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Die kleine Psychotherapeutische Schatzkiste Tipps und Tricks fĂĽr kleine und groĂźe Probleme vom Kindes- bis zum Erwachsenenalter
Die kleine Psychotherapeutische Schatzkiste
Tipps und Tricks fĂĽr kleine und groĂźe Probleme vom Kindes- bis zum Erwachsenenalter




Filip Caby, Andrea Caby

Verlag Modernes Lernen
EAN: 9783938187470 (ISBN: 3-938187-47-6)
176 Seiten, Spiralbindung, 16 x 23cm, 2009

EUR 19,95
alle Angaben ohne Gewähr

Umschlagtext
Autoren-Informationen



Dr. Filip Caby, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie. Studium der Humanmedizin in Belgien, in Deutschland Facharztausbildung in kinder- und jugendpsychiatrischen sowie allgemeinpsychiatrischen Kliniken. Anschließend mehrjährige oberärztliche Tätigkeit, u.a. stellvertretender leitender Arzt der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Wilhelms-Universität Münster. Seit 1994 Chefarzt der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Marienkrankenhaus Papenburg-Aschendorf.

Tiefenpsychologische Weiterbildung und Ausbildung in systemischer Familien- sowie analytischer Gruppentherapie, Lehrtherapeut und Supervisor.

Vorsitzender des Arbeitskreises Systemische Kinder- und Jugendpsychiatrie.



Dr. Andrea Caby, Fachärztin für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, Zusatzbezeichnung Naturheilverfahren.

Studium der Humanmedizin in Deutschland und USA mit anschließender Forschungstätigkeit. Kinder- und jugendärztliche Ausbildung in Deutschland, als Fachärztin u.a. Praxistätigkeit sowie Mitarbeit im Jugendärztlichen Dienst / Gesundheitsamt.

Verschiedene berufsbegleitende psychotherapeutische Ausbildungen, u.a. in Kreativer Kindertherapie sowie kinder- und jugendpsychiatrische Weiterbildung mit den Schwerpunkten Störungen der frühen Kindheit, Entwicklungsdiagnostik und ADHS.

Seit 2007 Professorin für Sozialpädiatrie im Fachbereich „Soziale Arbeit und Gesundheit“ an der FH Emden/Oldenburg.



"Wenn ich das vorher gewusst hätte...." So oder so ähnlich reagierten Praktiker, Kinder- und Jugendärzte, Kinder- und Jugendpsychiater, Psychologen, Sozialarbeiter, Pädagogen und sonstige psychotherapeutisch oder beratend Tätige, die an Workshops zur "Kleinen Psychotherapeutischen Schatzkiste" teilnahmen. In diesem Praxishandbuch werden im ersten Teil Tipps und Tricks für die Gesprächsführung, spezielle Fragetechniken sowie ungewöhnliche Lösungen für alltägliche und weniger alltägliche psychische Probleme und/oder Verhaltensauffälligkeiten vermittelt. Im zweiten Teil tragen die Autoren Indikationen für die obigen Interventionen zusammen, so dass therapeutische Entscheidungen sowohl interventionsspezifisch als auch indikationsabhängig getroffen werden können. Die Grundhaltung ist bei allen Interventionen von Respekt und Wertschätzung für Fähigkeiten und die bisherigen Lösungsversuche ihrer Patienten oder Klienten geprägt. Die praktische Ringbuchform und die exakte Anleitung machen das Buch zu einem Werkzeug für jeden Tag, insbesondere - aber nicht nur - für diejenigen, die sich bisher weniger oder gar nicht mit psychotherapeutischen Techniken befasst haben. Die Erfahrung hat gezeigt, dass psychotherapeutisch bewanderte Kollegen gleichermaßen profitieren.
Rezension
Dies ist ein Handbuch auch für diejenigen, die sich bisher weniger oder gar nicht mit psychotherapeutischen Techniken befasst haben. Insofern ist es auch für die Lehrerhand von Gewinn; denn psychotherapeutische Verfahren lassen sich sehr wohl auch jenseits der berühmten Ledercouch in vielfältigen Alltags- und Berufssituationen nutzen. In diesem Praxishandbuch werden im ersten Teil Tipps und Tricks für die Gesprächsführung, spezielle Fragetechniken sowie ungewöhnliche Lösungen für alltägliche und weniger alltägliche psychische Probleme und/oder Verhaltensauffälligkeiten vermittelt. Im zweiten Teil tragen die Autoren Indikationen für die obigen Interventionen zusammen, so dass therapeutische Entscheidungen sowohl interventionsspezifisch als auch indikationsabhängig getroffen werden können.

