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Die Politiker
Hermann Scheer
Verlag Antje Kunstmann GmbH
EAN: 9783888973437 (ISBN: 3-88897-343-0)
240 Seiten, hardcover, 14 x 22cm, 2003
EUR 19,90 alle Angaben ohne Gewähr
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Umschlagtext
»Wir müssen sehen, was für Leute sich dafür ausgeben, Staatsmänner zu sein, es aber keineswegs sind.« Platon
Es ist ein Alarmzeichen für die Demokratie, wenn Wähler sich von der Politik abwenden und »Politiker« zum Schimpfwort mutiert. Der Politiker, Wissenschaftler und »praktische Visionär« (Johannes Rau) Hermann Scheer untersucht die Handlungsbedingungen der Politik, die Verfassung unserer politischen Institutionen und ihrer Akteure - und die ganz widersprüchlichen Vorstellungen, die wir uns von ihnen machen. Ein längst fälliges Plädoyer für ein neues Politikverständnis -und den Mut zu unangepasster politischer Mitwirkung.
Politik, im richtigen Sinne des Begriffs, ist gesellschaftliche Existenzbedingung. Ohne Politiker keine Politik. Es ist ein Alarmsignal für Gesellschaften, wenn Politik zum Unwort geworden ist und Politiker zum Schimpfwort. Die Erfahrung oder zumindest Wahrnehmung, dass das gesellschaftliche Mandat der »Politik« von den »Politikern« nicht mehr konstruktiv praktiziert wird, hat zu einem dramatischen Vertrauensverlust in beide geführt - nicht nur in Deutschland, sondern in allen parlamentarischen Demokratien. Das desolate Verhältnis zwischen Wählern und Gewählten ist für die Gesellschaft brisanter, als es den Anschein hat. Wenn sich soziale und wirtschaftliche Existenzgefahren zuspitzen und Wähler den gewählten Volksvertretern und Parteien deren Lösung nicht mehr zutrauen, droht ein Verfall demokratischer Verfassungsstaaten. Die Vorboten sind Wahlmüdigkeit, pauschales Misstrauen, politische Verweigerung. Hermann Scheer, aktiver Politiker, Wissenschaftler und »praktischer Visionär« (Bundespräsident Rau), untersucht in diesem Buch die Grundbedingungen politischen Handelns, die derzeitige Verfassung unserer politischen Institutionen und ihrer Akteure - und die Vorstellungen, die wir uns von ihnen machen. Warum wird von Politikern die Lösung nahezu aller Probleme erwartet, obwohl wir ihnen immer weniger Gestaltungseinfluss zugestehen? Allenthalben wird nach glaubwürdigen Politikern gerufen - gewählt werden »Führungspersönlichkeiten«, auch der Lüge und des Betrugs überführte. Scheer beschreibt Auszehrungsprozesse der Demokratie, aber auch die Gestaltungsräume politischen Handelns, verloren gegangene und neu zu erobernde. Er beleuchtet, wie irreal die Realpolitik unter dem Vorzeichen der Globalisierung geworden und dass diese Entwicklung keineswegs alternativlos ist. Scheers Gegenüberstellung der »Minima Politica« und »Maxima Politica« sind ein politikethisches und -praktisches Buch über den Zustand der »politischen Klasse«. Schonungslos und umsichtig, konkret und anregend, wirbt es für eine Wiederbelebung der gewaltengeteilten Demokratie, ein zukunftsfähiges Politikverständnis - und den Mut zu unangepasster politischer Mitwirkung.
Hermann Scheer, geb. 1944, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler, ist seit 1980 Mitglied des deutschen Bundestages und seit 1988 Präsident von EUROSOLAR, der Europäischen Vereinigung für erneuerbare Energien, und Vorsitzender des Weltrates für Erneuerbare Energien. 1998 Weltsolarpreis, 1999 Alternativer Nobelpreis, 2000 Weltpreis für Bioenergie, 2002 »Hero for the Green Century« des TIME-Magazine. Sein Buch »Solare Weltwirtschaft« wurde in zehn Sprachen übersetzt.
Rezension
Die Politikverdrossenheit, die überall beklagt wird, erleben LehrerInnen in der Oberstufe als besonders schmerzhaft. Für engagierte Mitgestalter der Gesellschaft, als die die Lehrkräfte zumindest mal angetreten waren, ist die Erfahrung von den vielen Jungwählern in der Schule, die von Politk nichts wissen und auch nichts wissen wollen, besonders schmerzhaft.
Gleichzeitig weist dieser Missstand auf einen ganz zentalen Aufgabenbereich des schulischen Erziehungsauftages hin: Die Schülerinnen und Schülern auf ihre gesellschaftliche Verantwortung hinzuweisen und vorzubereiten, die Begeisterung für die Mitgestaltung zu wecken.
