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High Energy Die Achtziger - das pulsierende Jahrzehnt
High Energy
Die Achtziger - das pulsierende Jahrzehnt




Jens Balzer

Rowohlt
EAN: 9783737101141 (ISBN: 3-7371-0114-0)
400 Seiten, hardcover, 15 x 22cm, Juni, 2021

EUR 28,00
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Bunt und bizarr, voller Untergangsfurcht und Zukunftslust: die achtziger Jahre

„Die Achtziger beginnen damit, dass allenthalben eine Wende beschworen wird: die planetarische Wende der Ökos und Friedensbewegten, die geistig-moralische Wende der Konservativen unter Helmut Kohl. Die Achtziger enden damit, dass es tatsächlich zu einer wende kommt: einer Wende, die nun allerdings grundstürzend ist und planetarische Dimensionen besitzt – die aber niemand beschworen hat. Vieles in diesem Jahrzehnt wirkt heute schrill oder fern wie Föhnfrisuren und Pornoschnauzbärte, Aerobic-TV und Atari-Konsole. Aber vieles, was in den Achtzigern anfängt, ist bis in unsere Gegenwart prägend, von der Yuppie-Kultur bis zur Digitalisierung. Wir reisen zurück in eine pulsierende Zeit – die sich selber ebenso grundlegend verkannte wie ihre Zukunft. Auch darin ist uns dieses Jahrzehnt heute vielleicht näher, als wir denken.“

„Lustiger und klüger kann man nicht schreiben.“

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
Rezension
300.000 Demonstrant:innen im Bonner Hofgarten, die Wende, C64, Walkman, Chaos Computer Club, Aerobic, Jogging, Aids, „Schwarzwaldklinik“, Popper, Yuppies. Alle diese Begriffe verbindet man mit den 1980er Jahren der Bundesrepublik Deutschland. Diesen Zeitabschnitt beleuchtet Jens Balzer (*1969) gekonnt in seinem neuen Buch „High Energy. Die Achtziger – das pulsierende Jahrzehnt“, erschienen bei Rowohlt Berlin. Mit ihm verfolgt der Autor und Kolumnist das Ziel, Verbindungen zwischen popkulturellen Produkten (z. B. Musik, Filmen, Serien, Comics) und politischen Ereignissen bzw. Entwicklungen im Zeitraum zwischen 1979 und 1989 aufzuzeigen. Für den ehemaligen stellvertretenden Feuilletonchef der „Berliner Zeitung“, bekannt auch durch sein Werke „Pop“ (2016) und „Das entfesselte Jahrzehnt. Sound und Geist der 70er“, waren die Achtziger geprägt durch eine „Dialektik aus Furcht und Ausbruch, aus restaurativem Verzagen und Entfesselung neuer Energien“(S. 24). Deswegen wählt Balzer als Titel seines Buches „High Energy“, in Anlehnung an das Musikgenre. Der Ansatz, die Achtziger mittels der historischen Kategorie der Angst zu erschließen, ist keine historische Erkenntnis des Journalisten. Bereits 2019 veröffentlichte Frank Biess, Professor für Europäische Geschichte an der University of California, - ebenfalls bei Rowohlt Berlin - sein aufschlussreiches Werk „Republik der Angst. Eine andere Geschichte der Bundesrepublik“.
Balzer gelingt mit „High Energy“, das bereits in der zweiten Auflage vorliegt, auf 400 Seiten ein hervorragendes Porträt der Achtziger unter Heranziehung zahlreicher – auch weniger bekannter - Popsongs sowie ausgewählter Fotografien, darunter auch eine von dem Autor als Grufti aus dem Jahre 1987. Unberücksichtigt lässt er in seinem kulturellen Porträt allerdings die DDR sowie ihre vielfältige Musikszene. Auch hätte man sich ein Literaturverzeichnis mit den wichtigsten Quellen gewünscht, aus denen Balzer schöpft. Lehrkräfte der Fächer Geschichte und Musik werden durch das sehr gut lesbare, im essayistischen Stil verfasste Werk jedenfalls angeregt, sich in ihrem Fachunterricht oder in einem fächerübergreifenden Projekt mit den 1980ern – sub specie Pop - auseinanderzusetzen.
Fazit: Jens Balzer bietet mit „High Energy“ allen an Popkultur und an der Geschichte der Achtziger Interessierten hervorragendes Histotainment. Wer in diesem Jahrzehnt seine Jugend verbracht hat, wird auf eine schöne Reise in die Vergangenheit mitgenommen, die manche Erinnerungen wecken wird.

Dr. Marcel Remme, für lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
High Energy
Die Achtziger - das pulsierende Jahrzehnt
Es sieht nicht alles schlimm aus in den achtziger Jahren. Aber vieles. Es ist das Jahrzehnt der explodierenden Dauerwellen und Pornoschnauzbärte, der aufgepumpten Schulterpolsterjacketts und schrillen Herumprotzerei; in den Achtzigern werden die Yuppies zu Vorreitern einer neuen Egoistenkultur. Doch gleichzeitig herrscht die Angst vor der Apokalypse, vor dem Atomtod und der Umweltzerstörung; die Menschen sehnen sich nach Utopien und Zukunft, nach neuer Gemeinschaft und Wärme. Helmut Kohl lässt die «geistig-moralische Wende» ausrufen, aber Hunderttausende demonstrieren auch für Frieden und Abrüstung, die Grünen etablieren sich als politische Kraft. Die Popkultur wird zum Schauplatz der feministischen und schwulen Emanzipation, mit dem Hip-Hop erhalten Minderheiten eine Stimme, die bis dahin fast unsichtbar waren. Eine ganze Generation lernt am Commodore 64 das Programmieren und begibt sich auf den Weg in die digitale Gesellschaft. Am Ende des Jahrzehnts fällt die Berliner Mauer, eine Umwälzung, die unsere Welt bis heute prägt. Jens Balzer bringt die Widersprüche der Achtziger zum Leuchten, ihre befremdlichen Moden und bizarren Lebensstile ebenso wie ihren Revolutionsdrang, in dem die Wurzeln unserer Gegenwart liegen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Alle wollen die Wende 9
Teil I
Ökos, Punks und Popper: Eine Typenlehre der Achtziger Jahre 29
Teil II
Von der „Schwarzwaldklinik“ bis zur dritten Welle des Feminismus: Wie sich die Gesellschaft verändert 75
Teil III
Video, Walkman, Computerkultur: Der Beginn des digitalen Zeitalters 137
Teil IV
Fitness, Fetisch, Cyborgs: Das Jahrzehnt der Körperkultur – und der tödlichen Seuche 197
Teil V
Angst vor der Zukunft, Besinnung auf die Vergangenheit: Weltflucht und neues Gedächtnis 265
Teil VI
High Energy: Das Jahrzehnt der Beschleunigung und Intensivierung
Schluss: Und die Wende kommt 383
Dank 397
Bildnachweis 398