Oliver Neumann, lehrerbibliothek.de
Inhaltsverzeichnis
Dank 9
Vorwort von Klaus Skrodzki und Wilhelm Rotthaus 10
Wichtige Hinweise 12

Kapitel 1: Allgemeines 15

1. Einladung 15
2. Der Inhalt der „Schatzkiste“ 16
3. Der theoretische Hintergrund 17
4. Lassen Sie sich vom Symptom nicht beirren 21
5. Die hohe Kunst des Fragens 22
5.1 Mit dem Fragen fängt die Therapie an! 22
5.2 Die Eigenschaften einer guten Frage 23
5.3 Die wichtigsten Arten von Fragen 25
5.4 Die Kraft des Konjunktivs 27
5.5 Darf ich Sie provozieren? Höflichkeit schadet nie! 28
5.6 Ein Beispiel zum Schmunzeln: Warum darf der das?
Oder: Die Kraft des Fragens in der Sauna 28
5.7 Zusammenfassung: Wann ist eine Frage eine gute Frage? 29
6. Kein Anschluss unter dieser Nummer
oder: Die Kunst den Anschluss doch zu kriegen 30
6.1 Rapport und Anschlussfähigkeit 30
6.2 Das Setting 30
6.3 Wann reden wir mit wem worĂĽber? 31
6.4 Die Sprache hat gleich mehrere Wirkfaktoren 31
6.5 Die Körperhaltung 32
7. Tust du Gutes, tue es langsam, tust du Böses, tue es auf einmal 32
8. Wann ist die Grenze erreicht?
oder: Rechtzeitig Größe zeigen und weiter verweisen 33

Kapitel 2: Die Interventionen 35

1. EinfĂĽhrung 35
2. Allgemeine Interventionen 36

1. Direkte Interventionen im Gespräch 36
Ressourcensuche/-aktivierung 36
a) Der Ressourcenstammbaum 36
b) Das Resssourcen-Barometer 37
Fragen nach Ausnahmen 38
Skalieren 40
Reframing 44
Zirkuläres Fragen 46
Zirkuläres Erziehen 48
Die Wunderfrage 48
Externalisieren 51
Provozieren 54
Das Erzeugen einer Ja-Stimmung 56
Rituale 57
Die Musterunterbrechung 61

2. Interventionen fĂĽr Zuhause 63
Beobachtungsaufgaben 63
Verordnen von Symptomen (Paradoxe Intervention) 66
Verordnen von Veränderung 69
Der Veränderungsdetektiv 72
Verordnen dessen, was der Patient/Klient schon gut macht 73
Das Verordnen von problemfreien Zeiten oder Räumen 75
Der Vorhersage-Kalender 77
Hausaufgaben 79
Das Los entscheiden lassen 83
So-tun-als-ob-Aufgaben 85
Das Verankern von positiver Stimmung 87

3. Spezielle Techniken 88
1. Direkte Interventionen im Gespräch 88
Handpuppen und Co. 88
Gemeinsames Malen und Zeichnen 90
a) Gemeinsames Kritzeln und Schnörkeln 90
b) Das Selbst-Bild 91
c) Das Problembild 93
d) Arbeiten mit dem Namen des Kindes 94
e) Malen mit Kindern und Familien 96
f) Cartoon-Therapie 100
Lebenslinienarbeit 102
Therapeutische Geschichten und Märchen 104
Zaubern 107

2. Interventionen fĂĽr Zuhause 110
Talismane, Mut-Steine und andere Helfer 110
Traumfänger und Sorgenpüppchen 112
Der Angst-lösende Faden 114
Die Ampelkarten 115
Die Regel des Monats 117
Urkunden 118

Kapitel 3: Indikationen oder: Was hilft wann am besten? 121

Aggressives Verhalten 122
Angststörungen wie z. B. Schulangst, Trennungsangst oder
PrĂĽfungsangst 125
Aufmerksamkeitsdefizit und Hyperaktivitätsstörung (ADHS) 127
Autistisches Verhalten 129
Bauchschmerzen 131
Daumenlutschen 132
Depression 133
Einkoten 135
Einnässen 136
Ess- und Fütterstörungen 138
Geschwisterrivalität 140
Kopfschmerzen und Migräne 141
LĂĽgen 143
Medienkonsum/-sucht 144
Mutismus 146
Nägelkauen 148
Schlafstörungen 149
Schulprobleme 152
Selbstwertprobleme 154
Trauer 156
Zwänge und Tics 158

Kapitel 4: Scheinbar aussichtslos oder:
Das Meistern besonders kniffeliger Situationen 160


