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Die Liebe Roman einer Ehe
Die Liebe
Roman einer Ehe




Fran?ois B?gaudeau

Piper Verlag GmbH
EAN: 9783492073189 (ISBN: 3-492-07318-2)
112 Seiten, Festeinband mit Schutzumschlag, 13 x 21cm, April, 2025

EUR 20,00
alle Angaben ohne Gewähr

Rezension
François Bégaudeaus Roman "Die Liebe, Roman einer Ehe" kreist um das, was man allzu gut zu kennen glaubt: eine langjährige Beziehung, eine Ehe, zwei Menschen, die sich lieben. Der Ich-Erzähler, ein Mann mittleren Alters, blickt auf seine Beziehung zu seiner Frau zurück, nicht in dramatischen Brüchen, sondern in feinen Verschiebungen. Bégaudeau erzählt weniger eine Handlung als einen Prozess: Sein Text lebt von genauer Beobachtung, von inneren Monologen, von dem Versuch, Liebe rational zu durchdringen – und gerade dadurch ihre Brüchigkeit offenzulegen. Es geht um Macht und Abhängigkeit, um Selbstbilder und Projektionen, um das schwierige Gleichgewicht zwischen Nähe und Autonomie.
Für den schulischen Einsatz eignet sich der Roman vor allem in der Oberstufe. Thematisch bietet er vielfältige Anknüpfungspunkte: Partnerschaft, Geschlechterrollen, Kommunikation, Selbst- und Fremdwahrnehmung. Literarisch ist der Text interessant durch seine reflektierende Erzählweise, die Nähe zum Essayistischen und die konsequente Fokussierung auf eine Perspektive, die sich selbst immer wieder infrage stellt – oder eben nicht. Schülerinnen und Schüler können untersuchen, wie subjektiv Wahrnehmung ist, wie Sprache Wirklichkeit konstruiert und wie wenig eindeutig Schuldzuweisungen in Beziehungen funktionieren. Auch im Kontext von Gegenwartsliteratur und autofiktionalen Erzählformen lässt sich der Roman gut verorten.
In der abschließenden Würdigung überzeugt Die Liebe, Roman einer Ehe weniger durch spektakuläre Wendungen als durch seine analytische Schärfe. Bégaudeau schreibt präzise, manchmal schonungslos, gelegentlich provokant. Der Roman fordert Geduld und Bereitschaft zur Selbstbefragung – belohnt diese aber mit einem ungewohnten Blick auf ein scheinbar vertrautes Thema. Gerade in seiner Nüchternheit entfaltet der Text eine nachhaltige Wirkung und bleibt als kluge, unbequeme Studie über Liebe und Zusammenleben im Gedächtnis. Nicht unerwähnt bleiben soll die hervorragende Übersetzungsarbeit von Hinrich Schmidt-Henkel, der hier erneut einen Beweis seiner hohen übersetzerischen Qualitäten geliefert hat.
Verlagsinfo
„Ich wollte die Liebe auf eine Weise erzählen, wie sie den meisten Menschen die meiste Zeit widerfährt: ohne Krise, ohne ein bemerkenswertes Ereignis. Im Laufe des Lebens, der vorbeiziehenden Jahreszeiten. In der Melancholie der Dinge. Diese Liebe ist nirgendwo und überall, sie ist in der Zeit selbst. Die Moreaus werden fünfzig Jahre Seite an Seite leben, einer in Begleitung des anderen. Das ist das richtige Wort: Sie ist seine Gefährtin, er ist ihr Gefährte. Nur der Tod wird sie trennen, und selbst das ist nicht sicher.“ François Bégaudeau