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Giovanni Boccaccio
Dichter in schwarzen Zeiten. Eine Biographie
Franziska Meier
Verlag C. H. Beck oHG
EAN: 9783406836374 (ISBN: 3-406-83637-2)
415 Seiten, hardcover, 15 x 22cm, September, 2025
EUR 32,00 alle Angaben ohne Gewähr
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Umschlagtext
Giovanni Boccaccio ist bekannt als wegbereiter der Renaissance und weltberühmt durch den Decameron mit seinen freizügigen erotischen Geschichten. Sein Leben ist jedoch von Rätseln umgeben, sein werk von starken Spannungen durchzogen. Die Literaturwissenschaftlicherin Franziska Meier zeigt ihn in ihrer gläzenden Biographie als unruhigen Zeitgenossen eines krisengeschüttelten Jahrhunderts am Beginn der Neuzeit.
Rezension
Der Mensch sei sein „eigener Töpfer und Bildhauer“, er könne zu den Tieren entarten oder zu den Göttlichen emporsteigen. Dieses schrieb Giovanni Pico della Mirandola in seiner für den philosophischen Weltkongress 1487 geplanten Eröffnungsrede „Über die Würde des Menschen“. Seine Definition des Menschen steht für das Programm der Renaissance. Sie bewirkte von Italien ausgehend eine Geistes- und Kulturrevolution in Europa und leitete den Übergang zur Neuzeit ein. Mit dieser Epoche verbindet man berühmte Namen, wie zum Beispiel die der Universalgenies Leon Battista Alberti und Leonardo da Vinci, die der Maler Michelangelo und Raffael, den des Kunsthistorikers Giorgio Vasari oder die von Philosophen wie dem Neuplatoniker Marsilio Ficino, dem Humanisten Erasmus von Rotterdam, dem Begründer neuzeitlichen politischen Denkens Niccolo Machiavelli oder auch der ersten Berufsschriftstellerin Christine de Pizan und die der Schriftsteller Francesco Petrarca und Giovanni Boccaccio.
Letzterer lebte von 1313 bis 1375 und erlangte Bekanntheit durch seine Novellensammlung „Decamaron“, die von manchem Schriftsteller rezipiert wurde, u.a. von William Shakespeare. Welche Romane verfasste Boccaccio vor dem „Decamaron“ und an welchen Werken arbeitete er noch? Wie gestaltete sich sein Verhältnis zur Petrarca? Welche Rolle spielten die Päpste Innozenz VI. und Urban V. in seinem Leben? Beeinflusste die Pest 1348 sein literarisches Hauptwerk? War Boccaccio ein Vertreter des Frühhumanismus? Welchen Beitrag leistete er zur italienischen Literatur?
Fachlich fundierte Antworten auf diese Fragen liefert Franziska Meier in ihrer Biographie „Giovanni Boccaccio. Dichter in schwarzen Zeiten“, erschienen bei C. H. Beck. Dort publizierte die Professorin für Romanische Literaturwissenschaft und Komparatistik an der Georg-August-Universität Göttingen auch die Bücher „Dantes Göttliche Komödie. Eine Einführung“(2018) und „Besuch in der Hölle. Dantes Göttliche Komödie. Biographie eines Jahrhundertbuchs“(2021). In ihrem neuen Buch beleuchtet die Wissenschaftlerin differenziert das Leben und Werk Boccaccios. Ihre Ausführungen zeichnen sich durch behutsamen Umgang mit den historischen Quellen und exzellente Kenntnis der Forschungsliteratur aus. Lehrkräfte der Fächer Italienisch und Literatur werden durch Meiers Buch motiviert, sich in ihrem Fachunterricht oder in einem fächerübergreifenden Projekt mit Boccaccios „Decamaron“ auseinanderzusetzen.
Fazit: Mit ihrer Biographie „Giovanni Boccaccio“ nimmt Franziska Meier alle literatur- und kulturgeschichtlich Interessierten mit auf eine faszinierende Reise durch die Frührenaissance.
Dr. Marcel Remme, für lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Meier, Franziska
Giovanni Boccaccio
Dichter in schwarzen Zeiten. Eine Biographie
Giovanni Boccaccio ist bekannt als Wegbereiter der Renaissance und weltberühmt durch den Decameron mit seinen freizügigen erotischen Geschichten. Sein Leben ist jedoch von Rätseln umgeben, sein Werk von starken Spannungen durchzogen. Die Literaturwissenschaftlerin Franziska Meier zeigt ihn in ihrer glänzenden Biographie als unruhigen Zeitgenossen eines krisengeschüttelten Jahrhunderts am Beginn der Neuzeit.
Pandemie, Klimawandel, Bankenkrise, Staatsverschuldung und der politische Umschwung zur Oligarchie: Giovanni Boccaccio (1313 - 1375) war ein Seismograph all dieser Erschütterungen in seiner Zeit. Teils sinnenfroh, teils sittenstreng, traditionsbewusst und zukunftsgewandt reagierte er mit seinem vielfältigen Werk auf die Widersprüche einer Welt im Umbruch. Franziska Meier rekonstruiert seine Kindheit und Schulzeit in Florenz und die Folgen seiner unehelichen Geburt. Wir erleben ihn in Neapel, wo König Robert von Anjou residiert, in Florenz, der stolzen, reichen Commune, die politisch und ökonomisch ins Schlingern geriet, an den Höfen skrupelloser Alleinherrscher in der Romagna und in der Einsamkeit seines Alterssitzes Certaldo. Vor allem aber schildert Franziska Meier ihn als brillanten Erzähler und herausragenden Dichter, als Freund Petrarcas und Verehrer Dantes, als Gelehrten und Biographen, dessen Werk zur Weltliteratur gehört.