Mutter antwortet (immer), obwohl Kind gefragt war 160
„Sie sind unsere letzte Hoffnung!“ 160
„Wir haben schon alles probiert!“ 161
„Du kriegst das sowieso nicht hin!“ 161
„Typisch“ 162
„Wenn meine Frau das anders machen würde,
hätten wir kein Problem.“ 162
Der Klient/Patient hat ein Anliegen, der Therapeut aber keine Zeit 162
„Mit dem Vater/der Mutter meines Sohnes setze ich mich
nie wieder an einen Tisch!“ 163
Der Streit entbrennt im Behandlungszimmer 163
„Es ist doch so, oder?“ 164
Der Patient hat kein Anliegen 164
Die Eltern bringen ein krankes Kind und der Therapeut vermutet
sie hätten eine Ehekrise 164
Wenn nichts mehr geht … 165
Das Wichtigste zum Schluss 165
Literaturverzeichnis 167


Einige Worte vorweg
Gespräch in der Sauna: Ein Vater erzählt dem Therapeuten wie fleißig und vernünftig
sein älterer Sohn sei und wie im Gegensatz dazu sein jüngere Sohn kein
Interesse an der Schule hat, sich auch nicht um das Geschäft kümmert und nach
Hause kommt, wann er will. Ohne die Frage: „Was kann ich tun?“ in dieser therapeutisch
denkbar ungeeigneten Umgebung abzuwarten, stellt F. Caby stattdessen
die Frage „Warum darf der das?“. Verblüffung und Stille folgt und ein zufälliges
Zusammentreffen ein Jahr später zeigt, dass durch diese Frage die familiäre Situation
geändert wurde.
Im Alltag einer kinder- und jugendärztlichen Praxis kommen viele Problemsituationen
zur Sprache: Schlafstörungen, Einnässen, Aggressionen, Geschwisterrivalität,
Tics. Sie müssen kurzfristig und mit möglichst geringem Zeitaufwand bewältigt
und die Eltern entsprechend beraten werden. Ausgeprägte Störungen benötigen
dagegen viel Zeit und ein spezifisches Setting. So sind alle psychischen Störungen
– von ADHS, über Ängste, Depressionen bis zum Autismus – Themen, derer
sich verschiedene Fachgruppen annehmen. Neben Kinder- und Jugendärzten und
Kinder- und Jugendpsychiatern beschäftigen sich Psychotherapeuten, Psychologen
und Heilpädagogen, aber auch Heilmittelerbringer – Ergotherapeuten, Logopäden
u. a. – mit den Folgen psychischer und pädagogischer Probleme in Familien.
Bei der Beratung von Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen kommt der Therapeut
nicht selten in eine Situation, in der es plötzlich nicht weitergeht. Das Gespräch
dreht sich im Kreise, die Beteiligten sind stur, beharren auf ihren Aussagen,
machen VorwĂĽrfe, lassen sich nicht bewegen. Der Therapeut sucht nach einem
Ausweg und gräbt in seiner Erinnerung: Irgendwann hatte eine bestimmte Technik
oder Frage in einer ähnlichen Situation zum Erfolg geführt. Aber was war es nur?
Dem BĂĽchlein des Ehepaars Caby kommt das Verdienst zu, viele dieser kleinen
Tipps und Tricks – manche altbekannt, manche erfrischend neu und überzeugend
– gesammelt und zusammengefasst zu haben. Das Buch will dabei sicher nicht
den Wert etablierter Therapieverfahren schmälern und Ausbildung und Lehrbücher
ersetzen, aber hier stehen praktische Anregungen und Hilfen in verständlicher und
nachvollziehbarer Form zur VerfĂĽgung, die im Alltag hochwillkommen sind. Wenn
man lernt, im rechten Moment die richtige Frage zu stellen, wie im Beispiel oben,
oder den Gesprächsteilnehmern die richtige Aufgabe zuzuteilen, sind viele Situationen
besser zu bewältigen und ein therapeutischer Fortschritt zu erreichen. Hier
zeigt sich neben der langjährigen Erfahrung und dem umfassenden psychotherapeutischen
Wissen auch, wie nĂĽtzlich die fachĂĽbergreifende Zusammenarbeit (z. B.
in der Familie Caby) in der Betreuung der Patienten ist.
Ich bin sicher, dass dieses BĂĽchlein nicht den Weg der meisten Schatzkisten gehen
wird – auf einer einsamen Insel tief im Sand vergraben zu werden – sondern
dass dieses Schatzkästchen in Griffnähe stehen wird bei jedem, der im Gespräch
therapeutisch mit Menschen umgeht. Es wird die Arbeitsmöglichkeiten erweitern
und zum Gelingen so mancher Sitzung beitragen. Es ist hilfreich fĂĽr Ă„rzte und
Psychotherapeuten, aber auch für Heilmittelerbringer und Pädagogen. Und außerdem
macht es SpaĂź darin zu lesen. Darum wĂĽnsche ich dem Buch eine groĂźe
Verbreitung.
Dr. Klaus Skrodzki