Das Buch Herrmann Scheers bietet hier angenehm lesbar, aber trotzdem fundiert wichtige Gedanken und Argumente. Er zeigt die Schwachstellen unseres Parteiensystems auf, analysiert "Politiker- Typologien" und "Leitleerformeln" der polischen Argumentation, beklagt analytisch präzise die verschiedenen Ausprägungen schlechten Regierens - und weckt damit den Ehrgeiz sich einzumischen, es besser zu machen.
Ein Buch wider die Privatisierung politischen Denkens!
Christoph Ranzinger, lehrerbibliothek.de
Verlagsinfo
Politik, im richtigen Sinne des Begriffs, ist gesellschaftliche Existenzbedingung. Ohne Politiker keine Politik. Es ist ein Alarmsignal für Gesellschaften, wenn Politik zum Unwort geworden ist und Politiker zum Schimpfwort. Die Erfahrung oder zumindest Wahrnehmung, dass das gesellschaftliche Mandat der "Politik" von den "Politikern" nicht mehr konstruktiv praktiziert wird, hat zu einem dramatischen Vertrauensverlust in beide geführt. Wenn sich soziale und wirtschaftliche Existenzgefahren zuspitzen und Wähler den gewählten Volksvertretern und Parteien deren Lösung nicht mehr zutrauen, droht ein Verfall demokratischer Verfassungsstaaten. Hermann Scheer, aktiver Politiker, Wissenschaftler und "praktischer Visionär" (Bundespräsident Rau), untersucht in diesem Buch die Grundbedingungen politischen Handelns, die derzeitige Verfassung unserer politischen Institutionen und ihrer Akteure - und die Vorstellungen, die wir uns von ihnen machen.
Inhaltsverzeichnis
INHALT
Prolog Die Politiker - Eine »politische Klasse«? 7
1. Kapitel: Zoon politikon oder idiotes 18
»Deformation professionelle« als Politikerklischee 25 »Formation professionelle« als Politikerwirklichkeit 31 Der Politikbasar und die Qual der Auswahl 39
2. Kapitel: Parteien und Bürger: Die andauernde Ambivalenz 42
Die Grundmuster der Parteien- und Parlamentskritik 45 Vordemokratisches Denken und die Verheißungen
direkter Demokratie 49 Wandlungen des deutschen Parteiensystems 56 Die Ermüdung der Parteien 67 Rezepte mit begrenzter Wirkung 71 Geschlossenheitsobsession und politischer Seelenverlust 76
3. Kapitel: Demokratische Politik zwischen Entmachtung und Selbstbeschneidung 85
Demokratie - das elementare gesellschaftliche Funktionsprinzip 88 Die Aushebelung des Parlamentarismus 96 Die Welthandelsordnung als Weltverfassung? 101 Demokratieabbau und Globalisierung -
ein unumkehrbarer Prozess? 113
Die Unvereinbarkeit von Demokratie und »global governance« 120 Zurück zu Metternich? Die Gefahren des Liberalisierungsabsolutismus für die EU 134
4- Kapitel: Minima Politica: Das Verkümmern des Politischen 152
Die proautoritäre Entwicklung 154 Partizipationsstress: Die Ermüdung des Politischen 162 Bürokratisierung: Die Spezialisierung des Politischen 164
Problemflucht: Die neoliberale Ökonomisierung
des Politischen 172 Ersatzhandlungen: Die Individualisierung und
(Schein-)Amerikanisierung des Politischen 177 Inzucht: Die Degenerierung des Politischen 187 Gutes und schlechtes Regieren 193
Exkurs: Leitleerformeln und Gegenwartslegenden: Die Codierung politischen Denkens 202
Die Mitte 205 - Wirtschaftskompetenz 208 - Innovation 211-Protektionismus 213 - Keine Alternative 216 - Sonst niemand da 218 - Erwachsen geworden 220 - Win-win 222
5. Kapitel: Die Politiker-eine Typologie diverser Antriebe 225
Machtspieler 228 - Passionierte 233 - Gesellschaftsarbeiter 235 -
Narzissten 236 - Interessenvertreter 239 Gemischte Motive 241
(Un-)Berechenbarkeiten und Zufälle politischer Karrieren 243
Der einzelne Politiker und die Gruppe 246
6. Kapitel: Maxima Politica: Die Ideale politischen Handelns 253
Idealisten oder Realisten? Idealistische Realisten! 256
Die Befreiung des politischen Denkens 261
Die demokratische Verfassung als politisches
Grundsatzprogramm 270
Politik ist Leben 275
Anmerkungen 280
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