.1.1.6.1. Die Zeit nach dem Exil 118
2.1.1.6.2. Von Alexander d. Gr. bis Johannes Hyrkanos I. 120
2.1.1.6.3. Von Johannes Hyrkanos I. bis zur Tempelzerstörung 122
2.1.1.6.4. Von der Tempelzerstörung bis zur Zeit der Amoräer 124
2.1.1.7. Zusammenfassung 126
2.1.2. Der Tabor Haaretz als Wohnort des wiedergesammelten
Gottesvolkes (Ez 38,12) - Jerusalem als "Nabel der Welt"? 129
2.1.2.1. Das Ezechielbuch 130
2.1.2.2. Ez38 135
2.1.2.3. Ez 38,12 137
2.1.2.3.1. Der hebräische Text 137
2.1.2.3.2. Die griechische Übersetzung 143
2.1.2.3.3. Der Targum 149
2.1.2.4. Zusammenfassung 154
2.2. Die zentrale Position der Stadt Jerusalem und ihres Tempels in der
biblischen Überlieferung und in der antiken jüdischen Literatur 155
2.2.1. Ez 48,8.10.21 155
2.2.2. Jes2,2f. 160
2.2.3. PS 74,12 163
2.2.4. äthHen 26,lf. 167
2.2.5. Jub8,19 172
2.2.6. Arist83f. 180
2.2.7. Sib 5, 247-252 184
2.2.8. Jos. Bell 3, 52 190
2.2.9. Hld7,3 195
2.2.10. b Sann 37a 205
2.2.11. Tanhuma B ki tissa § 1 zu Ex 30,12 (p. 103,14 - 104, 9 Buber) 211
2.2.12. Pes r § 10 zu Ex 30,12 (p. 34a, 6 - 34b, 7 Friedmann) 216
2.2.13. Tanhuma B Kedoschim § 10 zu Lev 19,23
(p. 77, 20 - 78,13 Buber) 222
2.3. Ergebnisse 240
2.3.1 Die Zeit nach der Errichtung des Zweiten Tempels 240
2.3.2. Von Beginn der hellenistischen Zeit bis zur Zerstörung
des Zweiten Tempels 241
2.3.3. Die Tempelzerstörung und die Zeit der Rabbinen 245
3. Zusammenfassung 249
4. Schluß 251
5. Literaturverzeichnis 253
5.1. Quellen 253
5.1.1. Bibel 253
5.1.1.1. Hebräische Bibel 253
5.1.1.2. Griechische Übersetzungen 253
5.1.1.3. Targumim 254
5.1.1.4. Peschitto 254
5.1.1.5. Vulgata 254
5.1.2. Altorientalische Texte 255
5.1.3. Jüdische Schriften aus hellenistisch-römischer Zeit 255
5.1.4. Rabbinische Literatur 256
5.1.5. Pagane antike Literatur 257
5.1.6. Christliche Literatur 258
5.2. Hilfsmittel 258
5.3. Sekundärliteratur 260
6. Register 285
6.1. Stellen 285
6.2. Sachen 297
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