Liebe Entdeckerinnen und Entdecker einer Schatztruhe!
Selten hat man das GlĂĽck, einen Schatz zu finden. Sie haben es geschafft. Wunderbar!
Aber wie Sie wissen, hat es mit einem Schatz immer eine besondere Bewandtnis.
Manch einer findet einen Schatz, hält nun alles für gewonnen und hat nach kurzer
Zeit alles verloren, weil er nicht sorgfältig damit umgegangen ist.
So ist das auch bei diesem Schatz. Wer die einzelnen wertvollen StĂĽcke aus der
Schatzkiste nimmt, muss sie sorgfältig und liebevoll behandeln, sollen sie ihren
Wert behalten. Er darf die Perlen, die er vielleicht findet, – so sagt es schon das
Sprichwort, wenn auch mit harten Worten – nicht einfach vor die Säue werfen,
sondern muss seinem GegenĂĽber voller Respekt als einem wertvollen Menschen
begegnen, der für sich und seine Familienmitglieder das Beste erreichen möchte,
der am besten entscheiden kann, was fĂĽr ihn und seine Familienmitglieder gut
ist, und der beispielsweise seine Kinder liebt, Positives über sie hören will und an
ihrer möglichst guten Entwicklung interessiert ist. In diesem Licht erstrahlen die
einzelnen StĂĽcke aus der Schatzkiste, und Sie haben die Chance, dass sie ihre volle
Wirkung entfalten.
Dazu gehört aber noch mehr: Jede dieser Kostbarkeiten will genau betrachtet sein,
von allen drei, vier, fĂĽnf Seiten, von oben und von unten. Nehmen Sie sich Zeit!
„Genauern“ Sie immer wieder, bei jedem neuen Blick, fragen Sie ihre Klienten,
wie genau sie das wunderbare StĂĽck sehen und was genau sie erkennen, welche
einzelnen Gedanken ihnen dazu kommen und wie genau sie es vielleicht nutzen
möchten. Wollen ihre Klienten ihr Fundstück als Schatz an einem sicheren Platz verwahren,
wollen sie ihm einen Ehrenplatz zu Hause in ihrer Wohnung geben oder
wollen sie es als Schmuckstück tragen? Möglicherweise können sie sich nicht so
schnell entscheiden. Dann regen Sie ihre Klienten doch an, ihr FundstĂĽck mit nach
Hause zu nehmen und ganz konkret zu erproben, wie sie es am besten verwenden
könnten. Möglichweise kommen Sie dabei zu dem Ergebnis, dass es doch nicht so
gut zu ihnen passt. Dann können Sie erneut in Ihre Schatzkiste greifen und eine
andere Kostbarkeit präsentieren. Gehen Sie damit aber genauso sorgfältig um wie
mit der ersten! Betrachten Sie zusammen mit ihren Klienten auch diese ganz genau,
wenden Sie sie zu allen Seiten hin und achten Sie auf jedes kleine Detail.
Im ungünstigsten Fall – aber der ist selten – finden Sie in Ihrer Kiste nichts, das zu
diesen Klienten wirklich passt. Aber in jedem Fall erfahren die Klienten die Art, wie
Sie Kostbarkeiten anfassen und betrachten, wie Sie sie achtsam und ehrfurchtsvoll
behandeln, und es besteht die gute Chance, dass die Klienten mit geschärftem Auge
auf ihrem weiteren Lebensweg eine Kostbarkeit finden, die sie nun in der Art,
wie sie es bei Ihnen erlebt haben, sorgfältig und liebevoll betrachten und plötzlich
als den Schatz entdecken, den sie schon lange gesucht haben.
Eigentlich mĂĽsste ich sagen: Sie haben eine Schatzkiste gefunden. Aber die vielen
Kostbarkeiten, die in dieser Schatzkiste lagern, wollen noch entdeckt werden.
Heinz von Foerster wĂĽrde sagen: Sie wollen nicht nur gefunden, sie wollen erfunden
werden. Dabei wĂĽnsche ich Ihnen viel GlĂĽck!
Ihr Wilhelm Rotthaus