Inhaltsverzeichnis
Ansichten eines Dichters 9
Die frühen Konterfeis 10
Materialien zu Boccaccios Leben 17
Warum Boccaccio? Ein Zeitgenosse des 14. Jahrhunderts 22
T E I L I
Giovanni, Sohn des Boccaccio
Florenz – Neapel
— 31 —
Die Geburt des Helden oder der Makel des «Bastards» 33
Eine Kindheit in Florenz (1313–1327) 45
Ein Rekonstruktionsversuch der Schulzeit 48
Florenz in den 1310er und 1320er Jahren.
Die Karriere von Vater Boccaccio 53
Der neue Signore aus Neapel in Florenz –
ein prägendes Erlebnis? 57
Die besten Jahre des Lebens: Neapel (1327–1340) 63
Von Florenz nach Neapel 63
Unter Florentinern 70
Unter Neapolitanern 74
«Als Jugendlicher war ich am Hof Roberts»:
Die Königliche Bibliothek 80
Unter Hofdamen und Rittern 86
Das Studium des kanonischen Rechts 92
Innenansichten oder die Suche nach dem Du (1339) 97
Die Anfänge: Schreiben, aber für wen 97
Die Briefe – ein autobiographisches Dokument? 104
Psychische Dissoziationen und die Fragilität
menschlicher Zivilisation 113
T E I L I I
Boccaccio florentinus
Florenz – Romagna – Florenz
— 117 —
Rückkehr in eine von Krisen geschüttelte Stadt
(1340–1344) 119
Die Theseus-Sage im Gepäck 125
Winter 1341 /42: Besuch aus Neapel 130
Elektrisierende Neuigkeiten: Francesco Petrarca 136
Neapel nach Florenz bringen oder die Signoria des Walter
von Brienne (1342 /43) 141
Die volkssprachliche Kultur in Florenz: Das Erbe Dantes 146
Das erste Meisterwerk: Das Klagelied der Madonna Fiammetta 155
Alternativen zur Zivilisation:
De Canaria und Pomenas Garten 161
Neue politische Verhältnisse in Florenz und Aufbruch
in die Romagna (1344–1348) 171
Heitere Töne in Boccaccios Dichtung 171
Ein Vorschlag an die Adresse der Regierung des Popolo? 174
An den Höfen der Romagna 179
1348: Der Schwarze Tod und sein Augenzeuge 186
Die Pestbeschreibung: Recycling antiker Quellen 195
Wenn sich auf einmal alles zusammenschließt:
Das Decameron 199
Träume werden wahr: Ravenna, Florenz (1350) 211
Der Club der Petrarca-Verehrer in Florenz 212
Boccaccio in Ravenna: Eine erste Wiedergutmachung 217
Petrarcas Stippvisite in Florenz 219
Dominus Iohannes Boccaccii –
Jahre des Engagements (1351–1354) 226
Boccaccio als Gesandter der Stadt Florenz
bei Francesco Petrarca in Padua 231
Zurück in Florenz: Der Dichter und Künstler
als Aushängeschild der Stadt 238
Boccaccios Arbeit in der Florentiner Res publica 245
Boccaccios Brandbrief an Petrarca – Libertas florentina 249
T E I L I I I
Iohannes de Certaldo
— 255 —
1355 – ein schwarzes Jahr 257
Ein Geschenk Boccaccios oder die Tugend der Großherzigkeit
(Decameron X) 261
Rückschläge: Die Lorbeerkrönung des Schulkameraden
Zanobi da Strada 265
«Deinen zahlreichen Episteln entlockte ich einzig dies:
Du bist verstimmt» 269
Aufarbeiten des Fiaskos: Vom Sturz berühmter Männer
(De casibus virorum illustrium) 274
In Mailand bei Petrarca (1359) 282
Menschlich Allzumenschliches 284
Dienst am zweiten Geschlecht (De mulieribus claris –
Von bekannten Frauen) 288
Wohin in dem von Kriegen zerrissenen Italien? 292
Boccaccios Engagement für volkssprachliche Dichtung 298
Eine konzertierte Aktion: Homer nach Oberitalien holen 302
Neustart und der fehlgeschlagene Rückzug aufs Land
(1359–1363) 303
Seinen Namen verewigen: Die Fertigstellung von De casibus 304
Wohin mit dem Decameron? 308
Ich war’s, der die Bücher Homers in die Toskana brachte 311
Certaldo – Sein und Schein des Lebens auf dem Land 314
Wenn plötzlich alles ins Wanken gerät 323
Mit Sack und Pack nach Neapel 325
Der Humanist mit Kratzern (1363–1370) 335
Bürger in Florenz und in der Welt:
Das Netzwerk der Humanisten 336
Arbeit am Schiffbruch: Genealogie deorum gentilium 340
Ein Bild von sich hinterlassen: Self-fashioning à la Boccaccio 345
Ein Brief unter tausend: Boccaccios Freundschaft zu Petrarca 354
Ende und Vermächtnis (1370–1375) 360
Geehrt in Neapel. Die Verteidigung der Dichtung 360
In Certaldo. Engagement für das volkssprachliche Erbe 367
Petrarcas fragwürdige Gabe: Die Griselda-Novelle
(Decameron X 10) 377
Boccaccios Krankheiten 381
Testamentarische Verfügungen: Wer war Boccaccio? 388
A N H A N G
Zeittafel 393
Abkürzungen 395
Literaturverzeichnis 396
Bildnachweis 408
Personenregister 409
Register der Werke Boccaccios 415
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