|
|
|
|
Erinnerungsethik III
Denken nach dem Traditionsbruch
Susanne Möbuß
Schwabe Basel
EAN: 9783796554544 (ISBN: 3-7965-5454-7)
292 Seiten, hardcover, 16 x 23cm, Oktober, 2025
EUR 58,00 alle Angaben ohne Gewähr
|
|
Rezension
Innerhalb der Geschichtswissenschaft und in der Öffentlichkeit gibt es zurzeit Kontroversen über die Formen und die Denkmäler des Erinnerns. Rechtspopulistische und -extreme Parteien fordern gar eine erinnerungspolitische Wende und betreiben eine Relativierung des Nationalsozialismus und des Holocaust. Erinnern ist also Gegenstand der Politik. Bisher wurde allerdings kaum erkannt, dass den gegenwärtigen Debatten eine ethische Dimension zukommt.
Umso verdienstvoller ist es daher anzusehen, wenn diese identifiziert und Erinnern philosophisch analysiert wird. Dieses machte Susanne Möbuß (*1963) in ihrer im Schwabe Verlag publizierten Trilogie „Erinnerungsethik“(2024-2026). In ihrem ersten Band führt die außerplanmäßige Professorin für Philosophie an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg gute Gründe für die Legitimität einer Auseinandersetzung mit einem eigenen Teilgebiet „Erinnerungsethik“ an und entwickelt dazu ein Konzept „memorialer Ethik“. In ihrem Fortsetzungsband „Erinnerungsethik II. Zur Bedeutung des Gedenkens als moralische Motivation“(2025) begreift Möbuß Erinnern als Entwerfen.
Während sich die ersten Bände der Trilogie der Begründung und Darstellung widmen, zielt der letzte Band „Erinnerungsethik III. Denken nach dem Traditionsbruch“ nach Aussagen der Autorin auf „Reflexion“ ab, verstanden als Anwendung des memorialen Denkens im „Rahmen verschiedener Kontext-Felder, um dessen Erfordernis und Möglichkeit betrachten zu können“(S. 7). So beleuchtet Möbuß in ihren sprachlich anspruchsvollen Ausführungen u.a. folgende Aspekte: „memoriale Existenz“, „Erziehung nach Auschwitz“, „Verbrechen gegen die Menschheit“, Verzeihen und Vergeben. Dabei nimmt sie insbesondere Bezug auf die Existenzphilosophie von Karl Jaspers und die Alteritätsphilosophie von Emmanuel Levinas. Im letzten Kapitel ihres Buches verdeutlicht sie die Fruchtbarkeit ihrer tiefsinnigen Erkenntnisse für eine „post-genozitäre Ethik“. Lehrkräfte der Fächer Philosophie, Ethik und Geschichte erhalten durch das vorliegende Buch Anregungen, sich in ihrem Fachunterricht oder in einem fächerübergreifenden Projekt mit der Thematik „Erinnern und Ethik“ problemorientiert auseinanderzusetzen.
Fazit: Susanne Möbuß leistet mit dem letzten Band ihrer Trilogie zur „Erinnerungsethik“ einen wichtigen philosophischen Beitrag zum Erinnern sowie zu geschichtspolitischen und -ethischen Debatten. Zugleich unterstreichen ihre Ausführungen die Aktualität der Existenzphilosophie und Alteritätsphilosophie angesichts der Gefahr historisch-kultureller Amnesie.
Dr. Marcel Remme, für lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Susanne Möbuß
Erinnerungsethik III
Denken nach dem Traditionsbruch
BESCHREIBUNG
Eine Wiederholung des im Holocaust Geschehenen zu verhindern – das ist eine Konstante erinnerungskulturellen Selbstverständnisses. Doch wurde vonseiten der deutschsprachigen Philosophie tatsächlich alles in ihrer Macht Stehende dafür getan? Während in Frankreich die Möglichkeit eines Denkens nach Auschwitz diskutiert und in den USA die Frage nach einem philosophischen Beitrag zu den ‹Holocaust Studies› gestellt wird, fokussiert Philosophie in Deutschland vorrangig andere Themen.
Susanne Möbuß’ dritter Band zur Erinnerungsethik stellt sich der Herausforderung und diskutiert das Denken nach dem Traditionsbruch. Nie zuvor stand das philosophische Argumentieren vor einer derartigen Aufgabe. Das Konzept memorialer Ethik zeigt sich als Ausdruck post-genozitären Denkens.
——
Susanne Möbuß studierte Philosophie und Geschichte und lehrt an den Universitäten Oldenburg und Hannover. In ihren Veröffentlichungen beschäftigt sie sich mit Existenzphilosophie und Jüdischer Philosophie. Bei Schwabe sind bereits zwei Bände zur Erinnerungsethik erschienen (2024 und 2025).
Inhaltsverzeichnis
Vorab 7
I. Eine Frage an die Philosophie 9
Der Gedanke der Wesensbestimmung 10
Selbst-sein-Können 15
Der Zeit geschuldet 25
Zum Erinnernden werden 45
II. Kontext-Felder erinnerungsethischen Denkens 55
Zur Bedeutung des Einzelnen 55
Die konfrontative Situation 64
Memoriale Existenz 77
Nach Auschwitz 87
Verbrechen gegen die Menschheit 105
In der Zeit 119
Vereinnahmtes Erinnern 138
Verzeihen 146
Zeuge und Stellvertreter 178
Teilen – Mitteilen 183
Zur Diskurs- und Existenzgemeinschaft 201
Sprach-Differenzierung 207
Erzählung als Zeugnis 227
Zur Frage der Darstellbarkeit 255
Ethik 270
Literatur 283
Philosophie 283
Ergänzende Texte 286
Dank 289
|
|
|