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Einhundert Samstage
Stella Levi und die Suche nach einer verlorenen Welt
Michael Frank
Rowohlt
EAN: 9783737101806 (ISBN: 3-7371-0180-9)
336 Seiten, hardcover, 13 x 21cm, April, 2023
EUR 24,00 alle Angaben ohne Gewähr
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Rezension
Michael Frank begegnete 2015 zufällig der heute hundertjährigen Stella Levi bei einem Vortrag in New York. Aus dieser Begegnung entwickelte sich eine außergewöhnliche Verbindung: An einhundert Samstagen besuchte Frank Levi in ihrer Wohnung, um ihre Lebensgeschichte festzuhalten. Das Ergebnis dieser Gespräche ist das Buch "Einhundert Samstage: Stella Levi und die Suche nach einer verlorenen Welt", erschienen im Rowohlt Verlag.
Stella Levi wuchs in den 1920er- und 1930er-Jahren im jüdischen Viertel La Judería auf der Insel Rhodos auf. Ihre Kindheit war geprägt von der sephardischen Tradition und einer kulturellen Vielfalt zwischen Orient und Okzident. Sie träumte davon, in Italien zu studieren und die Welt außerhalb ihrer Insel zu entdecken. Doch diese Hoffnungen wurden jäh zerstört, als deutsche Truppen im Herbst 1943 Rhodos besetzten. Stella und ihre Familie wurden nach Auschwitz deportiert; sie überlebte als eine der wenigen ihrer Gemeinde und begann nach dem Krieg ein neues Leben in den USA.
Michael Frank gelingt es in seinem Werk, nicht nur Stellas persönliche Erinnerungen einzufangen, sondern auch ein lebendiges Bild der untergegangenen jüdischen Kultur von Rhodos zu zeichnen. Besonders beeindruckend ist die behutsame Annäherung an die traumatischen Erlebnisse, die Stella zunächst nur zögerlich preisgibt. Diese Zurückhaltung verleiht dem Buch eine besondere Authentizität und Tiefe. Stella wollte nicht, dass ihre Geschichte allein auf das Leiden reduziert wird, sondern dass auch die Schönheit und Vielfalt ihres früheren Lebens sichtbar wird.
Das Buch ist nicht nur eine bewegende Biografie, sondern auch ein wichtiges historisches Dokument. Es erinnert an eine fast vergessene Gemeinschaft und mahnt zugleich vor den Schrecken des Holocaust. Durch die einfühlsame Erzählweise und die detaillierten Schilderungen wird die Vergangenheit für den Leser greifbar und nachvollziehbar.
Insgesamt ist "Einhundert Samstage" ein tief berührendes Werk, das die Bedeutung von Erinnerung und das Erzählen von Geschichte(n) eindrucksvoll unterstreicht. Es ist eine klare Leseempfehlung für alle, die sich mit jüdischer Geschichte, dem Holocaust und persönlichen Schicksalen auseinandersetzen möchten.
Verlagsinfo
Als Michael Frank die heute hundertjährige Stella Levi zufällig kennenlernt, nimmt eine große Geschichte ihren Anfang. Sie lädt ihn in ihr New Yorker Apartment ein, und bald wird aus den Besuchen ein Ritual: An hundert Samstagen erzählt Levi dem Schriftsteller ihr Leben. Gemeinsam suchen und erkunden die beiden eine fast märchenhafte, verlorene Welt. Levi, geboren 1923, wuchs auf im jüdischen Viertel La Juderia auf der Mittelmeerinsel Rhodos – eine Kindheit und Jugend zwischen sephardischer Tradition und Moderne, inmitten einer Vielfalt von Kulturen und Sprachen zwischen Orient und Okzident. Stella eifert der Schwester Felicie nach, die Freud und Henri Bergson liest; sie selbst träumt vom Studium in Italien. Schließlich aber werden diese Welt und die Familie grausam zerrissen, und Stella Levi erzählt auch davon: Im Herbst 1943 besetzen die Deutschen die Insel, für Levi der Anfang eines Leidenswegs, der sie bis nach Auschwitz führt. Sie überlebt – und beginnt ein ganz neues Leben in den USA.
Stella Levis Geschichte ist ein faszinierendes historisches Zeugnis. Sie erzählt von einer einzigartigen Welt, die zerstört wurde – und setzt ihr zugleich ein Denkmal, das die Vielfalt und Fülle des Lebens zeigt. |
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